Der Begriff „Inklusion“ ist in den letzten Jahren mehr und mehr in den Medien aufgetaucht und kontrovers diskutiert worden.
Das Ziel dieser Hausarbeit ist es, anhand eines konkreten Falls die Chancen sowie die Probleme eines inklusiven Unterrichtssettings herauszuarbeiten. Hierbei sollen mithilfe der objektiven Hermeneutik der Beispieltext analysiert und die Schlussfolgerungen möglichst nah am Wortlaut gezogen werden. Dieses Verfahren versucht Antworten darauf zu geben, wie gut ein theoretischer Ansatz in einem konkreten Fall – in diesem Beispiel die Inklusion in der Schule – praktisch umgesetzt wurde. Aus der Untersuchung können dann Schlussfolgerungen gezogen werden, die helfen können, ein Bewusstsein für mögliche Probleme aufzubauen und Lösungswege zu finden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Fallanalyse
3. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist die Untersuchung der Chancen und Probleme eines inklusiven Unterrichtssettings anhand einer objektiven hermeneutischen Textanalyse eines konkreten Unterrichtsausschnitts in einer ersten Klasse, um Bewusstsein für Herausforderungen zu schaffen und Lösungswege aufzuzeigen.
- Inklusive Bildung im Kontext der UN-Behindertenrechtskonvention
- Herausforderungen im pädagogischen Alltag der Grundschule
- Rolle der Lehrkraft und ihre Empathiefähigkeit
- Interaktion zwischen Lehrkraft, Schülern und Unterrichtsmaterialien
- Bedeutung von Kooperation und individueller Förderung für Inklusion
Auszug aus dem Buch
Fallanalyse
Im Folgenden wird ein Unterrichtsausschnitt aus einer ersten Klasse betrachtet, die sich in der dritten Schulwoche nach der Einschulung befindet. In dieser Klasse gibt es ein Mädchen, Yelin, mit einer leichten Gehbehinderung.
Zu Unterrichtsbeginn versucht die Lehrerin, ein neues Symbol für ein Mathebuch einzuführen, was die Schüler daraufhin mit noch anderen Arbeitsmaterialien holen müssen. Die Schüler gehen dann im Raum umher und suchen nach dem Buch, was sich aber als schwierig erweist, weil sie offenbar noch keine genaue Vorstellung davon gewonnen haben, wie das gesuchte Buch aussieht. Mit der Arbeitsweise der Schüler scheint die Lehrerin unzufrieden, was sie offen zeigt:
Lehrerin: so es is mir viel zu unruhig es hat längst gegongt kinder.
Die Lehrerin beschwert sich in dieser Situation über die Unruhe, die erst dadurch entsteht, weil sie die Kinder dazu auffordert, ihre Sachen zu holen. Durch den Einsatz der Worte viel zu deutet sie an, dass ein Bisschen Unruhe beim Holen zwar erlaubt, das Maß in dieser Situation aber schon überschritten ist. Die vor den Satz gestellte Partikel so bekräftigt ihre Aussage dahingehend noch einmal. Nach dem ersten Hauptsatz fügt sie einen weiteren hinzu, indem sie den Umstand beschreibt, dass es längst gegongt hätte. Mit diesem Nachsatz gibt sie gewissermaßen eine Begründung, warum Unruhe hier unangebracht ist. Demzufolge ist es den Kindern nicht erlaubt, nach dem „Gong“ Unruhe zu erzeugen. Damit stilisiert sie den Gong als Indikator für die Schüler, wann sie ruhig sein müssen. Die beiden Sätze sind also als Ermahnung der Schüler aufzufassen, was auch das nachgestellte kinder klar zeigt. Die Lehrerin scheint sich hier wenig darauf einlassen zu können, dass die von ihr gestellten Aufgaben zu dieser Situation geführt haben und die Kinder mit diesen überfordert sein könnten. Sie befasst sich hier wenig mit den Einzelinteressen ihrer Schüler und scheint mit der gesamten Klasse unzufrieden, woraufhin die kollektive Ansprache kinder hindeutet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hier wird der theoretische Rahmen der Inklusion nach der UN-Behindertenrechtskonvention umrissen und das Ziel der Arbeit sowie die methodische Herangehensweise der objektiven Hermeneutik dargelegt.
2. Fallanalyse: Dieser Abschnitt untersucht detailliert einen Unterrichtsausschnitt, um die Interaktionen der Lehrerin mit den Schülern sowie deren Umgang mit Schwierigkeiten und Hilfsangeboten aufzuzeigen.
3. Zusammenfassung: Abschließend werden die im Fall identifizierten Chancen und Probleme eines inklusiven Settings reflektiert und Handlungsempfehlungen für Lehrkräfte abgeleitet.
Schlüsselwörter
Inklusion, objektive Hermeneutik, Grundschule, Unterrichtssetting, Lehrer-Schüler-Interaktion, Sonderpädagogik, Diversität, Unterrichtsmethoden, Lernförderung, Partizipation, Schulentwicklung, soziale Inklusion, pädagogische Herausforderungen, Empathie, Differenzierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Herausforderungen bei der praktischen Umsetzung von Inklusion in einem Grundschulunterricht, insbesondere im Hinblick auf Lehrer-Schüler-Interaktionen und den Umgang mit Diversität.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der pädagogischen Gestaltung inklusiver Settings, dem Einfluss der Haltung und Kommunikation einer Lehrkraft auf den Lernerfolg sowie der Bedeutung kooperativer Lernformen.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Es wird untersucht, wie gut der theoretische Inklusionsansatz in einem konkreten, beobachteten Unterrichtsfall praktisch umgesetzt wurde und welche Probleme dabei auftreten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Zur detaillierten Analyse des Unterrichtsgeschehens wird das Verfahren der objektiven Hermeneutik angewandt.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die detaillierte sequenzanalytische Betrachtung einzelner Äußerungen der Lehrkraft gegenüber Schülern in einer Unterrichtssituation zu Beginn des Schuljahres.
Welche Schlagworte charakterisieren das Werk?
Zentrale Begriffe sind Inklusion, objektive Hermeneutik, Lehrer-Schüler-Kommunikation, individuelle Förderung und die Gestaltung von Lernumgebungen.
Warum wird im Fallbeispiel die Schülerin Sonam besonders betrachtet?
Die Autorin wählt Sonam aus, um beispielhaft zu zeigen, wie mangelnde Empathie und eine zu hohe Erwartungshaltung der Lehrkraft zu einer Bloßstellung der Schülerin vor der Klasse führen können.
Welche Rolle spielen die Mitschüler im Fallbeispiel?
Die Arbeit betont, dass kooperative Unterstützung durch Mitschüler ein wesentliches Instrument für gelungene Inklusion wäre, welches die Lehrkraft im vorliegenden Fall jedoch kaum nutzt.
- Quote paper
- Marwin-Domingo Gorczak (Author), 2016, Chancen und Probleme eines inklusiven Unterrichtssettings, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/356484