Die Unterschiede zwischen Pädagogik und Rhetorik


Hausarbeit, 2001

19 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Einführung in die Rhetorik

3. Ziele des Rhetors
3.1 Ziele des Pädagogen
3.3 Vergleich der Ziele mit Heraushebung der Unterschiede

4. Mittel des Rhetors
4.1 Mittel des Pädagogen
4.3 Vergleich der Mittel – Herausarbeitung der Unterschiede

5. Klärung des Begriffes: Situation
5.1 Die rhetorische Situation
5.2 Die pädagogische Situation
5.3 Vergleich der Situationen unter dem Aspekt der Unterschiede

6. Schlussbemerkung: Konsequenzen der Rhetorik für die Pädagogik

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Rhetorik wird, wenn die Zeichen nicht trügen, wieder modern. Das könnte damit zusammenhängen, dass die kunstmässige Rede ein Kind der attischen Demokratie ist und demokratische Formen der fruchtbare Nährboden für ihr Gedeihen ist.“[1] Aber ist dies nicht ein Trugschluss? Was ist der wahre Nährboden für dieses Aufblühen der „Kunst des Redens“? Das war einer der ersten Gedanken, die mir beim Durcharbeiten meiner literarischen Grundlagen für diese Arbeit durch den Kopf gingen. Auch wenn diese Fragen nicht den Hauptteil meiner Arbeit darstellen werden, ist es mein Ansinnen, sie nicht aus den Augen zu verlieren.

In dieser Proseminararbeit wird es meine Aufgabe sein, Unterschiede zwischen der Pädagogik und der Rhetorik herauszuarbeiten und darzustellen. Vielen sind die Verknüpfungspunkte beider Disziplinen latent bekannt. Aber gibt es auch Unterschiede zwischen den beiden Wissenschaften? Ist ein guter Rhetor von Natur aus ein guter Pädagoge? Ist denn ein guter Pädagoge gleichzeitig auch immer ein perfekter Rhetor? Die Unterschiede beider Wissenschaften liegen für mich vor allen Dingen in den Zielen und Mitteln, mit denen sie arbeiten. Und genau dort werde ich in dieser Arbeit versuchen meinen Schwerpunkt zu setzen. Beginnen werde ich mit einer kurzen Einführung in die Geschichte und Entwicklung der Rhetorik. Dann werde ich mich genauer mit den Zielen und Mitteln der Rhetors und des Pädagogen beschäftigen und diese vergleichen.

Abschließend steht ein Vergleich der rhetorischen und pädagogischen Situation im Vordergrund.

2. Einführung in die Rhetorik

Die Rhetorik ist im 5. Jh. v. Chr. nach der Beseitigung der Tyrannenherrschaft in Syrakus und Athen entstanden, als Interessengegensätze auf ökonomischem, politischem und rechtlichem Gebiet öffentlich ausgetragen werden konnten. Ihre erste Blüte erlebte sie in der sophistischen Aufklärung (Protagoras, Gorgias), welche die Sprache endgültig aus dem mythischen Denken befreite und die menschliche Rede zu einem rational brauchbaren und universell einsetzbaren Instrument des gesellschaftlichen Lebens machte. In Platon, dessen Zerrbild der Sophistik bis heute nachwirkt, erwuchs der Rhetorik ein wirkungsmächtiger Gegner, der sie als "Überredung", "Scheinkunst" und "Schmeichelei" kritisierte und zur Wahrheitserkenntnis für untauglich erklärte. Rehabilitierung kam von dem Platon-Schüler Aristoteles, der mit seiner "Rhetorik" das bis heute folgenreichste Lehrbuch einer rhetorischen Argumentationstheorie schrieb und ihre Aufgabe darin bestimmte, "nicht ... zu überreden, sondern zu untersuchen, was an jeder Sache Glaubwürdiges vorhanden ist." Von den römischen Rednern und Redetheoretikern wurde die Rhetorik dann endgültig zu dem neben der Philosophie wirkungsmächtigsten Bildungssystem der europäischen Geschichte umgestaltet.[2] Während die nur anonym überlieferte "Rhetorik an Herennius", das älteste erhaltene Lehrbuch in lateinischer Sprache, allein die Produktionsstadien und Hauptgattungen der Rede behandelt, ging Cicero in seinen rhetorischen Lehrschriften, von einem wesentlich weiteren Rhetorikbegriff aus. Cicero schuf die Grundlage für eine umfassende Theorie, in der Erziehung, Politik, Recht, Gesellschaftstheorie und Ethik zusammengeführt wurden. Sein Ideal des "perfectus orator", der die Redekunst auf der Grundlage einer umfassenden Allgemeinbildung mit moralischem Verantwortungsbewusstsein ausübt und ein "vir bonus", ein guter Mensch, sein soll, beeinflusst die Persönlichkeitsideale westlicher Kulturen bis zum heutigen Tage. Quintilians umfangreiches Lehrbuch "Die Ausbildung des Redners", ein Leitfaden, der die Rhetorik, als Königin aller Künste und Wissenschaften inthronisierte, avancierte zum maßgebenden Standardwerk der europäischen Rhetorik. Quintilian fasst das rhetorische Wissen der Antike zusammen, entwickelt Modelle zur moralischen Bewertung des Redners und betont die Bedeutung des menschlichen Urteilsvermögens für den rhetorischen Erfolg.Das christliche Mittelalter rezipierte die Rhetorik nach anfänglichem Zögern und eignete sich das rhetorische Wissen für die Bibelauslegung und Predigtlehre an, womit den bisherigen drei klassischen eine weitere Redegattung hinzugefügt und mit der Homiletik ein neuer rhetorischer Theoriebereich geschaffen wurde.[3] In den Schulen wurden die sieben freien Künste gelehrt, wobei der Rhetorik neben Grammatik und Dialektik grundlegende Bedeutung zukam.Renaissance und Humanismus brachten der Rhetorik neue Höhepunkte an Geltung und Machtausbreitung, die Philosophie ging zeitweise in ihr auf, sie beherrschte Schul- und Universitätsbetrieb, Literatur und Architektur, Hof- und Gerichtswesen, gesellschaftliches Leben, Kirche und Theologie; historisches und philologisches Bewusstsein und die allgemeine Verweltlichung der Wissenschaften und des Lebens waren unmittelbare Folgen der neuen Rhetorik-Rezeption, die dann auch in die höfische Kultur aufgenommen wurde und das barocke Zeitalter besonders hinsichtlich seiner Schmuck- und Prachtentfaltung geprägt hat. Die Aufklärung des 18. Jahrhunderts brachte die Nationalisierung der bisher lateinischsprachigen Rhetorik in allen europäischen Ländern. Es entstand eine Fülle neuer, muttersprachlicher Lehrbücher, auch die Terminologie veränderte sich in Deutschland. So festigte sich beispielsweise der Sprachgebrauch "Beredsamkeit" für die Praxis und "Redekunst" (oder "Rhetorik") für die Theorie der Rede. Auch die Poetik, seit der Antike zum rhetorischen Bereich gehörend, blieb weiter unter dem Einfluss der Rhetorik. Eine neue politische Dimension gewann die Rhetorik bei der Vorbereitung und nach dem Ausbruch der Französischen Revolution, direkt als politische Beredsamkeit oder durch die Entwicklung einer kritischen bürgerlichen Publizistik. Mit dem Ende des 18. Jh.s begann aber auch der Verfall der Rhetorik als Folge, der Entstehung neuer konkurrierender Wissenschaften (Ästhetik, Psychologie, Germanistik, Pädagogik) und einer allgemeinen Kultur der Innerlichkeit.[4] Einzelne Gegenstimmen wie die Nietzsches änderten daran nichts. Der Niedergang der Rhetorik als wissenschaftliche Disziplin (als Redepraxis blieb sie erhalten) ist in allen Kulturen seit den 30er Jahren des 19. Jh.s zu verzeichnen, zeigte aber in keiner so durchschlagende und anhaltende Wirkung wie in Deutschland, wo der Anschluss an eine seit Beginn des 20. Jh.s besonders in den USA einsetzende, inzwischen lebhafte internationale Forschung erst seit etwa 1960 gelungen ist. Der wachsende Anspruch einer mündigen Gesellschaft auf Information und die Durchsichtigkeit aller Entscheidungsprozesse erzeugten einen zunehmenden Bedarf an Rhetorik in sämtlichen Bereichen der Wissenschaft.[5] Aus diesen Ausführungen ist ersichtlich, dass dem Rhetor ein umfassendes Aufgabengebiet bzw. vielfältige Intensionen eigen sind. Daher sollen in den nächsten Erklärungen vor allem die Ziele des Rhetors im Mittelpunkt stehen.

3. Ziele des Rhetors

Um näher auf den Aufgabenbereich eingehen zu können, erscheint es notwendig erst einmal den Begriff des Rhetor näher zu bestimmen bzw. zu erklären. Nur so können die nachfolgenden Erläuterungen auch nachvollzogen werden. Daher muss die erste Frage, die hier beantwortet werden soll lauten: „Was bedeutet der Begriff Rhetor überhaupt?“. „Der Begriff Rhetor (lat.: Orator) wird hier benutzt, um Personen zu bezeichnen, deren besondere Aufgabe darin besteht, durch eine gekonnte Nutzung der Sprache zur Darstellung eines Sachverhalts in der Öffentlichkeit die Zuhörer für sich zu gewinnen und die subjektive Überzeugung von einer Sache allgemein zu machen“.[6] Der Rhetor versucht also eine Sache, von der er überzeugt ist, dem Zuhörer näher zu bringen. Er will also die Zuhörerschaft für seine Sache gewinnen. Sein Publikum versucht der Redner mittels einer ausgefeilten Rede für sich zu gewinnen. Nach Aristoteles unterscheidet man drei Redegattungen. Je nach Redegattung ändert sich auch das Ziel des Rhetors, dass er mit seine Rede verfolgt.

[...]


[1] Eisenhut, W. , Einführung in die Antike Rhetorik und ihre Geschichte, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1982, S.1.

[2] Steinbrink, B., Ueding, G., Grundriss der Rhetorik : Geschichte, Technik, Methode, Metzler, 1994, S.3.

[3] Steinbrink, B., Ueding, G., Grundriss der Rhetorik : Geschichte, Technik, Methode, Metzler, 1994, S.3.

[4] Ebd. S.3.

[5] Steinbrink, B., Ueding, G., Grundriss der Rhetorik : Geschichte, Technik, Methode, Metzler, 1994, S.4.

[6] H.J.Apel, Überzeugende Rede und pädagogische Wirkung – Zur Bedeutung traditioneller Rhetorik für pädagogische Theorie und Praxis, Hrsg. H.J. Apel, Lutz Koch, Juventa Verlag, 1997, S.53.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Unterschiede zwischen Pädagogik und Rhetorik
Hochschule
Universität Bayreuth
Veranstaltung
Rhetorik und Pädagogik
Note
2,0
Autor
Jahr
2001
Seiten
19
Katalognummer
V35903
ISBN (eBook)
9783638356824
ISBN (Buch)
9783640203321
Dateigröße
539 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Unterschiede, Pädagogik, Rhetorik
Arbeit zitieren
Kay Pilkenroth (Autor), 2001, Die Unterschiede zwischen Pädagogik und Rhetorik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/35903

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Unterschiede zwischen Pädagogik und Rhetorik



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden