Diese Arbeit wurde in Anlehnung an das Seminar „Die Enhancement-Debatte“ verfasst. Inhaltlich wird zunächst eine von mir als angemessen empfundene Definition der Begrifflichkeit „Enhancement“ erörtert, welche jedoch nur als Basis des allgemeinen Verständnisses dieser Thematik dienen soll. Im Anschluss daran werden das Phänomen des Self-Trackings und die damit verbundene sogenannte „Quantified-Self-Bewegung“ sowie ihre Ziele und generellen Tätigkeiten vorgestellt. Aufgrund ihres großen Einflusses und der damit verbundenen Bedeutsamkeit wird die Methode der „Gamification“ separat erläutert. Der Fokus der Arbeit liegt jedoch auf den Auswirkungen der von den Self-Trackern angewandten Praktiken und wird im sich anschließenden dritten Teil der Arbeit ausführlich bearbeitet. Abschließend werden die gewonnenen Erkenntnisse im Fazit zusammengefasst und reflektiert.
Inhaltsverzeichnis
I Einleitung
II Enhancement
2.1 Was ist Enhancement?
III Beschreibung der Quantified Self - Bewegung
3.1 Ziele und Beobachtungsschwerpunkte
3.2 Gamification
IV Auswirkungen von Self-Tracking
4.1 Chancen des Self-Trackings
4.2 Gefahren oder „Nebenwirkungen“ des Self-Trackings
V Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die ethische Vertretbarkeit der Quantified-Self-Bewegung und deren Zusammenhang mit dem Konzept des Enhancements. Dabei wird hinterfragt, inwiefern die zunehmende technische Selbstvermessung zu einer Optimierung des Menschen beiträgt oder ob sie eine Gefährdung der menschlichen Selbstwahrnehmung und Unabhängigkeit darstellt.
- Definition und anthropologische Einordnung des Begriffs Enhancement
- Analyse der Ziele und Methoden der Quantified-Self-Bewegung
- Bedeutung der Gamification für die Nutzerbindung und Verhaltenssteuerung
- Diskussion der Chancen von Self-Tracking in der Gesundheitsprävention
- Kritische Beleuchtung der Gefahren durch Datenmissbrauch und Optimierungszwang
Auszug aus dem Buch
Gefahren oder „Nebenwirkungen“ des Self-Trackings
Woher kommt der Wille sich permanent zu optimieren, zu funktionieren, sich anzupassen? Durch inspirierende Reden wie die der, ohne Wadenbeine geborenen, Leichtathletin Aimee Mullins, welche predigt, dass man sich seinen Körper nur auf bestimmte Art denken oder wünschen soll - stärker, schöner, schneller - und dann wird er auch so? Mullins Arzt, Dr. Kean nennt dies in seinen Lehrveranstaltungen den „X-Factor“ oder auch „das Potenzial des menschlichen Willens“. Oder durch den von Heidi Klum in jeder Folge ihrer TV-Show „Germanys next Topmodel“ proklamierten „American Dream“, welche sie ihren Teilnehmerinnen mit Phrasen wie „Es gibt nichts, was du nicht tun kannst, du musst es nur wollen.“ nahebringt? Basiert diese Selbstkontrolle wirklich auf einem intrinsisch motivierten Entschluss oder ist sie eher eine Kapitulation vor den Anforderungen unserer Gesellschaft? Mehrere Faktoren bzw. Auswirkungen dieser sich rasant verbreitenden Bewegung sollten meines Erachtens Beachtung finden und nicht wie die größte Lüge des Internets („Ich habe die AGB gelesen und akzeptiere diese“) durch einen Mausklick von der Bildfläche verschwinden.
Das betrifft zweifelsohne insbesondere den Datenschutz und den damit einhergehenden Datenmissbrauch. Besonders fraglich ist warum Datenerhebung mittels Applikationen oftmals immer noch einseitig nutzbar bzw. entfernbar sind. In Bezug auf die Generierung der TV - Einschaltquoten haben beispielsweise die Mitglieder eines Testhaushaltes keinen Zugriff auf die von ihnen eigens generierten Daten. Das Argument gegen die Einsicht in die erhobenen Daten ist „die mögliche Verfälschung der Ergebnisse“. Ähnlich verhält es sich mit dem Einbehalt der Daten ehemaliger, gelöschter Nutzer von sozialen Netzwerken wie Facebook oder WhatsApp, unabhängig von deren sonstiger Abwesenheit von Moral in Bezug auf den Umgang mit den Daten ihrer Kunden.
Zusammenfassung der Kapitel
I Einleitung: Die Einleitung führt in die Themenfelder Enhancement und Quantified Self ein und legt den Fokus auf die ethische Reflexion der Auswirkungen digitaler Selbstvermessung.
II Enhancement: Dieses Kapitel erörtert verschiedene Definitionen von Enhancement und grenzt diese von therapeutischen Maßnahmen ab, um eine theoretische Basis für die Arbeit zu schaffen.
2.1 Was ist Enhancement?: Hier wird der Begriff Enhancement im Kontext von Gesundheit, Natur und dem menschlichen Handeln kritisch hinterfragt, wobei verschiedene philosophische Perspektiven beleuchtet werden.
III Beschreibung der Quantified Self - Bewegung: Es werden die Ursprünge der Quantified-Self-Bewegung sowie deren Leitgedanken der Selbsterkenntnis durch datengestützte Messungen dargestellt.
3.1 Ziele und Beobachtungsschwerpunkte: Dieses Unterkapitel behandelt die technischen Möglichkeiten des Trackings und die verschiedenen Bereiche, die Nutzer vermessen, um ihr Leben zu optimieren.
3.2 Gamification: Die Rolle von Spielmechaniken innerhalb von Tracking-Programmen wird analysiert, insbesondere deren Einfluss auf die Motivation und den Leistungsdruck durch soziale Vergleiche.
IV Auswirkungen von Self-Tracking: Die Auswirkungen der Bewegung werden auf ihre ethische Vertretbarkeit hin geprüft und in Chancen sowie Gefahren unterteilt.
4.1 Chancen des Self-Trackings: Es wird aufgezeigt, wie Self-Tracking insbesondere bei chronischen Erkrankungen oder zur Gesundheitsprävention hilfreich und lebensverbessernd wirken kann.
4.2 Gefahren oder „Nebenwirkungen“ des Self-Trackings: Dieser Abschnitt thematisiert kritisch den Datenschutz, Datenmissbrauch und die psychologischen Folgen eines exzessiven Optimierungszwangs.
V Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert das Spannungsfeld zwischen individuellem Nutzen und gesellschaftlichem Optimierungswahn sowie die Angst vor einer drohenden Gesundheitsdiktatur.
Schlüsselwörter
Enhancement, Quantified Self, Self-Tracking, Selbstoptimierung, Digitalisierung, Gamification, Datenschutz, Datenmissbrauch, Gesundheit, Leistungsgesellschaft, Selbstwahrnehmung, Körperbilder, Ethik, Wearables, Körpermonitoring.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Phänomen der Quantified-Self-Bewegung im Kontext moderner Enhancement-Debatten und beleuchtet die Auswirkungen dieser Lebensphilosophie auf den Einzelnen und die Gesellschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen sind die Möglichkeiten der Selbstvermessung durch digitale Technologien, ethische Fragen des Datenschutzes sowie der gesellschaftliche Zwang zur ständigen Selbstoptimierung.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, die ethische Vertretbarkeit von Self-Tracking-Praktiken zu bewerten und zu reflektieren, ob die durch Technik gewonnene Kontrolle einen echten Mehrwert bietet oder die Selbstwahrnehmung einschränkt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine auf Seminargrundlagen basierende, diskursive Arbeit, die philosophische Definitionen mit aktuellen Beispielen aus der Praxis sowie Medientheorien verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Definition von Enhancement, eine detaillierte Beschreibung der Quantified-Self-Bewegung und eine differenzierte Analyse der Chancen und Gefahren von Tracking-Methoden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören Enhancement, Quantified Self, Datenmissbrauch, Selbstoptimierung, Gamification und die kritische Auseinandersetzung mit der digitalen Überwachung.
Wie unterscheidet sich "Self-Tracking" von klassischer Selbstbeobachtung?
Während klassische Tagebücher oder Aufzeichnungen analog und selten waren, ermöglicht modernes Self-Tracking eine kontinuierliche, digitalisierte und automatisierte Erfassung, die oft in sozialen Netzwerken öffentlich geteilt wird.
Welche Gefahren sieht der Autor in der sogenannten "Gamification"?
Der Autor warnt davor, dass durch den Wettkampfgedanken und den sozialen Vergleich realer Druck entsteht, der die Grenze zwischen virtuellem und realem Ich verschwimmen lässt und Stress statt Motivation erzeugt.
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- Jana Mai (Author), 2015, Enhancement. Das Phänomen der Quantified-Self-Bewegung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/358460