Diese Bachelorarbeit beschäftigt sich mit den Einflussfaktoren auf die Tarifwahl, die Kunden bei Flugverbindungen wählen. Auf Basis des Datensatzes aus einer Conjoint-Analyse wird mithilfe des Programms Biogeme der Einfluss der einzelnen Aspekte ermittelt. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf der methodischen Arbeit, die stets allgemeinverständlich erläutert wird. Zudem werden die Kriterien eines gelungenen Experimentaldesigns behandelt.
Jeden Tag sieht man im Fernsehen Werbespots für Webseiten wie Swoodoo oder Fluege.de. Diese Preisvergleich-Portale für Flugtickets, mittlerweile mischt sogar Google in diesem Bereich mit, haben ihre Daseinsberechtigung aufgrund der schier unendlichen Anzahl an Airlines und Tarifen.
Alleine am Hamburger Flughafen operieren 67 Fluggesellschaften, in Frankfurt sind es sogar 138. Jede Airline bietet dabei zahlreiche Tarife an, die sich nicht nur in der Buchungsklasse (First, Business und Economy), sondern auch in der Flexibilität (Umbuchung und Stornierung) und den Zusatzleistungen unterscheiden.
Doch was genau ist uns beim Fliegen wichtig? Warum entscheidet sich ein Kunde für einen bestimmten Tarif? Wie viel sind ihm die Bequemlichkeiten der Business-Class wert? Und wie ˛flexibel muss der Flugtarif sein? Diese und ähnliche Fragen interessieren die Airlines aufgrund der großen Konkurrenz heute mehr denn je.
Um Antworten auf Fragen dieser Art zu finden, wurde an der Universität Hamburg eine Befragung durchgeführt, deren Ergebnisse in der vorliegenden Arbeit ausgewertet werden. Nachdem einige Grundlagen der Präferenzanalyse erläutert und das durchgeführte Experiment beschrieben wurde, werde ich auf diskrete Auswahlmodelle eingehen und ihre wichtigsten Eigenschaften kurz darstellen. Anschließend werden mehrere solcher Modelle aufgestellt, geschätzt und interpretiert. Als Letztes werde ich verschiedene Methoden aufzeigen, einen Versuchsplan für Experimente dieser Art aufzustellen.
Inhaltsverzeichnis
1 Konkurrenz im Luftverkehr
2 Präferenzanaylse
2.1 Präferenzmessung
2.2 Datensatz
2.3 Conjoint-Analyse
3 Spezifikation diskreter Auswahlmodelle
3.1 Nutzenfunktion
3.2 Schätzverfahren
3.3 Gütebeurteilung
4 Modellschätzung
4.1 Multinomial Logit
4.2 Test der IIA-Annahme
4.3 Nested Logit
5 Experimentaldesign
5.1 Vollständige Designs
5.2 Reduzierte Designs
5.3 Erneutes Experiment
6 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die verschiedenen Einflussfaktoren auf die Tarifwahl von Flugkunden und analysiert, wie diese Präferenzen mithilfe mathematischer Auswahlmodelle quantitativ erfasst werden können, um das komplexe Entscheidungsverhalten im Luftverkehr besser zu verstehen.
- Analyse von Kundenpräferenzen bei Flugtarifentscheidungen
- Anwendung von diskreten Auswahlmodellen (Logit-Modelle)
- Durchführung und Auswertung von Conjoint-Analysen
- Entwicklung optimaler Experimentaldesigns für Befragungen
Auszug aus dem Buch
Red Bus/Blue Bus-Paradoxon
Gehen wir davon aus, dass eine Person für eine bestimmte Strecke entweder den (roten) Bus nimmt, oder mit derselben Wahrscheinlichkeit, mit dem Auto fährt.
P(Auto) = 0.5 P(Bus) = 0.5 P(Auto) / P(Bus) = 1
Wird nun zusätzlich ein blauer Bus eingeführt, der sich, abgesehen von der Farbe, nicht vom roten Bus unterscheidet, würden nun erwarten:
P(Auto) = 0.5 P(roter Bus) = P(blauer Bus) = 0.25
Folgt man der IIA-Annahme, so darf sich das Verhältnis der Auswahlwahrscheinlichkeiten zweier Alternativen durch das Hinzufügen oder Entfernen von Alternativen nicht verändern, somit ergibt sich:
P(Auto) = P(roter Bus) = P(blauer Bus) = 0.33 P(Auto) / P(roter Bus) = 1
In diesem überspitzten Beispiel, in dem die beiden Busse in allen relevanten Punkten identisch sind, liegt die stärkste Form der Korrelation vor, die perfekte. Daher wird die Verletzung der IIA-Annahme schon durch den Unterschied zwischen den intuitiven und den formellen Wahrscheinlichkeiten deutlich. In echten Untersuchungen sind die Korrelationen, wenn vorhanden, sehr viel geringer und können nur rechnerisch nachgewiesen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Konkurrenz im Luftverkehr: Einführung in die Wettbewerbssituation im Flugmarkt und die Relevanz der Untersuchung von Tarifentscheidungen.
2 Präferenzanaylse: Theoretische Grundlagen der Nutzenmessung und Erläuterung von Datenstrukturen für Präferenzstudien.
3 Spezifikation diskreter Auswahlmodelle: Beschreibung der mathematischen Modellierung von Nutzenfunktionen, Schätzmethoden und Kennzahlen zur Gütebewertung.
4 Modellschätzung: Praktische Anwendung und Vergleich verschiedener Logit-Modelle zur Analyse der empirischen Daten.
5 Experimentaldesign: Methoden zur Konstruktion effizienter Versuchsdesigns für Befragungen unter Berücksichtigung verschiedener statistischer Anforderungen.
6 Zusammenfassung: Abschließende Bewertung der Ergebnisse und Ausblick auf weiterführende Forschungsmöglichkeiten.
Schlüsselwörter
Flugverkehr, Tarifwahl, diskrete Auswahlmodelle, Nutzenfunktion, Conjoint-Analyse, Multinomial Logit, Nested Logit, IIA-Annahme, Experimentaldesign, Präferenzmessung, BIOGEME, Modellschätzung, Kundenentscheidung, Preisgestaltung, Log-Likelihood
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Faktoren, die Kunden bei der Wahl eines Flugtarifs beeinflussen, und nutzt dazu datengestützte Auswahlmodelle.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit verknüpft ökonomische Nutzen- und Präferenztheorien mit Methoden der statistischen Modellierung im Flugverkehrssektor.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Es soll untersucht werden, welche Tarifattribute für Flugkunden ausschlaggebend sind und wie diese mathematisch durch diskrete Auswahlmodelle abgebildet werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es werden Conjoint-Analysen sowie verschiedene Logit-Modelle (Multinomial und Nested Logit) zur Parameterschätzung eingesetzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretische Modellspezifikation, die praktische Schätzung der Modelle mittels BIOGEME und die Gestaltung effizienter Versuchsdesigns.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind insbesondere diskrete Auswahlmodelle, Conjoint-Analyse, Nutzenfunktion und Experimentaldesign im Kontext der Flugtarifwahl.
Was besagt die IIA-Annahme in diesem Kontext?
Sie besagt, dass das relative Verhältnis der Auswahlwahrscheinlichkeiten zweier Optionen unabhängig von anderen Alternativen im Set bleiben sollte, was oft als problematisch für Logit-Modelle identifiziert wird.
Warum wird zwischen dem MNL- und dem NL-Modell unterschieden?
Das Nested Logit-Modell wird genutzt, um Korrelationen zwischen ähnlichen Alternativen (z.B. Business-Tarife) besser abzubilden, die das einfache Multinomial Logit-Modell aufgrund der IIA-Annahme nur unzureichend erfassen kann.
- Quote paper
- Nicolas Lehrmann (Author), 2014, Einflussfaktoren auf die Tarifwahl im Flugverkehr. Eine Analyse mithilfe konkreter Auswahlmodelle, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/357347