Inklusion ist zur Zeit wohl eines der meist diskutierten Themen im Bereich Schulwesen. Doch wie sieht die Schulentwicklung im Bereich Inklusion in der Praxis konkret aus? Welche Schritte sind die Schulen auf dem Weg der Inklusion bereits gegangen? Und kann der Index für Inklusion vielleicht ein Hilfsmittel für diese Schulen sein, ihre Schulentwicklung effektiver zu gestalten?
Diesen Fragen soll in der vorliegenden Bachelorarbeit nachgegangen werden.
Studien aus dem In- und Ausland weisen nach, dass der Besuch einer Regelschule für Kinder mit sonderpädagogischen Förderbedarf sinnvoller sein kann, als die Teilnahme am Unterricht einer Förderschule. Trotzdem hört man aus den unterschiedlichsten Bereichen immer noch viele kritische Stimmen zu diesem Thema.
Zur Beantwortung der Fragen wird eine qualitative Untersuchung mit Schulleiterinnen von Grundschulen vorgestellt. Die Basis für diese Untersuchung bildet der Index für Inklusion, welcher sich zugleich als Mittel zur Selbstevaluation von Schulen, sowie als Hilfsmittel für Schulentwicklung versteht. Danach wird der Forschungsstand betrachtet. Hierzu wird besonders auf quantitative Studien von Klaus Klemm im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung eingegangen. Außerdem wird eine Untersuchung von Bettina Amrhein herangezogen, in der sie Einstellungen von Lehrkräften zum Thema Inklusion untersuchte. Darüber hinaus wird auch die Inklusion im internationalen Vergleich betrachtet. Nachdem wichtige Merkmale der angewendeten Methodik erläutert wurden, werden anschließend die wichtigsten Informationen zu der durchgeführten Untersuchung geliefert. Im Anschluss werden die Ergebnisse der Untersuchung zunächst vorgestellt und in einem darauffolgenden Schritt interpretiert sowie auf den aktuellen Forschungsstand und die Leitfragen der Untersuchung bezogen. Daraufhin wird das eigene Vorgehen im Zuge der Untersuchung reflektiert.
Abschließend soll versucht werden, die eingangs erwähnten Fragen sowie die Leitfragen der Untersuchung, zu beantworten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Hintergrund - Der Index für Inklusion
2.1. Das Inklusionsverständnis des Index für Inklusion
2.2 Die Ziele des Index für Inklusion
2.3 Die praktische Umsetzung des Index für Inklusion
2.4 Bisherige Erfahrungen mit dem Index für Inklusion
3. Aktueller Forschungsstand
3.1 Inklusion in Deutschland – Zahlen und Fakten
3.2 Einstellungen der Lehrkräfte zum Thema Inklusion
3.3 Inklusion im internationalen Vergleich
4. Empirie
4.1 Methodik
4.2 Eigene Untersuchung
4.3 Ergebnisse der Befragungen
4.3.1 Schule A
4.3.2 Schule B
4.3.3 Schule C
4.4.4 Schule D
5. Diskussion
5.1 Interpretation der Ergebnisse
5.1.1 Inklusionsverständnis
5.1.2 Aktuelle Inklusionspraxis in den Schulen
5.1.3 Arbeit mit dem Index für Inklusion und Schulentwicklung
5.2 Reflexion des eigenen Vorgehens
6. Fazit
Zielsetzung & Themen der Bachelorarbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie es um die inklusive Schulentwicklung an Grundschulen bestellt ist und inwiefern der „Index für Inklusion“ als hilfreiches Instrument zur Gestaltung dieses Prozesses fungieren kann. Ziel ist es, durch eine qualitative Untersuchung mit Schulleiterinnen aufzuzeigen, wie Inklusion in der Praxis verstanden und umgesetzt wird, welche Herausforderungen bestehen und ob strukturierte Ansätze – wie sie der Index bietet – bei der schulinternen Schulentwicklung Anwendung finden.
- Inklusionsverständnis im schulischen Kontext
- Praktische Umsetzung von Inklusion an Grundschulen
- Herausforderungen in der individuellen Förderung
- Rolle des Index für Inklusion bei der Schulentwicklung
- Vergleich zwischen theoretischen Anforderungen und schulpraktischer Realität
Auszug aus dem Buch
2.1. Das Inklusionsverständnis des Index für Inklusion
Um die Perspektive, die der Index für Inklusion auf den Inklusionsbegriff richtet, nachvollziehen zu können, ist zunächst eine Abgrenzung zu anderen Begriffen der Thematik, der Exklusion, der Separation und der Integration, sinnvoll. Die Exklusion kann als Gegenteil der Inklusion verstanden werden. Dabei werden Randgruppen aus dem gesellschaftlichen System ausgegliedert. Diese „Exkludierten“ werden bei der Separation als gesonderte Gruppe behandelt. Wenn diese geschlossene Gruppe nun in das gesellschaftliche System aufgenommen wird, spricht man von Integration. Die Inklusion, die in der Praxis allerdings viel zu oft eher der Integration entspricht, geht weit über den Integrationsbegriff hinaus. Nach Kersten Reich muss es die Aufgabe der Inklusion sein, „Diskriminierungen von Menschen jeder Art und auf allen Ebenen abzubauen, um eine möglichst chancengerechte Entwicklung aller Menschen zu ermöglichen“.
Inklusion zielt also auf Teilhabe aller Menschen an der Gesellschaft. Tony Booth einer der Entwickler des englischen „index of inclusion“, der als direkte Vorlage des deutschen Index für Inklusion diente, sieht diese Teilhabe im Bildungsbereich in drei miteinander verbundenen Perspektiven. In erster Linie gehe es immer um die Teilhabe des Individuums und um die Verringerung seines Ausschlusses von Bildungschancen. Durch alleinige Konzentration auf Individuen könne Inklusion aber laut Booth nicht vorangetrieben werden. Es müssten immer auch die Barrieren bedacht werden, die im Umfeld und im System, die individuelle Teilhabe behindern. Es gehe also bei der Inklusion immer auch um eine Teilhabe an Systemen und die Gestaltung eines Umfeldes, das in der Lage ist, auf Vielfalt einzugehen. Darüber hinaus müsse Inklusion immer bestimmte Werte vertreten und ziele somit auch auf die Teilhabe an diesen Werten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Relevanz des Themas Inklusion im Schulwesen und leitet die Forschungsfrage ab, inwieweit der Index für Inklusion die Schulentwicklung unterstützen kann.
2. Theoretischer Hintergrund - Der Index für Inklusion: Dieses Kapitel definiert Inklusion, grenzt sie von Integration ab und erläutert die Ziele sowie das Phasenmodell des Index für Inklusion.
3. Aktueller Forschungsstand: Hier werden quantitative Daten zur Inklusion in Deutschland, Einstellungen von Lehrkräften sowie internationale Beispiele für inklusive Bildung zusammengefasst.
4. Empirie: Das Kapitel erläutert die methodische Herangehensweise der qualitativen Experteninterviews mit vier Schulleiterinnen und präsentiert die erhobenen Ergebnisse der befragten Schulen.
5. Diskussion: Die Ergebnisse werden interpretiert, in Bezug zum Forschungsstand gesetzt und das methodische Vorgehen wird reflektiert.
6. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und identifiziert weiteren Forschungsbedarf hinsichtlich der Unterstützung durch die Schulpolitik.
Schlüsselwörter
Inklusion, Schulentwicklung, Index für Inklusion, Grundschule, Inklusionsverständnis, Qualitative Forschung, Experteninterviews, Individuelle Förderung, Heterogenität, Schulqualität, Bildungsbenachteiligung, Schulprogramm, Teilhabe, Lehrkräfteeinstellungen, Inklusive Praxis
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit im Kern?
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, wie Inklusion an Grundschulen in der Praxis umgesetzt wird und welche Rolle der „Index für Inklusion“ als Steuerungsinstrument bei der Schulentwicklung spielen kann.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Neben dem Inklusionsbegriff und dessen Abgrenzung zur Integration werden die praktische Schulentwicklung, die Rolle der individuellen Förderung sowie die Einstellungen von Lehrkräften und Schulleitungen thematisiert.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Erforschung, ob und wie Schulleitungen den Prozess der Inklusion gestalten und inwieweit sie dabei auf strukturierte Instrumente wie den Index für Inklusion zurückgreifen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde gewählt?
Es wurde ein qualitativer Forschungsansatz gewählt, der auf Experteninterviews mit vier Schulleiterinnen von Grundschulen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, den aktuellen Forschungsstand, die methodische Darlegung sowie die Präsentation und Diskussion der empirischen Ergebnisse aus den vier befragten Grundschulen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Besonders prägend sind die Begriffe Inklusion, Schulentwicklung, Index für Inklusion sowie die individuelle Förderung und Heterogenität im schulischen Kontext.
Warum nutzen die befragten Schulen den Index für Inklusion bisher kaum?
Obwohl die Schulleiterinnen den Index als sinnvoll erachten, fehlt es im Alltag oft an Zeit, einer strukturierten systemischen Herangehensweise oder der praktischen Kenntnis, ihn konkret für die Schulentwicklung anzuwenden.
Welche Diskrepanz besteht zwischen Inklusionsanspruch und Realität?
Die Untersuchung zeigt, dass viele Schulen zwar inklusive Praktiken verfolgen, jedoch oft an systemischen Vorgaben (wie Notensystemen oder mangelnden Ressourcen) scheitern, was dazu führt, dass Inklusion häufig noch eher als Integration praktiziert wird.
- Arbeit zitieren
- Bianca Terhörne (Autor:in), 2016, Inklusive Schulentwicklung in der Grundschule. Eine qualitative Untersuchung auf der Basis des Index für Inklusion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/358637