Potential von Activity Trackern für Unternehmen

Inwiefern können Fitnessarmbänder einen Mehrwert für Unternehmen und Mitarbeiter bieten?


Hausarbeit, 2016
22 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitendes

2 Wohlbefinden als Wettbewerbsfaktor: Aktuelle Trends des betrieblichen Gesundheitsmangements
2.1 mHealth
2.2 Activity Tracker

3 Activity Tracker im Unternehmenskontext
3.1 Kurzfristige Gesundheitsmaßnahmen
3.2 Nachhaltigkeit bringt Glück, Gesundheit und Geld
3.3 Mögliche Nachteile und eine kritische Betrachtung von Selbstvermessungs-Tools

4 Abschließendes und Ausblick

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitendes

Das Wachstum des Gesundheitssektors hat durch fortschreitende Digitalisierung und disruptive Innovationen auf Anwender- und Betreiberseite enorm an Fahrt aufgenommen. Allein die millardenschweren Investitionen US-Amerikanischer Techkonzerne wie Apple oder Google in Startups der Branche sind ein auffälliger Indikator für einen aufstrebenden Markt.

Die wissenschaftliche Literatur hat sich ebenfalls längst mit der Thematik auseinandergesetzt und Begriffe wie eHealth oder mHealth definiert. Veränderungen innerhalb länderspezifischer Gesundheitssysteme und etwaige Umstrukturierungen sind primär Gegenstand der Forschung. Außerdem von großer Relevanz: Änderungen der Arzt-Patientenbeziehung und mögliche technologisch bedingte Effizienzsteigerungen in Krankenhäusern. Wie sich der mobile Health Trend auf „gesundheitsfremde“ Branchen auswirken könnte, wurde bislang nur rudimentär erforscht. Dieser Umstand öffnet eine durchaus relevante Forschungslücke im Hinblick auf die Ausarbeitung dieser Hausarbeit.

Im ersten Teil dieser Arbeit werden die theoretischen Grundlagen erläutert. Dazu wird der mobile Gesundheitstrend im Allgemeinen und der Activity Tracker als technische Umsetzung im Besonderen vorgestellt. Der Fokus wird anschließend auf die Nutzungsmöglichkeiten für Unternehmen gelegt. Dass Unternehmen und Mitarbeiter nicht nur kurzfristig, sondern auch langfristig einen Mehrwert durch die Verteilung von Activity Trackern generieren können, wird dabei deutlich. Um abschließend die Forschungsfrage umfassend zu beantworten, soll eine kritische Auseinandersetzung mit der Thematik erfolgen.

Damit verschiedene Perspektiven betrachtet werden können, wurde interdisziplinäre Literatur aus Bereichen der Medienwissenschaften, Gesundheitswissenschaften, Informatik, Betriebswirtschaftslehre und Medizin genutzt.

Kann ein technologisch-ideologisch motivierter Trend wie die Selbstüberwachung von Vitaldaten durch Fitness-Tracker einen Mehrwert für Mitarbeiter und Unternehmen generieren?

2 Wohlbefinden als Wettbewerbsfaktor: Aktuelle Trends des betrieblichen Gesundheitsmangements

Um den Einstieg in die Thematik zu erleichtern, soll zunächst die Entwicklung des neuen digitalen Gesundheitstrendstrends auf theoretischer Ebene und grundlegende Eigenschaften von Activity Trackern erläutert werden.

2.1 mHealth

Der Begriff mHealth (kurz für: mobile health) beschreibt einen aktuellen Trend innerhalb des Gesundheitswesens, der sich im Zuge der Digitalisierung entwickelt hat. Die vermehrte Präsenz mobiler Endgeräte im Alltag erlaubt eine weitreichende Vernetzung im Gesundheitswesen, welche die Sammlung, Übermittlung und Analyse von Gesundheitsdaten in einem deutlich vergrößerten Umfang beinhaltet (Müller, Sander & Harder, 2016).

Das Themengebiet rund um mobile health Applikationen lassen sich dem Überbegriff „E-Health“ unterordnen, welcher allgemein die Nutzung elektronischer Medien in der Gesundheitsbranche beschreibt (Mühlbacher, Wiest & Schumacher, 2001).

Die beiden Begriffe lassen sich deutlich voneinander abgrenzen: Wobei E-Health Anwendung in Diagnose und Therapie findet und die Kommunikation zwischen Gesundheitsdienstleistern erleichert, ist der Bereich m-Health eher konsumentenorientiert, wobei Nutzer hauptsächlich die Vorbeugung von Krankheiten und Lifestyle-Aspekte fokussieren (Endl et al., 2015). Anwender versuchen durch die Nutzung von mHealth Applikationen den eigenen Körper zu vermessen und in erster Linie ihren aktuellen Gesundheitszustand zu beobachten.

In der Literatur finden sich noch wenige Definitionen dieses neuen Feldes der Gesundheitsversorgung. Es wird immer wieder auf die Definition der WHO zurückgegriffen. Sie definiert mobile Health „as medical and public health practice supported by mobile devices, such as mobile phones, patient monitoring devices, personal digital assistants (PDAs), and other wireless devices.” (WHO, 2011, S.6). Mobile Health macht sich diverse technische Kernelemente von mobilen Endgeräten zu Nutze: Triviale Kommunikationstechnologien wie Sprach- und Textnachrichten (SMS), aber auch komplexere Komponenten wie General Packet Radio Service (GPRS), mobile Datenübertragung der dritten und vierten Generation (3G und 4G Systeme), Global Positioning System (GPS) sowie Bluetooth-Technologie (WHO, 2011). Mithilfe von mobilen Endgeräten soll demnach die Gesundheit gefördert werden. Dazu gehören sämtliche mobile Anwendungen wie Smartphone- Applikationen oder auch tragbare Geräte, welche jederzeit ortsunabhängig die Körperfunktionen aufzeichnen: Armbänder, Uhren, Schrittzähler, Brillen, etc. Ein Vorteil der mobilen Geräte ist, dass der einzelne Verbraucher keine hohen Investitionen tätigen muss und wenig Vorkenntnisse braucht, um diese zu nutzen (Endl et al., 2015).

Durch das zunehmende Gesundheitsbewusstsein unserer Gesellschaft konnte sich der mobile Gesundheitstrend entwickeln. Der Mensch ist im gesundheitlichen Kontext nicht mehr nur als Patient, der sich aus kurativen Gründen in die Obhut von Ärzten begibt, zu betrachten. Vielmehr als Mensch, der sich darüber hinaus selbst zusätzlich infomieren möchte und Interesse an der Optimierung seines Gesundheitszustandes zeigt.

Die Nutzung von m-Health ist demnach „nicht auf eine konkrete medizinische Notwendigkeit zurückzuführen, sondern ist vielmehr durch die intrinsische Motivation des einzelnen Benutzers zu erklären“ (Peters & Klenke, 2016, S. 111).

Doch auch für die Entwicklung neuer Gesundheitslösungen könnte mHealth einen ganz neuen Antrieb für die Schaffung moderner medizinischer Präventationsmaßnahmen geben. Die gesammelten Daten und das so aufgezeichnete Verhalten der Verbraucher könnte Aufschluss über den Gesundheitsstand von Individuen geben, durch die Zuhilfenahme von Big Data Technologien kann jedoch auch ein übergreifendes Bild gezeichnet werden. Anhand dieser Daten könnte ein komplett neues Präventationskonzept generiert und die Gesundheitsversorgung für die Bevölkerung optimiert werden.

Auch Mediziner könnten Vorteile aus der neuen Bewegung schöpfen. Messmethoden wie Langzeit EKG´s zur Überprüfung des Blutdrucks könnten bald der Vergangenheit angehören, sofern die Patienten dies zukünftig über moderne Activity Tracker täglich selbst tun (Cardio Secur, 2015). Ärzte könnten sich aus den übersendeten Vitaldaten ein umfassenderes Bild von ihren Patienten machen (Müller, Sander & Harder 2016).

Jedoch liegt die Annahme nahe, dass die digitalisierte Gesundheit vor allem jüngere Nachfrager anspricht. Dahingehend zeigt eine Studie von McKinsey, dass auch 70% der über 50-jährigen in Deutschland m-Health nutzen wollen (Biesdorf & Niedermann, 2014).

2.2 Activity Tracker

Schrittanzahl, Schlafqualität, Kalorienverbrauch, Herzfreqenz - Der Yuppie von heute vermisst seinen Körper auf freiwilliger Basis und möchte stetig und überall über seine aktuellen Vitaldaten informiert sein. Um diese Werte aufzeichnen zu können, bedarf es zunächst eines elektronischen Gerätes. Dadurch funktioniert die Datenaufzeichnung und Auswertung einfach und für jedermann verständlich. Von Vorteil wäre es zudem, wenn das Gerät mobil einsetzbar ist, damit die ortsunabhänige Aufzeichnung dauerhaft möglich ist.

In der Literatur finden sich verschiedene Begriffe, von Activity Tracker über Fitnesstracker, Fitnessarmband bis zum Smart Band. Die Bezeichnungen lassen sich parallel verwenden und definieren im Grunde das gleiche Phänomen: „Fitness trackers are marketed on the basis that automated and manual data tracking, combined with encouragements to maintain or improve personal states of fitness, will empower wearers to adopt positive health habits. “(Hilts, Parsons & Nockel, 2016, S.6).

Sie können den Nutzer über seine individuell zurückgelegten Wege, Herzfrequenz, Schlafqualität und Energieumsatz informieren. So erhält der Anwender ein umfassendes Bild seiner Vitaldaten und kann seine Aktivität und einen eventuellen Ernährungsplan optimal anpassen.

Auch in Deutschland ist die Nachfrage nach neuen Hightech-Armbändern groß, 31% der Bunderbürger nutzen die eben beschriebenen Fitness Tracker (Bitcom, 2016). Doch wie funktioniert das beschriebene Gerät auf technischer Ebene?

Um ein Verständnis für die Funktionsweise zu bekommen, soll die Technik, der sich die Fitness Tracker Hersteller bedienen, in Grundzügen beschrieben werden. Da es sich um eine Arbeit ihm Rahmen der Betriebswirtschaftslehre handelt, soll den technischen Möglichkeiten nicht zu viel Bedeutung beigemessen werden.

Fitnesstracker sammeln verschiedene Spektren von Daten, um oben genannte Messergebnisse zu liefern. Die einfachste Möglichkeit besteht in der Ermittlung der Anzahl der zurückgelegten Fußschritte (Hilts, Parsons & Knockel, 2016). Deshalb arbeiten grundsätzlich alle Activity Tracker mit Bewegungsssensoren. Um alle Bewegungen eines Menschen erfassen zu können, werden zwei Arten von Bewegungssensoren genutzt. Zum einen der Beschleunigungssensor, der die linearen Bewegungen wahrnimmt. Um die Lage genau bestimmen zu können, bedarf es eines zusätzlichen Rotationssensors. Hier kommen sogenannte Gyroskop-Sensoren zum Einsatz. Mit Hilfe der Messwerte beider Sensoren ist es nun möglich die Bewegung des Anwenders zu erfassen (Kuntz, o.J.).

Eine Weiterentwicklung der Geräte hat einen optischen Pulssensor eingebaut. Damit lässt sich eine Veränderung des Blutstromes identifizieren. So gelingt es den Activity Trackern auf die Herzfrequenz zu schließen. Man macht sich hierbei die Eigenschaften des Lichtes zu Nutze: Die Haut unmittelbar unterhalb des Sensors eines Fitnesstrackers wird dabei mit Licht verschiedener Wellenlängen bestrahlt und dessen Reflektion von einer Kamera erfasst, welche sich im Boden des Gehäuses befindet (Schuhmacher, 2016). Durch Anwendung verschiedener komplizierter Algorithmen, die nicht näher betrachtet werden sollen, werden die Messwerte verarbeitet. Als Endergebnis erhält der Nutzer für ihn verwertbare Daten, wie den Kalorienverbrauch etc. (Schuhmacher, 2016).

Viele Hersteller haben soziale Plattformen für den Austausch der Daten etabliert. So wird es neben der reinen Vermessung für den Verbraucher möglich, eigene Daten mit denen anderer zu vergleichen. Durch Like- und Kommentarfunktionen können hierbei Fitness-Wettbewerbe zwischen Anwendern entstehen (Hilts, Parsons & Knockel, 2016).

Mithilfe der Activity Tracker lässt sich ein Datenpaket bilden, das für verschiedene Interessengruppen einen möglichen Mehrwert enthält. Sei es der Konsument, der sich damit die Hoffnung auf gesünderen Lebensstil wünscht oder Konzerne der Gesundheitsbranche, die sich damit neue Forschungsmöglichkeiten erhoffen. Inwiefern es tatsächlich zu Veränderungen führen kann, lässt sich wohl erst zukunftig genauer beurteilen. Fakt ist, der Bedarf wächst kontinuierlich. Weltweit steigt die Nachfrage laut Prognosen jährlich um 21% (Wallenfells, 2015).

3 Activity Tracker im Unternehmenskontext

Im vorigen Abschnitt wurden zunächst die wichtigsten Begrifflichkeiten kontemporärer Errungenschaften des Gesundheitssektors erläutert, um dem Leser den Einstieg in die Thematik zu ermöglichen. Die Frage, inwiefern sich Unternehmen den neuen Trend zu Nutze machen können und mögliche Limitationen sollen im weiteren Verlauf der Arbeit beleuchtet werden.

3.1 Kurzfristige Gesundheitsmaßnahmen

Aus organisationspsychologischer Sicht sind Fehlzeiten in der heutigen Arbeitswelt nicht unbedingt ein weitreichendes Problem für Unternehmen. Eine größere Herausforderung stellt vielmehr das verschwendete Leistungspotential der Belegschaft dar. Aus Angst den eigenen Arbeitsplatz zu verlieren, wird auch bei fehlender Motivation der Arbeitsort aufgesucht, weshalb die Qualität der ausgeübten Tätigkeit nicht gewährleistet sein kann. Sinkende Produktivität kann als eine Folge dieser Verhaltensweise beobachtet werden (Decker & Decker 2011).

An dieser Stelle können disruptive Innovationen wie Gesundheitsapps und technologische Geräte einen neuen Anstoß zur Umstrukurierung von Wertesystemen oder Neuformulierung von Unternehmensphilosophien vollführen. Besonders Activity Tracker im Unternehmenskontext bergen ein mannigfaltiges Potenzial. Aus kurzfristiger Perspektive lässt sich beobachten, dass deren Nutzung die soziale Aktivität, die Bindung zum Unternehmen sowie die Selbstmotivation steigern kann.

Aus der Literatur lässt sich entnehmen, dass Activity Tracker häufig im Zusammenhang mit Incentives eingesetzt werden. Lucht stellte fest, dass Konteste die Bereitschaft zur Teilnahme an betrieblichen Fitnessprogrammen um 80% erhöhen (Lucht & Kramer, 2015). Teilnehmer berichten über den spielerischen Charakter den Incentives mit sich bringen und den damit verbundenen Spaß bei der Nutzung (Karapanos et al., 2016).

Die Verantwortlichen machen sich hier den Gamification-Ansatz zu Nutze: Der Ehrgeiz der Mitarbeiter wird hierbei spielerisch gefordert und so gleichsam die Motivation gefördert. Das Verteilen von Schrittzählern und der daraus entsstehende Wettbewerb über die täglich zurückgelegten Schritte können visualisiert werden, um die Mitarbeiter über ihren aktuellen Rang im Wettbewerb zu informieren und diese

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Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Potential von Activity Trackern für Unternehmen
Untertitel
Inwiefern können Fitnessarmbänder einen Mehrwert für Unternehmen und Mitarbeiter bieten?
Hochschule
Hochschule Bochum
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
22
Katalognummer
V356712
ISBN (eBook)
9783668426849
ISBN (Buch)
9783668426856
Dateigröße
429 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gesundheitsmanagement, mHealth, Activity Tracker, Gesundheitsbewusstsein, Personal, betriebliches Gesundheitsmanagement
Arbeit zitieren
Charleen Ewald (Autor), 2016, Potential von Activity Trackern für Unternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/356712

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