Herdprämie. In 0,15 Sekunden findet www.google.de ca. 90.900 Treffer zu diesem Suchbegriff. Hinter ihm verbirgt sich, wenig schmeichelhaft für die kontrovers diskutierte familienpolitische Maßnahme, das seit August 2013 an jene Eltern gezahlte Betreuungsgeld, die ihre Kinder unter drei Jahren nicht in eine staatlich geförderte Betreuungseinrichtung schicken, sondern diese eigenverantwortlich privat betreuen.
Die vorliegende Arbeit zeichnet zunächst die politische Entstehung des Betreuungsgeldes nach und erläutert im Anschluss, was die familienpolitische Maßnahme leistet, beinhaltet und bezweckt: Wer bekommt sie? Wie hoch ist sie? Welche Ziele verfolgt die Politik damit? Im nächsten Schritt sollen einige der zahlreichen, kontroversen Debatten um das Betreuungsgeld dargelegt und erläutert werden, wobei der Schwerpunkt auf der ökonomischen Perspektive der Diskussion um die umstrittene Transferzahlung liegt. Dabei sollen Fragen wie die folgenden näher beleuchtet werden: Stellt das Betreuungsgeld einen familienpolitischen Rückschritt dar? Wie fördert man die kindliche Entwicklung effektiv? Was wünscht sich die Mehrheit der Eltern in Deutschland in Bezug auf die Betreuungssituation ihrer Kinder tatsächlich? Dazu werden diverse Meinungen erörtert, die sowohl für als auch gegen ein Betreuungsgeld sprechen. Ziel dieser Darlegung ist es, dass sich der Leser eine eigene, fundierte Meinung zum Thema Betreuungsgeld in Deutschland bilden kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Betreuungsgeld als familienpolitische Maßnahme in Deutschland
2.1. Entstehung und Entwicklung
2.2. Definition, Zielgruppe und Ziele des Betreuungsgeldes
3. Das Betreuungsgeld im Diskurs
3.1. Aus familienpolitischer Sicht
3.2. Aus verfassungsrechtlicher Sicht
3.3. Aus entwicklungspsychologischer Sicht
3.4. Aus ökonomischer Sicht
3.4.1. Mikroökonomische Sicht
3.4.2. Makroökonomische Sicht
4. Die Betreuungsgelder in den skandinavischen Ländern im Vergleich mit Deutschland
4.1. Ausgestaltung des Betreuungsgeldes in Norwegen und Schweden
4.2. Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Regelungen im Vergleich mit dem deutschen Betreuungsgeld
5. Inanspruchnahme des Betreuungsgeldes in Deutschland
5.1. Prognose vor der Umsetzung der familienpolitischen Maßnahme
5.2. Entwicklungen seit der Einführung
6. Alternative Auszahlmöglichkeiten für ein Betreuungsgeld
7. Bundesverfassungsgerichts-Urteil vom 21.07.2015
8. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das zwischen 2013 und 2015 in Deutschland praktizierte Betreuungsgeld vor allem aus einer ökonomischen Perspektive, analysiert dessen Auswirkungen auf Familien und Arbeitsmarkt, vergleicht es mit skandinavischen Modellen und beleuchtet das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu dessen Nichtigkeit.
- Politische Genese und Zielsetzung des deutschen Betreuungsgeldes.
- Diskursanalyse aus familienpolitischer, rechtlicher, psychologischer und ökonomischer Sicht.
- Internationaler Vergleich der Inanspruchnahme und Ausgestaltung (Norwegen, Schweden, Deutschland).
- Analyse der Anreizwirkungen auf die Erwerbstätigkeit von Eltern.
- Diskussion alternativer Auszahlungsmodelle wie Gutscheinlösungen.
Auszug aus dem Buch
3.4.1. Mikroökonomische Sicht
In diesem Abschnitt werden die Auswirkungen eines Betreuungsgeldes auf die Familien betrachtet, die durch Nutzung beziehungsweise Nichtnutzung der familienpolitischen Maßnahme entstehen.
Stehen junge Eltern vor der Entscheidung, ihr Kind in eine staatlich geförderte Betreuungseinrichtung zu geben oder, bei monatlichem Bezug des Betreuungsgeldes in Höhe von 150 Euro, die Erziehungsleistung zu Hause zu erbringen, spielen neben oben diskutierten entwicklungspsychologischen Argumenten auch ökonomische Argumente eine gewichtige Rolle. Durch die gegebene Höhe des Betreuungsgeldes kann davon ausgegangen werden, dass dieses nur einen bedingten Ausgleich zum wegfallenden Arbeitslohn des Elternteils darstellt, der auf eine Erwerbstätigkeit verzichtet. Dabei sind nicht nur der unmittelbare negative Lohneffekt, sondern auch die langfristigen Effekte zu berücksichtigen, die durch die Erwerbspausen entstehen. Besonders für eine eigenständige Einkommenserzielung im Alter ist es wichtig, eine kontinuierliche Erwerbsbiografie vorweisen zu können. Unter diesem Aspekt kann für Eltern nur dann von Wahlfreiheit gesprochen werden, würden die negativen Lohneffekte durch den Staat entschädigt. In der Ausgestaltung, in welcher das Betreuungsgeld vom Bundestag verabschiedet wurde, wird nur für diejenige Gruppe der Eltern Wahlfreiheit geschaffen, die erst durch die Zahlung des Betreuungsgeldes in die Lage versetzt werden, auf die zweite Erwerbstätigkeit zu verzichten. Dies trifft dann zu, wenn durch die Zahlung der 150 Euro pro Monat die Aufgabe der Erwerbstätigkeit eines Elternteils ermöglicht wird. Alleine aufgrund der relativ geringen Höhe des Betreuungsgeldes darf davon ausgegangen werden, dass diese Elterngruppe nur sehr klein, wenn überhaupt existent, ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Thema Betreuungsgeld, Darlegung der politischen Relevanz und der zentralen Fragestellung der Arbeit.
2. Das Betreuungsgeld als familienpolitische Maßnahme in Deutschland: Darstellung der Entstehungsgeschichte sowie der Zielgruppen und inhaltlichen Ausgestaltung der Leistung.
3. Das Betreuungsgeld im Diskurs: Umfassende Gegenüberstellung von Pro- und Contra-Argumenten aus verschiedenen wissenschaftlichen Perspektiven mit Fokus auf die Ökonomie.
4. Die Betreuungsgelder in den skandinavischen Ländern im Vergleich mit Deutschland: Analyse der Ansätze in Norwegen und Schweden im Vergleich zum deutschen Modell.
5. Inanspruchnahme des Betreuungsgeldes in Deutschland: Abgleich theoretischer Prognosen mit der tatsächlichen statistischen Nutzung des Betreuungsgeldes.
6. Alternative Auszahlmöglichkeiten für ein Betreuungsgeld: Skizzierung von Reformvorschlägen wie einer Erhöhung des Kindergeldes oder der Einführung von Betreuungsgutscheinen.
7. Bundesverfassungsgerichts-Urteil vom 21.07.2015: Analyse der juristischen Begründung, warum das Gesetz für verfassungswidrig und nichtig erklärt wurde.
8. Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Bewertung der ökonomischen und sozialen Implikationen sowie persönliche Reflexion des Autors.
Schlüsselwörter
Betreuungsgeld, Familienpolitik, Erwerbstätigkeit, Kinderbetreuung, Wahlfreiheit, Kindeswohl, Mikroökonomie, Makroökonomie, Transferleistung, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Anreizstruktur, Bundesverfassungsgericht, skandinavische Länder, Haushaltsproduktion, Erziehungsleistung.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das zentrale Thema der Arbeit?
Die Arbeit untersucht das Betreuungsgeld als familienpolitische Maßnahme in Deutschland, seine ökonomischen Auswirkungen auf Familien und Gesellschaft sowie seine juristische Einordnung.
Welche Perspektiven werden in der Diskussion um das Betreuungsgeld eingenommen?
Es werden familienpolitische, verfassungsrechtliche, entwicklungspsychologische und vor allem ökonomische Sichtweisen gegenübergestellt und analysiert.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Die Arbeit möchte die Auswirkungen des Betreuungsgeldes bewerten und untersuchen, ob die von der Bundesregierung postulierten Ziele tatsächlich durch die Maßnahme erreicht werden konnten.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse herangezogen?
Die Arbeit nutzt Literaturanalysen sowie eine ökonomische Modellbetrachtung (insbesondere auf Basis des Modells von Apolte) und einen Ländervergleich zur Analyse von Anreizstrukturen.
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil analysiert die kontroversen Debatten um das Betreuungsgeld, vergleicht internationale Modelle, prüft Prognosen zur Inanspruchnahme und diskutiert alternative Auszahlungsmodelle.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Betreuungsgeld, Erwerbstätigkeit, ökonomische Analyse, Familienpolitik und das Urteil des Bundesverfassungsgerichts charakterisieren.
Warum wird das norwegische Betreuungsgeldmodell in der Arbeit hervorgehoben?
Norwegen dient als Vergleichsbeispiel für ein Land, das trotz eines starken Doppelversorgermodells eine Form von Betreuungsgeld integriert, was für die Diskussion in Deutschland neue Perspektiven eröffnet.
Zu welcher Schlussfolgerung kommt der Autor bezüglich der ökonomischen Auswirkungen?
Der Autor bewertet das Betreuungsgeld aus ökonomischer Sicht negativ, da es zu negativen Arbeitsanreizen führt und langfristige Einkommensverluste für Betreuungspersonen begünstigen kann.
Wie begründete das Bundesverfassungsgericht die Nichtigkeit des Betreuungsgeldes?
Das Gericht sah die Gesetzgebungskompetenz des Bundes nicht gegeben, da das Gesetz nicht dazu diente, gleiche Lebensverhältnisse bundesweit zu schaffen, wie es Artikel 72 Abs. 2 des Grundgesetzes verlangt.
- Arbeit zitieren
- Tobias Eckert (Autor:in), 2015, Das Betreuungsgeld aus ökonomischer Sicht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/356620