Regeln und Gesetze im kindlichen Alltag. Ein Beispiel wie man Regeln und Gesetze im Grundschulunterricht vermittelt


Seminararbeit, 2017
12 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Hintergrund: Regeln und Gesetze und der kindliche Alltag
1.1 Sachklärung: Regeln und Gesetze als Elemente politischer Ordnung
1.2 Unterscheidung: Regeln und Gesetze
1.3 Welches Vorwissen haben Kinder zu Regeln und Gesetzen?
1.4 Bedeutung des Wissens über Regeln und Gesetze5

2. Regeln und Gesetze im Unterricht
2.1 Bildungsplan
2.2 Methodenvorschläge zur Behandlung von Regeln und Gesetzen im Unterricht
2.2.1 Mapping
2.2.2 Spiel
2.2.3 Diskussion
2.2.4 Planspie
2.2.5 Nachdenkgespräch

3. Unterrichtsidee zum Thema „Wozu eigentlich Regeln?“
3.1 Aktivierung: Blitzlicht zum Szenario „ Eine Welt ohne Regeln
3.2 Einstieg: Mindmapping
3.3 Erarbeitung: Spie
3.4 Erarbeitung und Transfer: Diskussion und Nachdenkgespräch
3.5 Sicherung und Anwendung: Erörterung

4. Literaturverzeichnis

1. Hintergrund: Regeln und Gesetze und der kindliche Alltag

1.1 Sachklärung: Regeln und Gesetze als Elemente politischer Ordnung

Regeln und Gesetze kommen in Vielzahl in unserer Gesellschaft vor. Folglich ist es nur natürlich, dass sie auch Teil des Unterrichtes der Grundschule sein sollten. Um das Thema gewinnbringend unterrichten zu können, ist es für Lehrpersonen von immenser Wichtigkeit die Hintergründe zu Regeln und Gesetzen zu kennen. Dazu sollen im folgenden zunächst Regeln getrennt von Gesetzen betrachtet werden.

Schon das Wort „Regel“ verrät sehr viel über deren Wesen. Es stammt vom lateinischen Lehnwort „regula“ ab, was so viel wie Maßstab oder Richtschnur bedeutet. Unter einer Regel versteht man eine Richtlinie, welche für einen bestimmten Bereich verbindlich gilt (vgl. Auberle, A. (2017)). So gibt es beispielsweise für Brettspiele bestimmte Regeln, welche einen geordneten und funktionierenden Ablauf des Spieles gewährleisten sollen. Ein anderes Beispiel wären Benimmregeln. Diese legen fest, welche Verhaltensformen als höflich oder unhöflich wahrgenommen werden. Regeln können von der Gruppe festgelegt, verändert und aufgehoben werden (vgl. bpb (2008) S.36). So können Spielregeln variieren, sofern alle Mitspieler einverstanden sind oder eine Autoritätsperson die Änderung bestimmt. Auch die erwähnten Benimmregeln können in verschiedenen Gruppen sehr verschieden aussehen. So empfinden Chinesen beispielsweise andere Dinge als höflich verglichen zu den Deutschen. Sie legen schlicht andere Benimmregeln zugrunde.

Es gibt keinen festen Ablauf, wie Regeln entstehen. Sie können sowohl von einer Gruppe gemeinsam beschlossen als auch von einer einzelnen Person bestimmt werden. Ebenso gibt es keinen festen Ablauf, wie mit einem Regelbruch umgegangen wird. So kann entweder mit zuvor festgelegten Sanktionen reagiert werden, oft wird jedoch auch im Ermessen einzelner Personen gestraft (vgl. bpb (2008) S. 36). Als Beispiel für beide Aspekte können Klassenregeln dienen. Sowohl ein gemeinsames Erstellen von Klassenregeln durch die Klassengemeinschaft, als auch ein Festlegen der Klassenregeln durch den Klassenlehrer ist möglich. Ebenso können für bestimmte Regelbrüche festgelegte Sanktionen existieren, während die Bestrafung anderer Regelbrüche im Ermessen der Lehrperson liegen kann.

Im Gegensatz zur Regelentstehung unterliegt die Entstehung von Gesetzen in Deutschland einem strengen Schema. Um ein neues Gesetz vorzulegen wird das Initiativrecht benötigt. Dieses besitzen in Deutschland die Bundesregierung, der Bundestag und der Bundesrat. In den meisten Fällen werden Gesetzesvorlagen allerdings von der jeweiligen Bundesregierung vorgelegt. Ein ausgearbeiteter Gesetzesentwurf benötigt zunächst die Stellungnahme des Bundesrates, danach kommt er zur ersten Lesung in den Bundestag. Anschließend wird er durch Fachkräfte des jeweiligen Themengebietes diskutiert und gegebenenfalls abgeändert. So gelangt er zur zweiten Lesung, in welcher insbesondere die Opposition nochmal die Möglichkeit bekommt, Bedenken öffentlich zu kommunizieren. In der dritten Lesung wird das Gesetz abschließend verabschiedet oder gegebenenfalls abgelehnt.

Wurde das Gesetz verabschiedet, wird es, nachdem es von BundespräsidentIn, BundeskanzlerIn und dem Fachminister unterschrieben wurde, im Bundesgesetzblatt veröffentlicht (vgl. bpb (2009)).

Für Gesetzesübertretungen gibt es im Voraus festgelegte Strafen, welche im Strafgesetzbuch fest verankert sind. Inwiefern ein Gesetz gebrochen oder übertreten wurde und welche Strafe dies nach sich zieht, entscheiden in Deutschland die Gerichte. Diese stellen einen Teil der Judikative dar.

1.2 Unterscheidung: Regeln und Gesetze

Bereits durch die Sachklärung des vorhergehenden Abschnittes wurden einige Unterschiede zwischen Regeln und Gesetze deutlich. Im direkten Vergleich sollen nun wesentliche Unterschiede nochmals herausgearbeitet und verdeutlicht werden.

Gesetze bestimmen welche Rechte und Pflichten ein Bürger eines Staates hat und schaffen auf diese Weise Ordnung. Wird ein Gesetz nicht befolgt, folgen genauestens festgelegte Sanktionen. Diese werden durch ein Gericht veranlasst. Auch dienen Regeln dienen dazu das Zusammenleben in einer Gruppe zu ordnen. Allerdings ist diese Gruppe nicht zwingend als Staat definiert. Sie kann ganz unterschiedlich groß und variabel unterschiedlich zusammengesetzt sein. Wie bereits im ersten Abschnitt erwähnt, können Regelbrüche durch festgelegte aber auch durch situativ beeinflusste Sanktionen bestraft werden. Je nach Gruppe können unterschiedliche Personen oder auch Personengruppen diese Sanktionen veranlassen.

Wie im ersten Abschnitt beschrieben, durchläuft jedes Gesetz einen langen, genau festgelegten Prozess bevor es in Kraft treten kann. Ist es einmal gültig, kann es nicht ohne weiteres abgeändert werden. Anders sieht es hier mit der Regel aus. Je nach Gruppe kann sie durch einen gemeinsamen Entschluss entstanden oder auch von einer Autoritätsperson bestimmt worden sein. Sie kann theoretisch jederzeit aufgehoben oder geändert werden. Wie und in welchem Umfang dies geschieht ist abhängig von der jeweiligen Gruppe.

Während Gesetze stets schriftlich fixiert sind, liegen Regeln meist nur in mündlicher Form vor. Dies führt unter anderem auch dazu, dass von Regeln immer wieder Ausnahmen gemacht werden, was bei Gesetzen nicht der Fall ist. Gesetze stellen verbindliche Vorschriften dar, während Regeln eher Richtlinien vorgeben (vgl. bpb (2008) S.36 und S.42).

1.3 Welches Vorwissen haben Kinder zu Regeln und Gesetzen?

Kinder werden bereits früh mit unterschiedlichen Regelsystemen konfrontiert. So gibt es in jedem Brettspiel Regeln, an welche sie sich halten müssen. Auch in ganz alltäglichen Situationen wie etwa dem gemeinsamen Essen, gibt es Regelsysteme. Kinder sind mit diversen Regelsystemen vertraut und wissen, welche Konsequenzen Regelbrüche in verschiedenen Regelsystemen nach sich ziehen. Sie können sogar bereits sehr früh eigene Regelsysteme entwerfen, etwa indem gemeinsam ein Spiel geregelt wird. Hier werden bereits Regeln zum eigenen Nutzen kreiert oder ausgelegt. Durch einen solchen Umgang mit Regelsystemen wird das Gespür für Gerechtigkeit sensibilisiert. Diskussionen über Recht und Unrecht schließen sich oft an (vgl. bpb (2008) S. 35).

Im Gegensatz zu Regeln sind Gesetze für Kinder nicht wirklich greifbar. Zwar gibt es viele Gesetze, die nur für Kinder erstellt wurden, wie etwa das KJHG (Kinder- und Jugendhilfegesetz) (vgl. kindex (2017)). Jedoch werden Kinder und Jugendliche im Allgemeinen nicht in direkter Weise mit den Gesetzen konfrontiert, von welchen sie geschützt werden. Wohl haben sie eine grobe Vorstellung von einem Gesetz, jedoch können sie kaum ein Gesetz von einer Regel unterscheiden. Ihr Wissen ist schlicht unzureichend (vgl. bpb (2008) S.35).

Deutlich wird dieser Sachverhalt in einer kleinen Studie, welche von unserer Arbeitsgruppe im Rahmen des Politikseminares der Pädagogischen Hochschule Freiburg vorgenommen wurde. So wurde beispielsweise ein elfjähriges Mädchen aufgefordert, sowohl ein Gesetz als auch eine Regel zu benennen. Ihrer Auffassung nach, sei nun eine Regel „etwas was man befolgen muss“ ein Gesetz sei ebenfalls „etwas was man befolgen muss“ nur sei das Gesetz noch etwas strenger. Eine anderes Kind (10 Jahre) gab als Beispiel für eine Regel „keine Menschen töten, schlagen oder beleidigen“ an. Ein Gesetz definierte es mit „keine Menschen töten“.

Das hier verdeutlichte, mangelhafte Wissen kann auch auf die fehlende Behandlung des Themas auf Metaebene im Grundschulunterricht zurückgeführt werden (vgl. bpb (2008) S.35).

1.4 Bedeutung des Wissens über Regeln und Gesetze

Zur Verdeutlichung der Wichtigkeit von Regeln und Gesetzen im Unterricht können drei wesentliche Aspekte angeführt werden.

Zum einen dient das Wissen über die eigenen Rechte dem Selbstschutz. Nur wer seine eigenen Rechte kennt, kann sie auch einfordern und sicherstellen, dass sie eingehalten werden. So empfehlen viele Institutionen und Organisationen wie beispielsweise Unicef oder bmfsfj Kinder über ihre Rechte in Kenntnis zu setzen (vgl. bpb (2008) S.35).

Außerdem wird die Widerstandsfähigkeit gegenüber Unrecht durch Wissensaufbau im Unterricht gestärkt. Die Schülerinnen und Schüler (im Folgenden die SuS genannt) werden so gegenüber dem Thema sensibilisiert.

Diskussionen und Gespräche zu dieser Thematik fördern zudem die demokratische Orientierung. Beispielsweise wird die Thematisierung der Entstehung von Gesetzen verdeutlichen, dass Gesetze entgegen der Vorstellung mancher Kinder nicht willkürlich von der Polizei festgelegt werden, sondern dass die Entstehung eines Gesetzes fest in unserem demokratischen System verankert ist (vgl. bpb (2008) S.35).

2. Regeln und Gesetze im Unterricht

2.1 Bildungsplan

Im vorherigen Abschnitt wurde bereits deutlich, weshalb das Wissen über Regeln und Gesetze von solch immenser Bedeutung ist. Doch auch der Bildungsplan nimmt direkten Bezug zu Demokratie und Gesellschaft. So sollen SuS „ Gestaltungs- und Mitbestimmungsmöglichkeiten in der Klasse und der Schule beschreiben und angemessen nutzen“. Außerdem sollen SuS „Abstimmungen und das Mehrheitsprinzip als Elemente der Demokratie erkennen.“ (vgl. Bildungsplan (2016)).

Um diese Vorgaben des Bildungsplanes im Unterricht erfüllen zu können, eignen sich Unterrichtseinheiten zu Regeln und Gesetzen hervorragend. Dazu soll im folgenden Abschnitt auf einige Methoden eingegangen werden, welche spezifisch zum Unterrichten des Themas Rechte und Gesetze eingesetzt werden können.

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Details

Titel
Regeln und Gesetze im kindlichen Alltag. Ein Beispiel wie man Regeln und Gesetze im Grundschulunterricht vermittelt
Autor
Jahr
2017
Seiten
12
Katalognummer
V359473
ISBN (eBook)
9783668443730
ISBN (Buch)
9783668443747
Dateigröße
490 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
regeln, gesetze, alltag, beispiel, grundschulunterricht
Arbeit zitieren
Laura Schmidt (Autor), 2017, Regeln und Gesetze im kindlichen Alltag. Ein Beispiel wie man Regeln und Gesetze im Grundschulunterricht vermittelt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/359473

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