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Saumtier, Ochsenkarren oder Pferdewagen?

Ein Verfahren zur Bestimmung von Fahrzeug-Spurweiten in Muldenhohlwegen von Altstraßen

Title: Saumtier, Ochsenkarren oder Pferdewagen?

Research Paper (postgraduate) , 2017 , 20 Pages

Autor:in: Dr. Bernd Hofmann (Author)

Geography / Earth Science - Miscellaneous
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An Hand der für Muldenhohlwege von Altstraßen vom Verfasser entwickelten geländetauglichen Messeinrichtung und des zur Auswertung der Messergebnisse vorgeschlagenen mathematisch-geometrischen Modells für die Ermittlung und Darstellung von Spurweiten-Spektren wurden Aussagen zur Nutzungsart und zum zeitlichem Nutzungshorizont von Altstraßen möglich, die bisher, wenn überhaupt, nur mit großem archäologischen Aufwand erzielbar waren.

Die Ergebnisse der Geländeuntersuchungen in den hier thematisierten Gebieten des Freistaates Sachsen sind verblüffend: Die charakteristischen Abmessungen der an unterschiedlichen Orten im Dresdener Raum, der Sächsischen Schweiz und im Osterzgebirge untersuchten Altstraßenabschnitte sind nahezu unabhängig von geographischer Höhe und Lage sowie Bodenuntergrund, obwohl die untersuchten Trassen im Osterzgebirge in rauerem Klima und vorwiegend in grusig-steinig-humosem Untergrund verlaufen, während sie in der Umgebung des Dresdener Elbtals in sandig-humose Böden eingetieft sind. Nur in der Sächsischen Schweiz weist das Spurweiten-Spektrum auf Grund des stark zerklüfteten Geländes eine von den übrigen untersuchten Gebieten deutlich abweichende Struktur auf. Die generell vorhandenen Unterschiede sind jedoch vor allem auf die unterschiedlichen Verkehrsspannungen zurückzuführen, die zwischen den Ausgangs- und Endpunkten der Gebiete herrschten, die durch die untersuchten Verkehrstrassen verbunden wurden. Bei den Geländebefunden drängt sich weiterhin die Frage auf, welches Ereignis die Aufgabe älterer Trassen bzw. deren Ablösung veranlasst haben mag, was auf jeden Fall einen dramatischen Einschnitt im Verkehrswesen bedeutet haben muss. Dieses drastische Ereignis könnte der Übergang vom langsamen einachsigen Maultier- oder Ochsenkarren zum schnelleren und größeren zweiachsigen und damit tragfähigeren Pferdewagen, der „caretta longa“ gewesen sein, der in West- und Süddeutschland ins beginnende 11. Jh. datiert wird, im untersuchten Gebiet des Freistaates Sachsen aber erst später, etwa im13. Jh. anzusetzen ist.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Saumtiere und Saumpfade

2. Einachsige und zweiachsige Fahrzeuge: Karren und Wagen

3. Das Palm als Grundmaß des Verkehrswesens der Antike

4. Profilmodell für Muldenhohlwege

5. Von der Profilbreite der Hohlwege zur Spurweite der Fahrzeuge

6. Im Freistaat Sachsen an realen Hohlwegen ermittelte Spurweiten

7. Resümee

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung und Bestimmung von Fahrzeug-Spurweiten in historischen Muldenhohlwegen. Ziel ist es, durch die Analyse von Hohlwegprofilen und die Anwendung eines geometrischen Modells Rückschlüsse auf die genutzten Fahrzeugtypen (Karren vs. Wagen) und deren zeitliche Einordnung in verschiedenen Regionen Sachsens und der Tschechischen Republik zu ziehen.

  • Historische Entwicklung von Transportmitteln und Verkehrswegen
  • Methodik zur Vermessung von Hohlwegprofilen
  • Das "Palm" als antikes Grundmaß für Spurweiten
  • Zusammenhang zwischen Hohlwegbreite und Fahrzeugspurweite
  • Fallstudien zu realen Spurweiten im Freistaat Sachsen

Auszug aus dem Buch

3. Das Palm als Grundmaß des Verkehrswesens der Antike

Wesentlich ist die Erkenntnis, dass frühere Handwerker die Spurweite der Karren von Innenkant zu Innenkant der Räder gemessen haben. Diese Innenkant-Weite ist um eine Reifenbreite R (anschaulich um zwei Hälften davon) kleiner als die von Mitte zu Mitte der Radreifen zu messende Spurweite S der Fahrzeuge. Nimmt man an, das Innenkantmaß betrage ein n-faches einer zur Bauzeit gültigen Masseinheit E (mit n = ganze Zahl), so gilt

S = n x E + R .

Die Beobachtung zeigt, dass in der Antike für E ein Palm einzusetzen ist: ein Palm = 1/4 des sog. römischen Fußes von 29,6 cm, d.h.

E = 29,6/4 cm = 7,4 cm = 1 Palm.

Der sog. römische Fuß von 29,6 cm geht auf weit ältere Maßsysteme früherer Kulturen zurück. Beispielsweise hatte er denselben Wert wie der altgriechische attisch-ionische Fuß und der noch ältere altägyptische sog. Nippurfuß. Deshalb war auch das Palm vermutlich bereits vor der römischen Antike bis ins hohe Mittelalter ein jederzeit reproduzierbares Grundmaß, da es etwa der Breite einer Hand (ohne Daumen!) der damaligen männlichen Bevölkerung entsprach.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Saumtiere und Saumpfade: Dieses Kapitel erläutert die historische Bedeutung von Saumtieren als Transportmittel und charakterisiert Saumpfade als meist schmale, steile Wege in Gebirgsregionen.

2. Einachsige und zweiachsige Fahrzeuge: Karren und Wagen: Hier erfolgt eine Differenzierung zwischen einachsigen Karren und zweiachsigen Wagen sowie die Beschreibung von Muldenhohlwegen als Relikte vergangener Verkehrsnutzung.

3. Das Palm als Grundmaß des Verkehrswesens der Antike: Das Kapitel führt das antike Maß "Palm" ein und leitet eine mathematische Formel her, um die Spurweite von Fahrzeugen über deren Innenmaß zu bestimmen.

4. Profilmodell für Muldenhohlwege: Der Autor präsentiert ein mathematisch-geometrisches Modell zur Messung der Hohlwegbreite und -tiefe, um eine Basis für die Auswertung im Gelände zu schaffen.

5. Von der Profilbreite der Hohlwege zur Spurweite der Fahrzeuge: Hier wird die aus den vorangegangenen Überlegungen abgeleitete Formel zur Berechnung der Spurweite S in Abhängigkeit von der gemessenen Hohlwegbreite B detailliert dargelegt.

6. Im Freistaat Sachsen an realen Hohlwegen ermittelte Spurweiten: Dieses Kapitel liefert eine empirische Auswertung von 57 Hohlwegabschnitten in verschiedenen sächsischen Regionen und verknüpft die Ergebnisse mit zeitlichen Nutzungsperioden.

7. Resümee: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und diskutiert den Übergang vom langsamen Maultier- oder Ochsenkarren zum Pferdewagen als entscheidenden Einschnitt im Verkehrswesen.

Schlüsselwörter

Muldenhohlwege, Altstraßen, Spurweite, Saumtiere, Karren, Wagen, Palmi-Tabelle, Verkehrsgeschichte, Freistaat Sachsen, Hohlwegprofil, Archäologie, historische Transportmittel, Radspur, Normspurweite, Geleisearchäologie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die historische Spurweite von Fahrzeugen wie Karren und Wagen, die über Jahrhunderte Hohlwege in Altstraßen hinterlassen haben.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Themen umfassen historische Wegekunde, die Entwicklung antiker Maßsysteme, mathematische Modellierung von Geländeprofilen und archäologische Felduntersuchungen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, aus heute messbaren Hohlwegprofilen auf die Spurweiten der historischen Fahrzeuge zu schließen und diese zeitlich sowie funktional einzuordnen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor nutzt eine Kombination aus historischer Recherche, der Entwicklung einer spezifischen Messeinrichtung für den Feldeinsatz und einem geometrischen Modell zur Berechnung der Spurweite.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der Definition des "Palm" als Grundmaß, der Herleitung der Messformel und der praktischen Anwendung auf verschiedene Testgebiete in Sachsen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Schlagworte sind Muldenhohlwege, Altstraßen, Spurweite, Karren, Wagen und historische Verkehrssysteme.

Wie unterscheidet sich die Nutzung der Wege in der Sächsischen Schweiz von anderen Gebieten?

Aufgrund der speziellen Geländemorphologie dominiert dort die Normspurweite von 107 cm, was auf eine starke Nutzung durch einachsige Karren bei gleichzeitiger Verkehrsferne hindeutet.

Warum war der Übergang zum Pferdewagen ein wichtiger Wendepunkt?

Der Übergang zum Pferdewagen ermöglichte durch das Kummet-Geschirr eine deutlich höhere Transportleistung, was wiederum die wirtschaftliche Entwicklung und das Städtewachstum im Mittelalter stark forcierte.

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Details

Title
Saumtier, Ochsenkarren oder Pferdewagen?
Subtitle
Ein Verfahren zur Bestimmung von Fahrzeug-Spurweiten in Muldenhohlwegen von Altstraßen
Author
Dr. Bernd Hofmann (Author)
Publication Year
2017
Pages
20
Catalog Number
V356934
ISBN (eBook)
9783668428973
ISBN (Book)
9783668428980
Language
German
Tags
Historische Geographie Altstraßenforschung Hohlweg Spurweitenbestimmung Freistaat Sachsen Sächsische Schweiz Osterzgebirge Pillnitz
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dr. Bernd Hofmann (Author), 2017, Saumtier, Ochsenkarren oder Pferdewagen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/356934
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