Die Methode der Jazz-Improvisation kann Unternehmen helfen, das Change Management zu verbessern. Und neue Lösungen sind an dieser Stelle dringend notwendig, denn Unternehmen und Organisationen, insbesondere im Technologie-Umfeld, sind in der heutigen Zeit immer stärker mit Veränderungsnotwendigkeiten konfrontiert. Diese entstehen von außen sowie aus den Unternehmen selbst heraus. Durch die steigende Vielzahl daraus resultierender Veränderungsprojekte, die größtenteils parallel durchgeführt werden müssen, stoßen die Unternehmen zusehends an die Grenzen der Planbarkeit und Umsetzbarkeit dieser Vorhaben. Die stetige Verringerung der zur Verfügung stehenden Ressourcen und der erhöhte Zeitdruck verschärfen die Situation zusätzlich.
Diese Rahmenbedingungen, als auch eine fehlende Verankerung der grundsätzlichen Veränderungsbereitschaft in den Unternehmenskulturen sind maßgeblich dafür verantwortlich, dass ein Großteil insbesondere der komplexen Veränderungsprozesse scheitert oder zumindest mit einem nicht zufriedenstellenden, wenig nachhaltigen Ergebnis abgeschlossen werden. Demnach müssen Mittel und Wege gefunden werden, um abseits der Planbarkeit, mittels der vorhandenen Ressourcen dennoch markt- und wettbewerbsfähig zu bleiben sowie die Unternehmen auch in der Zukunft wirtschaftlich weiter
betreiben zu können.
Die Methoden des Jazz und der Jazzimprovisation können hierfür Antworten liefern, Kreativität zu fördern, neue Sichtweisen zu ermöglichen, die Wege neben den ausgetretenen Pfaden zu erkennen und bislang ungeahnte Lösungen zu finden. Die Improvisation ist die ideale Methode, wenn dringende Veränderungsnotwendigkeit, Zeitdruck, fehlende Planbarkeit und gleichbleibende oder reduzierte Ressourcen das Handeln bestimmen. Es müssen dafür allerdings in den Unternehmen einige Voraussetzungen
geschaffen werden; sowohl in der Unternehmens- und Führungskultur als auch in den Köpfen aller Mitarbeitenden. Diese Master Thesis versucht, anhand der Jazzimprovisation, Antworten und Lösungen
hierfür zu liefern sowie aufzuzeigen, wie dadurch Chancen für die Unternehmen entstehen können.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Ausgangssituation und Problemstellung
1.2 Forschungsgegenstand, Forschungsfrage und Zielsetzung
1.3 Aufbau der Arbeit
2 Jazz
2.1 Begriffsdefinition: Jazz
2.2 Entstehung und Entwicklung des Jazz
2.3 Organisationsstrukturen und Rollen im Jazz
2.4 Jazz – Sprache und Kommunikation
2.5 Qualitätskriterien und Erfolgsfaktoren des Jazz
2.6 ExpertIn im Jazz
2.7 Jazzpublikum
2.8 Zwischenerkenntnisse zum Jazz
3 Improvisation
3.1 Begriffsdefinition: Improvisation
3.2 Improvisation aus drei verschiedenen Perspektiven
3.2.1 Neurobiologische und psychologische Perspektive
3.2.2 Organisationswissenschaftliche Perspektive
3.2.3 Musikwissenschaftliche Perspektive der Jazzimprovisation
3.3 Strukturen und Prozesse der Jazz-Improvisation
3.4 Jazz-Improvisation als eine Form der Kommunikation
3.5 Zwischenerkenntnisse zur Improvisation
4 Change Management
4.1 Die Entstehung und Entwicklung des Change Managements
4.2 Ursachen und Anlässe für Veränderungs-Vorhaben
4.3 Akteure im Change Management
4.4 Methoden und Prozesse des Change Managements
4.5 Erfolg im Change Management
4.5.1 Ursachen für das Scheitern von Change Vorhaben
4.5.2 Erfolgsfaktoren im Change Management
4.5.3 Kommunikation im Change-Management
4.5.4 Unternehmenskultur als Faktor im Change Management
4.6 Zwischenerkenntnisse zum Change Management
5 Zusammenfassung des Literaturteils
6 Empirischer Untersuchung
6.1 Untersuchungsgegenstand
6.2 Forschungsdesign
6.2.1 Empirische Methode: Leitfadengestützte ExpertInnen-Interviews
6.2.2 Auswahlmethodik für die ExpertInnen
6.2.3 Vorstellung der InterviewpartnerInnen
6.2.4 Art der Durchführung
6.2.5 Aufbau der Gesprächsleitfäden
6.2.6 Erläuterung der Auswertungsmethode
6.3 Ergebnisse der Empirie und Überprüfung der Annahmen
6.3.1 Erfolg und Misserfolg
6.3.2 Bedeutung und Wahrnehmung des Begriffs der Improvisation
6.3.3 Aspekte der Kommunikation
6.3.4 Bedeutung von Kultur und Werten
6.3.5 Organisation, Strukturen, Rollen, Prozesse und Regeln
6.4 Kritische Würdigung der Empirie
6.5 Rückbetrachtung auf Verlauf der Interviews
7 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwieweit Methoden der Jazz-Improvisation auf das Change Management in Technologie-Unternehmen übertragen werden können, um Veränderungsprozesse bei hoher Komplexität und Zeitdruck effizienter zu gestalten.
- Grundlagen von Jazz und Jazz-Improvisation im organisatorischen Kontext.
- Herausforderungen und Erfolgsfaktoren im modernen Change Management.
- Analyse der Übertragbarkeit improvisatorischer Prinzipien auf betriebliche Veränderungsvorhaben.
- Empirische Validierung durch leitfadengestützte Experteninterviews mit Jazzmusikern und Change-Experten.
- Identifikation von Ansatzpunkten für Unternehmenskultur, Kommunikation und Führung.
Auszug aus dem Buch
Die ‚Freie Improvisation‘
Der Free Jazz ist wohl eine der improvisationsreichsten Epochen des Jazz und hat auch noch in der heutigen Zeit seinen Platz und seine KünstlerInnen bzw. beeinflusst nach wie vor das jazzmusikalische Schaffen. Lüscher (2012: 210f) greift seinerseits nochmals durchaus kritisch den Begriff des ‚freien Improvisierens‘ auf. Er versucht den Begriff näher einzugrenzen und sieht und schreibt (vgl. ebenda: 229), dass er die freie Improvisation als Zuwendung zum ‚Hier und Jetzt‘ betrachtet. Es wird dabei weder ein neues Werk geschaffen, noch ein bestehendes Werk interpretiert. „Das Streben gilt dem Erfahren und Erleben von Gegenwart, einer dichten, im Ensemblespiel gemeinsam empfundenen und gestalteten Gegenwart.“ Lüscher (2012: 230). Damit beschreibt er zum einen die ‚Unvollkommenheit‘ des in der Improvisation Geschaffenen, aber darüber hinaus auch die stark vom Miteinander und den gegenseitigen Empfindungen der MusikerInnen getragene Funktion des Zusammenspiels. Lüscher (2012: 230) bezeichnet die freie musikalische Improvisation als „praktisches Tun“, als Interaktion, Nutzung von und Umgang mit musikalischem Material. Lüscher (2012: 231) formulierte einige Hypothesen, von denen drei besonders herausgestellt werden können:
- Die ‚Spontaneität‘. Dabei geht es ihm um gute und vielleicht auch weniger gute Reaktionen einer Musikerin und den ‚Gang des Musizierens fördern oder unterbrechen‘
- Das ‚Urteilen‘. Dies steht im engen Bezug zur einzelnen, handelnden Person, die auf Basis persönlicher Erfahrung und (Selbst-)Reflexion deutlich zum Urteil über die Qualität einer Improvisation beiträgt. Es entsteht dadurch ein Spannungsfeld für ‚persönliche Autonomie‘ und der Möglichkeit der Schaffung einer ‚gruppenspezifischen Identität‘.
- Das ‚Zuhören und Zuschauen‘. Damit gemeint ist das Publikum, das, wie Lüscher (2012: 231) meint, sich für kurz oder länger mit den Musizierenden identifiziert, dabei auch zwischen einzelnen Musizierenden wechselt. Er vermutet, dass dieses Publikum auch eine ‚besondere Sensibilität für Ambivalenzerfahrungen‘ hat, um der freien Improvisation einen Lustgewinn zuzuerkennen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Problemstellung der Arbeit im Kontext von Change-Projekten in Technologie-Unternehmen und führt in die Forschungsfragen sowie den Aufbau der Thesis ein.
2 Jazz: Dieses Kapitel definiert den Begriff Jazz, beschreibt seine historische Entwicklung, Organisationsstrukturen sowie die Bedeutung von Kommunikation und Qualitätskriterien für den Erfolg eines Ensembles.
3 Improvisation: Der Fokus liegt auf der theoretischen Fundierung der Improvisation aus neurobiologischer, organisatorischer und musikwissenschaftlicher Sicht sowie deren Bedeutung als Kommunikationsform.
4 Change Management: Hier werden Entstehung, Methoden, Akteure und Erfolgsfaktoren des Change Managements analysiert, ergänzt durch Ursachen für das Scheitern von Veränderungsvorhaben.
5 Zusammenfassung des Literaturteils: Dieses Kapitel führt die Erkenntnisse aus den vorangegangenen Theoriekapiteln zusammen und leitet daraus konkrete Annahmen für die empirische Untersuchung ab.
6 Empirischer Untersuchung: Das Kernstück der Arbeit beschreibt das Forschungsdesign mittels Experteninterviews, präsentiert die Ergebnisse der qualitativen Inhaltsanalyse und gleicht diese mit den theoretischen Annahmen ab.
7 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, bewertet die Anwendbarkeit der Jazz-Metapher in der Wirtschaft und gibt Anregungen für zukünftige Forschungsfragen.
Schlüsselwörter
Jazz, Improvisation, Change Management, Kommunikation, Unternehmenskultur, Führung, Organisationsentwicklung, Technologiemanagement, ExpertInnen-Interviews, Führungskräfte, Teamarbeit, Veränderungsprozesse, Kompetenzen, Qualität, Strategie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Übertragbarkeit der Methode der Jazz-Improvisation auf das Change Management in Technologie-Unternehmen, um den Herausforderungen hoher Veränderungsnotwendigkeit und Komplexität zu begegnen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Publikation verknüpft die musikwissenschaftlichen und organisatorischen Aspekte des Jazz mit den prozessualen Anforderungen des Change Managements in Unternehmen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, Methoden der Jazz-Improvisation zu identifizieren, die als Referenzmodell dienen können, um Defizite in Veränderungsvorhaben auszugleichen und neue Perspektiven für die Unternehmensführung zu bieten.
Welche wissenschaftliche Methode wird für die Untersuchung verwendet?
Es handelt sich um eine qualitative Studie, die auf einer fundierten Literaturrecherche und der Durchführung von zehn leitfadengestützten Experteninterviews mit Jazzmusikern und Change-Managern basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine umfassende Theoriephase zu Jazz und Improvisation sowie Change Management und eine anschließende empirische Untersuchung, in der die theoretischen Annahmen mit der Praxis abgeglichen werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Schlagworte sind Jazz, Improvisation, Change Management, Unternehmenskultur, Kommunikation, Führung und Organisationsentwicklung.
Warum ist das "Sich-Zurücknehmen" im Jazz für Unternehmen wichtig?
Es verdeutlicht die Notwendigkeit von Teamorientierung und gegenseitigem Respekt, um in dynamischen Situationen Raum für kollektive Kreativität und neue Lösungen zu schaffen.
Inwiefern beeinflusst "Dringlichkeit" die improvisatorische Handlungsweise?
Im Jazz ist Dringlichkeit ein inhärenter Faktor für sekundenschnelle Entscheidungen; im Change Management bietet dieses Konzept eine Vorlage, um Prozesse flexibler und reaktionsschneller zu gestalten.
Was ist die Kernbotschaft bezüglich des Umgangs mit Fehlern?
Die Arbeit betont, dass eine lösungsorientierte Fehlerkultur, wie sie im Jazz zur Bewahrung des Zusammenspiels dient, auch in Unternehmen essenziell für nachhaltiges Lernen ist.
- Arbeit zitieren
- Jochen Gümbel (Autor:in), 2014, Die Nutzung der Methode der Jazzimprovisation im Change Management von Technologie-Unternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/356436