[...] Aus diesen Gründen habe ich mich also für das Deutschland des 19. Jahrhunderts mit seinen
augenscheinlichsten Veränderungen in der Produktions- und Lebenswelt entschieden. Personalisierende
Elemente durchziehen die vorliegende Unterrichtseinheit, da Geschichte durch Menschen und ihren
Mentalitäten zu erzählen ist – und der Geschichtsunterricht somit nicht zum trockenen Lernort für die
Schüler wird, sondern Geschichte hier mit Hilfe der fiktiven auftretenden Personen erlebt werden kann.
In der Hoffnung, die Hauptschüler mittels erzählender Personen für das Zeitalter der Industrialisierung –
für die Geschichte selbst – zu interessieren und zum Nachdenken zu bringen, habe ich die vorliegende
Unterrichtseinheit in einem Zeitraum von 14 Unterrichtsstunden durchgeführt. Ziel meines Unterrichts ist
für mich, den Schülern eine aktive Teilhabe am Vergangenen und besonders die Teilnahme am Leben
vergangener Menschen zu ermöglichen, um so eine Sensibilisierung für „Geschichte“ zu initiieren. Die vorliegende Hausarbeit ist in drei Teile unterteilt. Teil 1 beschreibt die thematischen Aspekte der
Industriellen Revolution aus fachwissenschaftlicher Sicht mit einem späteren Schwerpunktbeschreibung
der Situation in Deutschland im 19. Jahrhundert. Es folgen Anmerkungen zum methodischen
Schwerpunkt der Personalisierung und allgemeine Anmerkungen zur Situation der Schule und der
Klasse. Didaktische Vorüberlegungen zur Unterrichteinheit mit curricularer Begründung sowie Zielsetzung
und vorgenommenen didaktischen Reduktionen bestimmen den fünften Punkt dieses ersten Teiles.
Methodische Vorüberlegungen mit Begründung der methodischen Durchführung, der Sozial- und
Aktionsformen, Medienauswahl sowie Darstellung möglicher Alternativen beschließen den ersten Teil.
Der Teil 2 ist ganz der Unterrichtseinheit gewidmet und beginnt mit einer tabellarischen Auflistung der
Einzelstunden mit Themenschwerpunkt, Lernzielangaben und Hinweisen zur Sozial- und Aktionsform.Drei von mir ausgewählte Einzelstunden werden ausführlich dargestellt mit Verlaufsplanung, didaktischen
und methodischen Vorüberlegungen, Arbeitsmaterialien und Tafelbild sowie einer Reflexion. Diesen
zweiten Teil schließe ich mit einer Gesamtreflexion über die gehaltene Unterrichtseinheit ab.
Literaturangaben und Übersichten der weiteren Einzelstunden mit Materialien und Verlaufplanungen
beschließen den dritten Teil und somit die vorliegende Hausarbeit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
Teil 1
2. Aspekte zum Thema aus fachwissenschaftlicher Sicht
2.1 Das Zeitalter der Industriellen Revolution
2.2 Industrieller Fortschritt in Deutschland
3. Die Personalisierung im Geschichtsunterricht als methodischer Schwerpunkt
4. Allgemeine Anmerkungen zur Situation der Schule und Klasse
4.1 Die Schulsituation
4.2 Die Situation in der Klasse
5. Didaktische Vorüberlegungen zur Unterrichtseinheit
5.1 Curriculare Begründung
5.2 Begründung und Ziele der Unterrichtseinheit
5.3 Didaktische Reduktion
6. Methodische Vorüberlegungen zur Unterrichtseinheit
6.1 Begründung der methodischen Durchführung
6.2 Begründung der Sozial- und Aktionsformen
6.3 Begründung der Medien
6.4 Alternativen
Teil 2
7. Umsetzung und Realisierung der Unterrichtseinheit
7.1 Aufbau und Ziele der Unterrichtseinheit (Tabelle)
7.2 Erste Stunde
7.2.1 Didaktische Vorüberlegungen
7.2.2 Methodische Vorüberlegungen
7.2.3 Anhang
7.2.4 Reflexion
7.3 Vierte Stunde
7.3.1 Didaktische Vorüberlegungen
7.3.2 Methodische Vorüberlegungen
7.3.3 Anhang
7.3.4 Reflexion
7.4 Sechste Stunde
7.4.1 Didaktische Vorüberlegungen
7.4.2 Methodische Vorüberlegungen
7.4.3 Anhang
7.4.4 Reflexion
8. Gesamtreflexion
Teil 3
9. Literatur- und Quellenverzeichnis
10. Anhang: Verlaufsübersichten, Arbeitsblätter und Materialien
11. Versicherung
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Konzeption und methodische Gestaltung einer Unterrichtseinheit zur Industriellen Revolution für eine 8. Hauptschulklasse, wobei durch personalisierende Ansätze historisches Bewusstsein geweckt und Geschichte für die Schüler durch die Perspektive fiktiver Zeitgenossen erlebbar gemacht werden soll.
- Technische Innovationen und ihre Auswirkungen auf Arbeits- und Lebensbedingungen im 19. Jahrhundert
- Die Methode der Personalisierung im Geschichtsunterricht zur Steigerung der Motivation
- Vergleich der industriellen Entwicklung in Deutschland und England
- Die Bedeutung von infrastrukturellen Neuerungen, speziell der Eisenbahn, als Motor der Industrialisierung
- Strukturelle Veränderungen der Gesellschaft und der Arbeitswelt (Wohnen, Fabrikarbeit, Mobilität)
Auszug aus dem Buch
Wie es in einer Mietskaserne aussieht!
Martin Babel, der Sohn unseres Hauswebers Johann, lebt in einer Mietskaserne in Berlin. Er versucht jetzt, uns seine Wohnung zu beschreiben:
„... Wenn ich spät abends nach Hause komme, dann ertönt aus allen Zimmern der Stockwerke, die ich passieren muss, Kindergeschrei, Flüche, Gekeife und Gejammer und Gewimmer. Mein Zimmer ist klein, viereckig und mit niedriger Decke versehen. An den Wänden stehen drei Betten – ich teile mir mein Zimmer mit vier anderen Arbeitern, weil die Miete für dieses Loch sehr hoch ist. Meine Mitbewohner sind oft schon vor mir zu Hause und löffeln bereits – an einem kleinen wackligen Tisch sitzend – gemeinsam aus einer großen Blechschüssel. Wir nennen drei Betten, drei Stühle und den kleinen wackligen Tisch unser Eigentum – mehr besitzen wir nicht. Die Betten teilen wir uns – das ist nicht immer angenehm, besonders wenn einer von uns krank ist. Das kleine einzige Fenster in meinem Zimmer müssen wir mit Lumpen stopfen, da der Fensterrahmen nicht passt. Aber der Vermieter kümmert sich nicht um solche Kleinigkeiten. Auch die Ungeziefer – Mäuse, Wanzen und anderes Getier – müssen wir wohl oder übel hinnehmen. Gestern haben sie ein kleines Mädchen aus der unteren Wohnung mitgenommen. Es heißt, sie habe die Schwindsucht und ihre Mutter und kleineren Geschwister sehen auch nicht mehr gesund aus. Kein Wunder – sie haben noch weniger zu essen und wohnen quasi im feuchten dunklen Keller dieser Mietskaserne ...“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der Unterrichtseinheit zur Industrialisierung in einer 8. Hauptschulklasse unter Einbeziehung personalisierender Elemente.
2. Aspekte zum Thema aus fachwissenschaftlicher Sicht: Analyse des Übergangs von manueller zur maschinellen Produktion und die spezifische industrielle Entwicklung Deutschlands im 19. Jahrhundert.
3. Die Personalisierung im Geschichtsunterricht als methodischer Schwerpunkt: Erörterung der Methode, historische Sachverhalte durch fiktive Zeitzeugen für Schüler greifbar zu machen.
4. Allgemeine Anmerkungen zur Situation der Schule und Klasse: Beschreibung der Rahmenbedingungen der Schule sowie der soziokulturellen und anthropogenen Voraussetzungen der Lerngruppe.
5. Didaktische Vorüberlegungen zur Unterrichtseinheit: Begründung der Themenwahl, Lernziele und notwendige didaktische Reduktion der Epoche.
6. Methodische Vorüberlegungen zur Unterrichtseinheit: Begründung für den Einsatz personalisierter Texte, Sozialformen und Medien im Unterricht.
7. Umsetzung und Realisierung der Unterrichtseinheit: Detaillierte Darstellung ausgewählter Stunden mit Verlaufsplänen und Reflexionen zur pädagogischen Wirksamkeit.
8. Gesamtreflexion: Zusammenfassende Bewertung des Unterrichtsverlaufs und Bestätigung der gewählten methodischen Schwerpunkte.
Schlüsselwörter
Industrialisierung, 19. Jahrhundert, Deutschland, Personalisierung, Geschichtsunterricht, Hauptschule, Fabrikarbeit, Eisenbahn, Weberei, Sozialgeschichte, Methodik, Unterrichtseinheit, Arbeitsbedingungen, Migration, Mietskaserne.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit widmet sich der Planung und Durchführung einer Unterrichtseinheit zum Thema Industrialisierung im 19. Jahrhundert für eine 8. Hauptschulklasse.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Neben der historischen fachwissenschaftlichen Aufarbeitung der Industrialisierung stehen die methodische Gestaltung, insbesondere durch Personalisierung, sowie die Analyse der sozialen Auswirkungen dieser Epoche im Fokus.
Was ist das primäre Ziel der Unterrichtseinheit?
Ziel ist es, den Schülern durch die Methode der Personalisierung einen lebendigen Zugang zur Geschichte zu ermöglichen, um das abstrakte Thema Industrialisierung verständlich zu machen und historisches Interesse zu wecken.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Es wird die Methode der „Personalisierung“ verwendet, bei der fiktive Charaktere (z. B. Weberfamilien) durch narrative Texte in den Unterricht eingebunden werden, um den Schülern eine Identifikation mit historischen Personen zu ermöglichen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in fachwissenschaftliche Aspekte, methodische Überlegungen zum personalisierten Geschichtsunterricht, die Beschreibung der Lernausgangslage der Klasse sowie die detaillierte Darstellung und Reflexion mehrerer Unterrichtsstunden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Industrialisierung, 19. Jahrhundert, Personalisierung, Geschichtsunterricht und Hauptschule charakterisieren.
Wie reagieren die Schüler auf die fiktiven Zeitzeugen wie Martin Babel oder Johann Babel?
Die Schüler nehmen diese Elemente laut den Reflexionen der Autorin sehr positiv auf, da sie sich in die Nöte und Lebensweisen der fiktiven Personen hineinversetzen können, was das historische Lernen anschaulich und emotional zugänglich macht.
Warum wird in dieser Arbeit das Schulbuch "Durchblick" kritisch betrachtet?
Die Autorin empfindet die Aufbereitung im Schulbuch als zu fragmentarisch und „unspektakulär“, weshalb sie eigene personalisierte Texte und Arbeitsblätter erstellt hat, um den Unterricht ansprechender zu gestalten.
- Citar trabajo
- Anita Brink (Autor), 2004, Veränderungen der Produktions- und Lebensbedingungen im Zeitalter der Industriellen Revolution im 19. Jahrhundert, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/35679