Jorge Luis Borges in Umberto Ecos "Der Name der Rose"

Anspielungen auf Jorge Luis Borges' politische Ansichten in Ecos Werk


Hausarbeit, 2011
20 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Was Kirk und Shakespeare, sowie Eco und Borges verbindet

2 Literatur und Forschungsstand

3 Methodik

4 Jorge Luis Borges im „Namen der Rose“
4.1 Jorge Luis Borges, Leben, Werk und politisches Wirken
4.2 Borges im „Namen der Rose“ - Der Autor im Buch
4.2.1 „Die Bibliothek von Babel“
4.2.2 „Averroes auf der Suche“
4.2.3 „Der Tod und der Kompass“/“Tlön, Uqbar, Orbis Tertius“/“Die Rose des Paracelsus“
4.2.4 Zusammenfassung der Borgesschen Werke
4.3 Borges im „Namen der Rose“ - der mittelalterliche „von Burgos“ oder der argentinische „Borges“?
4.3.1 Zweiter Tag, Tertia
4.3.2 Siebenter Tag, Nacht
4.3.3 Fazit der beiden Reden Jorge von Burgos

5 Abschließendes Fazit

6 Quellen und Literatur
6.1 Quellen
6.2 Literatur

1 Was Kirk und Shakespeare, sowie Eco und Borges verbindet

"Das, was wir eine Rose nennen, würde bei jedem anderen Namen genauso süß duften"1 Der geneigte Leser, der dieses Zitat noch nicht erkannt hat, könnte nun raten von wem es stammt: a) Johann Wolfgang von Goethe, b) Jorge Luis Borges c) Kapitän Kirk oder

d) Umberto Eco. Richtig wäre hier: Kapitän Kirk, der dieses Zitat allerdings William Shakespeare entnahm. Goethe schrieb, Zeit seines Lebens, unzählige Rosengedichte und, gilt er auch so oft als Universalantwort, so ist er es hier doch einmal nicht. Umberto Eco schrieb den Bestseller „Der Name der Rose“2, Jorge Luis Borges „Die Rose des Paracelsus“3, sowie andere Werke, in denen die Rose eine Rolle spielt4. Doch ebenso wie Kirk Shakespeare zitierte, benutzte Eco ebenjenen Jorge Luis Borges.5

Eco benutzte so beispielsweise Ideen Borges im Foucaultschen Pendel.6 Am offensichtlichsten kann man dies aber wahrscheinlich an einer der Hauptfiguren in Ecos berühmten Mittelalterroman „der Name der Rose“ erkennen. Schon der Name Jorge von Burgos, Ecos blinden „Herrn der Bücher“, ähnelt dem blinden Bibliothekar Jorge Luis Borges. Jener Borges jedoch lebte von 1899 bis 1986, er erlebte in Argentinien politische Aufstände, sowie bei einem Aufenthalt im schweizerischen Genf beide Weltkriege mit. Sein politisches Wirken entsprach demzufolge den Putschversuchen sowie nationalsozialistischen Einflüssen, zu welchen Borges Stellung bezog. Vielmehr war Borges ein begnadeter Autor „phantastischer“ Werke. Jorge von Burgos unterdrückte durch seine Morde Anders-Denkende mit Hilfe eines Buches. Parallelen zwischen beiden sind also schon auf den ersten Blick erkennbar.

2 Literatur und Forschungsstand

Aus den bisher gewonnenen, wenn auch spärlichen, Erkenntnissen ergeben sich zwei Fragen: Wenn Jorge Luis Borges Werke und selbst die Person als vielfältige Vorlage für Ecos Werk dienten und ebenjener Borges in Argentinien politisch durchaus Aktiv war, wie weit hat diese politische Aktivität auf Ecos Werk Einfluss genommen? Und daraus resultierend: wie historisch authentisch bleibt der Name der Rose als Mittelalterroman, wenn eine derartig neuzeitliche Persönlichkeit den Roman so beeinflusst hat?

Dass Jorge Luis Borges Vorlage von Jorge von Burgos war, ist kein Geheimnis und ein in mehreren Werken behandeltes Thema. Eco selbst behandelt dies in zwei Ansprachen7, seiner Nachschrift,8 sowie in anderen Werken.9 Ebenso gibt es vielfältige Untersuchungen zu Borges in Ecos Werken.10

Jorge Luis Borges Persönlichkeit ist ebenso nicht unerforscht geblieben.11 Ebenso hat er eigene Stellungnahmen zu seinem postmodernen Schreibstil verfasst.12 Eine „Autobiographie“ ist ebenfalls von Borges veröffentlicht wurden.13 Da diese jedoch erst nach dem „Namen der Rose“ erschienen und wie seine anderen Werke von Fiktionen unterlaufen und in poetischer Form gehalten ist,14 wird sie hier nicht benutzt werden.

3 Methodik

Zur Beantwortung der eben gestellten Fragen ergibt sich folgendes Vorgehensmuster: Um dem Leser einen ersten Einblick zu verschaffen, wird Jorge Luis Borges und dessen politisches Wirken vorgestellt. Es folgen daraufhin Werke, die Eco höchstwahrscheinlich von Borges für sein Buch verwendet hat, beziehungsweise Werke, welche er selbst genannt hat. Ebenjene werden auf politische Ausrichtung überprüft und ihr Einsatz im „Namen der Rose“ untersucht. Abschließend werden einige Aussagen des Jorge von Burgos aus dem „Namen der Rose“ auf einen Zusammenhang mit Jorge Luis Borges untersucht und auf politische Aussagen geprüft.

4 Jorge Luis Borges im „Namen der Rose“

4.1 Jorge Luis Borges, Leben, Werk und politisches Wirken

„ Buenos Aires wachsen gesehen haben, wachsen und niedergehen. “ 15

Dies, ebenso wie die anderen kleinen noch folgenden Zeilen, stammt aus Borges Gedicht „Berühmtheit“, in welchem er bruchstückartig sein Leben beschreibt. 1899 in Buenos Aires geboren,16 begann er schon ab ca. 1921 mit dem Verfassen und Veröffentlichen von Gedichten und Essays.17

„ Das Englische geerbt, das Angels ä chsische befragt haben.

Liebe zum Deutschen bekennen und Heimweh zum Lateinischen. [...]

Meine Bibliothek nicht verlassen haben. “ 18

1938 starb Borges Vater. Zum einen hinterließ er ihm seine Bibliothek, zum anderen begann Borges in jener Zeit in der Staatsbibliothek zu arbeiten, von welcher er 1955 auch zum Direktor ernannt wurde.

„ Zur ü ckgekehrt sein zum Erz ä hlen alter Geschichten. “

Bereits vorher jedoch schrieb Borges zwei seiner wahrscheinlich bedeutendsten Erzählbände. „Ficciones“ (1944) und „das Aleph“ (1949) sollten, wie im weiteren Verlauf noch gezeigt wird, weiten Einfluss haben.

„ Blind sein. “

Etwas, was Borges sein ganzes Leben lang begleitete, war die Angst zu erblinden. Schon sein Vater erblindete früh und so war Borges Angst durchaus berechtigt. Die Krankheit durchzog sein Alter. Auch durch die Heirat mit seiner ehemaligen Sekretärin Maria Kodama, die noch heutzutage Borges Erbe verwaltet, konnte Borges weiter schreiben, editieren und veröffentlichen. Er starb im Juni 1986.

„ Dies sein, was keiner definieren kann: Argentinier. “ 19

Borges war neben seiner Tätigkeit als Bibliothekar und als Gedicht-, Erzählungen- sowie Essayschreiber, jedoch durchaus politisch aktiv. Während der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland verfasste er Buchkritiken zu in Deutschland erschienenen Büchern.20 Jedoch war Politik für Borges im Nachhinein gesehen, sein wahrscheinlich größtes Labyrinth. So schreibt Borges in seinem Vorwort zu „die Eiserne Münze“:

„ Ich wei ß mich v ö llig unw ü rdig, ü ber politische Dinge zu urteilen, aber vielleicht ist es verzeihlich, wenn ich anmerke, dass ich nicht an die Demokratie glaube, diesen merkw ü rdigen Missbrauch der Statistik. “ 21

Wenige Jahre später schon schreibt er jedoch, dass er „Ein Feind des Kommunismus“ sei, ebenjener Form, die er im Vorwort noch befürwortet hatte.22 Ebenso war er ab 1976 noch ein Befürworter der Politik Pinochets und dessen Militärregierung (welche vorher die „Demokratie“ Perons abgelöst hatte), verurteilte diese jedoch ab 1982 mit dem Beginn des Falklandkrieges wiederum. 1983, mit dem Sieg Alfonsins bei den Wahlen in Argentinien schrieb er letztendlich: „Ich schrieb einmal, die Demokratie sei ein Missbrauch der Statistik. Am 30. Oktober hat mich die argentinische Demokratie auf das Schönste widerlegt.“23

Selten äußerte sich Borges offen zu politischen Dingen, jedoch sind Borges Werke durchaus mit kleiner Ironie und Wortspielen gespickt. Diese parodisieren zum einen Politiker mit Dingen, die oftmals nur in Argentinien bekannt waren, zum anderen machen die Wortspiele „eine Übersetzung kaum möglich“24, sodass politische Anspielungen jeweils schwer zu finden sein werden.25 Des Weiteren ist das deutsche wahrscheinlich eine unangemessene Sprache zur Erforschung der beiden, da dies nur eine deutsche Arbeit über einen italienischen Roman, der ins deutsche übersetzt wurde, der einen argentinischen Schriftsteller adaptierte, welcher wiederum deutsche, spanische, englische und anderssprachliche Werke benutzte, welche mir wiederum (aufgrund sprachlicher Unkenntnisse) nur im deutschen vorliegen. Ich bitte dies und auch die postmoderne Anspielung auf Ecos Einleitung zum Namen der Rose hier zu verzeihen.26

4.2 Borges im „Namen der Rose“ - Der Autor im Buch

"Ich glaube, es war 1956 oder 57, dass Solmi mir eines Abends, w ä hrend wir ü ber die Piazza del Duomo gingen, sagte: "Dieses Buch habe ich Einaudi empfohlen, wir haben keine f ü nfhundert St ü ck davon verkaufen k ö nnen. Lesen sie es, es ist sehr sch ö n." So kam es, dass ich mich das erste Mal in Borges verliebte [...] “ 27

Umberto Eco stieß bereits früh auf Borges und wie oben zu lesen, sollte der argentinische Autor und dessen Werke (neben den oben angespielten „Ficciones“) ihm Zeit seines Lebens ein Begriff bleiben.28 Neben den Anspielungen Borges im Namen der Rose, die in dieser Arbeite beleuchtet werden, kann man Ideen in seinen anderen Werken finden29

[...]


[1] „Stein und Staub“: Star Trek- Enterprise, Episode 51, (Originaltitel: „By any other Name“, direkt nach Shakespeare), im Original nach: Shakespeare, William: Romeo und Julia, 2. Akt, 2. Scene.

[2] Eco, Umberto: Der Name der Rose.

[3] Vgl.: Borges, Jorge Luis: Die Rose des Paracelsus, in: Borges, Jorge Luis: Der Erzählungen zweiter Teil, S. 208-212.

[4] Vgl.: Borges, Jorge Luis: Die Rose, in: Borges, Jorge Luis: Der Gedichte erster Teil, S. 27; Borges, Jorge Luis: Rosas, in: Borges, Jorge Luis: Der Gedichte erster Teil, S. 33.

[5] Shakespeares Zitat war im übrigen Eco bekannt, da es jedoch eine andere Aussage als „der Name der Rose“ hat, ist kein weiterer Bedeutungszusammenhang herzustellen, Vgl.: Eco, Umberto: Borges und meine Angst vor dem Einfluss, in: Eco, Umberto: Die Bücher und das Paradies. Über Literatur, S. 140.

[6] Vgl.: Eco, Umberto: Das Foucoultsche Pendel, München/Wien 1989, sowie Borges, Jorge Luis: Tlön, Uqubar, Orbis Tertius, in: Borges, Jorge Luis: Die Bibliothek von Babel. Erzählungen.

[7] Vgl.: Eco, Umberto: Zwischen La Mancha und Babel, in: Eco, Umberto: Die Bücher und das Paradies. Über Literatur, S. 113-126; Eco, Umberto: Borges und meine Angst vor dem Einfluss, in: Eco, Umberto: Die Bücher und das Paradies. Über Literatur, 127-146.

[8] Vgl. bspw.: Eco, Umberto: Der Roman als kosmologischer Akt, in: Eco, Umberto: Nachschrift zum Namen der Rose, S. 334-336.

[9] Vgl.: Eco, Umberto/Carrière, Jean-Claude: Die große Zukunft des Buches. Gespräche mit Jean-Philipp de Tonnac; Stauder, Thomas: Gespräche mit Umberto Eco. Ebenso fand zum Thema "Literarische Beziehungen zwischen Jorge Luis Borges und Umberto Eco" ein Kongress im Mai 1997 in La Mancha statt. Anwesend waren dabei unter anderem Eco, sowie Borges Witwe Maria Kodama.

[10] Vgl.: Ickert, Klaus/Schick, Ursula: Das Geheinmis der Rose - entschlüsselt;Kerner, Max (Hg.): „... eine finstere und fast unglaubliche Geschichte“? Mediävistische Notizen zu Umberto Ecos Mönchsroman „Der Name der Rose“.

[11] Vgl. bspw. Nachwörter, sowie Editorische Notitzen in: Borges, Jorge Luis: Die Bibliothek von Babel. Erzählungen; Borges, Jorge Luis: Der Erzählungen zweiter Teil; Borges, Jorge Luis/Cesares, Adolfo Bioy: Der gemeinsamen Werke erster Teil.

[12] Vgl.: Borges, Jorge Luis: Kafka und seine Vorläufer, in: Borges, Jorge Luis: Essays, Erster Teil, S. 114-117.

[13] Vgl.: Borges, Jorge Luis: Borges und Ich, in: Der Gedichte erster Teil, S. 165-284.

[14] Interessant hierzu beispielsweise auch: Borges, Jorge Luis: 25. August 1983, in: Borges, Jorge Luis: Der Erzählungen zweiter Teil.

[15] Borges, Jorge Luis: Berühmtheit, in: Borges, Jorge Luis: Der Gedichte dritter Band, S. 325.

[16] Vgl. bspw.: Borges, Jorge Luis: Vorwort, in: Borges, Jorge Luis Der Gedichte dritter Teil, S. : „Nicht umsonst wurde ich im Jahre 1899 gezeugt. Meine Gewohnheiten gehen auf jenes Jahrhundert und das vorhergegangene zurück [...]“ S. 98.

[17] Vgl.: Haefs, Giesbert/Horst, Karl August: Editorische Notiz, in: Borges, Jorge Luis: Der Gedichte erster Teil, S. 394.

[18] Borges, Jorge Luis: Berühmtheit in: Borges, Jorge Luis: Der Gedichte dritter Band, S. 325.

[19] Auf die Frage, ob Borges Argentinier sei, antwortete er einstmals: „Nein, ich bin Chinese.“ Vgl. dazu: Borges, Jorge Luis: Die Bibliothek von Babel, S. 74.

[20] Vgl.: Stolzmann, Uwe: Der Dichter und die Politik (=Neue Züricher Zeitung, 1.7.2006).

[21] Borges, Jorge Luis: Der Gedichte 3. Teil, S. 98; Vgl. dazu: Buenos Aires 1899, S. 215 Gedichte 3.

[22] Vgl.: Stolzmann, Uwe: Der Dichter und die Politik (=Neue Züricher Zeitung, 1.7.2006).

[23] Ebd.

[24] Haefs, Giesbert/Arnold, Fritz: Editorische Notiz, in: Borges, Jorge Luis/Casares, Adolfo Bioy: Der gemeinsamen Werke erster Teil, S. 271.

[25] Vgl.: Ebd., S. 267-274.

[26] Vgl.: Eco, Umberto: Der Name der Rose, S. 10: „der geneigte Leser möge bedenken: was er vor sich hat, ist die deutsche Übersetzung meiner italienischen Fassung einer obskuren neugotisch- französischen Version einer im 17. Jahrhundert gedruckten Ausgabe eines im 14. Jahrhundert von einem deutschen Mönch auf Lateinisch verfassten Textes.“ Vgl. zu diesem Problem auch: Eco, Umberto: Muss man Fremdsprachen können, in: Eco, Umberto: Wie man eine wissenschaftliche Abschlussarbeit schreibt, S. 33-39.

[27] Eco, Umberto: Borges und meine Angst vor dem Einfluss, in: Eco, Umberto: Die Bücher und das Paradies. Über Literatur. S. 131.

[28] Borges Werk konnte er jedoch erst ab den 70er Jahren benutzen, da Borges zu jener Zeit auch in Italien eine größere Bekanntheit erlangte. Vgl. dazu: Eco, Umberto: Nachschrift zum Namen der Rose, S. 72; Eco, Umberto: Die Bücher und das Paradies, S. 132.

[29] Nicht unwesentlich beispielsweise „Tlön, Uqbar, Orbis Tertius“ im „Foucaultschen Pendel“.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Jorge Luis Borges in Umberto Ecos "Der Name der Rose"
Untertitel
Anspielungen auf Jorge Luis Borges' politische Ansichten in Ecos Werk
Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg  (Geschichte)
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
20
Katalognummer
V358363
ISBN (eBook)
9783668432567
ISBN (Buch)
9783668432574
Dateigröße
587 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Jorge Luis Borges Umberto Eco Name der Rose
Arbeit zitieren
Julius Schüler (Autor), 2011, Jorge Luis Borges in Umberto Ecos "Der Name der Rose", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/358363

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