Politische Bildung in Schulen. Deren didaktisches Verständnis, Methoden, Medien und Anwendungsbeispiele


Hausarbeit, 2015
14 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Wozu benötigt man politische Bildung?

2. Das Unterrichtsverständnis

3. Die Methoden und die Medien der politischen Bildung
3.1 Die Anfangssituation
3.1.1 Das Spielen als Unterrichtseinstieg: ‚Bund-Länder-Gemeinden-Chaos-Spiel’
3.2 Das Unterrichtsgespräch
3.2.1 Das Gespräch als Gegenstand der politischen Bildung
3.3 Das Lernen durch Texte
3.3.1 Anwendungsbeispiele
3.4 Die digitalen Medien als Herausforderung der politischen Bildung
3.4.1 Die digitalen Medien als Werkzeug im politischen Unterricht

4. Wann beginnt die Vermittlung von politischer Bildung?

Literaturverzeichnis

1. Wozu benötigt man politische Bildung?

Gründe, warum politische Bildung so wichtig für die Gesellschaft ist, gibt es viele. Dass sie demokratisches Bewusstsein schärft und Engagement fördert, stellen nur zwei wesentliche Aspekte dar. Außerdem vermittelt diese Art von Bildung demokratische Werte und Zusammenhänge, so dass das Vertrauen der Menschen in die Demokratie gestärkt werden kann. Deshalb trägt politische Bildung zu einer stabilen Demokratie bei und verhindert, dass sie vor allem in schwierigen sozialen und wirtschaftlichen Lagen nicht labil wird. In einer immer komplexer werdenden Welt ist es hilfreich, dass politische Bildung Klarheit in schwierigen Zusammenhängen vermittelt, ohne Informationen zu vernachlässigen. Das fördert eigenverantwortliches Handeln und die Verantwortungsbereitschaft. Somit kann man festhalten, dass politische Bildung ein Teil ganzheitlichen Bildung ist. Diese Art der Bildung wirbt für ein langfristiges politisches und bürgerschaftliches Engagement und ermutigt deshalb Menschen zur Übernahme von Verantwortung. Außerdem werden Menschen dadurch zur aktiven Ausübung von politischen Aufgaben qualifiziert.

Die vorangestellte Auflistung von Gründen für eine Ausübung und Aneignung von politischer Bildung zeigt, welch einen bedeutsamen Stellenwert politische Bildung in unserer Gesellschaft haben muss und wie wichtig deren frühzeitige Vermittlung – beispielsweise in Schulen – ist.

In den nachfolgenden Ausführungen soll der Frage nachgegangen werden, wie politische Bildung in einer praktischen Unterrichtseinheit umgesetzt wird. Im Zuge dessen werden Methoden und Medien aufgeführt, welche dabei Anwendung finden können. Schlussendlich wird der Beginn der Vermittlung von politischer Bildung geklärt.

2. Das Unterrichtsverständnis

Um Methoden und Medien politischer Bildung näher erläutern zu können, muss man vorweg das Verständnis von Unterricht klären.

Unterricht ist kein natürlicher Zustand. Im allgemeinen Sinne ist es ein künstlicher und konstruierter Prozess, in dem sogar dem Lernenden ein Zwang auferlegt wird. Es ist also eine Situation, die bewusst geschaffen wird. Durch interaktive Kommunikation wird zum Teil eine gewisse Spontaneität geschaffen, jedoch grundsätzlich ist vom Beginn bis zum Schluss der Einheit alles mit einer speziellen didaktischen Absicht vorgeplant. „Mit anderen Worten: Jeder Unterricht schafft bewusst antizipierte Situationen“[1]. Deswegen muss jede Methode, die man als Einstieg in die Unterrichtseinheit wählt, das potentielle Ende berücksichtigen.

In der politischen Bildung ist es besonders wichtig, die Unterrichtseinheit in drei Teile zu gliedern, den Einstiegs-, Haupt- und Schlussteil, da hierbei stets Einstellungen, Verhalten und Engagement eine wesentliche Rolle spielen.[2]

Im Nachfolgenden werden nun Methoden für die drei Teile einer Unterrichtsstunde aufgeführt, die in der politischen Bildung Anwendung finden.

3. Die Methoden und die Medien der politischen Bildung

Möchte man einen Gegenstand im Unterricht besprechen, so stellt man sich die Frage, wie bringe ich diesen in den Fragehorizont des Schülers ein und vor allem wie gestalte ich diesen für ihn interessant? Roth schrieb 1962 dazu: „Durch Rückverwandlung toter Sachverhalte in lebendige Handlungen, aus denen sie entsprungen sind; Gegenstände in Erfindungen und Entdeckungen, Werke in Schöpfungen, Pläne in Sorgen, Verträge in Beschlüsse, Lösungen in Aufgaben, Phänomene in Urphänomene“[3].

In den folgenden Abschnitten werden Methoden erklärt, die dazu beitragen, politische Bildung in Unterrichtseinheiten einzubetten.

3.1 Die Anfangssituation

Bei der Anfangssituation zu einer Unterrichtseinheit in politischer Bildung handelt es sich nicht um die Frage, wie der Lehrende die Stunde beginnen soll, sondern vielmehr darum, welche methodischen Möglichkeiten es zum Einstieg in neue Sachthemen gibt.

Zwar wird nicht jede Unterrichtsstunde mit einem neuen Thema begonnen, aber davon unabhängig beinhalten auch diese Unterrichtseinheiten immer einen Anfang, einen Mittel- und einen Schlussteil. Bei den Themen, die mehrere Stunden oder zum Teil Wochen beanspruchen, wird die Anfangssituation so gestaltet, dass ein Anknüpfen an die vorherige Stunde möglich ist, wie beispielsweise bei der Hausaufgabenkontrolle[4].

Anfangssituationen, die in neue Thematiken einführen sollen, müssen sich einer fachdidaktischen Reflexion unterziehen. „Sie müssen ihre jeweils spezifische ‚Leistung’ entfalten und letztlich ihre Legitimation im Zusammenhang von Methode und Inhalt erhalten“[5]. Zunächst soll der Einstieg im Allgemeinen neugierig machen und den Lernenden disziplinieren, so dass eine produktive Zusammenarbeit entstehen kann. Des Weiteren soll sie den Lernenden die Verantwortung übertragen, selbst zu entscheiden, was und wie er lernen möchte und in ihm das Verständnis für die Notwendigkeit eines mit Regeln behafteten Zusammenarbeitens wecken. Außerdem soll dem Lernenden ein Zugang zu methodensicherem und handlungsorientiertem Umgang geschaffen werden. Die Einstiegssituation sollte eine Fragestellung beim Lernenden hervorrufen, wesentliche Aspekte des Themas vorstellen, über den weiteren Verlauf der Einheit informieren und eine Verbindung zu bereits erlerntem (Vor-)Wissen herstellen[6].

Im anschließenden Beispiel wird exemplarisch eine Einstiegsphase dargestellt, die eine Vielzahl der eben genannten Ansprüche an den Unterrichtseinstieg erfüllt.

3.1.1 Das Spielen als Unterrichtseinstieg: ‚Bund-Länder-Gemeinden-Chaos-Spiel’

Spiele im Unterricht sind vorgestellte Situationen, die ein zweckgerichtetes Handeln herbeiführen. Ein wesentlicher Bestandteil ist hierbei die Intensivierung des Lernprozesses, da durch den Spielablauf das Lerntempo verlangsamt wird. Außerdem fördert das Spiel das Methoden- und Regelbewusstsein, da klar definierte Regeln eingehalten werden müssen, um ein Thema bearbeiten zu können. Da das Spielen aufgrund der zielgerichteten Tätigkeit handlungsorientiert und produktiv ist, steht am Ende der Einstiegsphase ein Ergebnis, wie beispielsweise eine Aufführung oder ein Planspielprotokoll.[7]

Die Spielanleitung

Das Bund-Länder-Gemeinden-Chaos-Spiel ist für die mittlere Sekundarstufe I, d.h. die siebte bis neunte Klasse, konzipiert. Es nimmt Bezug auf eines der Themen, die in diesen Jahrgangsstufen erarbeitet werden sollen wie beispielsweise grundlegende Kenntnisse über die politischen Institutionen der Bundesrepublik Deutschland und deren Funktionsträgern.

Dazu benötigt man ein Holzspielbrett, auf welches man typische und prägnante Symbole für das zu erarbeitende Thema kleben kann, wie in diesem Fallbeispiel ein Bild des Reichstags in Berlin, in welchem die Sitzungen des Bundestages stattfinden. Das Brett beinhaltet eine Würfelstraße mit circa 150 Feldern, das aus den ausgewählten Motiven besteht. Ein jedes dieser Motive wird nochmals auf der Vorderseite einer Karte vergrößert dargestellt, welche im Klassenraum verteilt wird. Die Rückseite der jeweiligen Karte ist mit einem ‚Codewort’ bestückt. Der Klassenleiter hat eine Liste von Aufgaben, die jeweils einem dieser Codewörter zugeordnet sind.

Die Klasse wird in Gruppen mit einem Umfang von fünf bis sechs Leuten aufgeteilt. Jeder Gruppe wird eine Spielfigur zugewiesen und es wird gewürfelt. Wenn eine Spielfigur auf einem Feld mit einem Symbol landet, teilt sich die Gruppe auf, um die Karte mit dem Symbol im Klassenraum zu finden. Wenn die Karte gefunden ist, erhalten sie für das Codewort auf der Rückseite beim Klassenleiter eine Aufgabe. Die Aufgabe ist so konzipiert, dass sie durch das Vorwissen der Schüler, Lektüren oder Hausaufgaben aus vorherigen Texten beantwortet werden kann. Neben den Wissensfragen werden auch Aufgaben gestellt, die kreativ zu lösen sind. So müssen beispielsweise Szenen aus dem Bundestag pantomimisch von einem Mitglied der Gruppe nachgespielt werden und die restlichen Gruppenmitglieder müssen erraten, um welche Situation es sich dabei handelt. Ebenso können Dialoge spontan erfunden oder Zeichnungen von wichtigen politischen Gebäuden angefertigt werden. Schafft es die Gruppe, die Aufgabe zu lösen, darf sie auf dem Spielbrett weiter würfeln. Wird die Aufgabe nicht erfüllt, so muss die Gruppe ihre Figur zurückstellen. Die Gruppe, welche als erste das Ziel erreicht, hat gewonnen[8].

Die Bewertung aus pädagogischer Sicht

Das Spiel ‚Bund-Länder-Gemeinden-Chaos-Spiel’ dient in erster Linie der Überprüfung des Wissensstands der Schüler[9]. Dieser wird jedoch, nicht wie bei einer reinen mündlichen Abfrage herausgefunden, sondern auf spielerische und spannende Art und Weise. Dabei kann durch den Lehrenden der Vorwissensstand über ein bestimmtes Thema erforscht werden. Außerdem kann die offen gestaltete Wissensabfrage ein Anreiz für Schüler sein, sich nicht nur durch die Unterrichts-Mitschriften und Texte zu bilden, sondern ebenso durch das aufmerksame Lesen von politischen Magazinen, der Tageszeitung oder durch das Anhören oder Ansehen von Nachrichtensendungen. Es kann nur derjenige erfolgreich mitspielen, der entsprechende Vorkenntnisse besitzt. Deshalb kann folglich eine potentiell gewissenhaftere Sorgfalt bei der Vorbereitung auf den Unterricht entstehen, da der Spielerfolg damit in Zusammenhang steht. Auch die mögliche erhöhte Bereitschaft etwas zum Wissen der Gruppe beizutragen, ist nennenswert. Schon allein der Spaß während des Spiels und der Spielsieg könnten Anreiz genug für eine Vorbereitung sein. Das Spiel verbindet sportliche (Suchen der Karten), kreative (schauspielerische und künstlerische Beantwortung der Fragen) und Wissenskomponenten[10].

Ob jedoch solch ein zeitintensives Spiel in der Einstiegsphase durchgeführt werden kann, ist fraglich.

3.2 Das Unterrichtsgespräch

Das alltägliche Gespräch als Handlungsform in Unterrichtsgeschehnissen ist das Unterrichtsgespräch. Diesem Begriff einen fachlichen Wert zu zuschreiben, ist eine schwierige Aufgabe. Die Definitionen sind unübersichtlich und teilweise widersprüchlich. So schrieb Mickel 1969, dass schon ein „echtes Gespräch“[11] der Beginn politischer Bildung sei. Wenn laut Reinhardt im letzten Jahrzehnt das Gespräch als Unterrichtsverfahren überhaupt noch aufgeführt wird, dann nur noch in negativer Form[12].

[...]


[1] Greving, J.; Paradies, L. (2005): Methoden des Beginnens: Unterrichtseinstiege und Anfangssituationen. In: Sander, W. (Hrsg.): Handbuch politische Bildung. 3. Aufl. Schwalbach. Wochenschau Verlag. S. 487.

[2] Vgl. ebd. S. 488.

[3] Roth, H. (1965): Pädagogische Psychologie des Lehrens und Lernens. 5.Aufl. Hannover. Schroedel. S. 123 f.

[4] Vgl. Hage, K. u.a. (1986): Handlungsorientiert lehren und lernen. Bad Heilbronn. Leske und Budrich.

[5] Greving, J.; Paradies, L. (2005): Methoden des Beginnens: Unterrichtseinstiege und Anfangssituationen. In: Sander, W. (Hrsg.): Handbuch politische Bildung. 3.Aufl. Schwalbach. Wochenschau Verlag. S. 488 f.

[6] Vgl. Scholz, L. (2001): Methoden-Kiste. Thema im Unterricht. Karteikarten. Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.). 2.Aufl. Bonn.

[7] Vgl. ebd.

[8] Vgl. Greving, J.; Paradies, L. (2005): Methoden des Beginnens: Unterrichtseinstiege und Anfangssituationen. In: Sander, W. (Hrsg.): Handbuch politische Bildung. 3.Aufl. Schwalbach. Wochenschau Verlag. S. 492.

[9] Vgl. ebd. S. 493.

[10] Vgl. Greving, J.; Paradies, L. (2005): Methoden des Beginnens: Unterrichtseinstiege und Anfangssituationen. In: Sander, W. (Hrsg.): Handbuch politische Bildung. 3.Aufl. Schwalbach. Wochenschau Verlag. S.490 ff.

[11] Mickel, W. (1969): Methodik des politischen Unterrichts. 2.Aufl. Frankfurt am Main. Hirschgraben-Verlag. S. 70.

[12] Vgl. Reinhardt, S. (2000): Unterrichtsgespräch. In: Weißeno, G. (Hrsg.): Lexikon der politischen Bildung. Bd. 3. Schwalbach. Wochenschau Verlag. S. 198 f.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Politische Bildung in Schulen. Deren didaktisches Verständnis, Methoden, Medien und Anwendungsbeispiele
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
2,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
14
Katalognummer
V357212
ISBN (eBook)
9783668428614
ISBN (Buch)
9783668428621
Dateigröße
613 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Politik, Politische Bildung, Schulbildung, Politikdidaktik, Medien, Demokratie
Arbeit zitieren
Maria Ernst (Autor), 2015, Politische Bildung in Schulen. Deren didaktisches Verständnis, Methoden, Medien und Anwendungsbeispiele, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/357212

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