Wandlungsfähigkeit von Logistiksystemen vor dem Hintergrund der Finanz- und Wirtschaftskrise ab 2007


Hausarbeit, 2017
25 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlagen
2.1. Logistik
2.2. Logistiksysteme

3. Wandlungsfähigkeit
3.1. Definition, Aufgaben und Ziele
3.2. Wandlungstreiber
3.3. Wandlungsbefähiger und Wandlungshemmer

4. Anschauungsweisen von Wandel
4.1. Optimierungsprozesse
4.2. Erneuerungsprozesse

5. Der Wandlungstreiber: Finanz- und Wirtschaftskrise
5.1. Entstehung der Finanz- und Wirtschaftskrise seit 2007
5.2. Krisenauswirkungen auf die Realwirtschaft
5.2.1. Anpassungsf ä higkeit der Unternehmenslogistik im Verlauf der Finanz- und Wirtschaftskrise
5.2.2. Anpassungsf ä higkeit der Transport- und Logistikbranche im Verlauf der Finanz- und Wirtschaftskrise

6. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

„Nichts in der Geschichte des Lebens ist beständiger als der Wandel.“ (Charles Darwin)

Unternehmen jeglicher Branchen sind infolge der fortschreitenden Liberalisierung des Welthandels einem ständigen Wandel ausgesetzt. Aufgrund der stetigen Entwicklung der globalen Vernetzung und den dadurch steigenden Möglichkeiten, erhöht sich die Zahl der Steuerungsgrößen entlang der logistischen Versorgungsketten.

Die Wandlungsfähigkeit von Unternehmen wird, bedingt durch die gegen- wärtig zunehmende Dynamik des Wandels, sowohl operativ als auch strate- gisch zu einem relevanten und bedeutenden Sachverstand. Dieser Sachver- stand bzw. diese Kompetenz der Wandlungsfähigkeit enthält unter anderem Eigenschaften wie Flexibilität, Agilität und Geistesgegenwärtigkeit. Unter- nehmen müssen somit ihre internen wie externen Prozesse fortlaufend an sich entwickelnde Veränderungen angleichen um wettbewerbsfähig zu blei- ben.

Ein nicht zu unterschätzender Grund für den ständigen Wandel sind auch sich variierende Marktbedingungen, die etwa durch Finanz- und Wirt- schaftskrisen oder durch Konjunkturbewegungen ausgelöst werden. Anläss- lich der gewachsenen Bedeutsamkeit der Logistik in den letzten Jahrzehn- ten, ist die Logistik als Querschnittsfunktion momentan einer der ausschlag- gebenden Wettbewerbsfaktoren. Deshalb ist im logistischen Bereich der Druck wandlungsfähig zu sein vergleichsweise stark ausgeprägt.

Mit der vorliegenden Arbeit wird die Analyse der Wandlungsfähigkeit von Logistiksystemen vor dem Hintergrund der Finanz- und Wirtschaftskrise, die ab dem Jahr 2007 begann und vielen Wirtschaftsräumen der Welt erhebliche Schwierigkeiten bereitete, anhand von zwei Beispielen aus der Realwirtschaft veranschaulicht.

2. Grundlagen

Im folgenden Kapitel werden zunächst der Ursprung des Wortes Logistik und die Definitionen der Logistik vorgestellt, bevor anschließend die Lo- gistiksysteme funktionell und institutionell voneinander abgegrenzt und erläutert werden.

2.1 Logistik

Der Ausdruck Logistik hat im militärischen Bereich seinen Ursprung und wird dort als Sammelbegriff für die Unterstützungsaufgaben der Streitkräfte benutzt. Aus diesem militärischen Sektor fand der Begriff Zugang in die wirtschaftswissenschaftliche Literatur und wird darin, im Unterschied zum militärischen Bereich, worin sich die Logistik auf Truppen, Güter und War- tung bezieht, primär auf Güter bezogen. Weitere grundlegende Unterschiede sind die logistischen Entscheidungen, die je Bereich verschiedene Zielset- zungen haben. Diese Zielsetzungen sind im militärischen Sektor politisch- militärisch motiviert, wohingegen die logistischen Beschlüsse im wirtschaft- lichen Sektor auf Grundlage ökologischer, ökonomischer, technologischer und sozialer Vorhaben getroffen werden.1

Im Zusammenhang mit der modernen Logistik kann der Logistikbegriff durch eine Menge an verschiedenen Definitionen dargelegt werden. In die- sem Abschnitt der Arbeit werden drei wesentliche Definitionen davon kurz vorgestellt. Der erste Definitionsansatz wird als flussorientierte Definition der Logistik charakterisiert. Im Fokus dieses Ansatzes steht die Planung, Steuerung und Implementation von effektiven und effizienten Hin- und Rückflüssen von Gütern, Dienstleistungen und den dazugehörigen Informa- tionen zwischen dem Liefer- und Empfangspunkt. Die lebenszyklusorien- tierte Definition als zweiter Definitionsansatz kann als unterstützendes Ma- nagement während des Lebens eines Produktes angesehen werden, das zum Ziel hat, eine effektive Steuerung des Ressourcenverbrauchs zu garantieren.

Der letzte Definitionsansatz wird als dienstleistungsorientierte Definition beschrieben. Um dort kosten- und kundeneffektive Erfüllungen von Dienst- leistungen zu erlangen, muss die Logistik als Prozess zur Koordination jeg- licher immaterieller Tätigkeiten definiert werden. In Wissenschaft und Pra- xis ist jedoch der flussorientierte Definitionsansatz am häufigsten in Ver- wendung.2 Zusammenfassend liegt in den drei verschiedenen Definitionen des Logistikbegriffs die Gemeinsamkeit, dass jede Begriffsbestimmung Transport-, Lager- und Umschlagprozesse aufweist und eine Ausrichtung auf eine bedarfsgerechte Verfügbarkeit von logistischen Gütern und/oder Informationen besteht. Wenn3 diese Prozesse, die nachfolgend in Abbildung

2.1 dargestellt werden, einen Fluss innerhalb eines Unternehmens bzw. eines Netzwerkes bilden und in einer Vielzahl auftreten, handelt es sich um logistische Systeme.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2.1: Transport-, Umschlag- und Lagerprozesse4

2.2 Logistiksysteme

Logistiksysteme werden sowohl institutionell als auch funktionell vonei- nander abgegrenzt. Auf der institutionellen Ebene können Logistiksysteme nach den in der Volkswirtschaft geläufigen Merkmalen in Mikro-, Makro- und Metalogistik differenziert werden. Mikrologistische Systeme (intraor- ganisatorische Systeme) befassen sich mit den Aufgabenstellungen eines Unternehmens. Dabei umfassen sie die innerbetriebliche und die außerbe- triebliche Logistik und setzen sich demnach mit Güter- und Informations- flüssen innerhalb eines Unternehmens, wie auch zwischen einem Unter- nehmen und seinen Lieferanten oder Kunden auseinander. Die Makrologis- tik reflektiert gesamtwirtschaftliche Beziehungen und Verbindungen. Sie betrachtet Güter- und Informationsflüsse zwischen einer Vielzahl von Quel- len und Senken und kann bspw. ein Güterverkehrssystem in einer Volks- wirtschaft sein. Systeme der Metalogistik liegen auf einer Betrachtungsstufe zwischen Mirko- und Makrologistik und enthalten bspw. den Güterverkehr einer bestimmten Branche oder den Absatzkanal von kooperierenden Unter- nehmen. Dementsprechend beinhalten metalogistische Systeme (interorga- nisatorische Systeme) oftmals Kooperationen mehrerer Institutionen im Warenfluss, die über die rechtlichen Grenzen von Einzelorganisationen hin- ausgehen.5

Logistiksysteme können ebenso in funktionelle Subsysteme eingeteilt wer- den, die vom Warenfluss, angefangen bei der Beschaffung der Rohstoffe beim Lieferanten bis zur Auslieferung der Endprodukte beim Kunden, durchlaufen werden. Diese Subsysteme können in vier zusammenhängende Abschnitte eingeteilt werden, die zunächst mit der Beschaffungslogistik beginnen. In dieser Phase werden die für den Produktionsvorgang benötig- ten Werkstoffe aus den Beschaffungsmärkten erworben. Hierbei kann die Bereitstellung der Werksstoffe entweder direkt in die Produktion oder über Wareneingangs- bzw. Zwischenläger erfolgen. Die Produktionslogistik ist der zweite Teil der Subsysteme, sie befasst sich mit dem Zufluss der Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, wie auch der Kauf- und Ersatzteile von der Be- schaffungslogistik einschließlich möglicher Zwischenlagerungen. Die aus der Produktion hergestellten Halbfertig- und Fertigteile werden im dritten Abschnitt, der Distributionslogistik, über Auslieferungsläger zum Absatz- markt transportiert. Für alle Güter und Informationen die dem oben genann- ten Fluss entgegengerichtet sind (defekte Produkte oder zurückzunehmende Altgeräte), ist die letzte Phase, die sogenannte Entsorgungslogistik zustän- dig.6

3. Wandlungsfähigkeit

Angesichts der stetig anwachsenden Komplexität und Dynamik, sowie ge- ringer werdender Vorhersagbarkeiten die durch die fortschreitende Globali- sierung unter anderem durch Veränderungen im technischen, politischen, rechtlichen und wettbewerblichen Umfeld der Unternehmen angetrieben werden, wird die Wandlungsfähigkeit ein immer bedeutenderer Faktor.7 Anschließend wird nun der Begriff der Wandlungsfähigkeit definiert, die Aufgaben und Ziele davon vorgestellt und die Termini Wandlungstreiber, Wandlungsbefähiger und Wandlungshemmer charakterisiert.

3.1 Definition, Aufgaben und Ziele

Bezüglich der Komplexität des Begriffs der Wandlungsfähigkeit gibt es in der Literatur dafür mehrere Erläuterungen und keine allgemeingültige Defi- nition. Deshalb wird in dieser Arbeit lediglich eine Auswahl an Auffassun- gen wiedergegeben. Zunächst beschreibt Reinhart, dass sich die Wandlungs- fähigkeit aus Flexibilität und Reaktionsfähigkeit zusammensetzt und dabei als Potenzial verstanden wird, welches auch jenseits des vorgegebenen Be- reiches technische und organisatorische Veränderungen, falls erforderlich reaktiv oder sogar proaktiv, durchführen kann.8 Nach Nyhuis charakterisiert Wandlungsfähigkeit die Eigenschaft gegebenenfalls Veränderungen im lo- gistischen, technologischen, organisatorischen und personellen Bereich über die Flexibilität hinaus durchführen zu können. Flexibilität wird bereits im Vorfeld definiert und durch Wandlungsfähigkeit wird die definierte Flexibi- litätsbandbreite anpassbar. Wandlungsfähigkeit gilt demnach als Größen- ordnung für das Können eines Unternehmens, sich an ein unruhiges Umfeld anzupassen.9 Im Zusammenhang mit dem Begriff der Wandlungsfähigkeit werden nach Wiendahl & Hernández nachfolgende Kategorien und Aspekte differenziert:

1. R ä umliche Wandlungsf ä higkeit: In Bezug auf bspw. Hallenlayout, Grundstück, Werkslayout etc.
2. Zeitliche Wandlungsf ä higkeit: Kurzfristig-operative, mittelfristig- taktische oder langfristig-strategische Reaktionen auf Veränderun- gen.
3. Strukturelle Wandlungsf ä higkeit: In Bezug auf Veränderungen der Prozesse im Bereich Logistik, Aufbau- und Ablauforganisation, etc.
4. Technische Wandlungsf ä higkeit: In Bezug auf Veränderungen von Gebäuden, Betriebsmittel, Einrichtungen, Prozesse, Verfahren etc. 10

In Bezug auf die Wandlungsfähigkeit, ist aus wirtschaftlicher Sicht das Hauptziel für Unternehmen, ein optimales Maß an Wandlungsfähigkeit vor- zuweisen. Dabei ist es wichtig kein zu geringes Maß an Wandlungsfähigkeit darzulegen, das unter Umständen zu Folgekosten aufgrund von Umsatzver- lusten führen kann und auch kein zu hohes Maß, welches Ineffizienzen, Re- dundanzen und unnötig hohe Kosten hervorruft.11 Nachfolgend wird hierfür eine Abbildung zum besseren Verständnis aufgezeigt. Dabei wird der Schnittpunkt der Kurven „Kosten für Wandlungsfähigkeit“ und „Kosten durch zu geringe Wandlungsfähigkeit“ als „optimaler Bereich der Wand- lungsfähigkeit aus wirtschaftlicher Sicht“ gesehen.

[...]


1 vgl. Pfohl (2010), S. 11

2 vgl. Pfohl (2010), S. 12-14

3 vgl. Arnold (2008), S. 3

4 Eigene Darstellung, in Anlehnung an: Arnold (2008), S. 3

5 vgl. Pfohl (2010), S. 14-15

6 vgl. Koch (2012), S. 11-13

7 vgl. Keijzer (2007), S. 95

8 vgl. Nyhuis / Reinhart / Abele (2008), S. 24

9 vgl. Rauch (2013), S. 54-55

10 Wiendahl & Hernandéz (2002), S. 133-138

11 vgl. Keijzer (2007), S. 114

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Wandlungsfähigkeit von Logistiksystemen vor dem Hintergrund der Finanz- und Wirtschaftskrise ab 2007
Hochschule
Europäische Fernhochschule Hamburg
Veranstaltung
Planung und Steuerung von Logistiksystemen
Note
2,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
25
Katalognummer
V357877
ISBN (eBook)
9783668427778
ISBN (Buch)
9783668427785
Dateigröße
584 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Logistiksysteme, Wandlungsfähigkeit, Finanzkrise, Wirtschaftskrise, Wandlungsbefähiger, Wandlungstreiber, Logistik, Anpassungsfähigkeit
Arbeit zitieren
Alexander Gerster (Autor), 2017, Wandlungsfähigkeit von Logistiksystemen vor dem Hintergrund der Finanz- und Wirtschaftskrise ab 2007, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/357877

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