Diese Arbeit gibt eine raumbezogene Figurenanalyse von Friedrich Schillers Drama "Die Räuber" und konzentriert sich dabei vor allem auf die Figur Spiegelberg. Die Arbeit geht dabei folgenden Fragen nach: Wie werden die Figuren durch die Räume charakterisiert, in denen sie sich bewegen? Werden die Figuren schon durch einzelne Bewegungen, unabhängig von dem Raum, in welchem sie sich befinden, charakterisiert? Entsteht eine Diskrepanz zwischen den einzelnen Bewegungen der jeweiligen Figur und der Replik dieser? Oder unterstützen die Bewegungen das Gesagte und somit die Fremd- und Eigenwahrnehmung der jeweiligen Figur?
Die Arbeit untersucht dafür die Bewegungsinszenierung im Neben- und Haupttext des Dramas und fasst in einem Fazit die gewonnenen Erkenntnisse zusammen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Bewegung im Raum
2.1. Bewegungsinszenierung im Nebentext
2.1.1. Raumbezogene Figurenanalyse anhand des ersten Positiogramms
2.1.2. Raumbezogene Figurenanalyse anhand des zweiten Positiogramms
2.2. Bewegungsinszenierung im Haupttext
3. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht in einer raumbezogenen Figurenanalyse des Charakters Spiegelberg aus Friedrich Schillers Drama „Die Räuber“, wobei der Fokus primär auf der zweiten Szene des ersten Aktes liegt. Die Forschungsfrage untersucht, inwiefern die Bewegungen der Figur im Raum, sowohl im Neben- als auch im Haupttext, Aufschluss über deren Charakterzüge, ihre Machtverhältnisse innerhalb der Gruppe sowie ihr taktisches Verhalten geben.
- Raumbezogene Figurenanalyse von Spiegelberg basierend auf Bühnenbewegungen
- Methodische Anwendung des Dramenanalyse-Modells von Hans Lösener
- Untersuchung der Diskrepanz zwischen Spiegelbergs verbalem Tatendrang und seiner tatsächlichen physischen Präsenz
- Analyse der Dynamik innerhalb der Räuberbande und Spiegelbergs Positionierung
Auszug aus dem Buch
Raumbezogene Figurenanalyse anhand des ersten Positiogramms
Die erste für die Figurenanalyse wichtige Bewegung dieser Szene, die deswegen auch in das Positiogramm übernommen wurde, ist das Aufspringen Spiegelbergs (1). Diese ist vor allem deshalb bedeutender als die davorliegenden, weil sie das von Spiegelberg mehrfach artikulierte Streben nach Aktivität erstmals durch eine aktive Bewegung, das Aufspringen, stützt. Natürlich darf diese erste für die Figurenanalyse wichtige Bewegung, wie auch schon in der Einleitung des zweiten Kapitels hervorgehoben wurde, nicht isoliert, sondern muss im Kontext des ganzen Dramas betrachtet werden. So ist auch der auf den ersten Blick offensichtliche Kontrast zwischen Karl und Spiegelberg, der gleich am Anfang der Szene thematisiert wird und den Tatendrang Spiegelbergs durch den Kontrast zu Karl hervorhebt, erwähnenswert: Während Karl ein Buch weglegt, stellt Spiegelberg „ihm ein Glas hin und trinkt“. Die Orientierung Spiegelbergs auf einfache, gegenwärtige Facetten des Lebens wird zusätzlich durch seine spöttische Reaktion auf philosophische Gedankengänge Karls und seine Lektüreempfehlung unterstrichen. Die Lektüreempfehlung der Schriften des Flavius Josephus, „die vor allem wegen der detaillierten Schlachtschilderungen Berühmtheit erlangte“, hebt den schon mehrfach erwähnten Drang Spiegelbergs nach Taten und Abenteuer erneut hervor.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung begründet die Wahl des Dramas und des Fokus auf die Figur Spiegelberg sowie die Relevanz einer raumbezogenen Analyse der zweiten Szene des ersten Aktes.
2. Die Bewegung im Raum: Dieses Kapitel etabliert das Analysemodell von Hans Lösener und untersucht die Bewegungsinszenierung Spiegelbergs in Bezug auf den Neben- und Haupttext unter Berücksichtigung der Interaktion mit anderen Figuren.
2.1. Bewegungsinszenierung im Nebentext: Dieser Abschnitt analysiert die Bewegungen Spiegelbergs und der anderen Räuber anhand von Positiogrammen und setzt diese in Bezug zu deren Verhalten und Absichten auf der Bühne.
2.1.1. Raumbezogene Figurenanalyse anhand des ersten Positiogramms: Hier wird Spiegelbergs Agieren in der ersten Hälfte der Szene, insbesondere sein Streben nach Aktivität und seine Taktik, untersucht.
2.1.2. Raumbezogene Figurenanalyse anhand des zweiten Positiogramms: Dieser Teil beleuchtet die zweite Hälfte der Szene, in der sich die Dynamik durch das Betreten Karls und der anderen Räuber verschiebt.
2.2. Bewegungsinszenierung im Haupttext: Hier wird der Fokus auf die aus den Repliken erschließbaren Bewegungen gelegt, um zusätzliche Erkenntnisse über Spiegelbergs Verhältnis zu seinen Kameraden und seine psychologische Verfassung zu gewinnen.
3. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Analyse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass Spiegelberg zwar geistig überlegen ist, jedoch aufgrund mangelnder physischer Präsenz und existenzieller Angst nicht als wahrer Anführer der Bande gelten kann.
Schlüsselwörter
Spiegelberg, Friedrich Schiller, Die Räuber, Dramenanalyse, Hans Lösener, Raumbezogene Figurenanalyse, Bewegungsinszenierung, Nebentext, Positiogramm, Räuberbande, Machtverhältnisse, Charakterisierung, Bühnenbewegung, Bühnenraum, Szenenanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit einer detaillierten Analyse der Figur Spiegelberg aus Schillers Drama „Die Räuber“, wobei der Fokus auf dessen Bewegungen im Bühnenraum in der zweiten Szene des ersten Aktes liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind die raumbezogene Figurenanalyse, die Dynamik zwischen den Figuren im Raum sowie die Diskrepanz zwischen Spiegelbergs verbalem Anspruch und seinem tatsächlichen Verhalten.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, ein präzises Portrait Spiegelbergs zu erstellen, indem seine Bewegungen auf der Bühne als Ausdruck seines Charakters und seiner taktischen Manöver innerhalb der Räuberbande untersucht werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Untersuchung nutzt das von Hans Lösener entwickelte Modell zur Dramenanalyse, welches Bewegungen im Raum zur Beschreibung von Beziehungen und Konflikten einbezieht, ergänzt durch die Erstellung von Positiogrammen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden Spiegelbergs Bewegungen im Neben- und Haupttext analysiert, wobei anhand von Positiogrammen nachgewiesen wird, wie er versucht, seine körperliche Unterlegenheit durch geistige Überlegenheit und Taktik zu kompensieren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Raumbezogene Figurenanalyse, Bewegungsinszenierung, Dramenanalyse nach Lösener, Machtdynamik der Räuberbande und die spezifische Charakterisierung von Spiegelberg charakterisiert.
Warum wird gerade Spiegelberg und nicht Karl als zentrale Figur gewählt?
Der Autor wählt Spiegelberg, da diese Figur in der Forschung bisher eher vernachlässigt wurde und die „Offenheit in der Anlage“ der Figur eine raumbezogene Analyse besonders fruchtbar macht.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor über Spiegelbergs Rolle?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass Spiegelberg zwar der Initiator der Räuberbande ist, jedoch aufgrund seiner Feigheit und körperlichen Unterlegenheit sowie der fehlenden Integration in die Gruppe kein tatsächlicher Held oder Anführer sein kann.
- Quote paper
- Sofia Gutjahr (Author), 2015, Eine raumbezogene Figurenanalyse von Schillers "Die Räuber" mit besonderer Berücksichtigung der Figur Spiegelberg, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/359075