In meiner Hausarbeit werde ich die formale und inhaltliche Sonderstellung von Happening „Fluids“ (1967) im Oeuvre Allan Kaprows untersuchen. Dabei werde ich mich mit den Texten auseinandersetzen, die sich entweder direkt auf die „Fluids“ beziehen oder das Happening als Kunstform behandeln.
Hervorheben möchte ich jedoch zwei Autoren, Philip Ursprung und Jeff Kelley, die in den letzten Jahren mit den Publikationen über Kaprow auf sich aufmerksam gemacht haben. Als besonders aufschlussreich zeigten sich auch Kaprows eigene kunsttheoretische Beiträge, die in verschiedenen Formen (Essay, Interview, Künstlergespräch, Kommentar) seit seinen Anfängen als Aktionskünstler in den späten 1950er Jahren bis zum seinen Tod im Jahr 2006 veröffentlicht worden sind. Das Gespräch Kaprows mit dem deutschen Happennisten und dem Fluxus-Künstler Wolf Vostell aus dem Jahr 1966 sowie das zwei Jahre später geführte Interview mit dem Theaterwissenschaftler und dem Herausgeber der Theaterzeitschrift „The Drama Review“ Richard Schechner sehe ich als besonders wichtig für das Verständnis von Kaprows Werk.
Zunächst möchte ich mit ein paar Worten Kaprows philosophischen Urvater, den US-amerikanischen Philosophen, Pädagogen und Psychologen John Dewey und seine Theorie der Kunst als ästhetische Erfahrung sowie Jackson Pollock, der den Weg Kaprows von Malerei in Richtung Happenings ebnete, vorstellen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Allan Kaprow. Kunst des Alltäglichen
2.1 Allan Kaprow und John Dewey. Kunst als Erfahrung
2.2 Erbe Jackson Pollocks
2.3 Happening als Ritual, Collage, Abstraktion
3. „Fluids“ (1967)
3.1 Beschreibung
3.2 „Fluids“ als soziales Unternehmen und ein Ort der Partizipation
3.2.1 „Fluids“ – ein „Antispektakel“ und Hommage an die alltägliche Arbeit
3.2.2 „Fluids“ als Metapher für Kaprows Kariere und sein Privatleben
3.3 Kritik der zeitgenossischen Architektur und Kunst und darin enthaltene „sanfte“ Kapitalismuskritik von „Fluids“
3.3.1 Parodieren des Bauens und des „American way of life“
4. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die formale und inhaltliche Sonderstellung von Allan Kaprows Happening „Fluids“ (1967) innerhalb seines künstlerischen Gesamtwerks. Ziel ist es, das Happening als ein Prozesskunstwerk zu verstehen, das durch seine ephemere Natur und den sozialen Charakter die Grenze zwischen Kunst und alltäglichem Leben auflöst.
- Die theoretische Verankerung des Happenings im Kontext von John Deweys „Kunst als Erfahrung“.
- Die Einordnung von „Fluids“ in die kunsthistorische Entwicklungslinie ausgehend von Jackson Pollock.
- Die Analyse von „Fluids“ als soziales Unternehmen, das Partizipation und Kommunikation in den Mittelpunkt stellt.
- Die Untersuchung der impliziten Kapitalismuskritik durch die Parodie alltäglicher Arbeitsprozesse.
- Die Rolle der Vergänglichkeit und Unwiederholbarkeit als zentrales Charakteristikum für Kaprows Spätwerk.
Auszug aus dem Buch
3.1 Beschreibung
Das Happening „Fluids“ fand im Stadtraum von Pasadena und Los Angeles vom 10. bis 12. Oktober 1967 statt, an 15 von etwa 20 ursprünglich geplanten Orten (Abb.4,6). Unter anderen handelte es sich um zwei Orte in Pasadena, dann in Los Angeles (Abb.11) neben einem Mc Donalds Restaurant und unter zwei Brücken, neben einem Body Shop und in einem Park in Beverly Hills (Abb.5) etc. „Fluids“ wurde als Teil der Kaprows Retrospektive im Pasadena Art Museum ausgeführt, die sein seit 1953 entstandenen Gemälde, Assemblagen und Collagen, sowie eine Neuauflage von „Yard“ beinhaltet.
Am jeweiligen Ort nahmen Teams von 10-15 jungen Leuten teil. Sie trugen klar geschnittene, quadratische Eisblöcke von Lastwagen und errichteten daraus rechteckige Bauten die etwa 20 m lang, 2,4 m hoch und 3 m breit waren. Als Bindemittel benutzte man Salz.
Kaprow plante „Fluids“ gemeinsam mit den Verantwortlichen des Museums. Die logistischen Probleme wurden gemeinsam gelöst, die Orte der Ausführung ausgesucht, die nötigen Erlaubnisse und Genehmigungen besorgt, die Versicherungen abgeschlossen, die Teilnehmer und Hilfskräfte gesucht und engagiert (Abb.6). Zu den wichtigen logistischen Punkten zählte auch die Sicherung von planmäßigen Lieferungen von Eisblöcken (im 2-3 Stunden Rhythmus) für alle drei Tage. Während die Arbeit die man zu leisten hatte und die Menge der Eisblöcke an jedem der Veranstaltungsorte die gleiche gewesen waren (650 St., 405.000 Pfund, spendiert von einem anonymen Spender, geliefert durch die Union Ice Company), unterschied sich am jeweiligen Ort neben der Größe und der Effektivität jeweiligen Teilnehmergruppe auch die Lufttemperatur und davon direkt abhängiger Zustand des Baumaterials, des Eises. Das Einhalten der Liefertermine spielte genauso eine wichtige Rolle im Bezug auf den Zustand des Eises. Alle diese Faktoren beeinflussten entscheidend den Verlauf des Happenings, so dass die Teilnehmer an unterschiedlichen Orten unterschiedliche Erfahrungen machten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Forschungsgegenstands und der relevanten kunsttheoretischen Bezüge zur Untersuchung von Kaprows „Fluids“.
2. Allan Kaprow. Kunst des Alltäglichen: Erläuterung der theoretischen Grundlagen durch John Dewey sowie der historischen Vorläufer, insbesondere Jackson Pollock.
3. „Fluids“ (1967): Detaillierte Analyse des Happenings, seiner Durchführung, sozialen Bedeutung und der enthaltenen Kritik an zeitgenössischer Architektur und gesellschaftlichen Strukturen.
4. Schlusswort: Zusammenführende Betrachtung der Arbeit als Plädoyer für ein authentisches Leben als Prozess jenseits des illusionistischen Kunstbegriffs.
Schlüsselwörter
Allan Kaprow, Fluids, Happening, Kunst als Erfahrung, Partizipation, Prozesskunst, Ephemerität, John Dewey, Jackson Pollock, soziale Skulptur, Kapitalismuskritik, Authentizität, Alltagsästhetik, Performance, Kunst und Leben.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Happening „Fluids“ von Allan Kaprow aus dem Jahr 1967 und dessen Bedeutung für das Verständnis von Kunst als Teil der alltäglichen Erfahrung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Arbeit behandelt die Verbindung von Kunst und Leben, die Rolle der Partizipation, die Kritik an traditionellen Kunstbegriffen sowie die soziopolitischen Implikationen des Arbeitsprozesses bei Kaprow.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Es wird untersucht, welche formale und inhaltliche Sonderstellung „Fluids“ im Oeuvre Kaprows einnimmt und inwiefern das Werk durch seine Vergänglichkeit eine neue Form der Authentizität generiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine kunsthistorische Analyse, die kunsttheoretische Schriften (wie von John Dewey), Sekundärliteratur über Kaprow und Primärquellen wie Interviews und Aktionsprotokolle einbezieht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung (Dewey/Pollock), die detaillierte Beschreibung und Analyse der Durchführung von „Fluids“ sowie die kritische Reflexion des Werks als Kommentar auf Architektur und Gesellschaft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind unter anderem Happening, Prozesskunst, Partizipation, Alltagsästhetik und die Auflösung der Grenze zwischen Kunst und Leben.
Inwiefern parodiert „Fluids“ den „American way of life“?
Durch die Errichtung nutzloser, bald verfallender Bauten in einer von Effizienz und Eigentumsdenken geprägten Gesellschaft wird das Streben nach Dauerhaftigkeit und Produktivität ironisch hinterfragt.
Warum spielt der soziale Aspekt eine so große Rolle?
Kaprow legte Wert darauf, dass die Teilnehmer nicht als bloße Akteure, sondern als Menschen in einem gemeinsamen, zwecklosen Arbeitsprozess agieren, was Kommunikation und Gemeinschaft in den Mittelpunkt rückt.
Wie bewertet die Autorin die Kritik an Kaprows Werk?
Die Arbeit setzt sich kritisch mit Vorwürfen auseinander, Happenings seien bloße „Pseudo-Wirklichkeiten“ oder „Ästhetisierungen der Realität“, und weist diese im Fall von „Fluids“ zurück, da der reale Arbeitsprozess die Authentizität des Werks garantiere.
- Citation du texte
- Tomo Polic (Auteur), 2011, Allan Kaprows Happening "Fluids" (1967). Formale und inhaltliche Sonderstellung im Oeuvre Allan Kaprows, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/356302