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Deposition und Pennalismus im 17. Jahrhundert. Studentische Initiationsriten im Spannungsfeld zwischen Verurteilung und Verharmlosung

Title: Deposition und Pennalismus im 17. Jahrhundert. Studentische Initiationsriten im Spannungsfeld zwischen Verurteilung und Verharmlosung

Term Paper (Advanced seminar) , 2001 , 35 Pages , Grade: 1,6

Autor:in: Daniel Koschera (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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„Wer von Tübingen kommt ohne Weib, von Wittenberg mit gesundem Leib,
von Helmstedt ohne Wunden, von Jena ohne Schrunden,
von Marburg ungefallen, hat nicht studiert auf allen.“

Dieser vielzitierte(1) Stammbuchvers scheint zunächst auf prägnante Weise die Zustände an den deutschen Universitäten des 17. Jahrhunderts zu formulieren, galt dieses doch gleich einer „communis opinio“ eines Großteils der Historiker, die sich mit der Kulturgeschichte des Studententums befasst haben, lange als eine „Zeit schweren Niedergangs“(2) , in der „tiefe Demoralisation“(3) die Studenten ergriffen habe. „Zügellosigkeit“(4) , ja „tierische Roheit und Verkommenheit“(5) zeichne diese „zucht- und sittenlose Jugend“(6) aus. Angesichts der “vollständige[n] Verwilderung auf den deutschen Hochschulen“ sei die „Schmach und Hülflosigkeit Deutschlands unsäglich“ gewesen.(7)
[...]
_____
1 Zitiert nach: Brügmann, A.: Zucht und Leben der deutschen Studenten 1648-1848 (Veröffentlichungen des Instituts für deutsche Studentengeschichte 1). Würzburg, 1941, S. 31. [...]
2 Bruchmüller, Wilhelm: Das deutsche Studententum von seinen Anfängen bis zu Gegenwart (Aus Natur und Geisteswelt 477). Leipzig, Berlin, 1922, S. 34.
3 Keil: Jenaisches Studentenleben, S. 89.
4 Baeker, Paul: Die Kämpfe um die akademische Freiheit einst und jetzt (Deutsches Wollen 1). Prenzlau, 1905, S. 20.
5 Kelter, Edmund: Ein Jenaer Student um 1630 (Eberhard von Todenwarth). Jena, 1908, S. 35.
6 Dolch, Oskar: Geschichte des deutschen Studententums. Graz, 1968 (Photomechanischer Nachdruck der Ausgabe von 1858), S. 149.
7 Ebenda. S. 148f.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die akademische Welt zwischen Reformation und Aufklärung. Eine kurze Einführung.

2. Die Deposition

3. Der Pennalismus

3.1 Formen und Auswüchse

3.2 Die älteren Landsmannschaften und ihre Rolle im Pennalismus

3.3. Widerstand

3.4. Erklärungsversuche und Deutungsmuster

Schlussbetrachtung

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die studentischen Initiationsriten der Deposition und des Pennalismus im 17. Jahrhundert, um deren Rolle und Auswirkungen im Spannungsfeld zwischen der negativen historischen Darstellung einer verrohten studentischen Alltagskultur und einer notwendigen wissenschaftlichen Differenzierung zu bewerten.

  • Historische Untersuchung studentischer Initiationsriten (Deposition und Pennalismus) im 17. Jahrhundert.
  • Analyse des Einflusses der damaligen Bildungslandschaft und gesellschaftlicher Rahmenbedingungen auf die studentische Mentalität.
  • Untersuchung des Verhältnisses zwischen akademischen Landsmannschaften/Nationen und der Ausprägung des Pennalwesens.
  • Kritische Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Quellen und der moralisierenden Geschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts.

Auszug aus dem Buch

3.4. Erklärungsversuche und Deutungsmuster

Mehr als ein halbes Jahrhundert hielt sich der Pennalismus auf deutschen Universitäten. Da drängt sich nach der Darstellung seiner Ausformung die Frage auf, wie es zur fast regelrechten Institutionalisierung eines solchen Treibens kommen konnte und warum es sich so lang hielt. Hier spielen viele Aspekte eine Rolle, aber der mit Sicherheit maßgeblichste Grund lässt sich in der Epoche selbst finden. Das Deutschland des 17. Jahrhunderts gilt nicht nur in der Geschichte, sondern auch in zahlreichen Kulturwissenschaften als eine grobianistische Zeit. Bestimmend für diesen Eindruck ist mit Sicherheit der Krieg, der in seiner ungeahnten Brutalität und Dauer unter starker Einbeziehung der Zivilbevölkerung zu einer Verrohung der gesamten Gesellschaft führte.

Dies übertrug sich auf die Studenten, die als junge Menschen naturgemäß für derartige Beeinflussung anfällig waren. Die Zustände der Soldatenlager hatte sich auf die Studentenschaft übertragen, die ohnehin der Zeit entsprechend einer gewissen Wehrhaftigkeit bedurfte. Sämtliche zeitgenössische Schilderungen der studentischen Kleidung „mit Degen, Federhut, Stiefeln und Sporen“ belegen diese Affinität der Studenten zur Soldateska. Auch die Ermangelung alternativer, feinerer Vergnügungen spielte mit Sicherheit eine Rolle in der Ausgestaltung des pennalistischen Systems. Erst die Hochschulen des 18. Jahrhunderts boten hier mit Theatern, Reitställen und ähnlichen höfischen Einrichtungen eine Ergänzung. Die Tendenz zu Unterdrückung Jüngerer hatte es zwar immer schon gegeben und Berichte über Demütigungen und Erpressungen finden sich auch im Bursenwesen, doch die besondere Manifestation dessen, des Vergnügens an der Macht, haben die deutschen Zeitumstände definitiv begünstigt.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Der Autor führt in die Thematik der studentischen Alltagskultur des 17. Jahrhunderts ein und stellt den negativen Ruf dieser „Zeit des Pennalismus“ in den Kontext historischer Forschung.

1. Die akademische Welt zwischen Reformation und Aufklärung. Eine kurze Einführung.: Dieses Kapitel skizziert die Rahmenbedingungen der Universitäten im 16. und 17. Jahrhundert, die durch konfessionelle Konflikte und den Übergang zu landesherrlichen Hochschulen geprägt waren.

2. Die Deposition: Hier wird der historische Ritus der Deposition als Initiationsritual für Studienanfänger dargestellt, dessen symbolische Bedeutung als Reinigungsprozess zunehmend durch finanzielle Interessen und körperliche Misshandlungen in den Hintergrund gedrängt wurde.

3. Der Pennalismus: Dieses zentrale Kapitel analysiert das systematische Hierarchiesystem des Pennalismus, das die Studenten während ihres ersten Jahres an der Universität unter die Kontrolle älterer Kommilitonen stellte.

3.1 Formen und Auswüchse: Detaillierte Betrachtung der praktischen Ausformungen des Pennalismus, inklusive nächtlicher Überfälle, Schikanen und finanzieller Ausbeutung der „Pennäle“.

3.2 Die älteren Landsmannschaften und ihre Rolle im Pennalismus: Untersuchung der studentischen Zusammenschlüsse und deren Bedeutung für die Entstehung und Struktur des pennalistischen Systems.

3.3. Widerstand: Analyse der behördlichen und kirchlichen Bemühungen, das pennalistische Treiben durch Erlasse und Drohungen einzudämmen, und der oft ausbleibenden Wirksamkeit dieser Maßnahmen.

3.4. Erklärungsversuche und Deutungsmuster: Zusammenfassende Einordnung des Pennalismus als Ausdruck einer allgemein verrohten, „grobianistischen“ Zeit und des Mangels an alternativen studentischen Freizeitbeschäftigungen.

Schlussbetrachtung: Der Autor resümiert, dass eine Pauschalverurteilung des 17. Jahrhunderts als bloße Zeit der Verwilderung der Komplexität nicht gerecht wird und plädiert für eine stärkere Differenzierung nach Konfessionen und sozialer Schichtung der Studenten.

Schlüsselwörter

Pennalismus, Deposition, Studentengeschichte, 17. Jahrhundert, Initiationsriten, Universitätswesen, Landsmannschaften, Studentenalltag, Korporationswesen, Bildungsgeschichte, Burschen, Schoristen, Akademische Freiheit, Sozialgeschichte, Studentische Kultur.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit den studentischen Initiationsriten und dem studentischen Alltag an deutschen Universitäten im 17. Jahrhundert, speziell mit dem sogenannten Pennalismus und der Deposition.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse der studentischen Hierarchien, der Rolle von Landsmannschaften, den behördlichen Widerstandsversuchen und der Einordnung dieser Phänomene in den historischen Zeitkontext.

Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?

Ziel ist eine informierende Überblicksdarstellung, die den negativen Ruf des 17. Jahrhunderts als „Zeit des Niedergangs“ kritisch hinterfragt und durch eine differenzierte Untersuchung der studentischen Mentalität ergänzt.

Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?

Es handelt sich um eine historisch-kulturgeschichtliche Untersuchung, die maßgeblich auf der Auswertung zeitgenössischer Quellen (Erlasse, Briefe, Literatur) sowie der Auseinandersetzung mit der existierenden Sekundärliteratur basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Deposition als älterem Ritus, die Darstellung des Pennalismus als umfassenderes Unterdrückungssystem, die Rolle der studentischen Landsmannschaften sowie die Analyse des behördlichen Widerstands gegen diese Auswüchse.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Pennalismus, Deposition, studentisches Brauchtum, studentische Korporationen, 17. Jahrhundert, studentische Alltagskultur und historische Mentalität.

Welche Rolle spielten die Universitätsbehörden beim Umgang mit dem Pennalismus?

Die Behörden versuchten über Jahrzehnte hinweg mit Edikten, Drohungen und sogar der Androhung der Exmatrikulation gegen den Pennalismus vorzugehen, stießen dabei jedoch häufig auf die Trägheit des Systems und das Interesse lokaler Wirtschaftsakteure an den Studenten.

Wie bewertet der Autor die Rolle des Adels im studentischen Kontext des 17. Jahrhunderts?

Der Adel nimmt eine Sonderstellung ein, da adelige Studenten durch private Präzeptoren und Unterkünfte privilegiert waren, jedoch gleichzeitig eine Vorbildfunktion oder einen Einflussfaktor für die studentische Gesamtmentalität darstellten, was eine Differenzierung innerhalb der Studentenschaft notwendig macht.

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Details

Title
Deposition und Pennalismus im 17. Jahrhundert. Studentische Initiationsriten im Spannungsfeld zwischen Verurteilung und Verharmlosung
College
University of Cologne  (Historisches Seminar)
Course
Die Geschichte d. dt. Universitäten vom späten Mittenalter bis Gründung der Uni Berlin 1810
Grade
1,6
Author
Daniel Koschera (Author)
Publication Year
2001
Pages
35
Catalog Number
V3578
ISBN (eBook)
9783638122078
ISBN (Book)
9783656755227
Language
German
Tags
WILDE LEBENSART EINIGER STUDIOSORUM BETREFFEND Deposition Pennalismus Jahrhundert Studentische Initiationsriten Betrachtung Spannungsfeld Verurteilung Verharmlosung Geschichte Universitäten Mittenalter Gründung Berlin
Product Safety
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Quote paper
Daniel Koschera (Author), 2001, Deposition und Pennalismus im 17. Jahrhundert. Studentische Initiationsriten im Spannungsfeld zwischen Verurteilung und Verharmlosung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3578
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