Der Drogenkonsum in der Jugendkultur. Der Gebrauch von Cannabis in der Techno- und Hip-Hop-Szene


Hausarbeit, 2014

26 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Jugendkulturelle Szenen und ihre Bedeutung

3. Drogen: Bedeutung, Verbreitung und Konsumenten

4. Cannabis: Historie, Verbreitung, Wirkung und Konsum
4.1 Historie von Cannabis
4.2 Verbreitung in Deutschland und Cannabis als Einstiegsdroge
4.3 Wirkstoff, Konsum, Wirkung und Konsumenten

5. Motive und Bedeutungen des Gebrauchs von Cannabis für Jugendliche und jugendkulturelle Szenen

6. Bedeutung des Cannabisgebrauchs in der Techno- und Hip-Hop-Szene
6.1 Die jugendkulturelle Technoszene
6.2 Bedeutung des Cannabisgebrauchs in der Technoszene
6.3 Die jugendkulturelle Hip-Hop-Szene
6.4 Bedeutung des Cannabisgebrauchs in der Hip-Hop-Szene
6.5 Vergleich der Bedeutungen von Cannabis in beiden Szenen

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In unserer westlichen Gesellschaft existiert eine Vielzahl jugendkultureller Szenen, de- nen sich Jugendliche zuwenden, um sich auf dem Weg zum Erwachsenwerden von ih- rem Elternhaus zu lösen, Gleichgesinnte zu treffen, sich selbst zu finden und Grenzen auszutesten. Vielfach gehört zu dem Austesten der Grenzen der Konsum von illegalen Substanzen (Drogen) in den jugendkulturellen Szenen dazu. Wie groß der Zusammen- hang von jugendkulturellen Szenen und Drogen sein kann, zeigte sich zuletzt in der Technoszene, die oft mit der Droge Ecstasy in Verbindung gebracht wird. Eine beson- dere Stellung in der Thematik des Drogenkonsums in jugendkulturellen Szenen nimmt dabei die weltweit verbreitetste illegale Droge Cannabis ein, welche besonders bei Ju- gendlichen beliebt ist. Dennoch existiert trotz der Aktualität des Themas nur sehr we- nig Fachliteratur, welche sich mit dem Konsum von Drogen in jugendkulturellen Sze- nen beschäftigt.

Mit der vorliegenden Arbeit soll daher die Frage geklärt werden, welche Bedeutung dem Gebrauch von Cannabis in jugendkulturellen Szenen zukommt. Dabei wird ein Schwerpunkt der Arbeit auf die beiden in Deutschland weit verbreiteten jugendkulturellen Szenen Techno und Hip-Hop gelegt, da mit beiden Szenen häufig eine besondere Affinität zum Cannabisgebrauch assoziiert wird.

Um jedoch die Leitfrage dieser Arbeit klären zu können, muss in Kapitel 2 zunächst der Begriff der „jugendkulturellen Szene“ definiert werden. Dabei gilt es vorerst die Verän- derung und die Bedeutung der Jugendphase für ein einfacheres Erfassen der Tragweite von jugendkulturellen Szenen zu berücksichtigen. Anschließend soll, neben der Entste- hung von Jugendkulturen und ihrem dahinterstehendem Sinn, insbesondere auf die Be- sonderheiten hinsichtlich des Aufbaus und den Funktionen von jugendkulturellen Sze- nen eingegangen werden.

Im 3. Kapitel wird geklärt, was Drogen sind, welche Drogen es gibt, wie sie zu unterteilen sind und wie Drogen allgemein wirken können. Die große Bedeutung von Drogen unter Jugendlichen wird anhand einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung genauer betrachtet und darauf aufbauend einige Überlegungen zu Konsummustern und Konsumenten von Drogen angestellt.

Das 4. Kapitel widmet sich ausschließlich der illegalen Droge Cannabis, welche zu- sammen mit der jugendkulturellen Techno- und Hip-Hop-Szene im Vordergrund dieser Arbeit steht. Zur besseren Übersicht beginnt das Kapitel mit einer kurzen Einleitung und gliedert sich dann in drei Unterkapitel. Das erste Unterkapitel thematisiert die Ent- wicklung von Cannabis und verdeutlicht so, wie es zu der großen Popularität der Droge gekommen ist. Im zweiten Unterkapitel wird die heutige Verbreitung von Cannabis in Deutschland, insbesondere unter Jugendlichen, nachvollzogen. Zudem wird auf die immer wieder aufkommende Thematik, dass es sich bei Cannabis um eine „Einstiegsdroge“ handelt, Bezug genommen. Das letzte Unterkapitel beschäftigt sich mit dem Wirkstoff von Cannabis und den verschiedenen Cannabisprodukten. Außerdem thematisiert es unterschiedliche Konsumformen und Wirkungsweisen der Droge.

Mit dem Vorwissen der vorangegangenen Kapitel werden im 5. Kapitel zunächst die allgemeinen Beweggründe und Bedeutungen des Konsums von Cannabis für den ein- zelnen Jugendlichen untersucht. Anschließend werden besonders die Bedeutungen und Motive des Gebrauchs von Cannabis innerhalb jugendkultureller Szenen allgemein ana- lysiert.

Aufbauend auf den Erkenntnissen des 5. Kapitels widmet sich das 6. Kapitel der Bedeu- tung des Cannabiskonsums in den jugendkulturellen Szenen Techno und Hip-Hop. Um diese Bedeutung genau zu untersuchen beginnt das Kapitel mit einer übersichtlichen Einleitung und gliedert sich dann in zwei Unterkapitel, die sich jeweils allgemein mit den Besonderheiten der Szenen, wie Historie, Musikstil, Events und Einstellung der Szenegänger beschäftigen. Nach diesen Unterkapiteln findet sich jeweils ein Kapitel, welches sich explizit der Bedeutung des Cannabiskonsums in der jeweiligen Szene widmet. Dabei werden die verschiedenen Motive des Konsums, die Bedeutungen die Cannabis für die Szenegänger übernimmt und auch der Kontext, in dem Cannabis kon- sumiert wird, berücksichtigt. Abschließend werden beide Szenen, um die Gemeinsam- keiten und Unterschiede der Techno- und der Hip-Hop-Szene hervorzuheben, im Hin- blick auf die Bedeutung des Cannabiskonsums für die Szenegänger mit besonderem Schwerpunkt auf den Vergemeinschaftungsaspekt des Cannabiskonsums innerhalb der Szenen, einander gegenübergestellt.

Bei dem 7. und damit letzten Kapitel handelt es sich um das zusammenfassende Fazit. Dieses umreißt abschließend die vorliegende Arbeit nochmals und hebt das Ergebnis der Leitfrage, welche die Bedeutung des Gebrauchs von Cannabis in den jugendkulturellen Szenen Techno und Hip-Hop behandelt, explizit hervor.

2. Jugendkulturelle Szenen und ihre Bedeutung

Zu einem besseren Verständnis von jugendkulturellen Szenen und ihren Funktionen ist es sinnvoll zunächst die Historie der „Jugendphase“ zu betrachten.

Durch die demografische Entwicklung ist der Lebenslauf im Wandel, die Lebensdauer der Menschen verlängert sich immer weiter und es kommt „in Folge kultureller und ökonomischer Veränderungen zu einer sich verschiebenden Unterteilung der Lebens- spanne in einzelne Phasen und Abschnitte“ (Hurrelmann 2004: 16). Während es im ty- pischen Lebenslauf von 1900 noch keine Jugendphase gibt, sondern sich an die Phase des Kindesalters direkt die Phase des Erwachsenenalters anschließt, findet sich im Le- benslauf von 1950 erstmals eine kurze Jugendphase im Alter von 15 bis 20 Jahren. Im Jahre 2000 umfasst die Jugendphase schon ein deutlich längeres Alter von ungefähr 10 bis 26 Jahren und verkürzt somit die Phase des Kindes- und Erwachsenenalters (vgl. Hurrelmann 2004: 17). Somit zeigt sich, dass die Phase des Jugendalters heute eine be- sonders starke und wichtige Stellung im Lebenslauf annimmt. Dabei ist hervorzuheben, dass es keinen bestimmten Zeitpunkt gibt mit dem die Jugendphase eindeutig beginnt oder beendet ist. Darum handelt es sich bei der Jugend auch nicht um eine geschlossene, einheitliche Gruppe, sondern sie wird vielmehr als soziale Erscheinung, die durch Inhal- te und Lebensvollzugsformen selbstständig und größtenteils losgelöst von engen Al- tersgrenzen ihre Form gewinnt, verstanden (vgl. Schäfers & Scherr 2005: 22).

Während der Jugendphase ist die Verbindung der Jugendlichen zur gesellschaftlich vor- herrschenden Kultur und somit auch zu der Erwachsenengesellschaft durch Spannungen und Konflikte gekennzeichnet. Besonders wichtig sind für die Jugendlichen daher viele Kontakte mit Gleichaltrigen, um sich zusammen von der Gesellschaft der Erwachsenen abzugrenzen (vgl. Hurrelmann 2004: 50). Dabei bilden die Jugendlichen „eigene Wert- haltungen, Zielsetzungen und Verhaltensmuster, die sich von denen der Erwachsenen eindeutig unterscheiden“ (Hurrelmann 2004: 50f.) und es kommt zu der Entstehung einer Jugendkultur.

Jugendkulturen, auch jugendkulturelle Szenen genannt, sind selbstgewählte Gemein- schaften von häufig Gleichaltrigen „mit ähnlichen Orientierungen und/oder Interessen- lagen, vor allem zur Freizeitgestaltung“ (Farin 2001: 19). Es handelt sich bei jugendkul- turellen Szenen für gewöhnlich nicht nur um lokale, sondern auch um überregionale Gebilde. Die Jugendlichen suchen sich ihre Szenen nach ihren Interessen selbst aus, jedoch gehören nicht alle Jugendlichen einer jugendkulturellen Szene an (vgl. Schäfers & Scherr 2005: 21). Jede Szene verfügt über ein bestimmtes „issue“ (Hitzler & Nieder- bacher 2010: 16), also ein Thema, nach dem sich die Aktivitäten der Jugendlichen rich- ten. Dies können beispielsweise „ein bestimmter Musikstil […], eine Sportart, eine poli- tische Idee, eine bestimmte Weltanschauung [oder] spezielle Konsumgegenstände“ (Hitzler & Niederbacher 2010: 16f.) sein. Neben dem „issue“ gehören spezifische Orte 5 und Zeitpunkte zu denen man sich trifft, ebenso wie besondere Events, zu einer Szene dazu (vgl. Werse 2007: 54). Zudem weisen Szenen Selbststilisierungsarten auf, „zu denen Kleidung und Musik auf der einen Seite, geteilte Einstellungsmuster (z.B. […] Geschlechterrollen) und konkreter Lebensstil (z.B. Verhältnis von Freizeit- und Alltagsleben) auf der anderen Seite“ (Werse 2007:54) zählen.

Jugendkulturelle Szenen fungieren außerdem als wichtige Sozialisationsinstanz, in de- nen Jugendliche ihre Persönlichkeit weiterbilden, indem sie sich mit der inneren Reali- tät ihrer Bedürfnisse, körperlichen Funktionen und mit der äußeren Realität ihrer physi- schen und sozialen Umwelt auseinandersetzen (vgl. Duymel 2004: 50). In diesem Per- sönlichkeitsbildungsprozess kann es im Rahmen der jugendkulturellen Szene zu kollek- tiv abweichendem Verhalten kommen. Dieses Verhalten bezeichnet „alle […] Verhal- tensweisen und Handlungen […], die nicht […] mit sozial einflussreichen Erwartungen (Regeln, Normen und Werten) von Gruppen, Institutionen bzw. der Gesellschaft insge- samt“ (Schäfers & Scherr 2005: 162) übereinstimmen. Abweichendes Verhalten äußert sich beispielsweise in Form von Drogenmissbrauch, Kriminalität oder Gewalt. Grund- sätzlich sollte dieses kollektive Verhalten in jugendkulturellen Szenen nicht durchweg negativ betrachtet werden, denn durch die abweichende Verhaltensweise hinterfragen die jugendlichen Szenegänger die Regeln und Normen der Gesellschaft und lernen auf diese Weise, insbesondere wenn das Verhalten zu Konflikten oder Sanktionen führt, was als gesellschaftlich adäquates Verhalten gilt und was nicht (vgl. Schäfers & Scherr 2005: 165).

3. Drogen: Bedeutung, Verbreitung und Konsumenten

Eine allumfassende Definition von Drogen gibt es nicht, da bei einer Definition von Drogen auch immer unterschiedliche historisch und gesellschaftlich gewachsene Einstellungen mit hineinfließen, die ständig im Wandel sind. So beschrieb der Begriff Droge einst „trockene/ getrocknete pflanzliche oder tierische Rohstoffe bzw. […] frische, jedoch vorrangig getrocknete Arzneipflanzen und daraus hergestellte Zubereitungen“ (Duymel 2004: 15), während der Begriff später lediglich ein Ausdruck für Heilmittel aus natürlichen Rohstoffen war (vgl. Duymel 2004: 15).

Heute bezeichnet man mit „Droge“ in etwa „aus Pflanzen, Mineralien oder auch che- misch gewonnene Substanzen […], die psychische Zustände beim Menschen zu verän- dern vermögen“ (Schäfers & Scherr 2005: 172). Für gewöhnlich versteht man unter Drogen nur illegale Substanzen wie Aufputschmittel (z.B. Kokain, Amphetamine, Ecs- tasy), Halluzinogene (z.B. LSD, Cannabis) und Opiate (z.B. Opium, Heroin). Es exis- tiert jedoch auch die Bezeichnung der legalen Drogen, wobei es sich hierbei beispiels- weise um Alkohol, Nikotin, Coffein oder Medikamente handelt (vgl. Schäfers & Scherr 2005: 172).

Je nach Droge kann es zu unterschiedlichsten physischen und psychischen Veränderun- gen des Konsumenten, wie Gefühls- und Stimmungsveränderungen oder auch Schmerz- linderungen, kommen. Die verschiedenen Drogen gleichen sich lediglich in dem Punkt, dass sie zu einer Abhängigkeit führen (können) (vgl. Schäfers & Scherr 2005: 172). Unter Jugendlichen am weitesten verbreitet sind die sogenannten „Alltagsdrogen“ Al- kohol und Nikotin. Häufig werden von Jugendlichen jedoch auch illegale Drogen wie Ecstasy, Speed, LSD und insbesondere Cannabisprodukte konsumiert. Da mittlerweile „die Existenz, die Bekanntheit und die Nutzung dieser Stoffe für Jugendliche in ihrem täglichen Verhalten und insbesondere bei der Auseinandersetzung mit ihren alterstypi- schen Entwicklungsaufgaben“ (Freitag & Hurrelmann 1999: 7) wie selbstverständlich erfolgt, ist die Bezeichnung „Alltagsdrogen“ daher auch für die genannten illegalen Drogen angemessen.

Studien lassen erkennen, dass der Gebrauch von legalen und illegalen Drogen in der Altersgruppe der Jugendlichen in Deutschland und anderen EU-Ländern steigt und das Einstiegsalter des Erstkonsums sinkt (vgl. Thomasius 2006: 13). So zeigt sich in der 2012 veröffentlichten Drogenaffinitätsstudie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), dass 17,6% der 12- bis 17-jährigen und sogar 65,1% der 18- bis 25-jährigen Jugendlichen in Deutschland schon einmal illegale Drogen angeboten be- kommen haben (vgl. BZgA 2012: 47). Dabei weisen die 12- bis 17-Jährigen eine Le- benszeitprävalenz des Gebrauchs illegaler Drogen, das heißt der Anteil derjenigen, die mindestens einmal im Leben illegale Drogen konsumiert haben, von 7,2% und die 18- bis 25-jährigen Jugendlichen sogar eine deutlich höhere Lebenszeitprävalenz von 39,8% auf (vgl. BZgA 2012: 47). Demzufolge haben in der Gruppe der 12- bis 17-Jährigen weniger als die Hälfte der Jugendlichen die angebotenen illegalen Drogen auch konsu- miert. Dennoch scheinen Drogen unter Jugendlichen sehr weit verbreitet zu sein, da in der Gruppe der 18- bis 25-Jährigen knapp zwei Drittel schon einmal Drogen angeboten bekommen haben und mehr als ein Drittel mindestens einmal in ihrem Leben eine ille- gale Droge konsumiert haben. Werden jedoch die regelmäßigen Konsumenten, welche in den letzten zwölf Monaten eine illegale Droge öfter als zehn Mal konsumiert haben, betrachtet, so findet sich in der Gruppe der 12- bis 17-jährigen Jugendlichen ein sehr geringer Anteil von nur 0.9% und auch in der Gruppe der 18- bis 25-jährigen liegt der Anteil der regelmäßigen Konsumenten bei nur 3,7% (vgl. BZgA 2012: 47). Aus diesen Anteilen wird deutlich, dass die wenigsten Jugendlichen mit einer Lebenszeitprävalenz ihren Konsum auch regemäßig fortsetzen. Auffällig in beiden Altersgruppen ist, dass männliche Jugendliche mehr Drogenerfahrung bezüglich des Konsums und des Ange- bots von illegalen Drogen aufweisen als weibliche Jugendliche (vgl. BZgA 2012: 47). Die Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung verdeutlicht, dass es für illegale Drogen keinen spezifischen Konsumenten mit einem spezifischen Konsummus- ter gibt, sondern dass bei illegalen Drogen ähnlich wie bei Alkohol die unterschiedlichs- ten Konsumenten und Konsummuster vorkommen. Es existiert insbesondere unter Gruppen von Jugendlichen ein experimenteller Gebrauch von Drogen um die Wirkung zu erproben. Dies ist besonders häufig in Großstädten der Fall, dort haben die meisten Jugendlichen schon einmal Alkohol, Zigaretten oder Cannabis probiert (vgl. Scherbaum 2009: 171). Zu einem regelmäßigen Konsum kommt es hingegen, wie auch die Studie gezeigt hat, selten und nur bei einem geringen Anteil der Konsumenten wird dieser re- gelmäßige Konsum zu einer Abhängigkeit, so dass der Konsument professionelle Hilfe benötigt (vgl. Werse 2007: 10).

Für das Verständnis von Drogen ist von besonderer Bedeutung, dass Drogen an sich „weder gefährlich, noch ungefährlich“ (Duymel 2004: 19) sind, sondern dass diese Bewertung der Gefährlichkeit und Ungefährlichkeit, neben der Droge mit ihrer spezifischen Wirkung (drug) immer auch mit der Konsumtechnik, den physischen und psychischen Zustand des Konsumenten (set) und den Umständen, unter dem die Droge konsumiert wird (setting), verbunden ist (vgl. Duymel 2004: 19). Aus diesem Grund ist auch ersichtlich, warum es keine allgemeine Definition von Drogen gibt, denn diese sollte immer drug, set und setting berücksichtigen. Hinzu kommt, dass die drei Komponenten von Mensch zu Mensch verschieden sind und es daher keine allgemeingültige Definition von Drogen und ihrer Wirkung geben kann.

4. Cannabis: Historie, Verbreitung, Wirkung und Konsum

Cannabis ist mit geschätzt über 250 Millionen Konsumenten die am häufigsten genutzte illegale Droge der Welt (vgl. Werse 2007: 75). Um zu verstehen wie es zu dieser großen Beliebtheit kam, soll zunächst die Historie von Cannabis nachvollzogen werden. An- schließend wird anhand von aktuellen Zahlen die Verbreitung von Cannabis in Deutsch- land behandelt und die Behauptung Cannabis sei eine Einstiegsdroge thematisiert. Zu- letzt beschäftigt sich das Kapitel allgemein mit der Wirkung, dem Konsum, den Kon- summustern und den Konsumenten von Cannabis.

4.1. Historie von Cannabis

Neben Alkohol gehört Cannabis „zu den ältesten bekannten psychoaktiven Substanzen“ (Kähnert 1999: 26) weltweit. In China wurde der Rauschzustand nach dem Konsum von Cannabis schon 4000 Jahre vor Christus als Zustand „göttlicher Transzendenz“ (Schneider 2006: 186) beschrieben. Dies zeigt, dass der Gebrauch von Cannabis als Droge zur Bewusstseinsveränderung schon damals bekannt war. Ursprünglich stammt Cannabis aus dem asiatischen Raum und verbreitete sich von da aus über die ganze Welt (vgl. Hill 2002: 15), wobei es bis etwa Anfang des Zwanzigsten Jahrhunderts hauptsächlich als Rohstoff für Fasern, Papier, Textilien, Seile, Lampenöl und als Nah- rungsmittel diente (vgl. Hill 2002: 27). Doch auch die psychoaktive Wirkung von Can- nabis war bekannt und so wurde es „sowohl in der Medizin, als auch als Genuss- und Rauschmittel genutzt“ (Hill 2002: 27). Erst durch das 1929 verabschiedete „Gesetz über das internationale Opiumabkommen“ (Hill 2002: 31) wurde Cannabis in Deutschland als illegale Droge eingestuft. 1971 wurde das Opiumgesetz schließlich durch das Betäu- bungsmittelgesetz abgelöst, was jedoch nichts daran ändert, dass Cannabis in Deutsch- land auch weiterhin als illegale Droge gilt (vgl. Hill 2002: 31). Ungeachtet dieser Tatsa- che war und ist Cannabis in allen europäischen Ländern leicht erhältlich. So gibt es in den Niederlanden sogar sogenannte „Coffeeshops“, in denen geringe Mengen Cannabis legal erworben und konsumiert werden können (vgl. Duymel 2004: 67).

In Deutschland kam es infolge der Hippie- und Protestbewegung in den späten 1960er und frühen 1970er Jahren zu einer hohen Verbreitung von Cannabis und anderen illega- len Drogen (vgl. Werse 2007: 140). Seitdem etablierte sich der Gebrauch von Cannabis in vielen jugendkulturellen Szenen und nahm während der 1990er Jahre, als Techno und Hip-Hop zu den populärsten Jugendkulturen gehörten, erneut stark zu (vgl. Settertobulte & Richter 2009: 21).

4.2. Verbreitung in Deutschland und Cannabis als Einstiegsdroge

Das „Bundeslagebild Rauschgift 2013“ des Bundeskriminalamts (BKA) zeigt, dass im Jahre 2013 insgesamt 6596,8kg Cannabisprodukte in Deutschland sichergestellt wurden (vgl. BKA 2013: 15). Dies spricht dafür, dass Cannabis auch heute noch sehr weit ver- breitet ist.

[...]

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Der Drogenkonsum in der Jugendkultur. Der Gebrauch von Cannabis in der Techno- und Hip-Hop-Szene
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (Soziologie)
Veranstaltung
Jugendkulturelle Vergemeinschaftung im Wandel
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
26
Katalognummer
V359110
ISBN (eBook)
9783668440579
ISBN (Buch)
9783668440586
Dateigröße
602 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Jugend, Hip Hop, Techno, Cannabis, Drogen, Drogenkonsum, Jugendsoziologie
Arbeit zitieren
Lisa Schmiedlau (Autor), 2014, Der Drogenkonsum in der Jugendkultur. Der Gebrauch von Cannabis in der Techno- und Hip-Hop-Szene, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/359110

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