Herausforderungen in der Betreuung von Flüchtlingen und der Umgang mit Traumata


Hausarbeit, 2017

10 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Herausforderungen in der Betreuung von Flüchtlingen
2.1 Das Aufeinandertreffen verschiedener Kulturen
2.2 Sprachbarrieren
2.3 Differenzierungen in unterschiedliche Altersklassen

3. Trauma und Traumafolgestörungen
3.1 Individuelle Bewältigungsstrategien
3.2 Umgang mit Traumata

4. Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Ohne die Arbeit von ehrenamtlichen oder beruflichen Helfenden wären die Aufgaben, die sich aus der Zuwanderung von Flüchtlingen ergeben, kaum zu meistern. Dennoch ist dieser Bereich geprägt von Unsicherheiten und Hemmungen gegenüber Menschen einer anderen Kultur. Weiters ergeben sich auch Missstände aufgrund von Traumata, die Flüchtlinge in ihrem Heimatland oder auf dem Weg nach Europa erlebt haben (vgl. Imm-Balzen/Schmieg 2017, S. 7). Unterschiedliche Bildung, Qualifikation, Sprachkenntnisse, Herkunftsländer und kulturelle oder religiöse Prägung. Die Personen, die nach Westeuropa fliehen sind eine heterogene Gruppe. Hierbei entstehen Herausforderungen, denen sich Betreuer und Betreuerinnen in der Integration von Flüchtlingen stellen müssen. Es bedarf sachlicher Information, korrekter Begrifflichkeiten und zielgerichteter Maßnahmen zur Verbesserung der Flüchtlingssituation. Nur auf dieser Basis lassen sich Personen erfolgreich in die Gesellschaft integrieren (vgl. Wolf 2016). Zu Beginn der Arbeit beschäftige ich mich mit Herausforderungen im Umgang mit Flüchtlingen, die sich vor allem durch das Aufeinandertreffen verschiedener Kulturen, unterschiedlicher Sprachbarrieren und Altersklassen ergeben. Weiters wird das Thema des Traumas und der Traumafolgestörung behandelt. Individuelle Bewältigungsstrategien der Flüchtlinge sind Fähigkeiten eines Menschen, überlebensfähig zu sein und werden individuell durch Resilienzbildung entwickelt. Das Kapitel Umgang mit Traumata empfiehlt praxisnahe Empfehlungen für die Interaktion mit traumatisierten Menschen. Diese Arbeit besteht nicht nur aus dem theoretischen Teil, der hier verfasst wurde, zur Forschung in diesem Feld wurden unter anderen zwei Interviews mit Helferinnen in Flüchtlingsunterkünften durchgeführt. Diese dienen als Grundlage für die Forschungen dieser Arbeit.

2. Herausforderungen in der Betreuung von Flüchtlingen

Konkrete Herausforderungen in der Flüchtlingsarbeit werden im Detail in den folgenden Kapiteln aufgelistet. Erfahrungsgemäß kann man Flüchtlinge, die in ein westeuropäisches Land flüchten in vier verschiede Nationalitäten einteilen. Die Herausforderungen, die damit einhergehen, lassen sich in verschiedene Nationalitäten und ihren Kulturen, Altersklassen, Sprachbarrieren, Unterbringungen, Sorgen und Nöte der Flüchtlinge und Traumatisierungen unterscheiden. Besonders das Thema der Traumatisierungen ist im Umgang mit flüchtenden Personen schwer zu bewerkstelligen (vgl. Schmieg 2016, S.11). Die psychotherapeutische Arbeit mit Flüchtlingen fordert von Helfern und Helferinnen eine enorme Zuwendung zu Heilungs- und Erholungsprozessen. Dies kann vor allem durch gesellschaftliche Barrieren, wie juristische Problematik, Diskriminierung und „teilweise fantasievolle Schikanen seitens der großen und kleinen Machthaber“ systematisch erschwert werden (vgl. Ottomeyer 2011, S. 39).

2.1 Das Aufeinandertreffen verschiedener Kulturen

Der Begriff der Kultur umfasst Erfahrungen, Vorstellungen, Werte und gesellschaftliche Verhaltensweisen eines jeweiligen kulturellen Komplexes. Kategorien und Regeln beeinflussen die Weltwahrnehmung und das Handeln einer Person. Kultur wird zwar durch naturgegebene Eigenschaften und natürliche Umweltbedingungen gebildet, dennoch erwirbt jeder Einzelne Kultur und wächst hinein, indem man als Mitglied einer Gesellschaft fungiert (vgl. Pfeiffer 1994, S. 10). Die häufigsten Herkunftsländer von Flüchtlingen sind Afghanistan, Syrien, Afrika und Irak. Weiters gibt es noch Balkanflüchtlinge, wie Serben oder Kosovaner. Jede unterschiedliche Herkunft bringt ihre kulturelle Sozialisation und damit erworbene Werte, Normen und Weltanschauungen mit. Ebenso unterscheiden sich schier alltägliche Gewohnheiten wie das Essen, die Begrüßung oder die Geschlechterrollen massiv von dem westeuropäischen Kulturbild (vgl. Schmieg 2016, S.11).

Wenn Flüchtlinge ihr Heimatland verlassen, bringen sie konträre Voraussetzungen und Vorstellungen mit, was Glauben, Bildung oder Lebensstil anbelangt. In Flüchtlingsunterkünften treffen oft viele verschiedene Kulturen aufeinander, hier sind unterschiedliche Ansichten vorprogrammiert, dies führt zu Konflikten unter den Bewohnern und Bewohnerinnen. Manche Stimmen sprechen dafür, Flüchtlinge nach Religion und Stammesherkunft getrennt voneinander unterzubringen. Dies vermeidet zwar Konflikte zwischen den Personen, ist aber negativ für die Integration. Aufgaben der Flüchtlingsbetreuer und Betreuerinnen, um eine gelungene Demokratie zwischen den Bewohnern und Bewohnerinnen herzustellen, ist das Aufklären über andere Kulturen, das Wertschätzen anderen Denkens und Verhaltens. Als Helfer und Helferinnen muss man selbst ein Vorbild darstellen, keine Vorurteile gegenüber Flüchtlingen aufbauen und das Anderssein tolerieren. Ebenfalls eine Aufgabe, die nicht in Vergessenheit geraten darf, ist die Aufklärung über die westliche Kultur, in die sich die Flüchtlinge integrieren sollen. Dies bedarf oft Zeit und Engagement, ist aber für eine gelungene Integration unabdinglich (vgl. Schmieg 2016, S. 19f.). „Toleranz, Respekt, Aufklärung und Nächstenliebe sind nicht nur leere Worte, sondern vielmehr die Grundlage für ein friedliches Miteinander“ (Schmieg 2016, S.20).

2.2 Sprachbarrieren

In der Betreuung von Flüchtlingen sind Sprachbarrieren Alltag. Die Mehrzahl der Personen spricht kein Deutsch, wenige sprechen Englisch. Mittlerweile wurde es zu Normalität sich mit Händen und Füßen zu verständigen und Bilder als Hilfsmittel heranzuziehen. In manchen Situationen ist das Hinzuziehen eines Dolmetschers unabdinglich, beispielsweise bei Konflikten oder im Rahmen der Aufklärung über das Asylrecht, die Regeln in der Einrichtung oder das Wertesystem in Westeuropa. Ebenso ist bei Dolmetschern darauf zu achten, dass die richtige Sprache gesprochen wird. Hierbei ist es als Helfer und Helferin wichtig, zwischen verschiedenen Sprachen unterscheiden zu können, um zusätzliche Verständigungsschwierigkeiten und Missverständnisse zu verhindern. Für die Integration von Flüchtlingen stellt das Erlernen der deutschen Sprache ein unüberbrückbares Hindernis dar. Bis dato haben aber nicht alle Betroffenen Zugang zu Deutschunterricht. Flüchtlingsbetreuer und Betreuerinnen spielen ebenfalls im Erlernen der deutschen Sprache eine wichtige Rolle. Dabei wird ihnen vor allem Engagement, Empathie, Präsenz und Geduld abverlangt. Unterschiedliche Bildungsniveaus zwischen Flüchtlingen führen zu unterschiedlichen Lernleistungen. Hierbei gilt es Anfänger, sowie Fortgeschrittene gleichermaßen zu fördern (vgl. Schmieg 2016, S. 21f.).

2.3 Differenzierungen in unterschiedliche Altersklassen

Flüchtlinge, die in westeuropäischen Ländern Unterkunft finden differenzieren sich meist durch ihre Altersklassen. Sie gliedern sich in unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, erwachsene Flüchtlinge und minderjährige Flüchtlinge, die in Begleitung ihrer Eltern beziehungsweise von Verwandten einreisen. Für jeden Flüchtling wird individuell eine Unterkunft ausgewählt (vgl. Schmieg 2016, S.20f.). „In den Clearing- und Nachsorgeeinrichtungen befinden sich die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge, in den Gemeinschaftsunterkünften und Erstaufnahmestellen alle anderen Flüchtlinge: erwachsene Männer und Frauen ohne Begleitung/Familie, Familien mit Kindern ab dem Säuglingsalter, manchmal auch mit Großeltern und Urgroßeltern“ (Schmieg 2016, S.21).

Dies führt aufgrund mangelnder Privatsphäre und geringen Entfaltungsmöglichkeiten zu erheblichen Konfliktpotenzial. Besonders Menschen in unterschiedlichen Altersklassen haben unterschiedliche Bedürfnisse, welchen eine Sammelunterkunft kaum gerecht werden kann. Hierbei muss man als Flüchtlingsbetreuer und Betreuerin besonders auf spezifische Bedürfnisse achten und eine altersgerechte Begleitung garantieren. Naheliegend wären hierzu separate Gruppenräume für Kinder und Jugendliche sowie altersgerechte Beschäftigungsangebote. In vielen Flüchtlingsunterkünften hat es sich bewährt, Infoblätter an verschiedene Altersklassen auszugeben, um Erklärungsbedarf zu stillen, Regeln zu erläutern und Zukunftsprognosen zu stellen (vgl. Schmieg 2016, S. 21).

3. Trauma und Traumafolgestörungen

„Ein Trauma ist ein vitales Diskrepanzerlebnis zwischen bedrohlichen Situationsfaktoren und individuellen Bewältigungsmöglichkeiten, welches mit dem Gefühl der Hilflosigkeit und schutzlosen Preisgabe einhergeht und so eine dauerhafte Erschütterung von Selbst- und Weltverständnis bewirkt.“ (Fischer/Riedesser 2009, S.84). Die Antwort darauf, ob alle Flüchtlinge traumatisiert sind, kann man eindeutig mit Nein beantworten, denn jeder Mensch weist unterschiedliche Bewältigungsmethoden von Stresssituationen auf. Es ist anzunehmen, dass zirka die Hälfte der Flüchtlinge über diese Bewältigungsmethoden verfügt, die andere nicht, eine exakte Zahl kann jedoch nicht genannt werden (vgl. Imm-Bazlen 2016, S. 35f.).

Die Psychotraumatologie nimmt basierend auf den Stressfaktoren Traumaklassifikationen vor. Diese gliedern sich unter anderem in erschwerende Faktoren. Dazu zählt, eine Begegnung mit dem möglichen traumatisierenden Ereignis zu einem sehr frühen Zeitpunkt im Leben eines Flüchtlings. Entscheidend, wie eine Person mit der Fähigkeit der Bewältigung von Ereignissen umgeht, ist jedenfalls das Alter des Betroffenen. Weiters wird die Art und Schwere des traumatisierenden Ereignisses berücksichtigt. Wenn der menschliche Einfluss in einem Ereignis besonders stark ist, wirken diese stärker. Sind Personen betroffen, die der Person besonders nahe stehen ist die Verletzung noch größer. Der dritte Punkt, der bei der Klassifikation von Traumata erwogen wird, ist das Fehlen von Hilfe und Unterstützung (vgl. Imm-Balzen 2016, S. 37). „Wir Menschen sind soziale Wesen, und Einsamkeit belastet uns unabhängig davon, ob wir Hilfe brauchen oder nicht“ (Imm-Balzen 2016, S.37). Hierbei sind Helfer und Helferinnen von Flüchtlingen besonders wichtig, denn um mit traumatisierenden Ereignissen fertig zu werden, muss darüber geredet werden. Man hat die Aufgabe Verständnis zu haben, andere Perspektiven aufzuzeigen, und das Gefühl von Hilflosigkeit, das mit einer möglichen traumatisierenden Situation einhergeht, um ein Vielfaches zu potenzieren (vgl. Imm-Balzen 2016, S.37f.).

3.1 Individuelle Bewältigungsstrategien

Wie bereits im Kapitel Trauma und Traumafolgestörungen erläutert, muss ein Missverhältnis zwischen Situationsfaktoren und individuellen Bewältigungsmöglichkeiten vorliegen, damit es zu einer Traumatisierung eines Menschen kommen kann. Wenn eine Person eine geringe Anzahl an Bewältigungsmöglichkeiten vorweist, führt dies automatisch zum Trauma, die Situation kann sein wie sie will. Wenn von den individuellen Bewältigungsmöglichkeiten eines Menschen gesprochen wird, spricht man ebenso von der Resilienz. Diese ist für Flüchtlinge von Bedeutung, aber auch für Helfer und Helferinnen im Flüchtlingsbereich (vgl. Imm-Balzen 2016, S.37). Resilienz steht für die Fähigkeit eines Menschen, überlebensfähig zu sein, beziehungsweise sich nicht unterkriegen zu lassen (vgl. Fuhrmann 2013, S. 16). Die konkrete Definition von Resilienz ist „die Fähigkeit von Menschen, Krisen im Lebenszyklus unter Rückgriff auf persönliche und sozial vermittelte Ressourcen zu meistern und als Anlass für persönliche Weiterentwicklung zu nutzen“ (Welter-Enderlin/Hildenbrand 2012, S. 13). Resilienz ist zwar nicht angeboren, wird aber im Laufe des Lebens von jedem Menschen individuell erlernt. Vergleichbar ist Resilienz mit der Selbststeuerung und einen freien Willen eines Menschen, diese werden während des Lebens individuell von jedem entwickelt. Das bedeutet, die Mechanismen, denen sich Menschen bedienen, um eine Traumatisierung zu vermeiden, werden durch Potenziale, die man im Laufe des Lebens entwickelt, gebildet (vgl. Imm-Balzen 2016, S.37).

3.2 Umgang mit Traumata

Für den Bereich der Helfer und Helferinnen ist jedoch zunächst wichtig, wie Traumata erkannt werden. Alle Traumafolgestörungen gehen mit zwei Symptomen einher: in Form von Intrusionen und Vermeidung jeglicher Erinnerung an das Trauma. Intrusionen werden verstanden als Erinnerungen und Gedanken an das traumatische Erlebnis, welche als belastend oder störend empfunden werden. Diese treten in Form von Flashbacks auf, bei denen der Mensch von Gefühlen und Gedanken überflutet wird, welche im Zusammenhang mit den traumatischen Ereignissen stehen. Auslöser dafür können bestimmte Gerüche, Gefühle oder Reaktionen sein, die dem Betroffenen das Gefühl geben, die Situation ein zweites Mal zu durchleben. Die Vermeidung jeglicher Erinnerung an das Trauma zeigt sich in Lust- und Freudlosigkeit, Empfindungs- und Gefühllosigkeit über das Vermeiden von Situationen und Begegnungen, die an das Trauma erinnern könnten, bis hin zur Dissoziation. Auch in körperlichen Empfindungen kann man traumatische Erfahrungen erkennen, sie spiegeln sich in erhöhten Herzschlag, Erweiterung der Blutgefäße und Bronchien, Senkung

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Details

Titel
Herausforderungen in der Betreuung von Flüchtlingen und der Umgang mit Traumata
Hochschule
Alpen-Adria-Universität Klagenfurt  (Medien und Kommunikationswissenschaft)
Veranstaltung
Sozialpsychologie Inklusion, Asyl und Identität
Autor
Jahr
2017
Seiten
10
Katalognummer
V358358
ISBN (eBook)
9783668497184
ISBN (Buch)
9783668497191
Dateigröße
485 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
herausforderungen, betreuung, flüchtlingen, umgang, traumata
Arbeit zitieren
Anna Zoltan (Autor), 2017, Herausforderungen in der Betreuung von Flüchtlingen und der Umgang mit Traumata, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/358358

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