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Hintergründe der ausbleibenden Rollenumwälzung in der Nachkriegszeit Westdeutschlands

Title: Hintergründe der ausbleibenden Rollenumwälzung in der Nachkriegszeit Westdeutschlands

Seminar Paper , 2016 , 16 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Marco Hauptmann (Author)

Sociology - Individual, Groups, Society
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Die folgende Arbeit wird sich mit der Frage auseinandersetzen, warum eine Rollenumwälzung trotz der gefeierten Trümmerfrauen-Mentalität in der Nachkriegszeit ausblieb, denn die Kenntnis damaliger Obstrukte kann unter anderem zu verstehen helfen, was den Rollenwandel von heute ausmacht und weshalb er eventuell langsamer und schleppender abläuft als von manchen gewünscht. Hierzu wird kompendiös ein historischer Überblick geschildert, bevor schließlich im Hauptteil jene Gründe herausgearbeitet werden, welche die Rollen des Ernährermodells festigten bzw. eine Umwälzung dieser im Weg standen.

War die Familienrolle der Frau bis in die 1980er-Jahre häufig darauf ausgelegt dem Mann als Stütze zur Verfolgung seiner Karriere zu dienen, wird in der Gegenwart die Rolle der Frau als eigens erwerbstätig immer mehr zur Norm, wobei vornehmlich das Modell des vollzeitbeschäftigenden Mannes und der teilzeitbeschäftigenden Frau vorgelebt wird.

Seit den 70ern wächst in den, zunächst weiblichen, Köpfen der Gesellschaft die zage Norm einer arbeitsortientierten Frau und Mutter heran. Aber warum eigentlich so spät? Tatsächlich bot bereits die unmittelbare Nachkriegszeit, in der die Frauen aufgrund des Männermangels zur Verantwortungsübernahme und Bewährungsprobe gezwungen waren, einen Nährboden zur Umwälzung der Rollenverteilungen in Richtung der jetzigen Verhältnisse. Stattdessen mündete die Nachkriegszeit paradoxerweise in eine Periode in der das traditionale Ernährermodell eine nie dagewesene Zustimmung genoss.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Historischer Überblick

2.1 Das Rollenmodell innerhalb der Familie vor der Nachkriegszeit

2.2 Situation und Lebensverhältnisse der Nachkriegszeit

3 Die ausbleibende Rollenumwälzung

3.1 Mythos Trümmerfrau

3.2 Internale Ebene: Belastung, Enttäuschung und Scheinwelt

3.3 Externale Ebene: Politik und Gesellschaft

4 Konklusion

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die soziologischen und historischen Gründe, warum in der unmittelbaren westdeutschen Nachkriegszeit trotz der notwendigen Verantwortungsübernahme von Frauen in Beruf und Wiederaufbau keine nachhaltige gesellschaftliche Rollenumwälzung stattfand. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf das Spannungsfeld zwischen existenzieller Notwendigkeit und der Rückkehr zu traditionalen Familienidealen.

  • Analyse des bürgerlichen Familienideals in der Vorkriegszeit
  • Existenzielle Lebensbedingungen und Rollenkonflikte der Frauen in der Nachkriegszeit
  • Mediale Inszenierung versus Realität des Mythos Trümmerfrau
  • Einfluss von Politik und konservativem Zeitgeist auf die Restabilisierung des Ernährermodells

Auszug aus dem Buch

3.2 Internale Ebene: Belastung, Enttäuschung und Scheinwelt

Wie oben skizziert, plagt die Nachkriegszeit das verbliebene Volk mit einem Mangel an sämtlichen Hab und Gut, reichlich vorhanden sind lediglich Krankheit und Elend. Ein Mangel, der schon für sich die Bedeutung der Familie zu dieser Zeit gesteigert haben dürfte, ist sie doch häufig das letzte, was man an Besitz vorzuweisen hat. Und an der Frau liegt es, dass eben diese Familie die Zeit übersteht. Eine Bärenaufgabe, die zwangsläufig mit einer hohen Belastung einhergeht. Ohne große Hilfe - wenn, dann spielen die Großeltern oftmals eine wichtigere Rolle als der Ehemann (Schelsky, 1967, S. 310) - ist die Frau in einem über weite Strecken lebensfeindlichen Kontext der Aufgabe ausgesetzt, Hausarbeit, Erziehung und Berufstätigkeit unter einen Nenner zu bringen. Verständlicherweise ist das nur mit Abstrichen in den jeweiligen Bereichen und der Aufopferung der eigenen Freizeit möglich.

Viele Kinder sind tagsüber unbetreut, Jugendliche lungern auf den Straßen herum, die Jugendkriminalität, besonders Diebstahl und Prostitution, von den Eltern teilweise als Beisteuerung zum Lebensunterhalt gefordert [26], florieren [10]. Die gesundheitliche Lage von Frauen ist bedenklich, berichtet werden Schlafmangel, Reizbarkeit (vgl. Schelsky, 1967, S. 264f), Unterernährung, Stillschwierigkeiten und eine erschreckend hohe Rate an Fehl-, Früh- und Totgeburten [27]. Die Erwerbstätigkeit konsumiert nicht nur den Großteil der zur Verfügung stehenden Zeit, sondern wartet auch mit allerhand untragbar anmutenden Lebensumständen auf. Die weiblichen Löhne liegen unter denen des männlichen Gegenparts [28], Arbeitsschutzbestimmung bezüglich Ruhepausen, Schutzkleidung etc. werden oft nicht eingehalten [29]. Die Arbeitsbelastung ist immens: Arbeiten verlangen physische und gesundheitliche Grenzgänge (Hinze & Knospe, 1960, S. 213ff), bieten kaum Regenerationsmöglichkeiten - Wochenenden werden genutzt, um überfällige Hausarbeiten nachzuholen (ebd., S. 233) - die reguläre Arbeitszeit umfasst 48 Stunden in der Woche (ebd., S. 210), lange Anfahrtswege und Berufsverkehr mindern zusätzlich die verknappende Zeit (ebd., S. 208f).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung skizziert den historischen Wandel von Familienbildern und führt in die Fragestellung ein, warum das traditionale Ernährermodell in der Nachkriegszeit trotz veränderter Voraussetzungen fortbestand.

2 Historischer Überblick: Dieses Kapitel beschreibt das bürgerliche Familienideal der Vorkriegszeit sowie die prekären Lebensumstände der Nachkriegsära, die den Kontext für die familiäre Rollenverteilung bildeten.

2.1 Das Rollenmodell innerhalb der Familie vor der Nachkriegszeit: Hier wird die historisch gewachsene Polarisierung der Geschlechtscharaktere erläutert, die den Mann als Erwerbstätigen und die Frau als für Haushalt und Erziehung zuständig definierte.

2.2 Situation und Lebensverhältnisse der Nachkriegszeit: Das Kapitel analysiert die tägliche Überlebensnot und die Belastungen durch den Männermangel, welche Frauen in Berufstätigkeit und Wiederaufbau zwangen.

3 Die ausbleibende Rollenumwälzung: Dieser Abschnitt analysiert die Faktoren, die eine dauerhafte Veränderung der Geschlechterrollen verhinderten, unterteilt in mediale, internal-psychologische und extern-gesellschaftliche Aspekte.

3.1 Mythos Trümmerfrau: Hier wird hinterleuchtet, dass das Bild der Trümmerfrau primär eine mediale Inszenierung war, die nur einen kleinen, lokal begrenzten Ausschnitt der Realität widerspiegelte.

3.2 Internale Ebene: Belastung, Enttäuschung und Scheinwelt: Diese Analyse behandelt die enorme psychische und physische Belastung von Frauen, die trotz Übernahme männlicher Funktionen den Wunsch nach Rückkehr zur traditionellen Hausfrauenrolle hegten.

3.3 Externale Ebene: Politik und Gesellschaft: Das Kapitel beleuchtet, wie staatliche Maßnahmen, Gesetze und der konservative Zeitgeist der Adenauer-Ära aktiv darauf hinwirkten, das traditionalistische Familienbild wieder zu etablieren.

4 Konklusion: Das Schlusskapitel fasst zusammen, dass die Emanzipation in der Nachkriegszeit durch den Überlebensdruck gehemmt war und eine Rollenänderung erst später durch habituellen Wohlstand und gesellschaftliches Umdenken möglich wurde.

Schlüsselwörter

Nachkriegszeit, Rollenmodell, Trümmerfrau, Ernährermodell, Geschlechterrollen, Familienideal, Emanzipation, Wiederaufbau, Sozialgeschichte, Frauenrolle, Bundesrepublik Deutschland, Adenauer-Ära, Geschlechtscharaktere, Erwerbstätigkeit, Familienpolitik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Arbeit im Kern?

Die Arbeit befasst sich mit der Frage, warum es trotz der Ausnahmesituation der Nachkriegszeit, in der Frauen zwangsläufig Verantwortung in Beruf und Wiederaufbau übernehmen mussten, nicht zu einer nachhaltigen Rollenumwälzung kam.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Zentrale Themen sind die historische Analyse des bürgerlichen Familienideals, die Lebensrealität der Frauen in den Trümmerjahren, der Mythos der Trümmerfrau sowie die Einflussnahme von Politik und Gesellschaft auf die Rückkehr zum konservativen Familienbild.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die Gründe für die Festigung des traditionellen Ernährermodells in der frühen Bundesrepublik herauszuarbeiten und zu verstehen, warum Emanzipationsansätze in dieser Zeit faktisch ausblieben.

Welche wissenschaftliche Methodik liegt der Arbeit zugrunde?

Es handelt sich um eine historisch-soziologische Analyse, die auf der Auswertung von Fachliteratur sowie zeitgenössischen Dokumenten, Tatsachenberichten und Aussagen aus der Nachkriegszeit basiert.

Was bildet den Schwerpunkt des Hauptteils?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der medialen Mythenbildung, der psychischen Überlastung der Frau durch die Mehrfachbelastung sowie die Analyse politischer und gesellschaftlicher Rahmenbedingungen, die eine Rollenumwälzung erschwerten.

Welche Keywords charakterisieren die Arbeit am besten?

Wichtige Begriffe sind Nachkriegszeit, Ernährermodell, Rollenbild, Trümmerfrau, Emanzipation, Familiensoziologie und die Adenauer-Ära.

Inwiefern hat der Männermangel die Rolle der Frau beeinflusst?

Der Männermangel zwang die Frauen in eine verantwortungsvolle Mehrfachbelastung (Erwerb, Haushalt, Aufbau). Da dies jedoch aus einer existentiellen Notsituation heraus geschah, wurde es nicht als Fortschritt, sondern als belastende Nötigung empfunden, was den Wunsch nach der Rückkehr ins "traute Heim" verstärkte.

Welche Rolle spielte der Staat bei der Restabilisierung des Ernährermodells?

Ab 1950 förderten Kirche und Staat aktiv eine Rückbesinnung auf traditionelle Werte. Durch familienprotektive Gesetze und die öffentliche Stigmatisierung von "Schlüsselkindern" wurde gezielt versucht, berufstätige Mütter wieder in den häuslichen Bereich zurückzuführen.

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Details

Title
Hintergründe der ausbleibenden Rollenumwälzung in der Nachkriegszeit Westdeutschlands
College
University of Bamberg
Grade
1,7
Author
Marco Hauptmann (Author)
Publication Year
2016
Pages
16
Catalog Number
V358898
ISBN (eBook)
9783668435858
ISBN (Book)
9783668435865
Language
German
Tags
hintergründe rollenumwälzung nachkriegszeit westdeutschlands
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Marco Hauptmann (Author), 2016, Hintergründe der ausbleibenden Rollenumwälzung in der Nachkriegszeit Westdeutschlands, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/358898
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