Die Frage, wie Menschen neue motorische Fähigkeiten ausbilden und Bewegungen erlernen, ist schon lange ein Thema von großem Interesse, ist doch diese Eigenschaft für den Homo sapiens in hohem Maße überlebenswichtig gewesen. Je nachdem, wie Lernen von statten geht und wie die Umwelt mit dem Lernenden agiert, können explizite und implizite Lernvorgänge unterschieden werden.
Besonders wichtig werden die wissenschaftlichen Erkenntnisse über diese Lernvorgänge und ihre Effektivität im Zusammenhang mit dem Sportunterricht, der Schüler durch und zu Sport erziehen soll. Um diese Ziele des Bildungsplans zu erreichen, stellt sich nun die Frage, wie die Erkenntnisse über implizites und explizites Bewegungslernen effektiv für den Sportunterricht genutzt werden können. Solches Wissen ist für Sportlehrer unabdingbar, um Bewegungslernen (und die mit Sport verknüpften Werte) nachhaltig vermitteln zu können.
Diese Seminararbeit untersucht, wie forschungstheoretische Erkenntnisse zu impliziten und expliziten Lernprozessen im Sportunterricht Beachtung finden können, um eine optimale und vielseitige Bewegungskompetenz bei Schülern herauszubilden. Um diese Frage zu untersuchen, werden zunächst die Definitionsgrundlagen sowie ein Überblick über neuronale Vorgänge beim motorischen Lernen und dem Zusammenhang von Bewusstsein und Motorik gegeben. Daraufhin wird der aktuelle Forschungsstand von impliziten und expliziten Lernvorgängen dargelegt und die Prozesse verglichen, bevor Schlussfolgerungen für den Sportunterricht und die Lehrperson gezogen werden. Zuletzt wird ein Ausblick gegeben.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlegende Erwägungen
2.1 Definitionen
2.2 Zusammenhänge des Bewusstseins und der Motorik: Die control-based learning theory (COBALT)
2.3 Lernen aus neurowissenschaftlicher Sicht
3 Eigenschaften expliziten Lernens und Wissens
4 Eigenschaften impliziten Lernens und Wissens
5 Fazit: Schlussfolgerungen für den Sportunterricht
6 Ausblick
7 Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht forschungstheoretische Erkenntnisse zu impliziten und expliziten Lernprozessen im Sportunterricht, um aufzuzeigen, wie diese effektiv zur Ausbildung einer optimalen und vielseitigen Bewegungskompetenz bei Schülern genutzt werden können.
- Grundlagen und Definitionen des motorischen Lernens
- Neurowissenschaftliche Aspekte und neuronale Repräsentationen
- Vergleich der Wirkungsweisen von explizitem und implizitem Wissen
- Auswirkungen von Instruktionen und Stress auf die Leistung
- Didaktische Schlussfolgerungen für die Gestaltung des Sportunterrichts
Auszug aus dem Buch
3 Eigenschaften expliziten Lernens und Wissens
Explizites Wissen kann sehr einfach getestet werden, indem bewusste, verbalisierbare Fakten und Abläufe abgefragt werden. Diese expliziten, abrufbaren Repräsentationen bilden sich bereits nach einem Kontakt mit der neuen Information (Boyd & Winstein, 2006). Die Effektivität von explizitem Lernen tritt besonders bei Schreibaufgaben hervor (Jongbloed-Pereboom, Nijhuis-Van der Sanden & Steenbergen, 2015). Kinder im Alter von fünf bis zehn Jahren bekamen im Rahmen dieser Studie eine Schreibaufgabe gestellt. Dabei wurden abstrakte, buchstabenähnliche Muster auf einem Digitalumsetzer sowohl implizit durch nachfahren, als auch explizit durch Trial-and-Error Methode, auch bekannt als m x n – Task (Hikosaka, Rad & Miyashita, 1995), gelernt. Signifikant mehr Kinder konnten die Schriftzüge korrekt zeichnen, wenn sie die Zeichen davor explizit kennenlernten (90% vs. 64%).
Um die Effektivität von explizitem und impliziten Lernprozessen gegenüberzustellen, verglich Masters (1992) in seiner Studie eine implizit lernende, eine explizit lernende und drei Kontrollgruppen bei der Ausführung eines neu erlernten Golfabschlags (n= 40, MAlter= 27,22 Jahre). Die Studie gliederte sich in einen Übungszeitraum mit vier Sessions à 100 Putts, und den darauffolgenden Testabschnitt, der eine entsprechende Session umfasste. Zwischen den Übungsblöcken bekam die explizit lernende Gruppe Instruktionen zum korrekten Abschlag. Außerdem wurden diese Teilnehmer dazu angehalten, sich möglichst genau an diese Anweisungen zu halten. Die implizit lernende Gruppe dagegen bekam keine Instruktionen. Beide Gruppen zeigten Fortschritte in der Bewegungsausführung, allerdings lernten die explizit lernende und die Kontrollgruppe schneller als die implizit lernende Gruppe.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung des motorischen Lernens ein und stellt die Forschungsfrage nach der effektiven Nutzung von impliziten und expliziten Lernprozessen im Sportunterricht.
2 Grundlegende Erwägungen: Dieses Kapitel liefert die theoretischen Definitionen sowie einen Überblick über neuronale Prozesse und die control-based learning theory (COBALT).
3 Eigenschaften expliziten Lernens und Wissens: Es wird analysiert, wie explizite Instruktionen funktionieren, welche Vorteile sie in der Lernphase bieten und warum sie in Stresssituationen zu Leistungseinbrüchen führen können.
4 Eigenschaften impliziten Lernens und Wissens: Dieses Kapitel erläutert die Funktionsweise des langsameren, aber robusteren impliziten Lernens und dessen Resistenz gegenüber kognitiver Überlastung.
5 Fazit: Schlussfolgerungen für den Sportunterricht: Das Fazit leitet aus den theoretischen Erkenntnissen konkrete didaktische Handlungsempfehlungen für Sportlehrkräfte ab.
6 Ausblick: Der Ausblick deutet auf weiteren Forschungsbedarf im Bereich der Neurowissenschaften und die Prüfung verschiedener Lehrmethoden hin.
7 Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Quellen.
Schlüsselwörter
Motorisches Lernen, Implizites Lernen, Explizites Lernen, Sportunterricht, COBALT, Neuroplastizität, Bewegungskompetenz, Kognitive Ressourcen, Instruktion, Modelllernen, Stress, Leistungsregression, Feedback, Bewegungsausführung, Sportmotorik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit den Unterschieden und den Wechselwirkungen zwischen impliziten und expliziten Lernprozessen bei der Aneignung motorischer Fähigkeiten im Sportunterricht.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die neurowissenschaftlichen Grundlagen der Bewegungsspeicherung, die Effektivität von Instruktionen sowie die Bedeutung von Übungszeit, Variabilität und Stressfaktoren im Lernprozess.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, forschungstheoretische Erkenntnisse so aufzubereiten, dass Sportlehrer diese praktisch nutzen können, um die Bewegungskompetenz von Schülern optimal zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Seminararbeit, die auf einer Literaturanalyse und dem Vergleich aktueller Studien zum motorischen Lernen basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen (COBALT-Theorie, Gehirnstrukturen) sowie die detaillierte Analyse der spezifischen Eigenschaften von explizitem und implizitem Wissen anhand empirischer Studien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie motorisches Lernen, implizite versus explizite Lernprozesse, Neuroplastizität und sportdidaktische Handlungsempfehlungen charakterisiert.
Warum kann explizites Wissen in Prüfungssituationen hinderlich sein?
Da explizites Wissen kognitive Ressourcen bindet, kann der bewusste Versuch, eine Bewegung durch Instruktionen zu kontrollieren, den automatisierten (impliziten) Prozess unter Stress stören und zu einem Leistungseinbruch führen.
Welche Rolle spielt die Variabilität im Sportunterricht für Kinder?
Eine hohe Variabilität der Übungen fördert laut der Arbeit die Entdeckung neuer Koordinationsmuster durch implizites Lernen und beugt der Festlegung fehlerhafter Bewegungsmuster vor.
- Arbeit zitieren
- Verena Sauer (Autor:in), 2015, Implizites und explizites motorisches Lernen im Sportunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/358942