Integration von Flüchtlingsjugendlichen in das deutsche Schulsystem. Ein Praxisprojekt


Projektarbeit, 2016

14 Seiten, Note: 2,1


Leseprobe

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Einleitung
Dieser Bericht über das Praxisprojekt im Rahmen des 20. Moduls des Studiengangs
Kindheitspädagogik B.A mit dem Titel: Integration ins deutsche Schulsystem ist in zwei Teile
gegliedert. Der erste Teil berichtet über das ursprünglich durchgeführte Flüchtlingsprojekt,
welches über einen Zeitraum von Januar bis März 2015 absolviert worden ist. Er beschreibt
den Entstehungsprozess, die damalige allgemeine Zielsetzung, Didaktik und Methodik und
das daraus folgende Resultat. Durch die im späteren Zeitraum erfolgte Reflexion ist ein neues
Konzept entstanden, welches die Zielsetzungen erweitert hat. In Zusammenarbeit mit Frau
Prof. Dr. Barbara Wolf der Mentorin des Projekts setzte ich mich mit der im Zeitraum
entstandenen sogenannten ,,Flüchtlingskrise" auseinander und welche Herausforderungen an
zukünftige pädagogische Fachkräfte dadurch gestellt werden. Das Praxisprojekt soll mehr
Verständnis für die jugendlichen Migranten in Deutschland erzeugen und erläutern was bei
der Zusammenarbeit mit ihnen besonders beachtet werden muss. Die Neukonzipierung soll
als allgemeine Hilfestellung für nachfolgende Integrationsprojekte gedacht sein, um sich dem
Thema besonders schnell annähern zu können. So besteht die Hoffnung, dass durch den
vereinfachten Einstieg ein größeres Interesse an der speziellen Lehre entsteht und die
allgemeinbildenden Schulen bzw. die Lehrer und Schüler entlastet werden können. Im Laufe
der Jahre könnten sich die Lehrberufe durch Fachexperten im Interkulturellen Bereich
durchaus erweitern. Für Kindheitspädagogen steht somit ein neues Berufsfeld offen, da die
Nachfrage
nach
ausgebildeten
Integrationsfachkräften
mit
einem
absolvierten
Pädagogikstudium aktuell in Deutschland sehr hoch ist.
1. Planungsphase
1.1 Migration in Deutschland (Ausgangslage)
Migration ist eigentlich kein neues Thema weltweit. Es gibt diverse historische
Wanderungsprozesse, die in regelmäßigen Zeitabständen in ihren Zahlen und Statistiken
wachsen und ebenfalls wieder sinken. Stets findet im kulturellen und gesellschaftlichen
Bereich eine Veränderung statt beispielsweise durch Globalisierung
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Seit etwa 1950
beschäftigen sich die Staaten Westeuropas mit dem Phänomen des ,,Fremden". (Merz-Benz P.
& Wagner G., 2002). Im Frühjahr 2011 bricht der Bürgerkrieg in Syrien aus. Die Folge ist,
dass Flucht für viele Menschen und Familien eine neue Hoffnung und ein Ausweg aus der
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Globalisierung= weltweite Ausrichtung (vgl. Duden, 2014)

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Situation aufzeigt, um ein sicheres und besseres Leben ohne Angst und Gewalt führen zu
können. Dies bedeutet eine neue Herausforderung für Europa vor allem ab 2015. Genau um
die Zeit herum herrscht eine kontrovers gesellschaftliche Debatte
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über die deutsche
Flüchtlingspolitik. Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigt sich tolerant gegenüber Menschen in
Not und nimmt die meisten Migranten und Flüchtlinge auf. Die Sachlage führt zu einer neuen
Herausforderung in Deutschland. Medien berichten täglich über das aktuelle Thema. Durch
Unstimmigkeiten der Politiker entsteht eine ,,Willkommenspolitik" vs. ,,Flüchtlingskrise".
Dies löst in Bürgerinnen und Bürgern gemischte Emotionen aus. Die einen helfen freiwillig
und entwickeln entsprechende Hilfsorganisationen. Für die anderen stellen die Flüchtlinge nur
Probleme dar, denn die meisten könnten die deutsche Sprache nicht und hätten auch keine
solide Ausbildung nachzuweisen. Durch den eingeführten Mindestlohn wäre eine schnelle
Integration auf dem Arbeitsmarkt schwer umzusetzen. Die größten Leidtragenden sind jedoch
die mitgeflüchteten Kinder und Jugendlichen. Sie verstehen oftmals nicht, was um sie herum
geschieht und haben keine Wahl, ob sie das eigene Land verlassen möchten oder nicht.
1.2 Ideenentstehung des Praxisprojekts
Durch eigene Berührungspunkte erfolgreicher Integration wollte ich ein Integrationsprojekt
für Kinder starten, damit sie die Möglichkeit haben eine neue Kultur auf eine positive Weise
kennenzulernen. Zuerst war die Grundidee Sprachförderung in Kindertagesstätten anzubieten.
Doch durch die Tätigkeit als Nachhilfelehrerin in der Institution Schülerhilfe! kamen
regelmäßige Anfragen von unterschiedlichen Schulen, ob es nicht die Möglichkeit gäbe
jugendliche Migranten etwas intensiver zu betreuen. Die Schulen hätten nicht genügend Zeit
für sie. Ich war verärgert. So wurde mein Interesse geweckt, denn in der Schülerhilfe! arbeiten
zwar viele Studenten mit einem Lehramtsstudium, jedoch hat keiner von ihnen Module zum
Thema Gesellschaft, Interkulturalität oder Sprachförderung abgelegt und hatten somit kein
ausreichendes Wissen zum Thema. So entstand 2015 durch die hohe Nachfrage meine neue
Idee: Integration ins deutsche Schulsystem.
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Debatte= auch Diskussion, Erörterung (vgl. Duden, 2014)

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1.3 Projektdefinition
Hauptsächlich geht es darum durch die aktuelle Flüchtlingssituation den Schulen die Arbeit
etwas zu erleichtern und sie zusätzlich zu unterstützen, damit alle anderen Schüler nicht
vernachlässigt werden. Somit erhoffe ich mir eine gesteigerte Zufriedenheit und den
Fremdenhass gegenüber Migranten zu verringern. Ein gemeinsames Miteinander ist aber nur
möglich, wenn nicht nur Sprachkenntnisse verbessert werden, sondern auch eine schrittweise
Eingliederung in die Schule erfolgt. Hierbei ist es wichtig, dass sich die Schüler gegenseitig
verstehen. In meinem Praxissemester erfuhr ich, dass es viele Sammelaktionen und
Einzelprojekte wie beispielsweise Theaterstücke gibt und somit versucht wird den Schülern
ein besseres Grundverständnis für Migranten und Flüchtlinge aufzubringen. Nun ist es an der
Zeit ein Grundverständnis gegenüber dem deutschen Schulsystem aufzubringen. Dies
beinhaltet vielerlei Unterpunkte. Neben der Sprachförderung gehören auch das Wissen über
die deutschen Sitten und Grundgesetze dazu. Hierfür soll ein geschützter Rahmen stattfinden,
indem man nicht nur ,,Lehrer/in", sondern gleichzeitig Ansprechpartner für aktuelle
schulische und private Probleme ist. Nur so kann auf ein tatsächliches Miteinander in
Deutschland vorbereitet werden. Es soll Empathie erfahren werden und das Gefühl der
Gruppenzugehörigkeit. Allgemein geht es auch um das Zurechtfinden in einer deutschen
Schule und neue Freundschaften zu knüpfen. Außerdem werden Fragen geklärt, wie es nach
der Schule weitergehen soll. Hier veranstalte ich im Rahmen des Kurses gezielte
Bewerbertrainings, denn Schule bedeutet für mich Vorbereitung auf das ,,danach". Mit dem
Projekt möchte ich den Jugendlichen eine Stimme geben, die sie vorher nicht hatten.
1.4 Darstellung der Durchführung
Vor der Durchführung müssen Teilschritte erfolgen. Zuallererst setze ich mich nach
Bekanntgabe der Kursteilnehmer mit den jeweiligen Schulen/Klassenlehrern durch
Emailkontakt in Verbindung, um die wichtigsten Informationen über Sprach- und
Leistungsstand des jeweiligen Kursteilnehmers zu erfahren. Dieser Schritt ist mir besonders
wichtig, denn jeder Kurs kann einen anderen Aufbau beinhalten und muss individuell
angepasst werden. Durch den Prozess kann ich Besonderheiten erfahren, auf die ich mich
bereits vorher einstellen kann. Nachdem ich ungefähr weiß, in welchen Klassenstufen sich die
Flüchtlingsjugendlichen befinden kann ich mir nun erste Gedanken zum Schulmaterial
machen und grobe Stundenverlaufspläne vorbereiten. Diese dienen zur groben Orientierung

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durch die bevorstehenden Arbeitswochen. Da ich den Integrationskurs im Rahmen einer
Kooperation mit der Schülerhilfe! durchführe, führe ich Gespräche mit der Leitung aus X
Frau R.. Didaktik und Methodik und die Lehrräume stehen mir völlig frei, jedoch informiere
ich die Institution selbstverständlich über mein Vorhaben der einzelnen Stunden. Die Leitung
zeigt eine sehr engagierte Haltung zu dem Projekt und steht mir bei Fragen stets zur
Verfügung und die Materialien der Einrichtung darf ich ebenfalls benutzen. Dies erleichtert
mir die Arbeit sehr, da sich sehr viele unterschiedliche Übungsbücher in der Einrichtung
befinden. Noch vor dem Kursbeginn informiere ich mich zusätzlich über die Kultur und
Herkunft der jeweiligen Kursteilnehmer. So hoffe ich ein besseres Verständnis aufbringen zu
können. Weitere Teilschritte erfolgen nach dem Kennenlernen.
1.5 Geplante Evaluation
Die Evaluation über jede durchgeführte Stunde erfolgt in erster Linie durch mündliches
Feedback in einer Reflexions- und Wiederholungsrunde in der letzten Besprechungsphase.
Hier ist vor allem ein Feingefühl gefragt, denn es gibt viele messbare Werte aber auch nicht
messbare Werte wie Stimmung und eine herrschende phänomenologische
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Grundatmosphäre.
Die Besonderheiten dokumentiere ich schriftlich in einer Leistungsübersicht, wo ich mir
zusätzlich Notizen zum Verhalten, der Anwesenheit und den abgearbeiteten Themen mache.
Die schriftliche Dokumentation ist sehr wichtig, denn ich benötige vor allem für das
Jugendamt des Kreises Bergstraße einen Nachweis über den Integrationskurs. Das Verhalten
und die Bereitschaft der Teilnehmer haben Auswirkungen auf den existierenden Asylantrag.
1.6 Rahmenbedingungen und Ressourcen
Das Projekt muss dem zuständigem Jugendamt der Kreis Bergstraße vorgelegt werden, denn
die Finanzierung der Räumlichkeiten in der Einrichtung Schülerhilfe! und die zur Verfügung
gestellten Materialien werden mit den Geldern des Jugendsamts abgedeckt. Für die Tätigkeit
gibt es einen Honorarvertrag, der zwischen der Schülerhilfe! X und mir als Kursleitung
abgeschlossen wird. Das Jugendamt verlangt entsprechende Qualifikationen und deren
Nachweise, dass ein pädagogisches Studium absolviert wird bzw. geworden ist und alle
zusätzlichen Qualifikationen und Zertifikate, die eine Eignung als Kursleitung verdeutlichen.
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Phänomenologisch= auch ,,Lehre von den Wesenserscheinungen der Dinge" (vgl. Duden, 2014)
Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Integration von Flüchtlingsjugendlichen in das deutsche Schulsystem. Ein Praxisprojekt
Hochschule
SRH Hochschule Heidelberg  (Fakultät für Sozial- und Rechtswissenschaft)
Veranstaltung
Praxisprojekt im Bachelorstudiengang
Note
2,1
Autor
Jahr
2016
Seiten
14
Katalognummer
V356653
ISBN (eBook)
9783668428591
ISBN (Buch)
9783668428607
Dateigröße
538 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
integration, flüchtlingsjugendlichen, schulsystem, praxisprojekt
Arbeit zitieren
Nadja Ksiazek (Autor), 2016, Integration von Flüchtlingsjugendlichen in das deutsche Schulsystem. Ein Praxisprojekt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/356653

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