Einführung und Grundlagen der Mediation. Ablauf einer Mediation und Hauptaufgaben des Mediators


Einsendeaufgabe, 2012
15 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Definition des Begriffs Mediation

3. Erläutern Sie kurz schematisch den Ablauf des Mediationsverfahrens

4. Führen Sie die einzelnen Phasen näher aus – worin sehen Sie jeweils die Schwerpunkte?

5. Worin sehen Sie in den jeweiligen Phasen die Hauptaufgaben des Mediators?

6. Sie kennen das Harvard-Konzept des sachgerechten Verhandelns -
Bitte erläutern Sie dieses Modell an einem eigenen Beispiel

1. Definition des Begriffs Mediation

Mediation ist ein vertrauliches und strukturiertes Verfahren der außergerichtlichen Streitbeilegung, bei dem die Parteien (Medianden) mit Unterstützung eines neutralen und unabhängigen Dritten (Mediator) ohne Entscheidungsbefugnis freiwillig und eigenverantwortlich eine einvernehmliche und tragfähige Lösung des Konflikts (Konsens) anstreben, die für beide Parteien zu einer Win-Win-Situation führt.

2. Nennen und erläutern Sie die Prinzipien der Mediation

Die Prinzipien der Mediation sind: (a) Freiwilligkeit der Mediation, (b) Neutralität und Allparteilichkeit des Mediators, (c) Eigenverantwortung und Autonomie der Medianden, (d) Offenheit und Informiertheit, (e) Vertraulichkeit und (f) Ergebnisoffenheit der Mediation, die ich im Folgenden erläutere.

a) Freiwilligkeit der Mediation bedeutet, dass allein die Konfliktparteien (Medianden) es in der Hand haben, ob und zu welchem Zeitpunkt sie in ein Mediationsverfahren gehen, um einen Konflikt mit dem Ziel eines einvernehmlichen Interessenausgleichs herbeizuführen. Freiwilligkeit bedeutet aber auch, dass die Medianden ohne äußeren Zwang oder Druck selbst entscheiden, ob und wann sie eine Mediation abbrechen.

b) Neutralität und Allparteilichkeit als tragende Prinzipien der Mediation beziehen sich auf das Rollenverständnis des Mediators. Anders als der mit der einseitigen Interessenwahrnehmung beauftragter Rechtsanwalt verfolgt der Mediator in der Mediation weder die Interessen, Wünsche, Bedürfnisse oder Rechtspostionen der einen noch der anderen Partei. Der Mediator als Herr eines strukturierten Verfahrens steht weder in einer Beziehung zu dem Streitgegenstand noch zu den am Streit beteiligten Konfliktparteien/ Medianden.

Konkret bedeutet dies, dass es nicht Aufgabe eines neutralen Mediators ist, die Interessen, Positionen oder Ziele einer Konfliktpartei gegen die andere Konfliktpartei gerichtlich oder außergerichtlich zu vertreten oder den von den Mediaten erarbeiteten Sachverhalt und deren Handlungs- oder Lösungsoptionen inhaltlich oder rechtlich zu bewerten. Losgelöst von einer Einflussnahme auf die Interessen der Parteien und von einer Bewertung des dem Konflikt zugrundeliegenden Sachverhalts schafft der dem Prinzip der Neutralität verpflichtete Mediator somit die Voraussetzungen für ein faires und ergebnisoffenes Verfahren.

Allparteilichkeit des Mediators bedeutet darüber hinaus, dass er jeden Medianden zu unterschiedlichen Anteilen unterstützt bzw. seine Ressourcen (z.B. Kommunikations-werkzeuge) ihr/ihm zur Verfügung stellt, damit die Konfliktpartei jederzeit in der Lage ist, das Mediationsverfahren erfolgreich zu durchlaufen.

c) Eine strukturierte Mediation schafft schließlich die Voraussetzungen, damit die Konfliktparteien ihren Konflikt eigenverantwortlich und autonom erarbeiten und damit befähigt sind, selbständig, d.h. ohne Einflussnahme des Mediators auf das Verhandlungsergebnis, Entscheidungen und Lösungen zu finden. Allerdings ist es dem Mediator nicht verwehrt, eigene Kompetenzen (z.B. Psychologie, Kommunikation) aktiv in das Verfahren einzubringen. Beispielsweise kann er der den Medianden bestimmte Frage- oder Kreativitätstechniken zur Verfügung stellen, um so den Verfahrensbeteiligten die Teilhabe an einem optimalen Verfahrensverlauf im Rahmen der Mediation zu ermöglichen.

d) Offenheit als Prinzip der Mediation bedeutet, dass die Konfliktparteien es in der Hand haben, die für sie wichtigen und für die Lösung des Konflikts erheblichen Tatsachen und Informationen in jeder Verfahrenslage einander und gegenüber dem Mediator offenzulegen, um eine Vereinbarung zur Konfliktlösung mit Akzeptanz der Konfliktparteien für die Zukunft zu ermöglichen.

Unter Informiertheit als weiteres Prinzip der Mediation versteht man, dass die Konfliktparteien über die entscheidungserheblichen Tatsachen, die Rechtslage und über die gesetzlichen Grundlagen durch einen Anwaltsmediator, durch externe Berater und/oder Parteivertreter (Sachverständige, Wirtschaftsprüfer, Rechtsanwälte) zu Beginn, in einzelnen bzw. allen Phasen der Mediation oder vor Unterzeichnung der Abschlussvereinbarung informiert werden[1].

e) Vertraulichkeit in der Mediation ist ein fundamentaler Verfahrensgrundsatz, bei dem sowohl der Mediator als auch die Konfliktparteien auf der Grundlage eines Mediationsvertrags sich einander zur Vertraulichkeit und Verschwiegenheit im Rahmen der Mediation verpflichten und insbesondere über den Inhalt des Mediationsverfahrens und die im Verlauf des Verfahrens erlangten Informationen (z.B. in Einzelgesprächen mit einer Konfliktpartei) Stillschweigen bewahren.

Sinn und Zweck der Vertraulichkeit ist es, die im Rahmen der Mediation gewonnenen Informationen bei Scheitern der Mediation nicht in einem nachfolgenden streitigen Gerichtsverfahren gegen den Offenbarenden zu verwenden.

f) Ergebnisoffenheit der Mediation bedeutet, dass die Konfliktparteien in jeder Lage der Mediation bereit sind, einen Konflikt ohne ein von vornherein vorgefertigtes Ergebnis zu erarbeiten und mit Unterstützung des Mediators gemeinsam eine eigene, einvernehmliche und tragfähige Lösung (Konsens) anzustreben. Das beinhaltet notwendigerweise die Bereitschaft die Medianden, von eigenen Positionen abzuweichen, gegebenenfalls aufzugeben und kooperativ nach Lösungen zu suchen, die ihren Bedürfnissen und ihrer Interessenlage entsprechen.

3. Erläutern Sie kurz schematisch den Ablauf des Mediationsverfahrens

Die erste Phase der Mediation dient dem Erstgespräch mit den Medianden, in dem sich der Mediator über den Stand des Konflikts informiert, mit den Mediaten gemeinsam deren Erwartungshaltung in Bezug auf die Mediation klärt und ihnen die Prinzipien und den weiteren Verfahrensablauf der Mediation erläutert. Den Abschluss der ersten Phase bildet die Unterzeichnung des Mediationsvertrags nebst einer Kostenvereinbarung durch die Medianden.

Die zweite Phase gilt der Erarbeitung der Themenbereiche bzw. -sammlung, deren Ziel ist die Schaffung einer gemeinsamen Informationsgrundlage zwischen allen Beteiligten ist. In dieser Phase werden zunächst die von den Konfliktparteien benannten Themen durch den Mediator visualisiert. Sodann erfolgen in Absprache mit den Konfliktparteien die Gewichtung der einzelnen Themen und die Festlegung einer gemeinsamen Bearbeitungsreihenfolge (Priorisierung).

In der dritten Phase erfolgt die Erarbeitung der Interessenfindung durch die Medianden. In dieser Phase findet die eigentliche Konfliktbearbeitung statt, d.h. die Konfliktparteien arbeiten auf der Basis ihrer jeweiligen unterschiedlichen Positionen und Sichtweisen ihre eigentlichen Bedürfnisse, Wünsche und Interessen heraus (Übergang von der Positionen- zur Interessenebene).

In der vierten Phase sammeln die Konfliktparteien in einem ersten Schritt zunächst alle denkbaren Handlungs- und Lösungsoptionen (Brainstorming).

In einem zweiten Schritt erfolgt die Bewertung und Auswahl der erarbeiteten Lösungsoptionen, an deren Ende die Einigung und die Vereinbarung der Konfliktparteien auf einen einvernehmlichen Interessenausgleich stehen.

Die fünfte Phase gilt der schriftlichen Ausarbeitung und Formulierung der Abschluss-vereinbarung, bei der die Parteien gegebenenfalls durch ihre Anwälte rechtlich beratend unterstützt werden.

4. Führen Sie die einzelnen Phasen näher aus – worin sehen Sie jeweils die Schwerpunkte?

Die Schwerpunkte der ersten Phase der Mediation bilden der Empfang der Medianden sowie die Erörterung der Rahmenbedingungen der Mediation (Prinzipien, Grundregeln und Verfahren) mit den Konfliktparteien.

Hat der Mediator den Rahmen für eine räumlich angenehme Arbeits- und Vertrauensatmosphäre (Setting) geschaffen, begrüßt der Mediator freundlich die Konfliktparteien, stellt sich ihnen vor bzw. lässt die Medianden sich einander kurz vorstellen. Gegebenenfalls klärt der Mediator zu Beginn des Erstgesprächs, wie es zu der Kontaktaufnahme mit ihm gekommen ist.

In dieser ersten Phase schildern die Konfliktparteien zunächst ihren Konflikt, so dass sich der Mediator einen Überblick über den Konflikt und die Konfliktbeteiligten verschafft. In diesem Zusammenhang sollte der Mediator auch klären, mit welchen konkreten Erwartungen, Vorstellungen und Zielen die Parteien in eine Mediation gehen.

Weiterhin erörtert der Mediator mit den Konfliktparteien die wesentlichen der Rahmenbedingungen der Mediation (Prinzipien, Grundregeln und Verfahren) und seine Rolle als neutraler und allparteilicher Mediator und holt sich deren Zustimmung für die Durchführung der Mediation ein. Die Erläuterung der Verfahrensgrundsätze ist nicht zuletzt deshalb wichtig, weil der Mediator sich vergewissern muss, dass Konfliktparteien die Prinzipien und den Ablauf des Mediationsverfahrens verstanden haben und an der Mediation freiwillig teilnehmen[2]. Schließlich klärt er die Konfliktparteien über den zeitlichen Umfang und die Kosten der Mediation auf, bevor die Parteien und der Mediator den Mediationsvertrag und eine Kostenvereinbarung unterzeichnen.

Schwerpunkt der zweiten Phase ist die Erarbeitung der Konfliktthemen bzw. Themenbereiche. Nachdem in der ersten Phase der Konflikt, die Konfliktbeteiligten und der Stand des Verfahrens bei allen Beteiligten als bekannt vorausgesetzt wird (Rückschau Phase 1), leitet der Mediator zu Beginn der Phase 2 auf die gemeinsame Erarbeitung und Klärung der Sachlage über. Hierzu rollen die Medianden in einem ersten Schritt gemeinsam den streitigen und unstreitigen Sachverhalt auf, indem sie ihre Sichtweisen, Streitpunkte, die persönlichen, rechtlichen und wirtschaftlichen Aspekte, Gemeinsamkeiten und Differenzen ansprechen. Der Mediator formuliert in Absprache mit den Konfliktparteien die Streitpunkte als Konfliktthemen bzw. Themenbereiche auf einem Flipchart oder einer Pinnwand. In einem zweiten Schritt erfolgen die Gewichtung der einzelnen Themenbereiche und die Festlegung auf eine gemeinsame Bearbeitungsreihenfolge der zu bearbeitenden Konfliktthemen (Prioritätenliste) durch die Medianden.

Schwerpunkt in der dritten Phase der Mediation ist die inhaltliche Bearbeitung der Konfliktthemen, d.h. die eigentlichen Interessen (z.B. Ängste, Bedürfnisse, Wünsche und Ziele) der Konfliktbeteiligten werden herausgearbeitet. Hierzu verlassen die Medianden ihre Forderungen bzw. Positionen und bewegen sich auf die dahinter stehende Interessenebene zu (Übergang von der Positionen- zur Interessenebene)[3].

[...]


[1] Katja Ihde, Skript I: Einführung und Grundlagen der Mediation, Auflage 1/2012, S. 35.

[2] § 2 Absatz 2 Mediationsgesetz vom 21. Juli 2012 (BGBl. I S. 1577), gem. Art. 9 dieses Gesetzes am 26. Juli 2012 in Kraft getreten.

[3] Katja Ihde, Mediation 1. Modul Teilnehmerunterlage, S. 13.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Einführung und Grundlagen der Mediation. Ablauf einer Mediation und Hauptaufgaben des Mediators
Hochschule
Hochschule Wismar  (WINGS)
Veranstaltung
Mediation
Autor
Jahr
2012
Seiten
15
Katalognummer
V359342
ISBN (eBook)
9783668435278
ISBN (Buch)
9783668435285
Dateigröße
489 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mediation, Prinzipien, Begriff, Ablauf Mediationsverfahren, Phasen der Mediation, Hauptaufgaben des Mediators, Harvard-Konzept
Arbeit zitieren
Dr. Andreas-Michael Blum (Autor), 2012, Einführung und Grundlagen der Mediation. Ablauf einer Mediation und Hauptaufgaben des Mediators, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/359342

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