Inwiefern spiegelt sich die Handlung von Hartmann von Aues "Erec" auf dem Krakauer Kronenkreuz und die des "Iwein" auf dem Rodenegger Wandfresko wider?


Hausarbeit, 2014

15 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Artus in der epischen Darstellung

2 Hartmann von Aues „Erec“ auf dem Krakauer Kronenkreuz
2.1 Grundsätzliche Informationen zur Struktur des Kronenkreuzes
2.2 Inhaltlicher Bezug zum Erec-Roman
2.2.1 Waldabenteuer und Hirschjagd
2.2.2 Diskussion mit Imain und Sperberkampf mit Sieg Erecs
2.2.3 Abreise von Burg Tulmein über Koralus' Anwesen
2.2.4 Ankunft in Karadigan

3. Hartmann von Aues „Iwein“ auf dem Rodenegger Wandfresko
3.1 Grundsätzliche Informationen zur Struktur des Wandfreskos
3.2 Inhaltlicher Bezug zum Iwein-Roman
3.2.1 Iweins Ritt zum Brunnen und Begegnung mit dem Waldmenschen
3.2.2 Aufenthalt am Brunnen und Kampf mit Ascalon bis zum Todeshieb
3.2.3 Iweins Gefangenschaft und Bestattung Ascalons
3.2.4 Suche nach Iwein und Versöhnung mit Laudine

4 Unterschiede in der Darstellung und Verarbeitung beider Romane

5 Literaturverzeichnis

6 Abbildungsverzeichnis

1 Artus in der epischen Darstellung

Kaum eine andere historische und zugleich sagenumwobene Figur zieht uns mehr in den Bann als die von König Artus und dessen Ritter der Tafelrunde. Unzählige Romane, Geschichten und Legenden ranken sich um diesen britannischen König, der nachweislich um 500 n. Chr. in einigen erfolgreich geschlagenen Schlachten genannt wird. Dabei spielen seine Ritter, die nur vereinzelt mit Namen genannt sind, eine entscheidende Rolle. Über viele von ihnen entstehen Sagen, in denen von Abenteuern, die bestanden werden, die Rede ist, wobei Artus meist eine passive Rolle einnimmt.

Diese Erzählungen werden bis Ende des 12. Jahrhunderts mündlich tradiert und dann von Schriftstellern in die höfische Literatur aufgenommen. Einer von ihnen, die der mittelhochdeutschen Klassik zugeordnet werden können, ist der Ritter Hartmann von Aue. Die Verschriftlichung des Stoffes war nur gebildeten Personen vorbehalten, jedoch nicht zum Beispiel Rittern, wie auch Hartmann von Aue einer ist. Außergewöhnlich ist nun, dass Hartmann dennoch über ein großes Maß an Bildung verfügt und mit dem nötigen Handwerkszeug für die

Erstellung eines Romans ausgestattet ist:

„Ein ritter sô gelêret was daz er an den buochen las swaz er dar an geschriben vant; der was Hartmann genannt dienstman was er zouwe.“[1]

Zwei seiner bekanntesten Werke sind der „Erec“ und „Iwein“, zwei Ritter der Tafelrunde, die „äventiure“[2] bestehen müssen, um dabei ihre „êre“[3] wiederherzustellen, da ihnen davor ein Mangel widerfahren ist. Dabei kommen diese beiden Romane mustergültig der Gattung Artusepik gleich. Die Schilderung findet sich auf dem Kronenkreuz in der Kathedrale von Krakau wieder, so wie auch auf dem Wandfresko in der Burg Rodenegg in Südtirol.

2 Hartmann von Aues „Erec“ auf dem Krakauer Kronenkreuz

2.1 Grundsätzliche Informationen zur Struktur des Krakauer Kronenkreuzes

Historisch erstmals belegt ist das Krakauer Kronenkreuz, das aus zwei Golddiademen besteht, 1563 im Domkapitelschatz der Krakauer Kathedrale, jedoch lassen Materialuntersuchungen darauf schließen, dass sein Ursprung und seine Fertigung bis in das zweite „Viertel des 13 Jahrhunderts“[4] reichen. Auf beiden Diademen befinden sich vergoldet gegossene und in Handarbeit gefertigte Figuren, die narrativen Charakters sind. Dabei lässt dieser Handlungsablauf die These zu, dass es sich hierbei um den 1. Zyklus des Erec-Romans von Hartmann von Aues handelt. Die beiden Kronen bestehenjeweils aus Giebeln, die in Scharnieren aneinander gereiht sind. Das zweite Diadem enthält statt den ursprünglichen 14 nur noch 11 Giebel[5], welche vermutlich im Laufe der Zeit verloren gegangen sind. Dieses lässt sich auf eine Paar-Reihung zurückführen und ist auf einen Balken längsseits befestigt. Zusätzlich befinden sich auf beiden Gegenständen eingravierte Wappen, die das Siegel des Krakauer Domschatzes darstellen. Weitere Drucke auf den Kronen sind nicht vorhanden, wonach auch der Hersteller nicht ermittelt werden kann. Bezüglich früherer Besitzer des Kronenkreuzes lässt sich nur spekulieren, da die Krakauer Diademe teilweise für „russische, französische, polnische, deutsche oder ungarische Kulturgüter erklärt“[6] worden sind und somit eine Zuordnung nur schwer möglich ist. Es lässt sich zudem vermuten, dass die Kronen als Ausstellungsstücke zu Machtdemonstrationszwecken gedient haben, wobei auch belegt ist, dass sie zu besonderen Anlässen, wie etwa Besuch von anderen adligen Gästen, getragen wurde. Jedoch ist anzumerken, dass das Tragen eines derartigen Kopfschmucks damals nur den Männern vorbehalten war.

„Erzähltechnisch gesehen erstreckt sich die Handlung der Erec-Krone über zwei Register und umfasst mithin zunächst die Szenenfolge der Giebelteile, dann der Rechteckteile. Das Geschehen im oberen Register verläuft fortschreitend vom Giebelteil des zweiten bis zu demjenigen des zehnten Gliedes“[7].

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Folglich solltejene Reihe um das vierzehnte und zwölfte Glied vervollständigt werden. Selbiges lässt sich auf das zweite Register ableiten, wobei hier die Richtung, in die gelesen werden muss, ständig wechselt. Ausgehend von dieser relativ komplexen Leseart wird zudem noch der Ortswechsel vollzogen. Dieser findet ausschließlich auf den oberen Giebelteilen, auf denen stets vier Reiter (Abb. 2: A, B, C, D) dargestellt sind, statt. „Die Übergänge zwischen den drei Orten werden mit Hilfe der Reiterfiguren angedeutet“[8]. In den Rechteckteilen der Glieder ergänzen sich die restlichen sechs Figuren, die ausschließlich Figuren darstellen sollen, die zu Fuß unterwegs sind.

2.2 Inhaltlicher Bezug zum Erec-Roman

2.2.1 Waldabenteuer und Hirschjagd

Die dargestellte Geschichte hat wie auch im Roman von Hartmann von Aue seinen Anfang in der Aventüre im Wald im Giebelfeld des zweiten Gliedes. „Die Königin entsendet hier eine ihrer beiden Hofdamen, damit sich diese im nächsten Schritt, also auf dem Giebelfeld des vierten Gliedes nach dem Namen des vor ihnen reitenden Ritters und dessen Begleitung erkundigt“[9].

Die einzig erhalten gebliebene Figur ist die des Zwerges, der mit einer Waffe dargestellt ist und somit aggressiv wirkt. Dadurch lässt sich zweifelsfrei auf den Roman schließen. „Die im Vergleich zu anderen Reiterfiguren eindeutig kürzeren Beine sowie das zu große und deshalb in tiefen Falten herabfallende Gewand begleiten ihn als Merkmale durch alle szenischen Konfigurationen der Krone“[10]. Im nächsten Bild wird ersichtlich, dass Erec hier die Auseinandersetzung mit dem Zwerg sucht - die „Zwergenschande“ nimmt seinen Lauf; im oberen Teil sind Iders und seine Gemahlin gefertigt, die am Geschehen nicht teilhaben. Durch die Entfernung der beiden zu Erec und dem Zwerg soll verdeutlicht werden, dass das Königspaar die Situation nicht zu bemerken scheint. Interpretatorisch gesehen wird hier sogar ein gewisses Desinteresse bekundet.

Zeitgleich ist auf dem letzten Feld des zehnten Giebels jener Reihe König Artus plus Jägergesellschaft abgebildet, als er gerade Jagd auf den weißen Hirschen macht, wie es in der Artusepik zu Ostern immer üblich ist. Diese Szene jedoch kommt in Hartmann von Aues „Erec“ nicht vor, worauf Vermutung angestellt werden kann, dass der Künstler des Kronenkreuzes vermutlich den französischen Autor Chrétien de Troyes als Vorlage gehabt haben muss.

2.2.2 Diskussion mit Imain und Sperberkampf mit Sieg Erees

Die Handlung setzt sich im Folgenden nicht wie im Roman bei Erecs Ankunft bei Koralus fort, „sondern widmet sich gleich den Ereignissen um das Sperberfest auf der Burg Tulmein“[11]. Das Fehlen dieses Ereignisses hat laut Sekundärliteratur keine tiefgehende Bedeutung, sondern ist vermutlich zugunsten der Aufteilung der Struktur ausgefallen. Fortführend ist nun die Darstellung beim Rechteckteil des zweiten Giebels zu betrachten.

Davorjedoch wird kurz die Begegnung Imains mit Erec zur Sprache gebracht (vgl. Erec: V. 624­661). Hier sei darauf hingewiesen, dass „nur der deutsche „Erec“ die Begegnung mit dem Herzog thematisiert“[12]:

„Êrec der widerredete daz. er sprach: des ensol niht geschehen. er hæte harte missesehen, swer ein wíp erkande niuwan bí dem gewande,“[13]

Der Kampf zwischen Erec und Iders ist weiter unterhalb auf dem vierten Glied gut zu erkennen und gestisch verständlich dargestellt. Der Sieg Erecs ist deutlich zu erfassen: Sein Schwert, in deutlich höherer Position, fährt hinab auf Iders und beschädigt dessen Schild und Helm. Die anschließende Bestrafung des Zwerges, auch nur im deutschen Text vorkommend, spielt sich ebenso auf dem oberen Rechteckteil des vierten Gliedes ab. Zudem wendet sich Iders' Freundin von ihm ab und trauert der Niederlage wegen, wohingegen Enite ihre Hände aufrecht zu Erec hinhält, um ihn als Sieger zu feiern.

[...]


[1] Von Aue, Hartmann: Der arme Heinrich, V. 1-5. Hrsg. u. übersetzt von Volker Mertens. Frankfurt a.M.: Deutscher Klassiker Verlag 2004.

[2] äventiure: bezeichnet im Artusroman die Bewährungsproben, die der Held bestehen muss. In Hartmann von Aue: Erec, V. 492. Hrsg. u. übersetzt v. Volker Mertens. Stuttgart: Reclam 2008. (im Folgenden zitiert als: Erec [Hartmann])

[3] êre: bezeichnet die Achtungswürdigkeit eines Ritters zur Zeit des Mittelalter im Kollektiv. In: Erec [Hartmann]

[4] Mühlemann, Joanna: Erec auf dem Krakauer Kronenkreuz, in: Literatur und Wandmalerei, hrsg. v. Lutz,

Eckard Conrad, Bd. 1, Tübingen 2002, S.201. (im Folgenden zitiert als: Mühlemann [Erec a. d. Krakauer Kronenkreuz])

[5] Ebd., Abb. S. 207 u. S. 220.

[6] Ebd., S. 212.

[7] Mühlemann [Erec a. d. Krakauer Kronenkreuz], S. 225.

[8] Ebd., S. 227.

[9] Ebd.

[10] Mühlemann [Erec a. d. Krakauer Kronenkreuz], S. 227.

[11] Ebd., S. 229.

[12] Mühlemann [Erec a. d. Krakauer Kronenkreuz], S. 230.

[13] Erec [Hartmann], V. 641-645.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Inwiefern spiegelt sich die Handlung von Hartmann von Aues "Erec" auf dem Krakauer Kronenkreuz und die des "Iwein" auf dem Rodenegger Wandfresko wider?
Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Veranstaltung
Proseminar: ÄdL Textanalyse
Note
2,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
15
Katalognummer
V358144
ISBN (eBook)
9783668432024
Dateigröße
1054 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
inwiefern, handlung, hartmann, aues, erec, krakauer, kronenkreuz, iwein, rodenegger, wandfresko
Arbeit zitieren
Alexander Siegert (Autor), 2014, Inwiefern spiegelt sich die Handlung von Hartmann von Aues "Erec" auf dem Krakauer Kronenkreuz und die des "Iwein" auf dem Rodenegger Wandfresko wider?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/358144

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