Eine hohe Lesekompetenz gehört zu den zentralen kognitiven Basisfähigkeiten, die unumgänglich sind, um sich in der Wissensgesellschaft orientieren und etablieren zu können. Die spezifische Förderung von Lesekompetenz bei Kindern mit Migrationshintergrund stellt hier eine ganz besondere Herausforderung für die Lehrkräfte dar. So können Kinder mit Deutsch als Zweitsprache beispielsweise aus bildungsnahen oder bildungsfernen Elternhäusern kommen. Manche Kinder beherrschen ihre Erstsprache perfekt und verfügen über eine klare semantische und syntaktische Grundlage. Andere Kinder wiederum beherrschen weder ihre Erstsprache noch die Zweitsprache Deutsch genügend. Manche Schülerinnen und Schüler sind perfekt integriert in unsere Gesellschaft, andere wiederum sprechen auch mit ihren Freunden nur ihre Muttersprache, was zu keiner ausreichenden Sprachkompetenz führen kann.
Diese große Heterogenität erschwert die Förderarbeit der Lehrkräfte ungemein. In dieser Folgenden Arbeit soll an einem Unterrichtsbeispiel zum Thema Sachtextanalyse, ein möglicher Förderansatz erlautert werden. Die vorangestellte Theoriebetrachtung soll den Rahmen dafür liefern.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Sachtexte
2.1. Anforderungen an den Leser
2.2. Analytischer Umgang mit Sachtexten
2.3. Herausforderungen im DaZ- Unterricht
3. Lesekompetenz
3.1. Definition Lesen
3.2. Funktionen des Lesens
3.3. Begriffsklärung: Lesekompetenz (allgemein)
3.4. Modelle der Lesekompetenz
3.4.1. Lesekompetenzmodell nach PISA
3.4.2. Konzept der Lesesozialisationsforschung
3.4.3. Ein didaktischer Lesekompetenz-Begriff
3.4.4. Das Mehrebenenmodell nach ROSEBROCK/NIX
3.4.4.1. Die Prozessebene
3.4.4.2. Die Subjektebene
3.4.4.3. Die soziale Ebene
4. Lesefördermethoden
4.1. Laut-und Vielleseverfahren
4.2. Lesestrategien
4.3. Leseanimation
5. Lesesozialisation
5.1. Was ist Lesesozialisation?
5.2. Sozialisationsinstanzen
5.2.1. Familie
5.2.2. Schule
5.2.3. Peers
6. Unterrichtspraktischer Teil
6.1. Didaktische Vorüberlegungen – Beschreibung der Klasse
6.2. Äußere Rahmenbedingungen
6.3. Lernvoraussetzungen im Bezug auf das Thema
6.4. Legitimation des Themas
7. Planung, Darstellung und Reflexion der Einzelstunden
7.1 Planung und Darstellung der ersten beiden Unterrichtsstunden
7.2. Teilziele
7.3. Reflexion
7.4. Planung und Durchführung der dritten und vierten Stunde
7.5. Teilziele
7.6. Reflexion
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht Ansätze zur Leseförderung in einer heterogenen Schulklasse mit dem Fokus auf Sachtextanalyse. Ziel ist es, Möglichkeiten aufzuzeigen, wie Schülerinnen und Schüler – insbesondere solche mit Deutsch als Zweitsprache – durch gezielte methodische Unterstützung bei der Texterschließung und Inhaltsangabe gefördert werden können.
- Bedeutung der Lesekompetenz als kognitive Basisfähigkeit.
- Analyse und Didaktik von Sachtexten im Unterricht.
- Modelle zur Erfassung von Leseprozessen und Lesesozialisation.
- Praktische Erprobung von Lesestrategien, insbesondere des Lesetagebuchs.
- Herausforderungen in der Unterrichtsplanung für heterogene Lerngruppen.
Auszug aus dem Buch
2.3. Herausforderungen im DaZ- Unterricht
Schülerinnen und Schüler, die Deutsch als Zweitsprache erlernt haben, benötigen beim Lesen von Sach- und Lehrbuchtexten besondere Unterstützung. Ehlers führt eine Reihe von Besonderheiten des Leseverstehens bei DaZ-Schülerinnen und Schülern auf. Neben der Fremdheit des zweitsprachlichen Schriftsystems im Vergleich zur Erstsprache, spielen die Unterschiede von Erstsprache (L1) und Zweitsprache (L2) ebenso eine Rolle wie die Umstände des Spracherwerbs der L2. Da der Leseerwerb auf mündlichen Fertigkeiten aufbaut, sind bestimmte Kenntnisse in der Zweitsprache, bsp. Kenntnisse über den Wortschatz und die Grammatik, von entscheidendem Einfluss. Ehlers macht darauf aufmerksam, dass unzureichende Sprachkenntnisse die Lesefähigkeit einschränken.
Als zweiter Einflussfaktor nennt Ehlers das Verhältnis von Erst- und Zweitsprache, das in der einschlägigen Bilingualismus- und Zweitsprachenforschung insbesondere an der Lesefähigkeit festgemacht wurde. Kinder und Jugendliche, die bereits in ihrer L1 lesen gelernt haben, können unter bestimmten Bedingungen die zuerst erworbene Lesefähigkeit auf das Lesen in einer zweiten Sprache übertragen. Ein weiterer Einflussfaktor ist die Leseflüssigkeit. Typischerweise liest der zweitsprachige Leser langsamer. Seine Leseflüssigkeit ist gegenüber dem Lesen in L1 verringert und seine Lesezeitspanne ist kürzer. Die Ursache dafür könnte sein, dass DaZ-Schüler über geringere Wortschatzkenntnisse verfügen und Probleme bei der Wort- und Satzerkennung haben. Zusätzlich kommt hinzu, dass sie Schlüsselwörter und -konzepte teils weniger gut erkennen und stärkere Probleme beim Verstehen von Strukturwörtern wie Konjunktionen oder Satzadverbien, Pronominaladverbien und Pronomen haben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Notwendigkeit von Lesekompetenz in der modernen Wissensgesellschaft und skizziert die Problematik der Förderung in heterogenen Klassen.
2. Sachtexte: Dieses Kapitel definiert Sachtexte als pragmatische Texte und diskutiert verschiedene didaktische Ansätze zur Kategorisierung und Analyse für den Unterricht.
3. Lesekompetenz: Es werden der Begriff des Lesens, zentrale Funktionen sowie verschiedene wissenschaftliche Modelle der Lesekompetenz (PISA, Lesesozialisation, Rosebrock/Nix) detailliert erörtert.
4. Lesefördermethoden: Das Kapitel stellt verschiedene didaktische Verfahren wie Lautleseverfahren, Lesestrategien und Leseanimation zur Unterstützung der Lesekompetenz vor.
5. Lesesozialisation: Hier wird der Prozess des Hineinwachsens in die Lese- und Schriftkultur analysiert, wobei die Rollen von Familie, Schule und Peers als Sozialisationsinstanzen beleuchtet werden.
6. Unterrichtspraktischer Teil: Die praktische Umsetzung einer Unterrichtssequenz zur Sachtextanalyse in einer internationalen Realschulklasse wird beschrieben, inklusive Rahmenbedingungen und Lernvoraussetzungen.
7. Planung, Darstellung und Reflexion der Einzelstunden: Dieses Kapitel dokumentiert die konkrete Durchführung, Zielsetzungen und Reflexion der Unterrichtsstunden und evaluiert den Einsatz des Lesetagebuchs.
8. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, diskutiert die Herausforderungen bei der Umsetzung und reflektiert über die Notwendigkeit einer spezifischen Ausbildung für heterogene Lerngruppen.
Schlüsselwörter
Lesekompetenz, Sachtextanalyse, Leseförderung, DaZ-Unterricht, Lesesozialisation, Mehrebenenmodell, Lesestrategien, Lesetagebuch, Inhaltsangabe, Heterogenität, Sprachdidaktik, Leseflüssigkeit, Textverständnis, Unterrichtspraktische Umsetzung, Schriftspracherwerb.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Leseförderung von Schülerinnen und Schülern in heterogenen Klassen, insbesondere mit Fokus auf die Analyse von Sachtexten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen umfassen die theoretischen Grundlagen der Lesekompetenz, Methoden zur Leseförderung, Einblicke in die Lesesozialisation sowie eine praktische Unterrichtsplanung und -reflexion.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, einen Förderansatz für heterogene Lerngruppen im Deutschunterricht zu entwickeln, der Schülern mithilfe von Lesestrategien (wie dem Lesetagebuch) zu einem besseren Verständnis von Sachtexten verhilft.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Auseinandersetzung mit Fachliteratur (Didaktik, PISA, Lesesozialisationsforschung) und kombiniert diese mit einem unterrichtspraktischen Teil, der durch Reflexionsberichte ausgewertet wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden Sachtext-Definitionen, Lesekompetenz-Modelle, Leseförderungstechniken, der Einfluss von Sozialisationsinstanzen und die praktische Durchführung und Reflexion einer Unterrichtseinheit in einer internationalen Schulklasse dargestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Lesekompetenz, DaZ-Unterricht, Sachtextanalyse, Lesesozialisation und Lesetagebuch charakterisiert.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen fachinterner und fachexterner Kommunikation eine Rolle für den Autor?
Der Autor nutzt diese Unterscheidung, um die Eignung verschiedener Sachtext-Kategorisierungen für den schulischen Kontext zu prüfen und kommt zu dem Schluss, dass Baurmanns Einteilung für den Deutschunterricht sinnvoller ist.
Welche Rolle spielt das Lesetagebuch in der praktischen Umsetzung?
Das Lesetagebuch dient als zentrales methodisches Werkzeug, um den Schülern eine strukturierte und kreative Auseinandersetzung mit einem Sachtext zu ermöglichen und sie schrittweise zur selbstständigen Inhaltsangabe zu führen.
Warum wird im Fazit die Bedeutung des DaZ-Lehrplans hervorgehoben?
Die Autorin betont die Bedeutung des speziellen DaZ-Lehrplans, da sie feststellt, dass die spezifischen Herausforderungen heterogener Klassen eine Ausbildung und Methodik erfordern, die über den regulären Lehrplan hinausgehen.
- Citar trabajo
- Anja Harnisch (Autor), 2014, Sachtextanalyse zur Leseförderung in einer heterogenen Klasse, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/356432