Handelsstrategien mit Aktienoptionen. Grundlagenforschung zu Spreads und Combinations


Seminararbeit, 2015

18 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Symbolverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Risiko schafft Rendite

2. Grundlagen
2.1. Kauf- und Verkaufsoptionen
2.2. Veranschaulichung am Beispiel

3. Spreads
3.1. Bull-Spread
3.2. Bear-Spread
3.3. Butterfly-Spread

4. Combinations
4.1. Straddle
4.2. Strip/Strap
4.3. Strangle

5. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Symbolverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Call- und Put-Optionen auf Aktien der fiktiven Wertpapier AG

Tab. 2: Zusammenfassung der Optionsstrategien Quelle: Eigene Darstellung, Idee nach Geyer/Uttner (2007), S. 108

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Gewinn/Verlust aus einer Call-Option

Abb. 2: Gewinn aus Optionen in Long-Position

Abb. 3: Gewinn aus einem Bull-Call-Spread

Abb. 4: Gewinn aus einem Bear-Put-Spread

Abb. 5: Gewinn aus einem Butterfly-Call-Spread

Abb. 6: Gewinn aus einem Straddle

Abb. 7: Gewinn aus einem Strip/Strap

Abb. 8: Gewinn aus einem Strangle mit 5-Euro-Range

Abb. 9: Gewinn aus zwei Strangles im Vergleich

1. Risiko schafft Rendite

Der im September bekannt gewordene Abgas-Skandal um den Volkswagen-Konzern zeigt einmal mehr, wie schlagartig sich die Kurse an der Börse entwickeln können: Die Volks­wagen-Aktie, die vor dem Bekanntwerden bei etwa 170 Euro lag, fiel binnen weniger Tage um mehr als 35% und lag zwischenzeitlich unter 93 Euro[1]. Während die Manipulation der Abgaswerte für den Konzern zur größten Krise seiner Geschichte werden könnte, bieten solche extremen Kursveränderungen Spekulanten die Möglichkeit, an der Talfahrt der Aktie zu verdienen.

Natürlich birgt es stets ein sehr hohes Risiko, auf einen Kursverfall oder allgemein gegen den aktuellen Aktientrend zu setzen, mit der richtigen Handelsstrategie kann dieses jedoch systematisch minimiert werden. In der vorliegenden Arbeit sollen ebensolche Handelsstrategien betrachtet werden: Nach einer knappen Einführung in die zugrundeliegenden Mechanismen sollen die Strategien Bull-Spread, Bear-Spread, Butterfly-Spread, Straddle, Strip/Strap und Strangle erläutert, anhand von Beispielen veranschaulicht und deren Vor- und Nachteile betrachtet werden.

Diese Seminararbeit besitzt dabei nicht den Anspruch, neue Strategien zu entwickeln oder neue Erkenntnisse zu schaffen, sondern alle wichtigen Informationen zu den unterschiedlichen Varianten zusammenzutragen und auch einem Laien zu ermöglichen, in Abhängigkeit der Marktentwicklung, die er erwartet, die richtige Handelsstrategie auszuwählen.

2. Grundlagen

2.1. Kauf- und Verkaufsoptionen

Die im Folgenden diskutierten Handelsstrategien basieren jeweils aus einer bestimmten Kombination aus Kaufs- und Verkaufsoptionen, daher sollen zunächst diese beiden Derivate erläutert werden.

Eine Kaufoption wird auch Call genannt. Sie räumt dem Besitzer das Recht ein, ein bestimmtes Gut, das als Underlying bezeichnet wird, an einem bestimmten Tag[2] (Fälligkeit) zu einem festgelegten Preis (Basispreis) zu kaufen. Im Gegensatz zu Future- oder Forward-Kontrakten muss diese Option allerdings nicht realisiert werden; sofern die Option bei Fälligkeit keinen Vorteil für den Halter darstellt, kann und wird er diese verfallen lassen. Man spricht davon, dass sich der Besitzer des Derivates in der Long-Position befindet – sein Handelspartner, der Verkäufer, kann nicht beeinflussen, ob die Option ausgeübt wird und befindet sich in der Short-Position. Als Gegenleistung für die Verpflichtung erhält der Verkäufer einen festen Betrag (Optionsprämie), der vorwiegend vom aktuellen Wert des Underlyings, dem Basispreis und der Fälligkeit abhängt.

Der Käufer eines Calls spekuliert darauf, dass der Marktwert des Underlyings bis zur Fälligkeit über den Basispreis steigt, sodass er das Gut zum vereinbarten Basispreis kaufen und sofort zum (höheren) Marktpreis wieder verkaufen kann.[3] Die Differenz aus diesen beiden Preisen entspricht, abzüglich der Optionsprämie , seinem Gewinn . Da die Option nur ausgeübt wird, wenn sie für den Besitzer positiv ist, kann die Differenz der Preise, bezogen auf seinen Gewinn, nicht negativ werden. Der mögliche Verlust ist also auf die Höhe der Optionsprämie begrenzt[4]. Die Gewinnfunktion[5], dargestellt in Abb. 1, lautet daher:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Negiert man diese Funktion, so erhält man die Gewinnfunktion der Short-Position . Die Gewinnfunktion eines Calls in Short-Position ist nach oben hin durch die Höhe der Optionsprämie begrenzt, nach unten ist sie jedoch nicht begeschränkt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Gewinn/Verlust aus einer Call-Option

Nach demselben Schema gibt es auch die Möglichkeit, eine Verkaufsoption, einen Put, zu erwerben und auf fallende Kurse zu spekulieren. Daraus ergibt sich für einen Long Put die Gewinnfunktion :

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Auch bei Verkaufsoptionen erhält man durch die Negation der Gewinnfunktion in Long-Position die entsprechende Funktion des Optionsverkäufers :

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2. Veranschaulichung am Beispiel

Zur Veranschaulichung der im Folgenden erläuterten Handelsstrategien sollen als Beispiel Call- und Put-Optionen auf 100 Aktien der fiktive Wertpapier AG herangezogen werden, deren Aktienkurs am 18.12.2015 bei 52,00 € steht. Die verfügbaren Derivate sind in Tab. 1 dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 1: Call- und Put-Optionen auf Aktien der fiktiven Wertpapier AG

In Abb. 2 ist der Gewinn des Derivatekäufers in Abhängigkeit des Aktienkurses für eine Call-Option zum Basispreis von 45 Euro und für eine Put-Option zum Basispreis von 55 Euro dargestellt. Die Gewinn-/Verlustsituation für die Short-Position (Verkauf der jeweiligen Option) ist jeweils genau gegenläufig zur Long-Position.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Gewinn aus Optionen in Long-Position

In der Abbildung erkennt man, dass der Besitzer die Call-Option bei Aktienkursen unterhalb des Basispreises verfallen lässt und sein Verlust genau der Optionsprämie entspricht. Ab dem Basispreis generiert die Option Auszahlungen, der Break-Even wird jedoch erst bei einem Aktienkurs von 48,75 Euro erreicht, da die Auszahlung bei diesem Wert genau die Optionsprämie egalisiert:

3. Spreads

Da es keine Beschränkung gibt, in welcher Menge Optionen auf dasselbe Underlying erworben und verkauft werden können, gibt es zahlreiche Kombinationsmöglichkeiten von Call- und Put-Optionen, die als Options- oder auch Handelsstrategien bezeichnet werden. Sofern für eine Strategie ausschließlich Call- oder Put-Optionen verwendet werden (und nicht beide Typen), spricht man von einem Spread.[6]

Grundsätzlich werden drei Typen von Spreads unterschieden[7]:

- Vertikal: Bei einem Price-Spread besitzen die einzelnen Optionen alle dieselbe Fälligkeit, jedoch (teilweise) unterschiedliche Basispreise.
- Horizontal: Calendar-Spreads bestehen aus Optionen mit identischem Basispreis, unterscheiden sich jedoch hinsichtlich der Fälligkeit.
- Diagonal: Die Optionen von Diagonal-Spreads unterscheiden sich sowohl im Basispreis als auch in der Laufzeit.

Im Folgenden sollen nur Price-Spreads betrachtet und dabei die drei wichtigsten Bull-Spread, Bear-Spread und Butterfly-Spread erläutert werden. Diese zeichnen sich dadurch aus, dass sowohl der maximale Gewinn als auch der maximale Verlust jeweils begrenzt ist.

Einige andere Formen wie Box Spreads[8] oder Condors[9] stellen lediglich Kombinationen aus diesen drei Strategien dar und werden daher, ebenso wie Ratio-Spreads[10] nicht weiter behandelt.

3.1. Bull-Spread

Ein Bull-Spread, oder auch französisch Hausse-Spread, eignet sich, wie der Name bereits verrät, für einen Bullenmarkt. Diese Bezeichnung für steigende Kurse geht auf die Tatsache zurück, dass Bullen beim Angriff mit ihren Hörnern von unten nach oben stoßen, während Bären mit ihren Tatzen von oben nach unten hauen[11].

Ein Bull-Spread kann mithilfe zweier Call-Optionen oder zweier Put-Optionen gebildet werden. Die erstere Variante wird durch den Erwerb einer Call-Option und den Verkauf einer Call-Option gebildet, wobei der Basispreis der Short-Position höher sein muss als der der Long-Position[12]. Durch diese Kombination wird zwar der mögliche Gewinn, gegenüber einem reinen Long-Call, begrenzt, dafür reduziert sich allerdings auch der maximale Verlust[13] (durch den Erhalt der Optionsprämie) und der Anleger kann bereits ab einem niedrigeren Aktienkurs einen Gewinn erzielen. Daher ist diese Strategie besonders geeignet, wenn der Anleger nur einen mittelmäßigen Kursanstieg erwartet:

Erwartet der Anleger hingegen einen drastischen Kursanstieg, so liegt der Kauf eines Calls nahe, denn der daraus resultierende Gewinn ist nach oben hin nicht begrenzt. Wenn jedoch nur von einem leichten Kursanstieg ausgegangen wird, könnte die Optionsprämie des Calls höher sein als der Gewinn aus ihr. Um mehr Geld einzunehmen, bietet es sich für den Anleger nun an, eine Call-Option zu verkaufen, deren Basispreis etwa dem erwarteten Aktienkurs bei Fälligkeit entspricht (und daher über den Basispreis der erworbenen Call-Option liegt). Die erhaltene Optionsprämie verringert den maximal möglichen Verlust.

Ein Bull-Call-Spread für die in Abschnitt 2.2 genannte Wertpapier AG zu den Basispreisen 45 (Long) und 55 Euro (Short) ist in Abb. 3 dargestellt. Ein Bull-Put-Spread verfügt über etwa dasselbe Auszahlungsprofil, wird jedoch durch die Position in zwei Put-Optionen gebildet. In der Put-Version des Bull-Spreads muss der Basispreis der Short-Position über dem der Long-Position liegen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Gewinn aus einem Bull-Call-Spread

3.2. Bear-Spread

Als Gegenstück zum Bull-Spread wirkt der Bear-Spread (französisch Baisse-Spread), mit dem bei fallenden Kursen Gewinn erzielt werden kann. Auch dieser kann als Call- oder Put-Spread implementiert werden und reduziert die möglichen Verluste gegenüber einem Short-Call oder Long-Put.[14]

Ein Bear-Put-Spread ergibt sich aus dem Verkauf einer Put-Option und dem Erwerb einer Put-Option mit höherem Basispreis. Wie Abb. 4 beispielhaft für die Wertpapier-Aktie zeigt, verringert sich zwar die Auszahlung bei Aktienkursen unterhalb des Short-Basispreises, für höhere Aktienkurse ist der Gewinn (durch die Optionsprämie des Short-Puts) jedoch höher bzw. der Verlust geringer.

Da ein Bear-Spread durch den Tausch der Position in jeder Option zum Bull-Spread wird, kann er auch als Verkauf eines Bull-Spreads interpretiert werden (und umgekehrt).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Gewinn aus einem Bear-Put-Spread

3.3. Butterfly-Spread

Ein Butterfly-Spread [15] entsteht durch die Einnahme von zwei Long- und zwei (identischen) Short-Positionen und basiert auf der Annahme etwa konstant bleibender Aktienkurse. Der Basispreis der (doppelten) Short-Option liegt dabei genau zwischen den Basispreisen der beiden Long-Optionen.[16]

Bis der Aktienkurs den niedrigsten Basispreis erreicht, wird keine der Optionen ausgeübt. Liegt der Kurs auf oder über dem höchsten Basispreis, so heben sich die Long- und Short-Positionen (wertmäßig) gegenseitig auf. In beiden Fällen entspricht die Auszahlung also Null, der Anleger verliert jedoch in der Regel durch die Differenz der gezahlten und erhaltenen Optionsprämien. Zwischen den beiden Long-Basispreisen ergibt sich jedoch eine positive Auszahlung, die umso höher ist, je näher der Aktienkurs am Basispreis der Short-Option liegt. Erreicht der Kurs exakt diesen Wert, so wird nur der niedrigere Long-Call bzw. der höhere Long-Put realisiert und stellt somit, nach Verrechnung der Optionsprämien, den Gewinn des Anlegers dar. Abb. 5 veranschaulicht einen Butterfly-Call-Spread.

Ein Butterfly-Spread wird in der Regel dann verwendet, wenn der Anleger von sehr geringen Kursschwankungen ausgeht, hierbei entspricht der Short-Basispreis in etwa dem aktuellen Aktienkurs. Im Prinzip kann dieses Instrument aber auch dann Anwendung finden, wenn ein Anleger der Meinung ist, ein Kurswert recht genau prognostizieren zu können, sich aber dennoch absichern möchte.

[...]


[1] Aktienwerte vom 16.09. und 02.10.2015, entnommen dem Expertenchart der Frankfurter Allgemeinen Zeitung unter http://www.faz.net/aktuell/finanzen/kurs/aktien/volkswagen/DE0007664039/ am 12.11.2015.

[2] Zur Vereinfachung sollen in dieser Arbeit nur Optionen betrachtet werden, die ausschließlich am Verfallsdatum ausgeübt werden können (europäische Optionen).

[3] Vgl. Hull (2009), S. 232 f.

[4] Vgl. Geyer/Uttner (2007), S. 108.

[5] Für die Berechnungen von Gewinn und Verlust werden in dieser Arbeit die Transaktionskosten vernachlässigt.

[6] Vgl. Geyer/Uttner (2007), S. 97.

[7] Vgl. Horat (1990), S. 143.

[8] Vgl. Hull (2009), S. 284 oder Kolb/Overdahl (2007), S. 378.

[9] Vgl. Lingner (1991), S. 66 f.

[10] Vgl. Lingner (1991), S. 56 f.

[11] Vgl. FAZ (2003).

[12] Vgl. Hull (2009), S. 280.

[13] Vgl. Kolb/Overdahl (2007), S. 374.

[14] Vgl. Kolb/Overdahl (2007), S. 375 f.

[15] Lingner (1991, S. 50 ff.) bezeichnet diese Optionsstrategie als Sandwich-Spread oder Short-Butterfly-Spread. In dieser Arbeit soll bei der Benennung jedoch den neueren Werken gefolgt werden.

[16] Vgl. Hull (2009), S. 285 ff.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Handelsstrategien mit Aktienoptionen. Grundlagenforschung zu Spreads und Combinations
Hochschule
Universität Leipzig  (Institut für Unternehmensrechnung, Finanzierung und Besteuerung)
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
18
Katalognummer
V357345
ISBN (eBook)
9783668433007
ISBN (Buch)
9783668433014
Dateigröße
1016 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Aktien, Bull-Spread, Bear-Spread, Butterfly-Spread, Straddle, Strip, Strap, Strangle, Handelsstrategie
Arbeit zitieren
Nicolas Lehrmann (Autor), 2015, Handelsstrategien mit Aktienoptionen. Grundlagenforschung zu Spreads und Combinations, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/357345

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