Mit der Zensur geht immer der Skandal einher. Fast immer - zumindest in der Kunst - setzt der Skandal, das „schockierende, anstößige Verhalten, das Ärgernis, das Aufsehen und Empörung hervorrufende Ereignis, der schamlose Verstoß gegen die guten Sitten oder Gesetze“3) neue Maßstäbe. Es wird mit bestehenden Wertvorstellungen auf künstlerischer, ästhetischer, moralischer, religiöser oder politischer Ebene gebrochen. Verkrustete Traditionen werden schmerzhaft verletzt. Die Gesellschaft als Ganzes wird aufgerüttelt und irritiert. Aus all diesen Gründen dient der Skandal so vorzüglich dazu, Zeitgeschichte zu reflektieren. Und eben unter diesem Gesichtspunkt möchte der Verfasser die folgenden Ausführungen verstanden haben wissen: Der Skandalon4) um „Reigen“ als Spiegel seiner Zeit.
Inhaltsverzeichnis
Einführend
Teil I: Arthur Schnitzler – Leben & Werk
Frühe Jahre
Der Mediziner
(Exkurs – Schnitzler und Freud)
Der Autor
Der Jude
Arthur Schnitzler und die Frauen
Arthur Schnitzler in der Gegenwart
Teil II: Der Reigen um den Reigen
Der Reigen
(Exkurs: Wien um 1900)
Der Reigen um den Reigen – Publikations- und Skandalgeschichte erster Teil (bis etwa 1920)
(Exkurs: 1918 – Fall der Zensur nach Kriegsende)
Teil III: Die Reigen-Prozesse
Der Weg zur Uraufführung (April 1919 – Dezember 1920)
Der erste Reigen-Prozess (3.-6. Januar 1921)
Tumulte an den Spielplätzen (Februar – November 1921)
Der zweite Reigen-Prozess (5.–18. November 1921)
Nachlese - Schluss mit dem Reigen!
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die rechtshistorischen Aspekte um das Theaterstück „Reigen“ von Arthur Schnitzler im Kontext der Zensurgeschichte. Das primäre Ziel ist es, die Skandalgeschichte des Werkes unter Berücksichtigung der juristischen und gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen der Zeit zu analysieren und das Stück als Spiegel seiner Epoche zu beleuchten.
- Biographische und psychologische Grundlagen Arthur Schnitzlers
- Analyse der Skandalgeschichte und Zensurpraktiken
- Juristische Auseinandersetzung in den Reigen-Prozessen
- Untersuchung der gesellschaftlichen Rezeption und Moralvorstellungen
- Die Aktualität von Schnitzlers Werk in der heutigen Zeit
Auszug aus dem Buch
Der Reigen
Ein „Reigen“ ist ein gesprungener, bäuerlicher Rundtanz. Der Eine legt der Anderen seinen Arm um die Schulter. So entsteht ein Kreis, der sich durch die einheitliche Orientierung der Tanzenden ungebrochen dreht, bis jemand anhält, ausscheidet oder die Richtung wechselt. Man muss sagen, dass dieser Titel für das hier zu behandelnde Stück nicht besser gewählt sein könnte.
Eine Analyse: Reigen ist ein Drama in zehn Akten. Zehn Personen bilden eine Choreographie. Zehnmal formen diese zehn Personen ein Paar. Es begegnen sich Dirne und Soldat, Soldat und Stubenmädchen, Stubenmädchen und junger Herr, junger Herr und junge Frau, junge Frau und ihr Ehemann, dieser Ehemann und das süße Mädel, das süße Mädel und der Dichter, der Dichter und die Schauspielerin, die Schauspielerin und der Graf und letztlich der Graf und die schon vom ersten Aufzug her bekannte Dirne. In jedem Akt wird der Geschlechtsakt vollzogen. Jeder Akt endet mit dem desillusionierten Auseinandergehen der jeweiligen Charaktere. Somit kommt jeder der zehn Charaktere zweimal zum Zug. Am Ende schließt sich der Rundtanz, indem der Graf auf die Dirne trifft, welche diesen Reigen eröffnen durfte.
Zusammenfassung der Kapitel
Einführend: Die Einleitung legt den Fokus auf die rechtshistorische Untersuchung von Schnitzlers Werk im Rahmen des Themas „Zensur“ und grenzt die Arbeit von rein literaturwissenschaftlichen Analysen ab.
Teil I: Arthur Schnitzler – Leben & Werk: Dieses Kapitel zeichnet den Lebensweg Schnitzlers von seiner medizinischen Ausbildung bis zu seiner Etablierung als bedeutender Dramatiker und Erzähler nach.
Teil II: Der Reigen um den Reigen: Es erfolgt eine Analyse des Werks als Drama in zehn Akten sowie die Darstellung der frühen Publikations- und Skandalgeschichte vor 1920.
Teil III: Die Reigen-Prozesse: Dieses Kapitel detailliert die juristischen Auseinandersetzungen, insbesondere die beiden großen Prozesse in Berlin, die den Höhepunkt der Zensurbestrebungen gegen das Stück markieren.
Nachlese - Schluss mit dem Reigen!: Das Fazit betrachtet den weiteren Umgang mit dem Aufführungsverbot nach Schnitzlers Tod und die dauerhafte Aktualität des Stückes bis in die Gegenwart.
Schlüsselwörter
Arthur Schnitzler, Reigen, Zensur, Skandalgeschichte, Rechtsgeschichte, Literatur, Impressionismus, Wien um 1900, Gesellschaftskritik, Moral, Prozess, Kunst, Theater, Sitten, Freiheit der Kunst
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Skandalgeschichte und den rechtlichen Konflikten, die das Theaterstück „Reigen“ von Arthur Schnitzler im frühen 20. Jahrhundert ausgelöst hat.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Zensurgeschichte, die literarische Einordnung Schnitzlers, die gesellschaftlichen Moralvorstellungen der Jahrhundertwende und die juristische Aufarbeitung in sogenannten „Kunst-Prozessen“.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist eine rechtshistorische Analyse der gesellschaftlichen Bedingungen und juristischen Auseinandersetzungen, die das Werk „Reigen“ zum Skandalon und Spiegel seiner Zeit werden ließen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine rechtshistorische Betrachtungsweise, ergänzt durch eine biographische Aufarbeitung und die Analyse von Primärquellen, Tagebüchern und zeitgenössischer Sekundärliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine biographische Darstellung Schnitzlers, eine Analyse des Werks „Reigen“ sowie eine detaillierte chronologische Aufarbeitung der Skandalgeschichte und der Reigen-Prozesse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Zensur, Rechtsgeschichte, Skandalgeschichte, Impressionismus und das Werk „Reigen“ als zentrales Untersuchungsobjekt charakterisiert.
Welche Bedeutung spielt die Figur des „Professors Brunner“ in den Prozessen?
Professor Brunner war ein zentraler Akteur, der als fanatischer Bekämpfer sogenannter Schundliteratur und als Sachverständiger maßgeblich die Hetzkampagnen und juristischen Verfahren gegen den „Reigen“ vorantrieb.
Wie verhielt sich Schnitzler gegenüber den wiederholten Aufführungsverboten?
Schnitzler blieb den Streitigkeiten um sein Werk lange Zeit fern, entschied sich aber nach 1918 dazu, gegen die Zensur aktiv zu werden und Aufführungen (unter anderem durch Max Reinhardt) zuzulassen.
- Citation du texte
- Peter Oefele (Auteur), 2001, Über Arthur Schnitzlers ´Reigen´ mit Fokus auf das Thema Zensur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3579