Ut pictura, poesis – oder: Wie Horaz Piso vom Dichten abhalten will

Eine Interpretation der Verse 361-378 aus der Ars Poetica


Quellenexegese, 2016
18 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsangabe

1. Einleitung

2. Einordnung des Textabschnitts in das Gesamtwerk

3. Objektiv-hermeneutische Textinterpretation der Verse 361-378

4. Das Ende der Ars Poetica

5. Zusammenfassung

6. Bibliografie

1. Einleitung

„In diesem Lehrgedicht über die Dichtkunst, das zweifellos selber den Rang eines dichterischen Kunstwerks beansprucht, dürfte es wohl Horaz besonders wichtig gewesen sein zu zeigen, dass ein Kunstwerk mehr ist als das, was jedermann auf Anhieb zu erfassen vermag.“[1] Mit dieser Einschätzung zeigt Bernays eindrücklich, was den Reiz der Ars Poetica des Horaz ausmacht. Er gibt zu erkennen, dass die verlockende Herausforderung in den „versteckten“ Botschaften liegt, die sich erst nach mehrmaliger Lektüre erschließen. Aufgrund der Rätselhaftigkeit und Ambivalenz einiger Textstellen werden sie wie das Gesamtwerk bis heute intensiv analysiert und diskutiert. Ut pictura, poesis ist der Anfang einer der Verse, die die antiken genauso wie die modernen Rezipienten zu ganz unterschiedlichen Interpretationen veranlassen.[2]

Das Ziel dieser Hausarbeit ist es nun die Verse 361 bis 378 zu analysieren und anhand dieser Stelle herauszuarbeiten, wie Horaz Piso vom Dichten abhalten will. Dazu bedarf es allerdings vorher einer allumfassenden Betrachtung des ganzen Werkes und eine Einordnung der zu analysierenden Verse in die Ars Poetica, um widerspruchsfrei argumentieren zu können. Die Verse sollen dann objektiv-hermeneutisch analysiert werden, was sonst eher bei Beobachtungsprotokollen in der Erziehungswissenschaft Anwendung findet. Dieses Verfahren scheint aber auch gerade für die Analyse der oben genannten lateinischen Verse geeignet, da semantische und syntaktische Besonderheiten in dem ausgewählten Textausschnitt für die Feininterpretation umfangreich herausgearbeitet werden. Dazu wird sich ausgiebig angeschaut, inwieweit die spezifische Wortwahl und Ausdrucksweise den Sinn beeinflusst. Hierbei werden besonders Widersprüche und Ambivalenzen beachtet, verschiedene Lesarten gebildet und am Text überprüft. Schließlich kann untersucht werden, inwieweit die aus der Analyse gewonnenen Thesen mit der Fragestellung und den vorherigen Erkenntnissen aus der Betrachtung des Gesamtwerks übereinstimmen.[3] Im Folgenden soll noch das Ende der Ars Poetica beleuchtet werden, um ganzheitlich argumentieren zu können. Am Abschluss der Hausarbeit soll dann eine Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse stehen und die Frage beantwortet werden, inwieweit Horaz ein Werk schreibt, mit dem er Piso vom Dichten abhalten will.

2. Einordnung des Textabschnitts in das Gesamtwerk

Die Verse 361 bis 378 sind im letzten Drittel des 476 Verse tragenden Werkes Ars Poetica zu verorten, das Horaz in Form einer poetischen Epistel über die Ansprüche an ein dichterisches Werk und dessen Künstler geschrieben hat.[4] Hierbei ist eine klare Zweiteilung des Briefes zu erkennen: In den Versen 1 bis 294 wird das Gedicht, in den Versen 295 bis 476 der Dichter thematisiert.[5]

Am Anfang seines Werkes lässt Horaz seine persona ein Bild beschreiben, das aufgrund der Absurdität bei den Betrachtern Unverständnis und Gelächter hervorruft. Der Erzähler spricht daraufhin Pisones an und vergleicht die Reaktion auf das absurde Gemälde mit der Resonanz auf ein konfuses Buch.[6] Welche Pisonen genau gemeint sind und warum sie gerade nach der Kritik an einem Kunstwerk angerufen werden, ist nicht eindeutig zu erschließen. Eine mögliche Deutung wäre, dass einer der Pisonen ein poetisches Werk verfasst hat oder noch schreibt, das ähnlich absurd wie das beschriebene Kunstwerk ist.[7] Aus der Ars Poetica wird weiterhin ersichtlich, dass die genannte Familie der Pisonen von König Numa abstammt.[8] Ferner erfährt man, dass der älteste von mindestens zwei Söhnen eines Calpurnius Piso, der selbst Kritiker ist, dichtet oder dies plant.[9] Aufgrund dieser Textbelege sieht der spätantike Horaz-Kommentator Pomponius Porphyrio den angesprochenen Vater in Lucius Calpurnius Piso.[10] Bernard Frischer identifiziert dagegen Lucius Calpurnius Piso als den erwähnten Poeten und dessen Vater Lucius Calpurnius Piso Caesonius als Kunstkritiker, da dies eher zu den antiken Vitae der möglichen Pisonen passe.[11] Diese singuläre Einschätzung steht einer großen Anzahl an Rezipienten gegenüber, die Gnaeus Calpurnius Piso als denjenigen identifizieren, an den das Gedicht gerichtet ist.[12] Die meisten Rezipienten stimmen aber darin überein, dass der erwähnte Piso dichterische Ambitionen hat, die anscheinend vergeblich sind. Diese kongruente Einschätzung soll unter der Fragestellung dieser Hausarbeit ausreichend sein, da nicht so sehr die angesprochene Person im Fokus steht, sondern die Taktik des Horaz herausgearbeitet werden soll. Die Ansprache an die Pisones nach der Kritik an einem uneinheitlichen Werk ist indes schon ein erster Hinweis darauf, was Horaz mit der Ars Poetica intendieren könnte.

Auf diese Annahme deuten auch die folgenden Verse hin: Die persona gibt einen Ausspruch über künstlerische Freiheit wieder, der daraufhin aber scharf zurückgewiesen wird, da die Einheitlichkeit eines Werkes das Hauptkriterium sei, an dem sich der Dichter messen müsse.[13] Es wird kein Urheber für die Äußerung angegeben, bedenkt man jedoch die Stellung nach der Anrede der Pisonen, könnte durchaus einer von diesen die Meinung der künstlerischen Freiheit vertreten haben.[14] Dies bestätigt auch wieder die Vermutung, dass einer der Pisonen eine allzu absurde Dichtung verfasst hat, die Horaz dem Adressaten plakativ vor Augen führen möchte.[15] Im Folgenden spricht die persona den Vater sowie seine Söhne an, kritisiert danach zu eifrige Dichter und appelliert daran, dass ein Künstler sich seinem Können gemäß erreichbare Ziele setzen müsse.[16] Wiederum werden hier die Pisonen gemeinschaftlich angerufen und daran erinnert, was gute Dichtung ist. Diese Verse sind also als eine Art Appell an die Pisonen zu verstehen, die dichterischen Ambitionen zwecks ihres Erfolges noch einmal zu bedenken.[17]

Im Anschluss an die direkten Ansprachen geht die persona fließend zu neuen Themen über und spricht ein Subjekt überwiegend in der zweiten Person Singular an, ohne es näher zu benennen. Die persona erklärt unterschiedliche Sachverhalte und antwortet auf Fragen eines nicht näher zu identifizierenden Ichs.[18] Es ist nicht eindeutig zu sagen, ob die angesprochene Person einer der Pisonen ist.[19] Es ist aber gut denkbar, dass sowohl das „Du“ als auch der Fragende derjenige Piso ist, der zu dichten versucht, worauf der spätere Anruf im Text hinweist.[20]

In den Versen sind also durchaus gewisse Anhaltspunkte dafür zu finden, dass Horaz mit seinem Werk das dichterische Können eines Piso anzweifelt. Bevor allerdings die Schlüsselstelle dazu analysiert wird, sollen nun die unmittelbar davor stehenden Verse näher betrachtet werden, damit ein sinnhafter Anschluss zu der folgenden Feininterpretation gewährleistet ist.

Nachdem das Werk in den Versen 1 bis 294 werkästhetische Aspekte wie u. a. die Sprache[21], die Handlung[22] und verschiedene Dichtungsgattungen[23] behandelt hat, geht es ab Vers 295 ohne eine scharfe Zäsur und mit bereits vorbereiteter Thematik zur Produktions- und Wirkungsästhetik über.[24] Hierbei erfolgt zunächst ein Verweis auf Demokrit und sein Bild vom wahnsinnigen Dichter, weswegen die hiesigen Poeten verblendet seien und die eigene Körperpflege und das Feilen am Gedicht gering schätzen. Aus diesem Grund möchte ein „Ich“ zeigen, was ein guter Dichter ist und was getan werden muss, um einer zu werden.[25] Das „Ich“ wird in diesem Binnenproömium zumeist so interpretiert, dass das Buch bzw. Horaz der Sprecher ist und damit belehren will.[26] Dabei wird aber nicht beachtet, dass kurz zuvor die Pisonen angesprochen werden.[27] Dies deutet nämlich vielmehr auf einen Appell an die Pisonen hin, sich zu entscheiden, was sie sein wollen, Dichter oder Politiker. Denn die persona zeigt eindrücklich, dass sich Dichtung und politisches Wirken gegenseitig ausschließen.[28] Demzufolge sind die Verse 301 bis 308 als starke Überheblichkeit gegenüber Kritikern mindestens einer der Pisonen zu verstehen, der denkt, dass er ein guter Dichter sein werde, ohne jemals selbst geschrieben zu haben.

Danach folgt dementsprechend die Antwort auf die Selbstüberschätzung: So ist Gelehrtheit und ein guter Charakter vonnöten, um als Dichter erfolgreich Verse zu verfassen. Ferner wird aufgezeigt, dass Römer im Gegensatz zu den Griechen eben kein natürliches Talent haben, sondern alles hart erarbeiten müssen.[29] Hierin ist der didaktisch belehrende Charakter des Werkes wiederum sehr gut sichtbar, um den Leser und insbesondere Piso bzw. die Pisonen insgesamt an poetische Normen zu erinnern.[30] Weiterhin wird auf die Funktionen von Gedichten und kleinere Fehler verwiesen, die bei einem sonst stimmigen Werk verziehen werden können,[31] bevor in die Schlüsselstelle übergeleitet wird. Die Erwähnung der Fehlerlosigkeit bereitet hier schon den folgenden Gedankengang vor: Denn in den Versen 361 bis 407 wird der Frage nachgegangen, inwieweit Perfektion ausschlaggebend für einen Dichter und dessen Erfolg ist.[32]

3. Objektiv-hermeneutische Textinterpretation der Verse 361-378

An dieser Stelle sollen die Verse 361 bis 378 einer sehr genauen Analyse unterzogen werden, wozu diese in Sinnabschnitte unterteilt betrachtet werden. Damit soll die Strategie des Horaz aufgedeckt werden, wie er versucht, Piso vom Dichten abzuhalten.

ut pictura, poesis: erit, quae, si propius stes, te capiat magis, et quaedam, si longius abstes; [33]

Je nach dem, wie man die orthografischen Zeichen setzt, ergeben sich unterschiedliche Textvarianten. Entweder setzt man wie die Textausgabe von Borzsák hinter poesis einen Doppelpunkt, so ergibt sich als Übersetzung: „Wie ein Bild ist die Dichtung.“ Oder man setzt nach erit einen Doppelpunkt, was folgende Übertragung ins Deutsche ergibt: „Wie ein Bild wird/soll die Dichtung sein.“ Die beiden Lesarten unterscheiden sich dahingehend, dass die erste Version eine Tatsache wiedergibt und die zweite Deutung einen befehlenden Charakter hat.[34] Der spätantike Rezipient Porphyrio befürwortet die Variante mit dem Jussiv[35], wohingegen sich die meisten modernen Philologen für die erste Lesart entscheiden.[36] Diese Auffassung wird damit begründet, dass die Sprach- und Bildkunst schon in der Antike wie selbstverständlich eng miteinander verbunden sind, weswegen Horaz an dieser Stelle lediglich diese Tatsache wiedergibt.[37] Schon am Anfang der Ars Poetica steht ein groteskes Bild sinnbildlich für ein schlechtes, uneinheitliches Buch, was die Verbindung beider Künste deutlich aufzeigt.[38] Damit greift die persona hier also auf den Beginn zurück und unterstreicht nochmals die Forderung nach Einheitlichkeit eines Werkes, das fern von Absurditäten sein müsse.[39] Trotz der in der Antike akzeptierten Parallelität zwischen Malerei und Dichtung nimmt Vers 361 einen starken Einschnitt vor, da unmittelbar vorher vom Epos die Rede war und nun abrupt zur Bildkunst übergeleitet wird.[40] Die persona will jedoch nicht nur die Ähnlichkeit beider Künste aufzeigen, sondern reflektiert vielmehr über den Standpunkt des Betrachters bei der Rezeption von Kunst.[41] So ergreift ein Kunstwerk mehr, wenn man näher an ihm steht, ein anderes, wenn man weiter von diesem entfernt ist.[42] In diesen Versen werden zwei verschiedenartige Gemälde gegenübergestellt, die anscheinend aufgrund ihrer Malweise von den Betrachtern unterschiedlich wahrgenommen werden. Es scheint an dieser Stelle so, als ob beide Gemälde ihre Berechtigung haben und grundsätzlich ihre Bewunderer finden.[43] Bei der Beschreibung der beiden Kunstwerke finden sich erstaunliche Parallelen zu den Wandbildern, die insbesondere in Pompeji und Herculaneum gefunden worden sind. Diesen werden mehrere Stilrichtungen zugeschrieben, die sich mit den Jahrhunderten änderten und eigene Merkmale ausbildeten. So umfasst der Erste Stil, der dem hellenistischen Beispiel folgt, einen Zeitraum zwischen dem 2. Jahrhundert und 80 v. Chr. Zu dieser Zeit werden die Wände aus Stuck so gestaltet, dass diese anmuten, als bestünden sie aus Quadermauerwerk. Dagegen entwickelt sich ab 80 v. Chr. bis 20 n. Chr. der Zweite Stil, der auch als Architekturstil bezeichnet wird. Die Wände werden nun so bemalt, dass der gebaute Raum optisch über seine physikalischen Grenzen hinaus erweitert wird. Es erfolgte also ein Übergang von der plastischen Malerei zur perspektivischen.[44] Ab 30 v. Chr. kommen zunehmend manieristische Formen auf, die den Architekturstil immer stärker verfremden. Zunehmend werden auch Fabelwesen und „Phantastereien“, die fern von der Wirklichkeit sind, an die Wände gemalt. Diese neuen Gestaltungselemente münden dann im Dritten Stil, der maßgeblich mit Augustus‘ Bemühungen um eine „moralische Wende“ und dem daraus resultierenden Geschmackswandel in der Bevölkerung seinen Ursprung findet.[45] Die obigen Verse scheinen dahingehend also den „klassischen“Zweiten Stil und den „modernen“Dritten Stil gegenüberzustellen. Die Wandbilder des Dritten Stils entfalten ihre volle Wirkung, wenn sie von weitem betrachtet werden, da sie mit einer Vielzahl von Ziermotiven gestaltet sind, so dass diese erst aus der Ferne voll erfasst werden können.[46] Die Bildnisse aus dem Zweiten Stil können dagegen auch aus der Nähe betrachtet werden, weil die Malerei den Raum schon aus sich heraus optisch erweitert und man dadurch gewissermaßen in die Ferne schauen kann.[47] Wendet man dies auf die Dichtkunst an, so sind Bücher mit stark verfremdeten Themen nur dann effektvoll, wenn man sie von weitem liest, also gewissermaßen überfliegt. Anscheinend wird darauf angespielt, dass bei genauerem Lesen die grotesken Figuren das Buch unlesbar machen. Oder man deutet es gar noch schärfer, dass die Bücher nur ihren Reiz haben, wenn man sich ganz von ihnen trennt.[48] Dahingegen sollte man sich lieber mit den klassischen Werken befassen und diese immer „in der Nähe“ haben. Die Verse beinhalten also entgegen der ersten Annahme sehr wohl eine Wertung. Klassischen Gedichten wird ein „Urvertrauen“ entgegengebracht, „moderner“ manieristischer Poesie wird dagegen sofort misstraut und gewissermaßen verdammt, was schon am Beginn der Ars Poetica deutlich gemacht wird.[49] Auch die folgenden Verse zeigen dies eindrücklich:

haec amat obscurum, volet haec sub luce videri, iudicis argutum quae non formidat acumen; [50]

Wiederum findet sich hier eine Antithese, die beide Arten der Wandmalerei einander gegenüberstellt. Die Besonderheit hierbei ist aber, dass der Vergleich chiastisch im Gegensatz zum vorherigen steht.[51] Denn aus den obigen Betrachtungen wird klar ersichtlich, dass der Dritte Stil „das Obskure liebt“ und die persona in der Ars Poetica diesem negativ gegenüber steht. Der Zweite Stil möchte dagegen unter Licht betrachtet werden und scheut sich nicht vor dem Scharfsinn eines Richters.[52] Der Dritte Stil wird dementsprechend so dargestellt, als ob er grundsätzlich schlecht wäre.[53] Ihm wird sogar unterstellt, dass er sich nicht dem Urteil eines Kunstrichters stellt.[54] Die Parallele zur Dichtkunst lässt sich wieder leicht ziehen: Moderne Gedichte bedienen sich grotesker Fabelwesen, die den Augen fern bleiben, da diese nicht existieren. Das beschriebene Bild am Anfang der Ars Poetica demonstriert dies besonders gut und ist ein Exempel dieser Absurdität.[55] Klassische Gedichte brauchen sich im Gegensatz zu modernen nicht vor Kritikern fürchten, da sie gut durchdacht und realistisch anmuten.[56]

In einem Punkt sollen sich laut der persona beide Arten noch zusätzlich unterscheiden: haec placuit semel, haec deciens repetita placebit. [57]

Erneut kann hier eine Gegenüberstellung gefunden werden, die diesmal offensichtlich parallel zum vorherigen Vers ist.[58] Die Malerei, von der man sich fernhalten sollte, weil sie düstere Motive beinhaltet, gefällt demgemäß nur einmal. Wohingegen ein klassisches Kunstwerk im Architekturstil, das man aus der Nähe anschauen soll, auch nach Beurteilung durch einen Kunstrichter immer wieder Anklang findet.[59] Aus den Versen erkennt man, dass die konservative persona die neu aufgekommene Kunstströmung stark negativ bewertet.[60] Denn diese wird von vornherein abgelehnt und mit jedem Wort schlecht gemacht. Und da ja die Dichtung wie die Malerei ist, diese beiden Künste also gleichgesetzt werden, so ist auch ein Gedicht mit neuen Elementen so schlecht, dass es nur einmal gelesen, dann weggelegt und vergessen wird.[61] Demnach sind die Gegenüberstellungen dazu gedacht, das „gute“ klassische Gedicht gegenüber dem „schlechten“ modernen Gedicht positiv hervorzuheben.[62] Die persona appelliert hier also stark, sich nicht der neuen Strömung hinzugeben, da diese nur für kurze Zeit – semel – Erfolge feiern wird. Dagegen wird klar aufgezeigt, dass die altbewährte Dichtung für immer – repetita – währen wird. Im Folgenden wird nun auch klar, wer sich anscheinend mit der modernen Dichtung befasst und sich von dieser besser fernhalten sollte:

[...]


[1] Bernays 1999, 285.

[2] Ebenso Laird 2007, 138f.

[3] Klafki 2001, 125-148 gibt einen guten Überblick über die Methode des objektiv-hermeneutischen Fallverstehens, die für die Hausarbeit angepasst Anwendung findet.

[4] Vgl. Kytzler 1996, 144.

[5] Vgl. u. a. Laird 2007, 135; Norden 1905, 486.

[6] Hor. Ars 1-9.

[7] Ebenso Brink 1963, 220.

[8] Vgl. Hor. Ars 291f.

[9] Vgl. ders. 366; 385-388.

[10] Vgl. Porph. Hor. c. zu Ars v. 1

[11] Vgl. Frischer 1991, 54-58.

[12] Diese „opinio communis“ vertreten u. a. Brink 1963, 239f. und Geue 2014, 143f.

[13] Hor. Ars 9-23.

[14] Ebenso Lowrie 2014, 125; Geue 2014, 152f. geht sogar davon aus, dass alle Pisonen dieser Meinung sind. Brink 1971, 90 (Anm. 6) gibt indes zu erkennen, dass die Rolle der Pisonen nicht einwandfrei geklärt werden kann.

[15] Die Anmerkung von Laird 2007, 138, dass sich die Ars Poetica mit diesen Versen selbst karikiert, erscheint hierbei nicht schlüssig, da er die Ansprache an die Pisonen in seiner Argumentation vollkommen außer Acht lässt.

[16] Hor. Ars 24-45.

[17] Geue 2014, 154f. unterstellt Horaz, dass er die Pisonen mit diesen Versen gemäß konservativer Kunstregeln erziehen will.

[18] Hor. Ars 45-476.

[19] Vgl. Lowrie 2014, 126.

[20] Vgl. Hor. Ars 366.

[21] Vgl. Hor. Ars 46-72; 108-118.

[22] Vgl. ders. 99-107; 119-127.

[23] Vgl. ders. 73-98; 179-201; 220-294.

[24] Vgl. Fuhrmann 1973, 99-102; ebenso Kytzler 1996, 144f.

[25] Hor. Ars 295-308.

[26] Vgl. u. a. Brink 1971, 328-330; Wili 1948, 325f.

[27] Vgl. Hor. Ars 291f.

[28] Ebenso Geue 2014, 164.

[29] Hor. Ars 309-332.

[30] Ebenso Lowrie 2014, 134.

[31] Hor. Ars 333-360.

[32] Vgl. Norden 1905, 502f.

[33] Hor. Ars 361f.

[34] Vgl. Markiewicz/Gabara 1987, 535.

[35] Vgl. Porph. Hor. c. zu Ars v. 361.

[36] So u. a. Brink 1971, 507; Trimpi 1973, 1; Manieri 1994, 105.

[37] Vgl. Drügh 2003, 929f.

[38] Ebenso Joyce 1992, 221f.

[39] Auch Vitr. 7.5.3 kritisiert allzu absurde Gestalten in der Malerei, was nochmals die enge Verbindung von Dichtung und Bildkunst zeigt.

[40] Trimpi 1973, 1 erkennt zwar richtig, dass in den Versen 347 bis 390 die Literaturkritik thematisiert wird, trotzdem erscheint die Überleitung zur Malerei durchaus überraschend.

[41] Ebenso Drügh 2003, 929.

[42] Vgl. Hor. Ars 361f.

[43] Fuhrmann 1973, 116 geht dagegen davon aus, dass hier zwei Extreme aufgezeigt werden, die beide negativ konnotiert sind.

[44] Vgl. Wick 2014, 71.

[45] Vgl. Zanker 1987, 279-281.

[46] Vgl. Wick 2014, 71f.

[47] Vgl. Wick 2014, 71.

[48] Vgl. Vollmer 1900, 198.43-49.

[49] Ebenso Haight 1952, 161.

[50] Hor. Ars 363f.

[51] Ebenso Brink 1971, 373; Manieri 1994, 106f.

[52] Vgl. Hor. Ars 363f.

[53] Ebenso Kuhlmann 1970, I.A.1.b.α.

[54] Ähnlich Trimpi 1973, 10f.

[55] Ähnlich Haight 1952, 161. Auch Greenberg 1961, 266-267 sieht in dem Anfang ein abschreckendes Beispiel.

[56] Ebenso Manieri 1994, 108.

[57] Hor. Ars 365.

[58] Ebenso Manieri 1994, 108f.

[59] Vgl. Hor. Ars 365.

[60] Zanker 1987, 279 macht deutlich, dass insbesondere die konservative Oberschicht die neuartigen Formen als unmoralisch ablehnt, weil man sich dadurch offenbar sehr schnell vom alten Architekturstil entfernt hat.

[61] Ebenso Manieri 1994, 113f.

[62] Vgl. Trimpi 1978, 30f.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Ut pictura, poesis – oder: Wie Horaz Piso vom Dichten abhalten will
Untertitel
Eine Interpretation der Verse 361-378 aus der Ars Poetica
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für Klassische Philologie)
Veranstaltung
Horaz, De Arte Poetica
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
18
Katalognummer
V356388
ISBN (eBook)
9783668417809
ISBN (Buch)
9783668417816
Dateigröße
512 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Horaz, pictura, poesis, Malerei, Gedicht, Piso, Ars poetica, Poetik, Antike, Dichtung, Bilder, Kunst, Pompeii, Wandbild, Deutung, Dichten
Arbeit zitieren
Marwin-Domingo Gorczak (Autor), 2016, Ut pictura, poesis – oder: Wie Horaz Piso vom Dichten abhalten will, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/356388

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