Bedeutung und Ausgestaltung des Mezzanine-Kapitals bei mittelständischer Unternehmensfinanzierung


Hausarbeit, 2017

29 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Ausgangssituation und Problemstellung
1.2. Zielsetzung und Vorgehensweise

2. Mittelständische Unternehmen
2.1. Definition
2.2. Merkmale mittelständischer Unternehmen

3. Mezzanine-Kapital
3.1. Formen der Finanzierung
3.2. Definition von Mezzanine-Kapital
3.3. Prozess einer Mezzanine-Kapitalfinanzierung
3.4. typische Merkmale von Mezzanine-Kapital
3.5. Darstellung der bekanntesten Mezzanine-Finanzierungsinstrumente
3.5.1. Nachrangdarlehen
3.5.2. typisch stille Beteiligung
3.5.3. Genussrechte
3.6. Gründe für die Wahl von Mezzanine-Kapital

4. Fazit
4.1. Fortschritt von Mezzanine bis
4.2. Fortschritt von Mezzanine seit
4.3. Fazit und Ausblick

Quellenverzeichnis

Anhang

Abkürzungssverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Einordnung der KMU im Vergleich Deutschland zur EU

Abbildung 2: Matrix zur Einordnung der Finanzierungsformen

Abbildung 3: Ablauf einer Mezzanine-Finanzierung

Abbildung 4: Graphische Darstellung zur Einbindung von Mezzanine-Kapital zwischen Fremd - und Eigenkapital

1. Einleitung

1.1 Ausgangssituation und Problemstellung

In Deutschland existieren rund 3,7 Mio. Unternehmen, welche jährlich einen Umsatz von ca. 500 Mio. Euro erwirtschaften.1 Diese enorme Leistung erbringt eine besondere Unternehmensgruppe: mittelständische Unternehmen. Der deutsche Mittelstand ist das Herz der deutschen Wirtschaft oder anders gesagt: 99,95 Prozent aller deutschen Betriebe werden dem Mittelstand zugeordnet und beschäftigen rund 68 Prozent aller Erwerbstätigen.2

Um den Mittelstand erhalten zu können, werden finanzielle Mittel benötigt. Mit einem hohen Investitionsvolumen fördern mittelständische Unternehmen die Zukunft junger Menschen und kleiner Regionen. Um sich als Unternehmen refinanzieren zu können, benötigen Mittelstandsunternehmen häufig Finanzierungshilfen durch Banken. Gegenüber Großunternehmen wie Konzernen, werden mittelständische Unternehmen im Hinblick auf die Finanzierung jedoch benachteiligt. Mittelstandsunternehmen haben seltener Zugang zum Kapitalmarkt und zeigen klassischerweise eine geringere EK-Quote auf.3

Die typischen Rechtsformen, in denen kleine und mittlere Unternehmen in Deutschland üblicherweise agieren, vornehmlich die Gesellschaften mit be- schränkter Haftung und Personengesellschaften, erschweren zusätzlich deren Zugang zum Kapitalmarkt.4 Insbesondere durch die typischerweise eher gerin- gere Unternehmensgröße bzw. der geringeren Finanzierungsvolumina haben Mittelstandsunternehmen zusätzlich einen eingeschränkten Zugang zum Kapi- talmarkt. Weiterhin beruhen Unternehmen des Mittelstandes oft auf familienge- führten Strukturen, welche eine enge Verbindung zwischen Eigentümer und Mitarbeiter bietet. Mit der Aufnahme von weiteren Gesellschaftern besteht die Möglichkeit Finanzierungsschwierigkeiten zu lösen, jedoch nur unter der Prä- misse das bisherige Stimmverhältnis und die Eigentümerstruktur zu verändern.

Eine geringe EK-Quote sowie die strengen Regularien des Ausschusses der Bankenaufsicht (Basel II) erschweren weiterhin die Fremdfinanzierung im Mit- telstand. Durch Basel II wurden intensivere Prüfungen zur Vergabe von Kredi- ten auferlegt, in denen insbesondere eine höhere Bonität sowie ein geringeres Risiko bei den mittelständischen Unternehmen vorgezeigt werden müssen. Aufgrund dieser Problematik haben sich alternative Finanzierungsmöglichkeiten herausbildet wie bspw. Leasing, Beteiligungsfinanzierungen und Mezzanine- Kapital.

1.2 Zielsetzung und Vorgehensweise

Ziel dieser wissenschaftlichen Arbeit wird es sein, Finanzierungsformen für mit- telständische Unternehmen aufzuzeigen. In diesem Sinne wird eine besondere Form der Fremdfinanzierung dargestellt: Finanzierungen mit Mezzanine-Kapital. Die Bedeutung von MK für mittelständische Unternehmen stellt sich mehr denn je als eine spezielle Form der Finanzierungsmöglichkeit vor, welche viele Mög- lichkeiten für die Unternehmen bietet. Anhand dieser Informationen kann ein Unternehmen kritisch beurteilen, wann sich eine Finanzierung mit MK als loh- nenswert erachtet.

Im ersten Kapitel steht zunächst die Erläuterung und Eingruppierung mittelständischer Unternehmen an. Zunächst wird aus diesem Grunde die Begrifflichkeit Unternehmen des Mittelstandes bzw. mittelständische Unternehmen definiert. Neben weiteren Synonymen versucht diese Arbeit eine deutliche Abgrenzung darzustellen. Das nächste Unterkapitel widmet sich der Einordnung mittelständischer Unternehmen. Anhand wesentlicher Merkmale, die sowohl grafisch als auch in Textform veranschaulicht werden, lassen sich mittelständische Unternehmen von Großunternehmen unterscheiden.

Im nächsten Kapitel wird am Anfang eine übersichtliche Darstellung von Fremd- finanzierungsmitteln aufgezeigt. Anschließend befasst sich das Unterkapitel 3.2 mit der Definition der Fremdfinanzierungsform MK. In diesem Kontext stellt sich ebenfalls eine klare Abgrenzung der Begrifflichkeit dar. Nach der Begriffserläu- terung werden typische Merkmale der Finanzierungsform Mezzanine im Kapitel 3.3 dargestellt. Das darauffolgende Kapitel 3.4 beschäftigt sich mit den Vor- und Nachteilen dieser Finanzierungsart. Anhand dieser Vor- und Nachteile können bereits erste Schlüsse für eine Veranschaulichung zum Anwendungsgebiet von MK aufgezeigt werden. Zu guter Letzt wird in Kapitel 3.5 die Darstellung der gängigsten Mezzaninen-Finanzierungsinstrumente charakterisiert.

Im vierten und vorletzten Kapitel erfolgt eine kritische Beurteilung von MK für mittelständische Unternehmen. Durch eine Analyse der Merkmale sowie Vor- und Nachteile soll ermittelt werden, welche Auswirkungen diese Finanzierungs- form für die mittelständischen Unternehmen besitzt. Möglicherweise lassen sich Bonität als auch das Rating verbessern ohne Veränderungen des Stimmver- hältnisses herbeizuführen. Anhand der zuvor angeführten Kriterien kann die Unternehmensführung mittelständischer Unternehmen Rückschlüsse ziehen, ob sich dieses Konzept für das Unternehmen als erstrebenswert herausstellt.

In einem kurzen Rückblick wird zum Schluss in Kapitel 5 auf die Entwicklung von MK eingegangen. In diesem Zuge beschäftigt sich diese Arbeit ebenfalls mit der aktuellen Situation von MK, um hieraus einen Ausblick für die Zukunft zu prognostizieren.

2. Mittelständische Unternehmen

2.1 Definition

Die Wissenschaft versteht unter dem Begriff mittelständische Unternehmen kleinste bis mittelgroße Firmen. Synonyme für mittelständische Unternehmen sind der Mittelstand oder der klein - und mittelständische Unternehmen, die sogenannten KMU. Auch die englischen Begrifflichkeiten von Small and Medi- umsized Enterprises (SME) haben bereits Einklang in die deutschsprachige Wirtschaft gefunden.5 Ebenfalls klassische Begrifflichkeiten für mittelständische Unternehmen werden mit den Synonymen wie Familienunternehmen, Eigentü- merunternehmen bzw. eigentümergeführte oder familiengeführte Unternehmen gleichgesetzt.6

„Der deutsche Begriff „Mittelstand“ beschreibt die Gruppe derjenigen kleinen und mittleren Unternehmen, die nicht nur bestimmte ökonomische quantitative Kriterien erfüllen, sondern sich auch durch qualitative Merkmale auszeichnen.“7

Eine explizite Definition, die allgemeingültig für den Begriff der kleinen und mit- telständischen Unternehmen steht, wurde dennoch bisher nicht hervorgebracht. Somit kommen unterschiedliche Definitionen der mittelständischen Unterneh- men zustande. Die Abweichung zeigt sich nachfolgend bereits zwischen Deutschland und der europäischen Union, die aufgrund des gemeinsamen Ver- ständnisses im Kern eng miteinander verbunden sind und dennoch Unterschie- de aufweisen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Einordnung der KMU im Vergleich Deutschland zur EU (eigene Darstellung)

Mit der Definition zum 1. Januar 2005 wurde der Begriff der KMU neu präzi- siert.8 Neben den kleinen und mittelständischen Unternehmen entstand eine neue Kategorie „Kleinstunternehmen“.9 Mit der Neupräzisierung der zum 1. Ja- nuar 2005 in Kraft getretenen Regelung leiteten sich neue Abstufungen für die KMU ab. Neben der Neueinführung der Kategorie Kleinstunternehmen hat sich die Europäische Union zu einer detaillierten Definition der KMU entschlossen. Jedes kleine und mittelständische Unternehmen hat daher das Attribut der Ei- genständigkeit zu erfüllen.10 Über dies hinaus hat die Europäische Union auch die Relation zur Einbindung weiterer Unternehmen und Investoren festgelegt, um Regelwidrigkeiten zu erschweren bzw. unmöglich zu machen.11

Aus der vorangegangenen Grafik ist deutlich zu erkennen, dass ohne eine ein- deutige Definition verschiedene Auffassungen bestehen. Aus diesem Grund lassen sich mittelständische Unternehmen nicht nur anhand quantitativer Krite- rien beurteilen. Vielmehr sind weitere Kennzeichen nötig, um Unternehmen deutlich voneinander abgrenzen und einordnen zu können. Dennoch haben die quantitativen Kriterien einen stärkeren Einfluss auf die Definitionen von KMU.12

2.2 Merkmale mittelständischer Unternehmen

Mittelständische Unternehmen können anhand verschiedener Merkmale fest- gehalten werden. Diese Merkmale teilen sich in zwei Kategorien auf: quantitati- ve und qualitative Merkmale. Die quantitativen Merkmale umfassen alle mess- baren Größen wie beispielsweise Mitarbeiterzahl, Bilanzsumme und Umsatz. Der Vorteil quantitativer Kriterien liegt vor allem in der leichten Messbarkeit und Eindeutigkeit, ausgedrückt durch allgemeingültige Messverfahren und verständ- liche Werte. Mit dieser Darstellung können mehrere Unternehmen einfach und schnell erfasst sowie leicht miteinander verglichen werden. Trotz eindeutiger Werte kann nicht zwingend eine Eingruppierung vorgenommen werden. Bei der Analyse der Mitarbeiterzahl oder des Umsatzes müssen weitere Faktoren be- züglich des Grundes herangezogen werden (z. B. arbeits- oder kapitalintensi- ves Unternehmen bzw. Vorleistungen beim Großhandel im Vergleich zum pro- duzierenden Gewerbe).13

Qualitative Merkmale sind wesentlich weitläufiger und vielseitiger. Für die quali- tativen Attribute bestehen kaum Möglichkeiten der Messbarkeit. Qualitative Kennzeichen lassen sich an ökonomischen, gesellschaftlichen und psychologi- schen Aspekten festmachen.14 In diesem Sinne wurden mehrere unterschiedli- che Merkmalskataloge erstellt, die durch die Betrachtung unterschiedlicher Funktionsbereiche die Möglichkeit bieten, KMU im Gegensatz zu Großunter- nehmen genauer einzuordnen. Der im Anhang aufgeführte Merkmalskatalog kann unterstützend zur Einordnung genutzt werden. Zu beachten gilt, dass nicht alle Aspekte erfüllt werden müssen, sondern eine große Vielzahl der angespro- chenen Kriterien positiv bestätigt werden.

Trotz der Merkmalskataloge kann auch bei den qualitativen Merkmalen kein eindeutiger Schluss gezogen werden. Mit empirischen Untersuchungen und plausiblen Begründungen erfolgte dennoch die tabellenartige Aufstellung zur Einteilung der KMU nach qualitativen Merkmalen.15 Wichtig ist zunächst, dass mehrere Faktoren der oben angeführten Merkmale einer Klassifizierung nach KMU oder Großunternehmen erfüllt werden, um das Unternehmen in ein Ge- samtbild einzuordnen.16 Eine geringe Anzahl erfüllter Merkmale reicht demnach nicht aus, um das Gesamtbild des Unternehmens darzustellen. In Ausnahmefäl- len besteht dennoch die Möglichkeit, dass Merkmale von KMU auf Großunter- nehmen als auch umgekehrt zutreffen können.17 Durch die Verbindung von quantitativen und qualitativen Merkmalen entsteht eine annähernd sichere Zu- ordnung der Unternehmen.

Zusätzlich existiert in der Literatur eine weitere Unterscheidung nach der Bran- che: z. B. Handel und Fertigung.18 Diese Einteilung ist sowohl in der Anzahl der Beschäftigten als auch im Jahresumsatz abweichend von den europäischen bzw. länderspezifischen Definitionen. Über dies hinaus teilt die Literatur die Einordnung der KMU nach weiteren Branchen ein wie z. B. Industrie, Hand- werk, Großhandel, Einzelhandel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung sowie Dienstleistungen und freie Berufe.19 Diese Zuordnung ist vor allem in Österreich immer noch bewährt. Mit dem NACE-Code (Nomenclature générale des Activi- tés économiques dans les Communautés Européennes), der durch die europäi- sche Union erstellt wurde, findet eine offizielle Unterteilung der KMU in 99 ver- schiedene Wirtschaftszweige statt. Um der Inhomogenität entgegenzuwirken, ist die Einbeziehung der qualitativen Merkmale hinsichtlich Führung, Organisa- tion und Struktur notwendig wie aus der Tabelle im Anhang ersichtlich wird.

Aufgrund der vielen unterschiedlichen Merkmalskataloge und deren diversen Definitionen, kommt kein widerspruchsfreier und einheitlicher Merkmalskatalog zustande. Um dennoch eine Einordnung vorzunehmen, empfiehlt sich eine ge- naue Prüfung anhand der oben angeführten quantitativen und qualitativen Merkmale.

3. Mezzanine-Kapital

3.1 Formen der Finanzierung

Um die Einordnung von MK vornehmen zu können, ist eine vorrangige Erläute- rung zum Aufbau von Finanzierungen vorzunehmen. Bei den Formen der Fi- nanzierungen wird zwischen vier verschiedenen Kategorien unterschieden. Der erste Part lässt sich in die Außen- und Innenfinanzierung diversifizieren. Mit dieser Finanzierungsform wird dem Unternehmen Kapital von außen zugefügt. Das heißt, dass das Unternehmen kein Kapital aus dem Erlös von Gütern oder Leistungen erhält. Im Gegensatz zur Außenfinanzierung wird bei der Innenfi- nanzierung Kapital innerhalb des Unternehmens erwirtschaftet. Dies geschieht in der Regel durch Gewinne aus Erlösen oder durch das Umschichten von Vermögen. Eine weitere Stufe stellt die Fremd- bzw. Eigenfinanzierung dar. Bei der Fremdfinanzierung erhält das Unternehmen durch Dritte finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt. Als Dritte kommen sowohl Kreditinstitute als auch Pri- vatpersonen in Betracht. Die Fremdfinanzierung wird in die Kategorien kurzfris- tig, mittelfristig und langfristig unterschieden. Mit der Fremdfinanzierung besteht die Möglichkeit Unternehmensanteile und somit Stimmrecht an dem Unterneh- men zu erhalten. Bei der Eigenfinanzierung wird Kapital durch Gewinnthesau- rierung, das heißt durch Einbehalten von Gewinnen aus dem Verkauf von Gü- tern oder Leistungen, erzielt oder durch die Bildung von Kapital z. B. durch die Bildung von Rückstellungen, Rationalisierungsmaßnahmen, Desinvestionen und Sale-and-Lease-Back-Verfahren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Matrix zur Einordnung der Finanzierungsformen (eigene Darstellung)

3.2 Definition von Mezzanine-Kapital

Der Begriff Mezzanine stammt aus dem italienischen und bedeutet in diesem Sinne Zwischengeschoss.20 Der Ursprung dieses Begriffes findet sich im Be- reich der Architektur wieder. Mit dieser bildlichen Darstellung des Begriffes be- steht die direkte Verbindung zur Betriebswirtschaftslehre, speziell im Banken- wesen. MK wird in der Literatur auch oft als Hybridkapital bezeichnet.21 Diese Form der Finanzierung vereint sowohl Eigenschaften der Kategorien des EK als auch des FK.

Trotz der eindeutigen Übersetzung und Einordnung verfügt die Literatur über keine weiteren Details zu der Begrifflichkeit MK.22 Auch das Gesetz gibt keine weiteren gesetzlichen Vorschriften zu dieser Finanzierungsart. Mit dieser gro- ßen Flexibilität stiftet der Begriff daher nicht selten Verwirrung oder lässt tiefer- gehende Fragen offen.

Dennoch besteht die Möglichkeit den Begriff durch die rechtliche Stellung des Kapitalgebers genauer zu definieren. In der Eingruppierung der EK- Finanzierung arbeitet dieses Finanzierungsinstrument mit dem voll haftenden EK und wird bei der Fremdfinanzierung nachrangig bedient, d. h. die Rückzah- lung erfolgt vor allen anderen Finanzierungen der Kapitalgeber.23 Zu dem voll haftenden EK gehören auch stimmberechtigte Eigenschaften. Diese Arbeit be- handelt MK jedoch als überstehenden Begriff für alle Formen und deren Ausge- staltungsmöglichkeiten. MK kann aus diesem Grunde verschiedene Formen annehmen und bietet unterschiedliche Einsatzvarianten. Gleichwohl lässt sich MK anhand verschiedener Strukturen wie z. B. Nachrangigkeit, zeitlicher Rah- men der Kapitalüberlassung, Erfolgsabhängigkeit der Vergütung, Verlustteil- nahme, Ausgestaltung möglicher Mitbestimmungs- und Kündigungsrechte so- wie der Kategorisierung fremdkapitalnah (debt mezzanine) oder eigenkapital- nah (equity mezzanine) einordnen.24

3.3 Prozess einer Mezzanine-Kapitalfinanzierung

Die Finanzierungsform von Mezzanine ist eine Sonderform der „Private Equity Beteiligung“. Unter „Private Equity“ zählt Kapital, welches von privaten Kapital- gebern bereitgestellt wird. In der Regel schließen sich mehrere Kapitalgeber zu einer Beteiligungsgesellschaft zusammen. Die Finanzierung erfolgt in Unter- nehmen die sich im fortgeschrittenen Lebenszyklus oder in junge Unternehmen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Ablauf einer Mezzanine-Finanzierung (eigene Darstellung)

Die Private Equity-Investoren stellen dem Investitionsobjekt bei dieser Finanzie- rungsart neben dem klassischen EK auch FK zur Verfügung. Die Überlassung des EK erfolgt durch die Unterzeichnung eines EK-Überlassungsvertrages. Im Gegenzug dafür erhalten die EK-Geber Dividenden bzw. Ausschüttungen aus dem Unternehmensgewinn. Zusätzlich stellt der Darlehensvertrag weiteres Ka- pital, speziell FK über einen Darlehensvertrag zur Verfügung. Um einen finanzi- ellen Ausgleich zu erlangen, erhalten die Private Equity-Investoren für das über- lassene FK Zinsen und Tilgungen. Durch diese Art der Finanzierung erhält das Investitionsobjekt mehr Kapital ohne eine Änderung des Stimmverhältnisses zu bewirken. Über dies hinaus bewerten die Ratingagenturen das zur Verfügung gestellte Kapital häufig auch als EK, wodurch sich die Bilanzkennzahlen des Unternehmens verbessern.

3.4 typische Merkmale von Mezzanine-Kapital

Um die typischen Eigenschaften von MK genauer zu erläutern wird in den nächsten Absätzen permanent ein Vergleich zu EK und FK hergestellt.

In Bezug auf die Nachrangigkeit wird der Fall angesprochen, wenn dem Unter- nehmen die Insolvenz droht. Kann das Unternehmen die Kosten nicht mehr be- dienen, trägt ein Insolvenzverwalter die Pflicht alle Sachanlagen in Barvermö- gen umzuwandeln. Das vorhandene Barvermögen wird dann prozentual vor- rangig an die FK-Geber aufgeteilt.25 Somit besteht für diese Gruppe der FK- Geber ein eher geringes Risiko zur Rückzahlung des zur Verfügung gestellten Kapitals. Obwohl Mezzanine-Kapital ebenfalls von FK-Gebern stammt, wird bei der vertraglichen Ausgestaltung in der Regel eine Nachrangabrede vereinbart, die besagt, dass das zur Verfügung gestellte MK erst nach der Bedienung aller weiteren FK-Geber bedient wird.26 Vorteilhaft für die MK-Geber ist lediglich, dass die Bedienung vor den EK-Gebern erfolgt. Somit ist das Risiko für die- Rückzahlung höher als im Vergleich zu den FK-Gebern, aber dennoch geringer als bei den EK-Gebern.27 Die Bedienung der EK-Geber erfolgt somit an letzter Stelle nachdem alle FK-Geber befriedigt wurden. Das Risiko für den EK-Geber ist am Höchsten und ein Totalverlust ist nicht auszuschließen.

Mit der zeitlichen Überlassung des Kapitals wird die Darlehenslaufzeit bzw. Til- gungsdauer angesprochen. Innerhalb eines bestimmten Rahmens bekommt das Unternehmen auferlegt die Rückzahlung des zur Verfügung gestellten Kapi- tals vollständig abzuschließen. Für diese Zeit kommt ein fester Zinssatz hinzu, den das Unternehmen zusätzlich zurückzahlt. Das FK wird grundsätzlich mit einer befristeten Laufzeit zur Verfügung gestellt. Die Dauer beträgt dabei zwi- schen wenigen Wochen bis hin zu mehreren Jahrzehnten, die individuell ver- einbart wird. Laufzeiten unter einem Jahr werden als kurzfristig, eine Dauer zwischen 1 bis 5 Jahren als mittelfristig und über fünf Jahre als langfristig be- zeichnet. Auch bei MK erfolgt in der Regel die Überlassung des Kapitals in ei- nem befristeten Zeitraum. Im Vergleich zum FK erhöht sich die Darlehenslauf- zeit auf fünf bis zehn Jahre.28 Die Bedingungen beim MK sind, dass die Darle- hensdauer mindestens fünf Jahre betragen muss, damit diese Finanzierungs- form als EK-Ersatz anerkannt wird. EK steht hingegen vergleichsweise unbefris- tet zur Verfügung.29 Für den Eigentümer des Unternehmens besteht lediglich die Möglichkeit Unternehmensanteile zu verkaufen, um seine Einlagen im Un- ternehmen zu erhöhen.

Die Ausgestaltung der Mitbestimmungs- und Kündigungsrechte ist sehr mit Vorsicht zu genießen. Obwohl der Eigentümer des Unternehmens durch die Abgabe von prozentualen Anteilen weiteres Kapital erhält, sinkt im gleichen Zug das Machtverhältnis des Eigentümers. Die FK-Geber haben den Vorteil, dass diese bei Entscheidungen zum Teil bedeutenden Einfluss nehmen können. Be- sonders bei den Grenzwerten von über 25, 50 oder 75 Prozent können gravie- rende Folgen entstehen. Werden mehr als 25 Prozent der Unternehmensteile abgegeben, gilt die Klausel der Sperrminorität, d. h. Beschlüsse zur Einberu- fung einer Hauptversammlung, die eine dreiviertel Mehrheit erfordern, können somit verhindert werden.30 Bei Abgabe über 50 Prozent der Unternehmensan- teile herrscht das Prinzip der Majorität, also das absolute Mehrheitsprinzip. Die stärkste Variante stellt die Grenzüberschreitung von mehr als 75 Prozent dar, die sogenannte „völlige Beherrschung“. Diese Form erlaubt eine einfache Durchsetzung aller Beschlüsse in einer Hauptversammlung.31 Diese Sorgen sind bei der Vergabe von FK ausgeschlossen, da den FK-Gebern keinerlei Mit- bestimmungsrechte eingeräumt werden. Auch die Kapitalgeber von Mezzanine haben keine Aussicht auf Mitbestimmungsrechte.32 Durch die höhere Risiko- tragfähigkeit erhalten MK-Geber unter Umständen dennoch weitreichende In- formationsrechte.33 Die Rechte der EK-Geber sind deutlich umfangreicher. Der Grund ist in der Stellung der EK-Geber begründet, die in der Regel vollhaftende Gesellschafter sind und denen umfangreiche Mitbestimmungsrechte einge-

[...]


1 Vgl. https://www.kfw.de/migration/Weiterleitung-zur-Startseite/Startseite/KfW-Konzern/KfW- Research/News/PDF-Dokumente-Research/STB-Mittelstand.pdf [PDF]

2 Vgl. https://www.kfw.de/migration/Weiterleitung-zur-Startseite/Startseite/KfW-Konzern/KfW- Research/News/PDF-Dokumente-Research/STB-Mittelstand.pdf [PDF]

3 Vgl. Werner, H. S. & Kobabe, R. (2007) S. 16

4 Vgl. Werner, H. S. (2007) S. 13

5 Vgl. Immerschmitt, W. & Stumpf M. (2014), S. 18

6 Vgl. http://www.ifm-bonn.org/definitionen

7 Vgl. http://www.theeuropean.de/friederike-welter/7415-besonderheiten-des-german- mittelstand

8 Vgl. http://www.forschungsrahmenprogramm.de/kmu-definition.htm

9 Vgl. http://www.forschungsrahmenprogramm.de/kmu-definition.htm

10 Vgl. Immerschmitt, W. & Stumpf M. (2014), S. 19

11 Vgl. Immerschmitt, W. & Stumpf M. (2014), S. 19

12 Vgl. Immerschmitt, W. & Stumpf M.(2014), S. 19

13 Vgl. Hanniger, F.(1999), S. 7

14 Vgl. Immerschmitt, W. & Stumpf M. (2014), S. 19

15 Vgl. Hanniger, F. (1999), S. 4

16 Vgl. Hanniger, F. (1999), S. 4

17 Vgl. Hanniger, F. (1999), S. 4

18 Vgl. Hanniger, F. (1999), S. 8

19 Vgl. Hanniger, F. (1999), S. 8

20 Vgl. Schink, A. (2011) S. 6

21 Vgl. http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/mittelstand.html

22 Vgl. Schink, A. (2011) S. 6

23 Vgl. Schink, A. (2011) S. 6

24 Vgl. Schink, A. (2011) S. 7

25 Vgl. Werner, H. S. & Kobabe, R. (2007) S. 75

26 Vgl. Werner, H. S. & Kobabe, R. (2007) S. 195, 197f. und Werner, H. S. (2007) S. 32

27 Vgl. Werner, H. S. (2007) S. 24 und Becker, H. P. (2007) S. 193

28 Vgl. Werner, H. S. (2007) S. 22, 25f.

29 Vgl. Becker, H. P. (2007) S. 109

30 Vgl. http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/beteiligung.html

31 Vgl. http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/beteiligung.html

32 Vgl. Dr. Brost, H. (2014) S. 7

33 Vgl. Werner, H. S. & Kobabe, R. (2007) S. 13, 73

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Bedeutung und Ausgestaltung des Mezzanine-Kapitals bei mittelständischer Unternehmensfinanzierung
Hochschule
Hochschule Hannover
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
29
Katalognummer
V356790
ISBN (eBook)
9783668425675
ISBN (Buch)
9783668425682
Dateigröße
622 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bedeutung, ausgestaltung, mezzanine-kapitals, unternehmensfinanzierung
Arbeit zitieren
Sebastian Valler (Autor), 2017, Bedeutung und Ausgestaltung des Mezzanine-Kapitals bei mittelständischer Unternehmensfinanzierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/356790

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