Smart Grid und Smart Metering. Chancen und Risiken des intelligenten Stromnetzes

Eine Szenarioanalyse


Hausarbeit, 2017
33 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Gliederung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einführung
1.1 Motivation
1.2 Zielsetzung der Arbeit

2 Theoretisches Konzept und Methodenüberblick

3 Die digitale Transformation des Strommarktes
3.1 Die Evolution des Strommarktes zum Industrie 4.0 System
3.2 Veränderungen der Branchenstruktur und der Wertschöpfungskette
3.3 Neue Geschäftsmodelle im Internet der Dinge

4 Umfeldanalyse des Digitalen Stommarktes
4.1 Politische und rechtliche Aspekte
4.2 Ökologische und ökonomische Merkmale
4.3 Sozio-kulturelle Veränderungen
4.4 Zukünftige Schlüsseltechnologien
4.4.1 Cyber-physische Systeme 4.0
4.4.2 Kommunikationsstandards
4.4.3 Cyper Security

5 Szenarioanalysen in der Makro- und Mikroperspektive
5.1 Technologieentwicklungssequenz des Smart Grid in Deutschland
5.2 Simulation eines Mikro Smart Grid
5.3 Fahrzeuge mit Elektroantrieb im Smart Grid

6 Chancen und Risiken des intelligenten Stromnetzes

7 Resümee und Ausblick
Quellenverzeichnis
Bezug von Quellen via Internet

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Theoretisches Konzept

Abbildung 2 Der Ursprung von Innovation

Abbildung 3 Wissenschaftlicher Szenariomethodenüberblick

Abbildung 4 Smart Grid und Smart Metering

Abbildung 5 Interaktionsmodell des Smart Metering und Smart Grid

Abbildung 6 Zukünftige Branchenstruktur des intelligenten Stromnetzes

Abbildung 7 Technologiefelder im Future Energy Grid

Abbildung 8 Smart Grid Architektur Modell

Abbildung 9 Kommunikationsstandards im Smart Grid

Abbildung 10 Technologieentwicklungssequenz des Smart Grid - Deutschland

Abbildung 11 Simulation eines Mikro Smart Grid

1 Einführung

Der Wandel wird von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen, doch Bits und Bytes transformieren das klassische Stromnetz zum intelligenten Stromnetz und die Grundsteine des Smart Grid Systems wurden schon aufgebaut.[1] Die Innovationskraft neuer Technologien und veränderte Kundenbedürfnisse trieben Ingenieure und Techniker weltweit an, neue Techniken zu entwickeln um das Leben auf unserem Planeten ökologischer, ökonomischer und smarter zu machen.[2] Smarte Impulse aus dem Endkonsumentenmarkt lieferten digitale Modelle als Grundlage um den langen Weg zum Smart Grid und Smart Metering zu entwickeln. Unzählige, kaum durchdachte oder für mögliche gehaltene Geschäftsprozesse werden durch die digitale Transformation im Energiemarkt entstehen.[3] Doch welche Potenziale die Unternehmen aus den neuen Märkten schöpfen hängt ganz von ihrer Strategie ab.[4]

1.1 Motivation

Durch den steigenden Wohlstand auf der Welt bewegt sich der globale Energieverbrauch nur in eine Richtung. Allerdigs ist zu beachten, dass auch der Anteil erneuerbarer Energien weltweit weiter zunimmt. 2016 lag der Anteil in Deutschland bei 32,3% und noch nie trugen so viele verschiedene Stromquellen zur Bruttostromproduktion bei.[5] Die weiterhin fallenden Preise der Herstellungskosten von alternativen und regenerativen Energien sorgen dafür, dass der Trend nicht abreist.[6] Umso höher der Anteil an regenarativer und wetterabhängiger Energiequellen, wie Wind und Sonne ist, desto komplizierter wird die Frage der Versorgungssicherheit. Perioden, in welchen der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint müssen überwunden werden und die Stromnachfrage muss jederzeit mit einem hohen Maß an Versorgungssicherheit sichergestellt sein. Bisher konnte Deutschland die Herausforderung der Versorgungssicherheit gut meistern und steht deshalb im internationalen Vergleich sehr gut dar. Wegen dem auseinanderdriften von Erzeugung und Verbrauch muss ein intelligentes flexibles Stromsystem geschaffen werden, das eine Verknüpfung von Erzeugung und Verbrauch berücksichtigt. Damit die zukünftigen Anforderungen eines dynamischen, flexiblen und vernetzten Stromnetzes in Echtzeitkommunikation ermöglicht werden kann, hat die Deutsche Bundesregierung 2016 zwei wichtige Gesetze auf den Weg gebracht.[7] Mit dem Strommarktgesetz wurden weitere Wettbewerbsmöglichkeiten im Bereich der flexiblen Erzeugung und Nachfrage sowie der Speicherung geschaffen. Dies stellt einen weiteren großen Schritt für die Liberalisierung des Strommarktes dar und sorgt dafür, dass keine Versorgungslücken entstehen und der Strom günstig bleibt. Das Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende ist das Startsignal für Smart Grid, Smart Meter und Smart Home in Deutschland. Kosten und Nutzen werden sinnvoll in Einklang gebracht und technische Mindestanforderungen gewährleisten Datenschutz und Datensicherheit.[8]

Weitere Analysen und Publikationen über das intillegente Stomnetz können einen positiven Beitrag für die Energiewende schaffen und die damit verbundene elektrische Energieversorgung der Welt gewährleisten.[9]

1.2 Zielsetzung der Arbeit

Welchen Beitrag kann das Smart Grid und Smart Metering für Megatrend wie Globalisierung, Urbanisierung und Individualität beisteuern und wie verändert sich dadurch das Energiekonsumverhalten der Menschen?

Ziel der wissenschaftlichen Arbeit ist es, anhand eines theoretischen Konzeptes eine Analyse des Smart Grid und Smart Metering auszuführen und mit verschiedenen Szenarioanalysen die Chancen und Risiken des intelligenten Stromnetzes abzuleiten. Anhand von Einflussanalyse und Deskriptorenbestimmung werden die Technologien Smart Grid und Smart Metering vorgestellt und die wichtigsten Faktoren dargestellt. Mit Hilfe von Trend Extrapolationen und Foreside Management sollen verschiedene Szenarionanalysen veranschaulicht werden.[10] Weiterhin soll auf die Interaktion zwischen dem Internet der Dinge (IoT), Industrie 4.0, Smart Home, Smart Car und Smartphone eingegangen werden. Abschließend soll die Hypothese geklärt werden, ob es sich beim Smart Grid und Smart Metering um eine evolutionäre oder revolutionäre Technologie handelt.[11]

2 Theoretisches Konzept und Methodenüberblick

Das theoretische Konzept kann als Grundgerüst für das Analysevorgehen der Unternehmung betrachtet werden. Ziel ist es, einen systematischen, an die Gliederung angepassten Ablauf zu definieren und durch das Konzept die Erfassung aller notwendiger Faktoren sicherzustellen.[12]

Abbildung 1: Theoretisches Konzept

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung

Einleitend wurde bereits auf die Problemstellung eingegangen und die Zielsetzung der Arbeit definiert. Im folgenden Kapitel wird das theoretische Aufbaukonzept der Analyse dargestellt. Weiterhin wird die strategische Relevanz der Methoden des Technologiemanagements verdeutlicht und die wissenschaftlichen Konzepte von Szenarioanalysen vorgestellt.[13]

Im 3. und 4. Kapitel wird die interne Entwicklung des Smart Grid Marktes erklärt und auf dessen Service, Produkt und Prozess Eigenschaften eingegangen. Zudem wird die Kundenperspektive dargestellt und die Umwelteinflüsse an einer PEST Analyse aufbereitet. Es wird im Detail auf verschiedene Schlüsseltechnologien eingegangen um einen Überblick über diese zu erlangen und den Zusammenhang zwischen den einzelnen Technologien zu erkennen. Durch die Gegenüberstellung der verschiedenen Einflussfaktoren kann ein detailliertes Bild über den Markt und dessen Potenzial erlangt werden.[14] Innovationen entstehen immer, wenn die Barriere der technologischen Komplexität und die Barriere der Kundeninteraktion überwunden wird. Nur zu diesem Zeitpunkt können sich Techniken am Markt zu einer Innovation durchsetzen, wie die folgende Abbildung zeigt.[15]

Abbildung 2: Der Ursprung von Innovation

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: In Anlehnung an: Sparth, D., Technologiemanagement, 2015, S. 78

In Kapitel 5 werden verschiedene Szenarioanalysen des Smart Gird Markes vorgestellt. Mit Spotanalysen zu verschiedenen praxisrelevanten Perspektiven werden die aktuell verwendeten Techniken dargestellt.

Nach Meinung von verschiedenen Zukunftsforschern wird in der wissenschaftlichen Klassifizierung von Szenarioanalysen zwischen 30 und 150 verschiedenen Techniken unterschieden.[16] Um einen kurzen Überblick über die Methoden zu zeigen wurde, angelehnt an die Klassifizierung von der Technology Futures Analysis Working Group (2003), eine Übersicht der eingesetzten Zukunftsforschungsmethoden erstellt.

Abbildung 3: Wissenschaftlicher Szenariomethodenüberblick

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: In Anlehnung an: Mietzner, D., Strategisches Vorausschau und Szenarioanalysen, 2015, S. 43

Das theoretische Konzept kann hier als Cross Impact Analyse betrachtet werden, obwohl relative Zusammenhänge nicht statistisch betrachtet werden.[17]

Kapitel 6 leitet die Chancen und Risiken aus den vorhergehenden Analysen ab und führt unter anderem die Technologieperspektive und die Kundenbedürfnisse zusammen.

Als Ergebnis zeigen sich die möglichen Innovationen in der Branche. Den Abschluss bildet ein Ausblick in die Zukunft und ein Resümee.[18]

3 Die digitale Transformation des Strommarktes

Die Digitalisierung transformierte einst den physikalischen Strom in digitlale Informationsinhalt und ermöglichte das Internet. Mit der Digitalisierung des Strommarktes werden die beiden Techniken wieder zusammengeführt. Es entstehen viele weitere neue Technologien, welche es ermöglichen die vielen alten Techniken aufeinander abzustimmen.[19]

Die folgende Abbildung repräsentiert den Zusammenhang des Smart Grid und Smart Meterings und zeigt zwei Beispiele eines Mikro Smart Grid. Wenn ein Endverbraucher mit Mikro Smart Grid sich nicht autark mit Strom versorgen kann, hat er die Möglichkeit Strom von den Großhändlern oder von einem benachbarten Mikro Smart Grid zu beziehen um seinen Energiebedarf abzudecken. Ermöglicht wird dies durch die wechselseitige Kommunikation zwischen allen Systemverbundspartnern im Smart Grid mit dem Smart Meter und dem digitalen Stomzähler, der beim Endkunden installiert ist.[20]

Abbildung 4: Smart Grid und Smart Metering

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Kato, N., Evolution of Smart Grids, 2015, S. 13

Der Rückgang konventioneller Energien und der einseitige Endverbraucherbezug verdeutlicht in dem Modell die Notwendigkeit eines Demand Side Management, welches die schwankenden Abfragen der Endkonsumenten ausgleicht. Dies wird mit der Anbindung des Smart Meterings an das Kommunikationsnetz ermöglicht.[21]

3.1 Die Evolution des Strommarktes zum Industrie 4.0 System

Der Begriff „Smart“ beschreibt die Nutzung von intelligenten Informationstechniken im eigenen Umfeld. Es gibt verschiedenste Abstammungsmöglichkeiten und Bedeutungen des Wortes Smart. Allerdings steht für die Nutzung intelligenter Geräte in unserem Umfeld das Akronym SMART für: Monitoring, Analysis and Reporting Technology. Die Smart Technologie hat seine Herkunft in der Festplattentechnologie und wurde dort zur Fehlerkorrektur von Speicherzellen verwendet.[22]

Anhand eines Future Wheel wurde die Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) des intelligenten Stromnetzes dargestellt. Industrie 4.0 ist im Strommarkt als Leuchtturmbegriff anzusehen, da dieser Begriff eine hohe Überschneidung zu den Technologien Smart Grid, Smart Metering und Smart Factory hat. Die Abbildung veranschaulicht die zentrale Rolle des Smart Metering als Kommunikationsschnittstelle zu den weiteren außenliegenden Bereichen.[23] Weiche Faktoren die vom Endkunden beeinflussbar sind wurden in der Grafik in der Farbe Türkisblau dargestellt. Harte Faktoren sind in der Farbe Grau hinterlegt und sind weitgehendst nur durch die Industrie oder Politik beeinflussbar.

Abbildung 5: Interaktionsmodell des Smart Metering und Smart Grid

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung

Die Abbildung veranschaulicht weiterhin die Potenziale und Herausforderungen der IKT-Branche für das Smart Grid und die Cyper Physischen 4.0 Systeme. In der zukünftigen Stromversorgung wird es somit eine Interaktion vieler Beteiligter im System geben.[24]

3.2 Veränderungen der Branchenstruktur und der Wertschöpfungskette

Aufgrund der Vielzahl an Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) müssen Energieunternehmen auf dem Weg zur digitalen Transformation noch viele Herausforderungen bewältigen. Der Fokus liegt derzeit in der Anbindung und Modernisierung der IT-Systeme. Hierdurch werden die physischen Stromsysteme immer mehr mit den Cyber IT-Systemen verflochten und es resultiert durch die Veränderung in der Wertschöpfungskette eine neue Branchenstuktur.[25]

Abbildung 6: Zukünftige Branchenstruktur des intelligenten Stromnetzes

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung

Die traditionelle Wertschöpfung, hier grau dargestellt, ist linear von Energieproduktion über verschiedene Wertschöpfungsbereiche bis hin zum Verbraucher aufgebaut. Ausgelöst von der digitalen Evolution und der Erhöhung regenerativer dezentraler Produktionsanlagen werden neue, parallele und vernetzte Wertschöpfungsketten mit weiteren Marktakteuren entstehen, die hier türkisblau abgebildet sind. Der Verbraucher wird durch die Schnittstelle des Smart Meterings den Energiebedarf über zahlreiche neue Services managen können und sich zum ProSumer wandeln. Je nach Service Angebot hat er die Möglichkeit Einfluss auf die Wertschöpfung zu nehmen und seinen Verbrauch im eigenen Mikro Smart Grid zu optimieren.[26]

Das Angebot und der Preise für Strom variieren an der Strombörse tagesabhängig und saisonal bedingt stark. Für eine Echtzeitabrechnung mit dem Endkunden durch variable, dynamische und veränderliche Tarife müssen noch viele Paradigmen überwunden werden. Doch variable Stromtarife und weitere Geschäftsmodelle nehmen Einzug in die Energiebranche.[27]

3.3 Neue Geschäftsmodelle im Internet der Dinge

Das Internet der Dinge beschreibt die Zunahme der Informations-, Sensor- und Netzwerktechnik, sowie IKT im privaten als auch im beruflichen Umfeld. Dadurch können sich zukünftig viele alltägliche Geräte im Smart Home oder der Smart Factory mit der Energiebilanz des eigenen Mikro Smart Grids und dem Smart Grid abgleichen um den Stromverbrauch zu optimieren.[28]

Die bereits aufgezeigten Veränderungen der Branchenstruktur verdeutlichen, wie beispielsweise Provider entstehen, welche dezentrale Produktionsanlagen bauen, bewirtschaften oder im Pooling betreiben. Weitere Speicherlösungen nehmen Einzug in die Energiebranche und es entsteht auch ein Kapazitätsmarkt mit Batteriespeichertechnik deren Bereitstellung zukünftig ein Entgelt einbringen wird. Zusammenschlüsse von kleineren Verbrauchern die ihren Strom zusammenschalten und gemeinsam steuern werden sind ebenfalls denkbar. Prognoseservices für Wind- und Photovoltaikanlagen werden die Möglichkeiten des Demand Side Management optimieren. Beispielsweise gibt es von den Firmen SMA und myStrom Systeme mit welchen sich der Energieverbrauch im Haushalt optimieren lässt.[29] Ein hohes Potential für den Haushalt weisen die zeitliche Steuerung von Klimaanlagen und Boiler auf.[30] Plattformbasierte Dienste sind die technologische Notwendigkeit um einen disruptiven Marktwandel herbeizuführen und weitere Services anzubieten.[31] Kiwigrid, die mit dem PV Hersteller SMA zusammenarbeiten, bieten eine Industrieplattform für Energy im IoT. Neben dem Home- oder Industrie Management Systemen bietet Kiwigrid Lösungen für die Überwachung und Steuerung verteilter Energie-Assets an.[32] Mit dem Produkt SchwarmEnergie können beispielweise verschiedene Mikro-Smart Grids zusammengeschaltet werden, mit dem Ziel ihren Strombedarf untereinander auszugleichen.[33] Mit virtuellen Kraftwerken entstehen somit weitere mögliche Geschäftsmodelle wie; zusätzliche Erlöse aus Querverbundsoptimierung, Spannungsblindleistungsregelung als Dienstleistung, Zusatzerlöse am Interday Markt, positive oder negative Erlöse am Regelleistungsmarkt und der Handel von CO2 Zertifikaten.[34]

4 Umfeldanalyse des Digitalen Stommarktes

Mit Hilfe der folgenden Umweltfaktorenanalyse, welche an eine PEST-Analyse angelehnt ist, sollen die Interaktionen zu den Kernprozessen des intelligenten Stromnetzes ausgearbeitet werden und die Fähigkeiten der Technologien dargestellt werden. Anhand der Analyse soll die Bedeutung des Marktes bestätigt oder wiederlegt werden.[35] Für Unternehmen ist eine kontinuierliche Beobachtung der Unternehmensumwelt notwendig, denn politische, rechtliche, ökologische, ökonomische und technologische Makrobedingungen ändern sich kontinuierlich.[36]

4.1 Politische und rechtliche Aspekte

Die politischen und rechtlichen Aspekte werden von Institutionen und Staaten vorgegeben, die unter anderem Einfluss auf Preisbildung des Stromes und die rechtliche Verwaltung der Smart Meter Daten regeln.

Der Strompreis für Haushalte betrug in Deutschland im Jahr 2016 durchschnittlich 28,80 Cent pro kWh. An der Strömbörse wurde der Strom jedoch für 3 – 6 Cent pro kWh gehandelt. Zu den Beschaffungspreisen kommen Netzentgelt, Konzessionsabgabe, Stromsteuer, KWKG- & EnWG-Umlagen, EEG-Umlage sowie die Umsatzsteuer, bis sich letztendlich der Strompreis für den Endkunden ergibt.[37]

Im Sommer 2016 wurde das Gesetz zur Weiterentwicklung des Strommarktes von der Bundesregierung beschlossen. Das Gesetz stellt die Grundlage für einen Wettbewerb von flexibler Erzeugung, flexibler Nachfrage und Speicherung von Energien dar und bildet den Strommarkt 2.0 ab. Weiterhin sind Sicherheitsreserven in Netzen und Kapazitäten neu geregelt.[38] Mit dem Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende wurde im August 2016 ein weiterer Schritt in Richtung des intelligenten Stromnetzes getätigt. Diese rechtliche Vorschrift regelt die technischen Mindestanforderungen für Datenschutz und Sicherheit und gibt feste Regeln wer wann auf welche Daten zugreifen darf. Zudem wird der Smartmeter Rollout in Deutschland stufenweise reguliert. Hier sah der Bundesrat die Notwendigkeit einer Deckelung für den Verbrauch von unter 6000 kWh im Jahr, da die Smart Meter Kosten bei geringen Verbrauch nicht ihre Unkosten decken können. Mess-stellenbetreiber im Smart Grid werden jedoch verpflichtet ihre Systeme mit zertifizierten intelligenten Messsystemen auszustatten. Da es diese jedoch noch nicht auf dem Markt gibt, besteht eine maximale Nutzungszeit für konventionelle Zähler von acht Jahren nach ihrem Einbau.[39] Der Smart Meter Roll Out beim Endkunden wird jedoch dadurch beginnen.[40] Derzeit ist ein weiterer Entwurf zur Änderung des Energiesteuer- und des Stromsteuergesetzes beschlossen. Dieser bildet eine rechtliche Ermächtigungsgrundlage für eine elektronische Kommunikation zwischen den Wirtschaftsbeteiligten (Smart Metering) und der Verwaltung im Energiesteuer- und Stromsteuerbereich (Smart Grid). Eine punktuelle Aktualisierung der Energiesteuer- und Stromsteuergesetzes dient der weiteren Regulierung für die Energiewende und für das intelligente Stromnetz.[41]

Förderprogramme für Smart Metering und Smart Grid sind nicht zusätzlich geplant. Allerdings bietet die Bundesregierung Deutschland mit dem Förderprogramm KFW 275 die Möglichkeit einer Subvention für private Batterieenergiespeicher die mit Photovoltaikanlagen oder Windenergieanlagen kombiniert werden. Somit wird derzeit das Mikro Smart Grid mit einem Tilgungszuschuss von 19% subventioniert.[42]

4.2 Ökologische und ökonomische Merkmale

Mit der europäischen gesetzlichen Förderung der erneuerbaren Energien ab dem Jahr 2000 und dem deutschen Automausstieg im Jahre 2011 wird die Energiewende weiter forciert. Derzeit gibt es in Deutschland eine Förderung für alle regenerativen Energien, denn auch die Endkunden sind ökologisch geprägt und teilweise bereit für Ökostrom mehr zu zahlen als für konventionell erzeugten Strom.[43]

Durch die zukünftige Entwicklung eines flächendeckenderen Einsatzes von Speichertechnologien kann die Energiewende nur Hand in Hand mit der Digitalisierung des Strommarktes weiter vorangehen. Die Speichertechnologien werden zukünftig über das Smart Grid und Smart Metering mit dem aktuellen Verbrauch und der Produktion abgeglichen um eine 100% regenerative Energie zu erhalten.[44]

Ökonomische betrachtet sehen 48% der befragten deutschen Unternehmen und Hochschulen im Anwendungsbereich Smart Grid besonders große Potentiale für den Standort Deutschland. Die 203 Befragten aus dem Bereich der deutschen Elektroindustrie sahen nur im Bereich der Energieeffizienz, der Elektromobilität und in der Batterie und Speichertechnologie ein höheres Potential. Der Bereich Industrie 4.0 konnte ebenfalls mit 44% überdurchschnittlich positiv abschneiden.[45]

53% von 1300 Teilnehmer sahen bei einer weiteren Umfrage einen positiven Beitrag von Smart Grid zur Eröffnung wichtiger Standortchancen. 35% waren unentschlossen und 12% sagten aus dies treffe nicht zu.[46] Der jährliche Effizienzgewinn durch das intelligente Stromnetz liegt nach einer Umfrage des Fraunhofer Instituts bei 9,03 Mrd. Euro, welcher sich in die drei Gruppen aufteilt. 5,57 Mrd. Euro ist durch effizientes Strommanagement zu erreichen. 2,06 Mrd. Euro können durch die Einsparung von Netzausbaukosten erzielt werden und 1,40 Mrd. Euro werden durch die Energieeinsparung von Smart Buildings erreicht.[47] Die höchsten Potentiale des Smart Grids sehen die Beteiligenden bei der Integration erneuerbarer Energien (81%). Platz 2 belegte die effiziente Nutzung der Energieressourcen (76%). Während nur 24% eine Kosteneinsparung für alle Marktteilnehmer sehen.[48] Gemäß einer Prognose von Thomas Reuters wird in 2016 eine weltweite Investition von über 200 Mrd. Euro in das intelligente Stromnetz einfließen. Darauf entfällt ein Großteil auf die Bereiche der elektronischen Sensoren und in die IT Hard- und Software. Der Bereich des Smart Meterings ist hier mit einem Anteil von 11% nur gering vertreten.[49]

[...]


[1] Vgl. Doleski, O., Herausforderung Utility 4.0, 2017, S. 5.

[2] Vgl. Hoffmann, D., Einsteins Berlin, 2006, S. 166-167.

[3] Vgl. Doleski, O., Herausforderung Utility 4.0, 2017, S. 150.

[4] Vgl. Johnson, G., Strategisches Management, 2011, S. 61.

[5] Vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Die Energiewende, 2017, S. 4-9.

[6] Vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Die Energiewende, 2017, S. 6.

[7] Vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Die Energiewende, 2017, S. 4-9.

[8] Vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Die Energiewende, 2017, S. 4-9.

[9] Vgl. Stepper, J., Working Out Loud, 2015, S. 4-9.

[10] Vgl. Möhrle, M., Technologie-Roadmapping, 2002, S. 86-88.

[11] Vgl. Schuh, G., Technologiemanagement, 2011, S. 44.

[12] Vgl. Bea, F., Strategisches Management, 2015, S. 176-177.

[13] Vgl. Mietzner, D., Strategische Vorschau und Szenarioanalysen, 2009, S. 35.

[14] Vgl. Mietzner, D., Strategische Vorschau und Szenarioanalysen, 2009, S. 35.

[15] Vgl. Hausschild, Z., Innovationsmanagement, 2011, S. 37-39.

[16] Vgl. Mietzner, D., Strategische Vorschau und Szenarioanalysen, 2009, S. 39-43.

[17] Vgl. Vhas, D., Innovationsmanagement, 2015, S. 118.

[18] Vgl. Mietzner, D., Strategische Vorschau und Szenarioanalysen, 2009, S. 39-43.

[19] Vgl. Meinecke, C., Potentiale und Grenzen von Smart Metering, 2015, S. 73-85.

[20] Vgl. Kato, N., Evolution of Smart Grid, 2015, S. 11-15.

[21] Vgl. Buchholz, B., Smart Grid, 2014, S. 253-260.

[22] Vgl. Venugopal, K., Computer Networks and Intelligent Computing, 2011, S. 463.

[23] Vgl. Aichele, A., Smart Energy, 2012, S. 48-54.

[24] Vgl. Doleski, O., Herausforderung Utility 4.0, 2017, S. 513.

[25] Vgl. Doleski, O., Herausforderung Utility 4.0, 2017, S. 513.

[26] Vgl. Verein Smart Grid Schweiz, Weissbuch Smart Grid, 2015, S. 49-54.

[27] Vgl. Buchholz, B., Smart Grid, 2014, S. 262.

[28] Vgl. Doleski, O., Herausforderung Utility 4.0, 2017, S. 512.

[29] Vgl. Verein Smart Grid Schweiz, Weissbuch Smart Grid, 2015, S. 49-54.

[30] Vgl. Buchholz, B., Smart Grid, 2014, S. 265.

[31] Vgl. Doleski, O., Herausforderung Utility 4.0, 2017, S. 531.

[32] Vgl. https://www.kiwigrid.com/de/energy-iot.html, Zugriff am 02.02.2017

[33] Vgl. https://www.lichtblick.de/privatkunden/schwarm-energie, Zugriff am 02.02.2017

[34] Vgl. Buchholz, B., Smart Grid, 2014, S. 253-260.

[35] Vgl. Lynch, R., Corporate Strategy, 2006, S. 18-20.

[36] Vgl. Mietzner, D., Strategische Vorschau und Szenarioanalysen, 2009, S. 35.

[37] Vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Die Energiewende, 2017, S. 11.

[38] Vgl. Bundestag, Gesetz zur Weiterentwicklung des Strommarktes (Strommarktgesetz). 2016, S. 1801-1814.

[39] Vgl. Bundestag, Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende, 2016, S. 2034-2050.

[40] Vgl. Doleski, O., Herausforderung Utility 4.0, 2017, S. 585.

[41] Vgl. http://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Gesetzestexte/Gesetzentwuerfe_Arbeitsfassungen/2017-02-15-aenderung-energie-und-stromsteuergesetz.html, Zugriff am 15.02.2017

[42] Vgl. https://www.kfw.de/inlandsfoerderung/Unternehmen/Energie-Umwelt/F%C3%B6rderprodukte/Erneuerbare-Energien-%E2%80%93-Speicher-(275)/#2, Zugriff am 16.02.2017

[43] Vgl. Doleski, O., Herausforderung Utility 4.0, 2017, S. 181-183.

[44] Vgl. Doleski, O., Herausforderung Utility 4.0, 2017, S. 181-185.

[45] Vgl. Verband deutscher Elektroindustrie, VDE-Trendreport 2016: Internet der Dinge / Industrie 4.0, 2016, S. 84.

[46] Vgl. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/298274/umfrage/meinung-zu-smart-grids-als-wichtiger-standortvorteil-fuer-deutschland/, Zugriff am 02.02.2017

[47] Vgl. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/298809/umfrage/einspareffekte-durch-intelligente-netze-in-deutschland-im-energiesektor/, Zugriff am 02.02.2017

[48] Vgl. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/173209/umfrage/chancen-und-vorteile-von-smart-home-metering/, Zugriff am 02.02.2017

[49] Vgl. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/161187/umfrage/investitionen-in-komponenten-fuer-das-intelligente-stromnetz/, Zugriff am 02.02.2017

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Smart Grid und Smart Metering. Chancen und Risiken des intelligenten Stromnetzes
Untertitel
Eine Szenarioanalyse
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Nürnberg früher Fachhochschule
Veranstaltung
Technologiemanagement
Note
1,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
33
Katalognummer
V356818
ISBN (eBook)
9783668425026
ISBN (Buch)
9783668425033
Dateigröße
1797 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Smart Grid, Smart Metering, Digitale Transformation, Stromnetz, Energiewende, Innovation, Szenarioanalyse, Mikro Smart Grid, Smart Car, E-Car, Industrie 4.0
Arbeit zitieren
Stephan Röß (Autor), 2017, Smart Grid und Smart Metering. Chancen und Risiken des intelligenten Stromnetzes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/356818

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