Zwischen 1648 und 1653 erlebte das Frankreich des Anciene Régime mit der Fronde eine schwere innenpolitische Krise. Der seit 1635 währende Französisch-Spanische Krieg so-wie Frankreichs Involvierung in den Dreißigjährigen Krieg lasteten schwer auf dem Land. Die drastisch steigenden Lebensmittelpreise und Steuerlasten führten zu zahlreichen Ausschreitungen und lokalen Aufständen. Die Schuld wurde dabei oft dem ersten Minister, Kardinal Richelieu und dessen Nachfolger Kardinal Mazarin gegeben.
In der Mitte des 17. Jahrhunderts traten nun die Richter der provinziellen und der Pariser Gerichte zunehmend in den Vordergrund und begannen der Regierungspolitik in Fragen der Steuern und der Regierungspraxis zu widersprechen. Die daraus entstehenden Auseinandersetzungen mündeten letztlich in einer Union der Pariser Gerichtshöfe, die in 27 Artikeln ein Reformprogramm zu den genannten Problemen entwarfen, das sich mit der Unterzeichnung des Vertrags von Rueil am 12. März 1649 vorläufig durchgesetzt zu haben schien.
Die Thematik der Fronde wurde außerhalb Frankreichs durch Boris Porsnevs Monographie „Die Volksaufstände in Frankreich vor der Fronde“ erstmals in größerem Umfang diskutiert. Porsnev interpretiert die Fronde dabei als den fehlgeschlagenen Versuch einer bürgerlichen Revolution.(...) In einem größeren Zusammenhang fand Die Fronde im Zuge der Debatte um die allgemeine Krise des 17. Jahrhunderts Erwähnung. Hugh TrevorRoper sah die Fronde dabei im Lichte seiner Krisentheorie des Renaissancestaates, der mit seinem Ämterhandel, Patronagesystemen und ineffizienter Besteuerung letztlich „parasitäre“ Züge angenommen habe und so eine „puritanische“ Gegenbewegung hervorrief.
Tatsächlich treten in der Fronde Parlementaire direkt oder indirekt verfassungspolitisch relevante Fragen zutage, die unter anderem in den Forderungen der Richter der Cours Souveraines von Paris ihren Ausdruck finden.
In dieser Arbeit möchte ich daher die verfassungspolitischen Aspekte der Parlaments-fronde betrachten, um zu einer Einschätzung zu gelangen, inwiefern die Ereignisse von 1648 bis 1649 der Krisentheorie Trevor-Ropers entsprechen. Die Betrachtung soll dabei auf die Ereignisse in Paris beschränkt bleiben. Dabei werde ich mich auf die 27 Artikel der Chambre Saint Louis stützen, da sie Ausdruck der konkreten Reformvorstellungen der officiers sind und wegen ihres rechtlichen Charakters vor allem ein Zeugnis davon geben, wo sich die Richter im legislativen Prozess verorten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vorbedingungen
2.1. Die Dysfunktionalität des Steuersystems
2.2. Die Stellung der Officiers
2.3. Der Ausbau der königlichen Prärogative
3. Der Weg zur Fronde Parlementaire
4. Rechtliche Problematik der Chambre Saint Louis
5. Die Artikel der Chambre Saint Louis
5.1. Die Reform des Staatsapparats
5.2. Die Eigeninteressen der Officiers
5.3. Die Reform des Steuerwesens
6. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die verfassungspolitischen Aspekte der Fronde Parlementaire zwischen 1648 und 1649, um deren Einordnung in die Krisentheorie von Trevor-Roper zu prüfen. Der Fokus liegt dabei auf der Analyse der 27 Artikel der Chambre Saint Louis, die als Ausdruck der Reformvorstellungen der Amtsinhaber (Officiers) dienen und die rechtliche Positionierung der Richter im legislativen Prozess widerspiegeln.
- Krise des Ancien Régime im 17. Jahrhundert
- Struktur und Rolle der Officiers in der französischen Monarchie
- Konflikt zwischen königlicher Prärogative und richterlichem Rechtsanspruch
- Fiskalische Krise und Reformbestrebungen des Steuerwesens
- Die Chambre Saint Louis als politische Körperschaft
Auszug aus dem Buch
2.1. Die Dysfunktionalität des Steuersystems
Von den 27 Artikeln, die in der Chambre Saint Louis abgefasst wurden, befassen sich 19 mit Steuern und Steuerrecht. Dies verweist bereits darauf, dass hierin einer der zentralen Konfliktpunkte in der französischen Gesellschaft lag, die zur Fronde führen sollten.
Die französischen Staatseinnahmen setzten sich im wesentlich aus dem Erlös des Verkaufes von Ämtern sowie direkten und indirekten Steuern zusammen. Letztere machten ca. 1/4 der Staatseinkünfte aus und wurden als Pachten an die traitants bzw. partisans vergeben, die eine festgesetzte Summe für das Recht auf deren Erhebung zu entrichten hatten. Der an diese Gruppe erhobene Vorwurf der Korruption verschärfte sich zunehmend, nachdem die Steuerlasten durch den Krieg gegen die Habsburger drastisch gestiegen waren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert die innenpolitische Krise Frankreichs zwischen 1648 und 1653 sowie den Forschungsstand zur Fronde als potenzieller bürgerlicher Revolution oder innerabsolutistischer Beamtenrevolte.
2. Vorbedingungen: Dieses Kapitel analysiert das defizitäre Steuersystem, die gesellschaftliche Stellung der Officiers sowie den Machtkonflikt um die königliche Prärogative vor Ausbruch der Fronde.
3. Der Weg zur Fronde Parlementaire: Es werden die eskalierenden Konflikte zwischen der Krone und den Parlamenten bezüglich der Steuergesetzgebung und des königlichen Absolutismus dargestellt.
4. Rechtliche Problematik der Chambre Saint Louis: Das Kapitel beleuchtet die verfassungsrechtliche Grauzone, in der sich die Versammlung der vier obersten Pariser Gerichtshöfe bewegte.
5. Die Artikel der Chambre Saint Louis: Hier werden die inhaltlichen Reformforderungen der Richter hinsichtlich Staatsapparat, eigener Interessen und Steuerreform detailliert untersucht.
6. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Einordnung der Fronde Parlementaire als konservative, legalistisch geprägte Bewegung, die den Status der Officiers innerhalb der Monarchie zu sichern suchte.
Schlüsselwörter
Fronde Parlementaire, Ancien Régime, Officiers, Chambre Saint Louis, Steuerwesen, Rechtsprechung, Absolute Monarchie, Krise des 17. Jahrhunderts, Mazarin, Parlament von Paris, Verfassungspolitik, Steuerpacht, Politische Reformen, Souveränität, Magistratur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die verfassungspolitischen Implikationen der Fronde Parlementaire im Frankreich des 17. Jahrhunderts, insbesondere im Hinblick auf das Spannungsfeld zwischen der königlichen Zentralgewalt und den juristischen Körperschaften.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder umfassen das französische Steuersystem, die Käuflichkeit und Stellung der Officiers sowie die rechtlichen Auseinandersetzungen um die königliche Prärogative.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?
Das Ziel ist es, zu bewerten, inwiefern die Ereignisse der Parlamentsfronde 1648/1649 die Krisentheorie von Hugh Trevor-Roper stützen oder durch eine konservative Beamtenrevolte im Sinne Ernst Hinrichs besser erklärt werden können.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Der Autor stützt sich primär auf eine historisch-analytische Auswertung der 27 Artikel der Chambre Saint Louis, ergänzt durch die Einbettung in aktuelle geschichtswissenschaftliche Debatten der Epoche.
Welche Inhalte werden im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Reformvorstellungen der Richter zur Struktur des Staatsapparats, ihre Eigeninteressen als juristische Elite und die tiefgreifenden Forderungen zur Umgestaltung des Steuerwesens.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Begriffe wie Fronde Parlementaire, Officiers, Chambre Saint Louis und der Konflikt zwischen königlicher Souveränität und richterlichem Legalismus definieren den Kern der Arbeit.
Welche Rolle spielten die "traitants" im Konflikt?
Die traitants waren Steuerpächter, die für die Einziehung direkter und indirekter Steuern verantwortlich waren; gegen ihre korrupten Praktiken richteten sich weite Teile der parlamentarischen Reformartikel.
Wie begründeten die Richter ihr Vorgehen gegen die Krone?
Die Richter verstanden sich als Hüter der monarchischen Tradition und begründeten ihr Handeln mit dem Wunsch nach einer ordnungsgemäßen Registrierung von Gesetzen und dem Schutz des Staates vor der vermeintlichen Willkür der königlichen Kommissionen.
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- Johannes Konrad (Autor:in), 2016, Die verfassungspolitischen Implikationen der Fronde Parlementaire, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/357261