Datierungsversuche anhand der Historien und der Urkunden Heinrichs. Das Datum der Königserhebung Heinrich I.


Hausarbeit, 2011

21 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Heinrich der Vogler

2 Fragestellung & Methodik

3 Forschungsstand, Quellen und Literatureingrenzung

4 Das Krönungsdatum anhand der Quellen der Geschichtsschreiber und deren Interpretation
4.1 Widukind von Corvey
4.2 Adalberts Fortsetzung der Chronik Reginos
4.3 Liudprand von Cremona
4.4 Annalen und sonstiges
4.5 Wissenschaftliche Rezeption der Quellen

5 Das Krönungsdatum anhand der Urkunden
5.1 Die Berechnung der Königskrönung anhand der Urkunden Heinrich I.

6 Fazit

7 Quellen und Literatur
7.1 Quellen
7.2 Literatur

1 Heinrich der Vogler

„Dieß rufend, knie'n sie vor ihn hin und huldigen ihm still, und rufen, als er staunend fragt: „S'ist deutschen Reiches Will'!“[1]

So beschrieb der deutschösterreichische Dichter Johann Nepomuk Vogl die Legende einer der wohl wundersamsten Königserhebungen in der deutschen Geschichte: die Heinrich des I. Heinrich der Erste, Vater Ottos des Großen, wird gerne als der erste deutsche König bezeichnet. Mit ihm endet die kurze Ära der Konradiner und beginnt die Zeit der Ottonenkönige, der Liudolfinger.

Mit Heinrichs Herrschaft verbinden sich jedoch eine Vielzahl von offenen Fragen.[2] Hier Beispielhaft beginnend mit seiner für das Regnum vielleicht wichtigsten Schlacht. Der Schlacht von Riade: Unter ihm vereinten sich zum ersten mal alle „deutschen“ Heere. Angeblich bestehend aus Bayern, Schwaben, Franken, Lothringern, Sachsen und Thüringern,[3] und somit allen Stämmen des teutonischen Reiches, wurden 933 die Ungarn geschlagen. Ob man dabei jedoch nur einem einzigen Geschichtsschreiber, nämlich Flodoard, trauen kann, der jene Beteiligung aller Heere beschreibt, bleibt wahrscheinlich Auslegungssache.[4]

Dass Heinrich jedoch bei Riade gewonnen hat, berichten eine Vielzahl von Quellen. So ist er vielleicht nicht der Verbinder aller „deutschen“ Stämme, aber auf jeden Fall wehrte er eine drohende Invasion ab. Sein Sohn sollte dies wiederholen. Auch um Otto ragen sich Legenden. Die Legende der Königserhebung Heinich I und das damit verbunden Lied ist vor allem älteren Generationen durchaus bekannt. Unbekannt und auch als Legendenhaft dagegen dagegen kann man das genaue Datum der Königskrönung Heinrich I bezeichnen ...

2 Fragestellung & Methodik

Das Datum der Königserhebung Heinrich I. wurde anhand von 2 Urkunden festgelegt, deren Echtheitswert allerdings zu guter Recht als fraglich zu beschreiben ist.[5] Die Forschung jedoch bestreitet die Wahrheit jenes Krönungsdatums nur selten. Vielmehr nimmt sie diese Datierung als echt an und legt die Quellen der Geschichtsschreiber, der Annalen oder ähnliche danach aus. Daraus lassen sich nun folgende zwei Fragen stellen: Welche Argumente hat die Forschung bis jetzt zur Rechtfertigung des Datums der Krönung hervorgebracht und lässt sich anhand der Urkunden Heinrichs I. ein genaueres Datum der Krönung feststellen?

Da die Urkunden in der Forschung bisher weniger berücksichtigt wurden, wird zunächst auf die Quellen der Geschichtsschreiber des Mittelalters eingegangen. Dabei beziehe ich mich im Wesentlichen auf Widukind von Corvey, Adalberts Fortsetzung der Chronik Reginos, Liudprands von Cremonas Werk, sowie einige Annalen oder Dichtungen, auf welche im Folgenden eingegangen wird. Ebenjene Quellen benutzte auch die Forschung um den Zeitraum der Thronvakanz zwischen dem Tod Konrads und der Erhebung Heinrichs zu erklären. Daraufhin werden ebenjene Argumente der Forschung beleuchtet, die sie benutzte um die Thronvakanz und somit das Datum der Krönung zu erklären.

Da die Urkunden weniger berücksichtigt wurden, wird letztendlich auf die Datierung der Urkunden eingegangen. Anhand der Datierung lässt sich dabei vielleicht eine Eingrenzung des Krönungszeitraums erschließen.

3 Forschungsstand, Quellen und Literatureingrenzung

Bevor die Argumentationsweise von einigen Forschern untersucht werden kann, wird wie beschrieben zuerst auf die wichtigsten Quellen eingegangen. Dies wären die Werke der drei wichtigsten Geschichtsschreiber für Heinrichs Zeit. Die des Widukind von Corvey, Liudbrands von Cremona sowie Reginos Fortsetzung.[6]

Die Argumentationsweise wird im folgenden zuerst von einigen der älteren Forschern beleuchtet.[7] Die neuere Forschung wird dann anhand von Werken von Gerd Althoff,[8] Egon Boshof[9], Hagen Keller[10] und vor allem Johannes Fried[11] beleuchtet.

Das Problem der Berechnung von Daten aus Urkunden ist der Forschung gut bekannt. So schrieb Martin Meyer in seinem Aufsatz „ein übersehenes Diplom Heinrich I.“ über das Herrscherjahr:[12]

„Zu dem Incarnationsjahr, das sich in den Diplomen Heinrichs I. als für die Datierung besonders zuverlässig erweist, passt in dieser Reihe der annus regni zwar nicht den Thatsachen, wohl aber dem Kanzleigebrauche nach.“[13]

Ebenjener Aufsatz soll in der Berechnung des Königsdatums mit Hilfe der Urkunden helfen.

4 Das Krönungsdatum anhand der Quellen der Geschichtsschreiber und deren Interpretation

„Du, der Vergangenes verherrlicht, Das Äußerliche durchforscht, das Sichtbare an den Rassen – das Leben, das sich offenbart hat; Der den Menschen behandelt als Geschöpf der Politik, der Gesellschaft, als Herrscher und Priester [...]“[14]

So schrieb Walt Whitman „An einen Historiker“. Geschichte wurde von vergangenen Geschichtsschreibern geschrieben, sie dienten „als Sprachrohre verbreiteten Wissens, das sie literarisch gestalteten“[15]. Die Historien sind neben Annalen, Diplomatischen, Hagiographischen und Rechtsquellen eine der bedeutendsten Gruppen der mittelalterlichen Geschichtsschreibung.[16] Diese schriftlichen Quellen werden vorrangig zur heutigen Geschichtsschreibung genutzt, womit sie oftmals den Grundstein der Forschung legen.

Über die Herrschaftszeit Heinrich des Ersten gibt es lediglich ein paar Historiographische Quellen. „Am ausführlichsten äußerten sich zum Hergang dieser Wahl Widukind von Corvey, der Fortsetzer Reginos von Prüm und Liutprand von Cremona, die insofern unabhängig voneinander schreiben, als keiner das Werk des anderen benutzte oder kannte.“[17] Diese drei Werke, sowie andere Annalen, die Aufschluss über das Krönungdatum liefern könnten, werden im Folgenden untersucht. Dabei wird auf die Darstellung der Designation sowie die Königserhebung eingegangen. Somit kann man eventuell eine Eingrenzung des Zeitraums vornehmen, in welcher Heinrich I. die Königskrone erlangte.

4.1 Widukind von Corvey

Widukind von Corvey ist für die Geschichte der Sachsenkaiser wohl einer der bedeutendsten Geschichtsschreiber. Die „Sachsengeschichte“ des Corveyer Mönches erschien um cirka 967/968.[18] Das Werk, das in drei Teilen erschienen ist, behandelt die Geschichte der Sachsen vom „Ursprung des Sachsenvolkes“[19] bis zur Wahl Ottos II. Die Schilderung der Ereignisse um Heinrich I, sowie Konrads Tod und dessen Designationsrede befindet sich dabei im ersten Buch und umfasst die Kapitel 25[20] und 26[21].

Wie bereits in der Einleitung der „Freiherr von Stein-Gedächtnisausgabe“ zu lesen ist, „erscheint die Königserhebung Heinrichs I. 919 in diesem Zusammenhang als längst fällige Übertragung der Herrschaft“[22] Widukind von Corvey selbst schildert nun in seiner Sachsengeschichte zuerst die Rede Konrads I. Dabei designiert Konrad an Heinrich und nicht an seinen Bruder Eberhard da „Fortuna, […] Henrico cedit“[23] ihnen selbst fehle „fortunam atque mores“[24]. Glück und Eignung hatte Heinrich bereits in den vorherigen Jahren im Kampf gegen Konrad und Eberhard bewiesen.[25]

„Als er so gesprochen, erwiderte sein Bruder unter Tränen, er sei damit einverstanden […] Eberhard begab sich, wie der König befohlen hatte, zu Heinrich, stellte sich mit allen Schützen ihm zur Verfügung, schloss Frieden und erwarb sich dessen Freundschaft, die er bis an sein Ende in treuer Verbundenheit bewahrte. “[26]

Aus dieser Schilderung Widukinds kann man also zwei wesentliche Punkte entnehmen: zum einen dass Eberhard ohne Bedenken oder Widerrede sein Königsrecht an Heinrich I., der vormals Konkurrent war und zudem einem anderen Geschlecht angehörte, abtrat. Zum anderen, dass dies anscheinend in relativ kurzer Zeit geschah. Jedoch ist die Beschreibung Widukinds auf eine Zeitspanne relativ wage. So könnte man davon aus gehen, dass „Schützen zur Verfügung stellen, Frieden schließen und Freundschaft erlangen“ eventuell jenen Zeitraum vom Tod Konrads[27] bis zum „angeblichen“ Wahltag[28] umfassen könnte.

[...]


[1] Vgl.: Vogl, Johann Nepomuk: Heinrich der Vogler, in: Vogl, Johann Nepomuk: Balladen und Romanzen, Wien 1835, S. 1-2.

[2] Vgl. überblicksartig: Hoffmann, Hartmut: Ottonische Fragen, in: DA, 51, S. 53-82.

[3] Vgl.: Wolfgang Giese: Heinrich I. Begründer der ottonischen Herrschaft. Darmstadt 2008, S. 119.

[4] Ebd. S. 119.

[5] Es handelt sich dabei um die Urkunden Nr. 38/39, durch welche das Datum auf den 12.-24.Mai eingegrenzt wurde. Beide Urkunden liegen jedoch nicht im Original vor, sondern im Fall von DHI 38 als eine Abschrift aus dem Jahr 1603 und im Fall von DHI 39 als Abschrift in einem Kopialbuch welches Anfang des 14. Jahrhunderts entstand vor.

[6] Widukinds Sachsengeschichte, Adalberts Fortsetzung der Chronik Reginos, Liudprands Werke, hrsg. und übers. von Hirsch, Paul/Büdinger, Max/Wattenbach, Wilhelm.

[7] Hierbei vor allem: Gisebrecht, Wilhelm: Gründung des Kaiserthums, sowie Clarus, Ludwig: Die heilige Mathilde, ihr Gemahl Heinrich I. und ihre Söhne Otto I., Heinrich und Bruno.

[8] Althoff, Gerd: Die Ottonen. Königsherrschaft ohne Staat.; sowie in Zusammenarbeit mit Hagen Keller: Althoff, Gerd/Keller, Hagen: Heinrich I. Und Otto der Große. Neubeginn auf karolingischem Erbe.

[9] Boshof, Egon: Königtum und königsherrschaf im 10. und 11. Jahrhundert.

[10] Keller, Hagen: Ottonische Königsherrschaft. Organisation und Legitimation königlicher Macht.

[11] Fried, Johannes: Die Königserhebung Heinrich I. Erinnerung, Mündlichkeit und Traditionsbildung im 10. Jahrhundert.

[12] Meyer, Martin: Ein übersehenes Diplom Heinrich I.

[13] Ebd. S. 116.

[14] Whitman, Walt: An einen Historiker, in: Whitman, Walt (übers. Vorn Schölermann, Wilhelm): Grashalme, Köln 2009, S. 30.

[15] Fried, Johannes: Die Königserhebung Heinrich I. S. 271.

[16] Vgl.: Goetz, Hans-Werner: Proseminar Geschichte: Mittelalter, Stuttgart 32006.

[17] Althoff, Gerd: Die Ottonen. Königsherrschaft ohne Staat, S. 37.

[18] Vgl.: Widukinds Sachsengeschichte, Adalberts Fortsetzung der Chronik Reginos, Liudprands Werke, hrsg. und übers. von Hirsch, Paul/Büdinger, Max/Wattenbach, Wilhelm, S. 8.

[19] Enspricht dem 1. Kapitle Widukinds von Corvey, Ebd., S. 19.

[20] „König Konrads Rede vor seinem Tode“

[21] „Eberhard setzt Heinrich als König ein“

[22] Leicht abgändert, Vgl.: Widukinds Sachsengeschichte, Adalberts Fortsetzung der Chronik Reginos, Liudprands Werke, hrsg. und übers. von Hirsch, Paul/Büdinger, Max/Wattenbach, Wilhelm, S. 6.

[23] Ebd. S. 56.

[24] Ebd. S. 56.

[25] Vgl.: Althoff, Gerd: Die Ottonen. Königsherrschaft ohne Staat, S. 33-36.

[26] Widukinds Sachsengeschichte, Adalberts Fortsetzung der Chronik Reginos, Liudprands Werke, hrsg. und übers. von Hirsch, Paul/Büdinger, Max/Wattenbach, Wilhelm, S. 57. „His dictis frater lacrimans se consentire respondit. […] Ut ergo rex imperarat, Evurhardus adiit Heinricum seque cum omnibus thesauris illi tradidit, pacem fecit, amicitiam promeruit; quam fideliter familiariterque usque in finem obtinuit.“ S. 56 Zum Begriff der amicitiam, die hier im Original erwähnt wird und welche sich Eberhard bei Heinrich erwarb vgl.: Kaeding, Susanne/Kümmerlen, Britta/Seidel, Kerstin: Heinrich I. - ein "Freundschaftskönig".

[27] 23.12.918.

[28] Jener 12.-24.Mai 919.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Datierungsversuche anhand der Historien und der Urkunden Heinrichs. Das Datum der Königserhebung Heinrich I.
Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg  (Geschichte)
Veranstaltung
Die Urkunden Heinrich I.
Note
2,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
21
Katalognummer
V358365
ISBN (eBook)
9783668461864
ISBN (Buch)
9783668461871
Dateigröße
554 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Während des Seminars ergab sich die Fragestellung, ob das bisher angenommene Datum der Königskrönung Heinrich I. richtig ist. Mittels einer Berechnung durch die bekannten Urkunden und durch historiographische Quellen sollte dies nachgeprüft werden. Es ist zu beachten, dass dies eine Hausarbeit aus dem 3. BA-Semester ist und ihr daher noch einige kleinere Mängel beiliegen.
Schlagworte
datierungsversuche, historien, urkunden, heinrichs, datum, königserhebung, heinrich
Arbeit zitieren
Julius Schüler (Autor), 2011, Datierungsversuche anhand der Historien und der Urkunden Heinrichs. Das Datum der Königserhebung Heinrich I., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/358365

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