Diese Hausarbeit bezieht sich unter anderem auf Texte der Autoren Onookome Okome und Brian Larkin, die versuchen mit unterschiedlichen Ansätzen und Methoden das Phänomen der nigerianischen Videofilmindustrie, die Ursachen und die Auswirkungen des Videobooms, zu erläutern. Dabei geht es bei Okome in erster Linie um die Frage der Ängste in der postkolonialen Stadt und ihre Darstellung im Videofilm. Larkin dagegen analysiert Mechanismen und technische Voraussetzungen für die Entstehung und das Überleben der Videofilmindustrie und nimmt die gesamte mediale Infrastruktur nigerianischer Städte unter die Lupe.
Zwei nigerianische Videofilme habe ich mir angeschaut (die Videos, die ich in der Völkerkundlichen Bibliothek finden konnte): „Asali“ (104 Min., in Hausa- Sprache, ohne weiteren Angaben) und „Genesis of Love“ (R: Ugo Ugbor, Englisch). Dies war hilfreich, um die Inhalte der Texte besser nachvollziehen zu können. Darüber hinaus habe ich mich mit Büchern von Paul Virilio und Jonathan Raban, sowie mit verschiedenen Zeitungsartikeln (siehe Literaturangaben) auseinander gesetzt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Über die nigerianische Videoindustrie
2. Nigerian Video: The Infrastructure of Piracy. Text von Brian Larkin
2.1. Öl-Industrie als „Förderer“ der Videopiraterie
2.2. Korruption der nigerianischen Infrastruktur
2.3. Die Stadt Kano als Zentrum der Videopiraterie
2.4. Ursachen des Video-Booms und des Aufstiegs der Videopiraterie in Nigeria
2.5. Ein neuer Markt: Der Hausa-Videofilm
2.5.1. Produktion und Distribution der Hausa-Videofilme
2.6. Qualitative und technische Maasstäbe für die gesamte Videoindustrie unter dem Diktat der Raubkopierer
2.7. Das Dauerreparieren der Technik als Folge der korrupten Infrastruktur
3. Die Texte von Onookome Okome
3.1. Stadt als Bühne
3.2. Stadtliteratur der 1950er und 1960er Jahre als Wegbreiter für die Videofilme der 1970er
3.3. Filme des Videofilmproduzenten, Drehbuchautors und Regisseurs Chief Kenneth Nnebue
4. Nigerianische Videofilme im Blick des Westens
4.1. Zwei Beispiele aus deutschen Medien
5. Technischer Fortschritt und Geräusche im Video, auf der Straße, im Netz und anderswo
6. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Phänomen der nigerianischen Videofilmindustrie, indem sie die theoretischen Ansätze der Autoren Onookome Okome und Brian Larkin analysiert, um die Ursachen des Videobooms sowie dessen soziokulturelle Auswirkungen und die Rolle der mangelhaften Infrastruktur zu beleuchten.
- Strukturelle Analyse der nigerianischen Videofilmindustrie (Nollywood)
- Zusammenhang zwischen Infrastruktur, Korruption und Medienpiraterie
- Darstellung postkolonialer städtischer Ängste in Videofilmen
- Bedeutung von technologischem Zusammenbruch und Reparaturkultur
- Wahrnehmung nigerianischer Filme im westlichen Medienkontext
Auszug aus dem Buch
2.1. Öl-Industrie als „Förderer“ der Videopiraterie
In der Einleitung versucht Larkin den Gegenstand seiner Forschung, die Zusammenhänge zwischen einer nicht funktionierenden Infrastruktur und die dadurch entstandenen Veränderungen in der Gesellschaft, am Beispiel der nigerianischen Videoindustrie, kurz zusammenzufassen.
In Hinblick auf die Stadt Kano, das wirtschaftliche Zentrum Nordnigerias und die Hochburg des Videogeschäfts, sieht er die Medienpiraterie als ein Zusatzprodukt des Bestehens einer Infrastruktur, die das freie Zirkulieren der Ware ermöglichte. Sie sei „erkennbar als Teil der organisatorischen Architektur der Globalisierung“. Das Kapital, vor allem die Ölindustrie, schaffte die neuen Räume und erstellte die Beziehungen zwischen Menschen die für das Zirkulieren des Kapitals wichtig sind. Die Industrie schaffte eine Ordnung, die für strukturelle Wege der Güterbewegung notwendig war. Ähnlich werden auch die Städte durch eigene, für sie spezifische Räume, für das Zirkulieren der Ware gekennzeichnet. Diese Ordnung begünstigt „die Entstehung anderer Systeme“, so Larkin in Anlehnung an Lefebvre“.
Die Öl-Industrie wurde so ungewollt zur Wegbereiterin für die Entstehung eines neuen Film-Genres und einer ganz neuen Art der Benutzung von Kapital, Equipment und persönlichem Netzwerk. So entstand der Raum für die Wirkung der Medienpiraten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Der Autor stellt die Grundlage der Arbeit dar, die auf den Texten von Onookome Okome und Brian Larkin sowie der Analyse von zwei nigerianischen Videofilmen basiert.
2. Nigerian Video: The Infrastructure of Piracy. Text von Brian Larkin: Dieses Kapitel untersucht die komplexe Beziehung zwischen technischer Infrastruktur, der Öl-Wirtschaft und dem Aufstieg der Medienpiraterie in Nigeria.
3. Die Texte von Onookome Okome: Der Fokus liegt auf der postkolonialen Stadt Lagos als Kulisse für Ängste und als zentrales Thema im nigerianischen Videofilm.
4. Nigerianische Videofilme im Blick des Westens: Es wird analysiert, wie sich nigerianische Filme vom westlichen Bild afrikanischer Kinos unterscheiden und wie sie in deutschen Medien rezipiert werden.
5. Technischer Fortschritt und Geräusche im Video, auf der Straße, im Netz und anderswo: Der Autor reflektiert die Auswirkungen der Technikentwicklung auf das Stadtleben und vergleicht nigerianische Erfahrungen mit europäischen Perspektiven.
6. Schlusswort: Das Fazit ordnet die Medien-Piraterie als globales Phänomen ein und betont die Vitalität und Unabhängigkeit der nigerianischen Videofilmindustrie.
Schlüsselwörter
Nigeria, Videofilmindustrie, Nollywood, Medienpiraterie, Infrastruktur, Stadtkultur, Lagos, Onookome Okome, Brian Larkin, Postkolonialismus, Globalisierung, Technologie, Reparaturkultur, Schattenwirtschaft, Filmproduktion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es grundsätzlich in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Entstehung, Struktur und gesellschaftliche Bedeutung der nigerianischen Videofilmindustrie unter Berücksichtigung von Infrastrukturproblemen und Piraterie.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Medienökonomie, die Rolle der Infrastruktur, die Darstellung der postkolonialen Stadt in Filmen sowie die globale Wahrnehmung von Nollywood.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, das Phänomen der nigerianischen Videoproduktion anhand der theoretischen Analysen von Brian Larkin und Onookome Okome zu erklären und in einen breiteren urbanen Kontext zu stellen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine medienwissenschaftliche Textanalyse, ergänzt durch die Auseinandersetzung mit theoretischen Ansätzen zur Stadtsoziologie und die Betrachtung ausgewählter Videofilme.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Infrastruktur und Piraterie, die Analyse der städtischen Ängste in den Texten von Okome sowie eine Reflexion über technologische Entwicklung und Medienrezeption.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Nollywood, Piraterie, Infrastruktur, Lagos, Postkolonialismus und technologische Reparaturkultur geprägt.
Warum spielt die Öl-Industrie eine Rolle für die Piraterie?
Laut Larkin schuf der Öl-Boom die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und neue Handelsstrukturen, die unbeabsichtigt als Wegbereiter für die Medienpiraterie in Nigeria fungierten.
Was bedeutet „technological apartheid“ in diesem Kontext?
Der Begriff beschreibt die globale soziale Spaltung durch den Zugang zu Informationsinfrastrukturen, wobei Nigeria durch eine schlechte Infrastruktur von der vernetzten Welt marginalisiert wird.
- Citation du texte
- Tomo Polic (Auteur), 2009, Die Nigerianische Videoindustrie und die Medien als "Verstädterungsmaschine", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/359099