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Die Etablierung bischöflicher Stadtherrschaft in Gregor von Tours "Zehn Bücher Geschichten"

Titel: Die Etablierung bischöflicher Stadtherrschaft in Gregor von Tours "Zehn Bücher Geschichten"

Hausarbeit , 2014 , 32 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Julia Sonne (Autor:in)

Geschichte Europas - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Gregor von Tours, am 30. November 538 oder 539 geboren und 573 zum Bischof von Tours erhoben, lebte und wirkte bis zu seinem Tod um 594 in einer Zeit strukturellen Umbruchs. Jussen markiert für die Gallia den Zeitraum von 400 bis 600 als Übergang von der römischen hin zur fränkischen Herrschaft, der „letztlich die gesamte kulturelle Semantik neu geordnet hat“. Infolge des Verlusts vom römischen Kaiserhof als Legitimationsrahmen für lokale Herrschaft, so Jussen, gewann die ecclesia als einzig fortbestehender Referenzrahmen für die lokalen Aristokraten zunehmend an Attraktivität. Um 600 übte eben diese Schicht die Lokalherrschaft im Bischofsamt aus. Wenngleich Anton Jussens Argumentation relativiert und in einer „Umstellung der Wertungskategorien“ die Hauptursache für diese Entwicklung sieht , so teilen sie dennoch die Beobachtung, dass in jenem Zeitraum geistliche und weltliche Herrschaft im Bischofsamt vereint wurden. Der für die politisch-soziale Entwicklung der Gallia prägende Wandel der lokalen Herrschaftsform weitete die Funktion der Bischöfe konsequenterweise um weltliche Rechte und Pflichten aus.

Gregors von Tours Zehn Bücher Geschichten empfehlen sich in mehrfacher Hinsicht als Quelle zur Untersuchung der Etablierung bischöflicher Stadtherrschaft. Verfasst in der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts , fällt ihre Entstehungsphase genau in jene Zeit, in der die Entwicklung zur Bischofsherrschaft abgeschlossen wurde. Gregors von Tours Interpretation einer Weltgeschichte berührt ab dem IV. der X Bücher dessen Zeitgeschichte. Er schrieb die Bücher so, dass sie eine „angemessene, pädagogisch didaktische Präsentation historischer Gegenstände“ aus seinem Selbstverständnis als Bischof heraus boten. Dieser Fakt impliziert sowohl Chancen als auch Schwierigkeiten. Chancen, weil der Ansatz, Fragen nach Funktionen und Funktionenwandel im Bischofsamt insbesondere im 6. Jahrhundert mithilfe einer Quelle, die selbst von einem Bischof in dieser Zeit verfasst worden ist, beantworten zu wollen, einleuchtend scheint. Schwierigkeiten, weil Gregors von Tours pädagogische Zielsetzungen besondere Ansprüche an eine Analyse seiner Zehn Bücher Geschichten stellen. So vermittelte Gregor von Tours die von ihm sorgfältig ausgewählten, historischen Gegenstände bevorzugt über eine an Personen orientierte Geschichtsschreibung. Eine Erläuterung von strukturellen Veränderungen im Bischofsamt ist also nicht direkt in seinem Geschichtswerk zu finden [...]

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der wissenschaftliche Diskurs über die Etablierung bischöflicher Stadtherrschaft in der Gallia zwischen 400 und 600

2.1 Die Etablierung bischöflicher Stadtherrschaft infolge von Notwendigkeiten

2.2 Die Etablierung bischöflicher Stadtherrschaft als Ausfüllen eines Machtvakuums in der Gallia

2.2.1 Die Umdeutung des Bischofsamtes durch den senatorischen Adel infolge des Wegfalls des Kaiserhofes

2.2.2 Die Etablierung bischöflicher Stadtherrschaft infolge neuer Wertungskategorien durch die Entfernung zum Kaiserhof

3. Gregor von Tours Historiarum Libri Decem

3.1 Die allgemeinen Anforderungen mittelalterlicher Historiographie an eine Quellenanalyse

3.2 Die Historiarum Libri Decem im Spiegel der Intentionen Gregors von Tours

4. Quellenanalyse der Historiarum Libri Decem

4.1 Die Historiarum Libri Decem über die Etablierung der bischöflichen Stadtherrschaft

4.1.1 Die Historiarum Libri Decem über die Etablierung der bischöflichen Stadtherrschaft infolge von Notwendigkeiten

4.1.2 Die Historiarum Libri Decem über die Etablierung der bischöflichen Stadtherrschaft infolge der Ausübung des Bischofsamtes durch politisch-gesellschaftliche Eliten

4.1.3 Die Historiarum Libri Decem über die Etablierung der bischöflichen Stadtherrschaft infolge von königlicher Delegierung

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht anhand der Historiarum Libri Decem von Gregor von Tours die Etablierung der bischöflichen Stadtherrschaft im Gallien des 5. und 6. Jahrhunderts. Ziel ist es, die bestehenden wissenschaftlichen Erklärungsmodelle – von der Reaktion auf Krisen bis hin zum machtpolitischen Handeln des senatorischen Adels – durch eine tiefgehende Quellenanalyse zu präzisieren und kritisch zu hinterfragen.

  • Forschungsstand zur bischöflichen Stadtherrschaft im frühen Mittelalter
  • Methodische Besonderheiten mittelalterlicher Historiographie
  • Die Rolle des Bischofsamtes für den gallo-römischen Senatorenadel
  • Der Einfluss merowingischer Könige auf Bischofseinsetzungen
  • Das Spannungsfeld zwischen geistlicher Schutzpflicht und weltlicher Machtausübung

Auszug aus dem Buch

4.1.1 Die Historiarum Libri Decem über die Etablierung der bischöflichen Stadtherrschaft infolge von Notwendigkeiten

In Buch II tun sich gleich zwei Bischöfe angesichts der Wanderungsbewegungen der Hunnen hervor. In Tongern ist dies Bischof Aravatius, der zunächst vor Ort und schließlich sogar in Rom vergeblich versucht, durch Gebete den drohenden Einfall der Hunnen zu verhindern. Stattdessen erteilt ihm der heilige Apostel den Rat, Tongern zu verlassen, um seinen nahenden Tod vorzubereiten. Die Stadtbewohner reagieren verzweifelt auf dessen Auszug und rufen aus: „Ach, verlasse uns nicht, heiliger Vater, vergiß uns nicht, guter Hirte.“ In Orléans macht sich dagegen Bischof Anianus verdient. Während die Hunnen unter Attila bereits gegen die Stadtmauern stürmen, wendet sich das Volk hilfesuchend an ihn. Wohlwissend, dass er Heermeister Aetius rechtzeitig ob der Bedrohungen durch die Hunnen in Kenntnis gesetzt hatte, mahnt er die Bürger eindringlich zum Gebet. Im gemeinsamen Kampf mit Franken und Goten zwingt Aetius die Hunnen in die Flucht.

Beide Bischöfe fühlen sich in Anbetracht der Bedrohung durch die Hunnen für den Schutz ihrer Stadt verantwortlich. Im ersten Beispiel erwachsen sowohl die Schutzpflicht als auch die vergeblichen Schutzbemühungen des Bischofs aus dessen Rolle als pater und pastor bonae. In diesem Sinne gehen seine Schutzbemühungen nicht über Gebete hinaus, wenngleich seine Romreise besonders engagiert wirkt. Bei Anianus hingegen fällt auf, dass er nicht nur wie selbstverständlich als alleinige Anlaufstelle des verängstigten Volkes dargestellt wird, sondern neben der Mahnung zum Gebet durch Hinzuziehung Aetius‘ eine militärische Lösung der Situation einleitet. Denn er hatte den Heermeister schon vor den Hilferufen seiner Bürger aufgesucht und in weiser Voraussicht die Weichen zur Abwendung des Hunnenüberfalls gelegt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Vorstellung des Zeitraums sowie der Forschungsfrage zur bischöflichen Herrschaft und Einführung in das Werk von Gregor von Tours als primäre Quelle.

2. Der wissenschaftliche Diskurs über die Etablierung bischöflicher Stadtherrschaft in der Gallia zwischen 400 und 600: Überblick über existierende Erklärungsmodelle, die den Aufstieg der Bischöfe durch Notwendigkeiten (Krisen) oder strukturelle Machtvakuums erklären.

3. Gregor von Tours Historiarum Libri Decem: Untersuchung der Überlieferung, der historiographischen Methodik des Mittelalters und der spezifischen Intentionen des Autors.

4. Quellenanalyse der Historiarum Libri Decem: Detaillierte Prüfung der Erzählungen in den Zehn Büchern auf Hinweise zur tatsächlichen Etablierung bischöflicher Stadtherrschaft unter Berücksichtigung von Notlagen, Adelseliten und königlicher Einflussnahme.

5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der multikausalen Ursachen für die bischöfliche Stadtherrschaft und Einordnung der Ergebnisse in den Forschungsdiskurs.

Schlüsselwörter

Gregor von Tours, Historiarum Libri Decem, Bischofsherrschaft, Stadtherrschaft, Gallien, Frühmittelalter, Merowinger, Senatorenadel, Kirchengeschichte, Historiographie, Politische Macht, Schutzpflicht, Bischofswahl, Episkopat, Nobilitas

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie sich Bischöfe im frühen Mittelalter (400–600 n. Chr.) in Gallien als Stadtherren etablieren konnten und welche Rolle das Geschichtswerk Zehn Bücher Geschichten von Gregor von Tours bei dieser Analyse spielt.

Welche sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung der bischöflichen Schutzfunktion in Krisenzeiten, dem Einfluss des gallo-römischen Adels auf die Besetzung der Bischofsämter sowie der engen, aber komplexen Zusammenarbeit zwischen den Merowingerkönigen und der Kirche.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, anhand Gregors von Tours Historiographie die Theorien zu überprüfen, warum das Bischofsamt zu einer mächtigen politischen Instanz wurde, und zu klären, ob dies auf äußere Notwendigkeiten oder ein gezieltes Machtstreben der Eliten zurückzuführen ist.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es wird eine quellenkritische Analyse der Historiarum Libri Decem durchgeführt. Dabei wird die moderne Sicht auf das frühe Mittelalter mit den spezifischen Erzählmustern und rhetorischen Mitteln Gregors von Tours konfrontiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert, wie Gregor von Tours Krisensituationen (z.B. Hunnensturm), die Herkunft der Bischöfe aus senatorischen Kreisen und die Mitsprache der Könige bei Bischofseinsetzungen darstellt, um Indizien für die Ausbildung bischöflicher Stadtherrschaft zu finden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Bischofsherrschaft, Historiographie, Merowinger, Senatorenadel, politische Macht und die Zehn Bücher Geschichten des Gregor von Tours.

Warum spielt der senatorische Adel eine so wichtige Rolle für das Bischofsamt?

Da nach dem Ende des römischen Kaiserhofs traditionelle Karrieremöglichkeiten für den Senatorenadel wegfielen, wurde das Bischofsamt zum neuen, attraktiven Aktionsfeld, um Macht und Prestige in den Städten zu bewahren.

Welchen Einfluss hatten die Merowingerkönige auf die Etablierung dieser Herrschaft?

Die Könige griffen aktiv in Bischofswahlen ein, um loyal ergebene Personen in strategisch wichtigen Städten zu platzieren. Diese königstreuen Bischöfe entlasteten die Krone von administrativen und militärischen Aufgaben in den Regionen.

Wie bewertet der Autor Gregors von Tours "Objektivität"?

Die Arbeit betont, dass Gregor von Tours kein neutraler Chronist war. Seine Schriften sind von einem bischöflichen Selbstverständnis geprägt und dienen oft dazu, die Machtstellung seiner eigenen sozialen Gruppe zu legitimieren und zu festigen.

Ende der Leseprobe aus 32 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Etablierung bischöflicher Stadtherrschaft in Gregor von Tours "Zehn Bücher Geschichten"
Hochschule
Universität zu Köln  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Aufbauseminar: "Der Bischof im Frühmittelalter"
Note
1,3
Autor
Julia Sonne (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2014
Seiten
32
Katalognummer
V356608
ISBN (eBook)
9783668423756
ISBN (Buch)
9783668423763
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bischöfliche Stadtherrschaft Bischofsherrschaft Gregor von Tours Zehn Bücher Geschichten Bischof im Mittelalter Decem libri historiarum Historiographie Bischof Mittelalter Frühmittelalter Gallia
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Julia Sonne (Autor:in), 2014, Die Etablierung bischöflicher Stadtherrschaft in Gregor von Tours "Zehn Bücher Geschichten", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/356608
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Leseprobe aus  32  Seiten
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