Arbeitslosigkeit in Deutschland - Ein Hysteresis Phänomen?


Hausarbeit, 2002

21 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung und Überblick

2. Gang der Untersuchung

3. Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit
3.1 Arbeitsangebot und Arbeitsnachfrage
3.2 Die Entwicklung in den letzten vier Jahrzehnten
3.3 Steigende Sockelarbeitslosigkeit

4. Was ist Hysteresis?
4.1 Erklärungsdefizite keynesianischer und neoklassischer Ansätze
4.2 Hysteresis – Ursprung und Definition
4.3 Analogie des Hysteresis-Phänomens zum Arbeitsmarkt

5. Theoretische Ansätze zur Erklärung von Hysteresis am Arbeitsmarkt
5.1 Insider-Outsider Ansatz
5.2 Humankapital-Ansatz und Dauer der Arbeitslosigkeit
5.3 Kapitalstock-Ansatz
5.4 Zusammenhänge

6. Nachweis der Hysteresis-Theorie mit Hilfe empirischer Untersuchungen
6.1 Philipps-Kurve
6.2 Beveridge-Kurve

7. Kritische Würdigung

Literaturverzeichnis

Internetverzeichnis

Versicherung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Die Arbeitslosenquote in Deutschland

Abbildung 2: Die Hysteresisschleife in Analogie zum Arbeitsmarkt

Abbildung 3: Phillips-Kurve nach Friedman

Abbildung 4: Stilisierte Form der Beveridge-Kurve

1. Einleitung und Überblick

Das Problem der Massenarbeitslosigkeit ist mittlerweile zum beherrschenden Thema der wirtschaftspolitischen Diskussion in Deutschland geworden. Dabei ist Arbeitslosigkeit kein wirklich neues Phänomen. Schon in seit Beginn der 80er Jahre hat sich eine anhaltend hohe Arbeitslosigkeit herauskristallisiert.

Ursache für den Anstieg der Arbeitslosenrate waren die beiden Ölpreisschocks im Zeitraum von 1973 bis etwa 1976 sowie 1980 bis 1982.[1] Seitdem ist dieses Phänomen der Unterbeschäftigung persistent. Die Arbeitslosenquote entwickelte sich treppenförmig, mit relativ lang andauernden Phasen zunehmender Arbeitslosenquoten, gefolgt von etwas kürzeren Phasen, in denen die Arbeitslosenquote nur zum Teil wieder zurückging bzw. stagnierte.[2]

Eine Erklärung dieser Entwicklung der Arbeitslosigkeit muss neben der Identifikation der Ursachen für die Zunahme der Arbeitslosigkeit auch Gründe für deren relative Konstanz in den Stabilisierungsphasen geben. Da die treppenförmige Entwicklung der Arbeitslosenrate auch in anderen, insbesondere westeuropäischen Staaten qualitativ vergleichbar zu beobachten war, wurde die im Folgenden darzustellende Hysteresis-Theorie Gegenstand der wirtschaftswissenschaftlichen Diskussion.[3]

2. Gang der Untersuchung

Ziel dieser Arbeit ist es, einen theoretischen Erklärungsansatz zur anhaltenden hohen Arbeitslosigkeit näher zu beleuchten, wobei die Ursachen, die zu Hysteresis führen, im Vordergrund stehen. Zunächst wird die Entwicklung des Arbeitsmarktes betrachtet und erörtert, warum übliche keynesianische und neoklassische Ansätze keine ausreichende Erklärung für die anhaltende Arbeitslosigkeit liefern. Anschließend wird die Bedeutung von Hysteresis herausgestellt und auf wesentliche Implikationen eingegangen. Schließlich werden ökonomische Erklärungsansätze der Hysteresis-Arbeitslosigkeit gegeben und deren empirische Evidenz dargestellt.

3. Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit

3.1 Arbeitsangebot und Arbeitsnachfrage

Der Arbeitsmarkt muss, wie alle anderen Märkte, in die Angebots- und Nachfrageseite unterteilt werden. Die Arbeitsnachfrage besteht aus dem Bedarf der Unternehmen an Arbeitskräften, also aus den tatsächlichen Beschäftigten sowie den gemeldeten und nicht gemeldeten offenen Stellen.[4] Eine auf der Nachfrageseite ansetzende Erklärung führt den Anstieg der Arbeitslosigkeit auf eine restriktive Geld- und Fiskalpolitik sowie die Ölpreiskrise zurück. Diese Aussage kann jedoch nicht überzeugen, da hier keine Erklärungen aufgezeigt werden, warum diese Arbeitslosigkeit fortdauert.[5]

Die Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt wird durch das Erwerbspersonenpotential bestimmt. Dies Potential setzt sich aus den Erwerbstätigen, den registrierten Arbeitslosen und der Stillen Reserve zusammen und bildet somit das Arbeitsangebot.[6] Auch diese Erklärungen für die Höhe der Arbeitslosenquote auf der Angebotsseite weisen Defizite auf. Wenn höhere Ölpreise, steigende Lohnlücken, sinkende Kapitalrentabilität und die Dollaraufwertung angebotsseitige Gründe für den Anstieg der Arbeitslosigkeit sind, so lässt sich die in der zweiten Hälfte der 80er Jahre andauernde hohe Arbeitslosigkeit nicht mit den gleichen Determinanten begründen. Denn hier hätte aufgrund der fallenden Ölpreise, sinkenden Dollarkurse und Lohnlücken und der steigenden Kapitalrentabilität eine niedrigere Arbeitslosenquote folgen müssen.[7]

Außerdem ist eine moderate Lohnpolitik nur unmittelbar nach konjunkturellen Einbrüchen z.B. nach den Ölkrisen 1974/75 und 1981/82 zu beobachten. Mit zunehmender Konjunkturbelebung nimmt der Lohndruck aber trotz gleich bleibender Arbeitslosigkeit wieder zu. Die Lohninflation scheint damit weniger durch das Niveau als vielmehr durch die Veränderungsrate der Arbeitslosigkeit bestimmt zu werden.[8]

3.2 Die Entwicklung in den letzten vier Jahrzehnten

Die Zahl der Beschäftigten stieg in den vergangenen vierzig Jahren in Deutschland stets an. Dabei verlief die Entwicklung der Bevölkerung und die der abhängigen Beschäftigten weitgehend gleichförmig.

Seit Beginn der neunziger Jahre jedoch driften die Bevölkerungs- und Beschäftigtenzahlen auseinander. Dies spiegelt sich sowohl in gestiegenen Arbeitslosenzahlen als auch in einem Zuwachs bei der Stillen Reserve wider.[9]

Die Gesamtbeschäftigungslücke hat gegen Ende der neunziger Jahre einen Höchststand erreicht, der sich auf ca. 7,2 Mio. fehlende Arbeitsplätze (incl. Stiller Reserven) für Deutschland belief. Aktuell beläuft sich die Arbeitslosenquote für den Monat Juli 2002 auf 9,7 %. Das bedeutet, dass zur Zeit 4,07 Mio. Menschen Zeit arbeitslos sind, was im Gegensatz zum Vorjahreswert wiederum eine deutliche Erhöhung war.[10]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[11]

Abbildung 1: Die Arbeitslosenquote in Deutschland[12]

3.3 Steigende Sockelarbeitslosigkeit

Es ist zu beobachten, dass Angebots- und Nachfrageschocks nicht nur vorübergehende, sondern dauerhafte Erhöhungen der Arbeitslosigkeit zu Folge hatten. Denn das durchschnittliche Niveau der Unterbeschäftigung stieg in ganz Deutschland über die letzten drei Konjunkturzyklen an.[13]

Diese Angebots- und Nachfrageschocks sind vor allem darauf zurückzuführen, dass Anfang der 70er Jahre eine enorme Erhöhung der realen Lohnkosten stattgefunden hat. Weiterhin sind auch die beiden Ölpreisschocks zu nennen, bei denen sich relative Preis für einen der wichtigsten Produktionsfaktoren drastisch stieg.[14]

Die Statistiken in fast allen westeuropäischen Ländern zeigen, dass bei hoher Arbeitslosigkeit auch ein steigender Anteil der Langzeitarbeitslosen zu verzeichnen ist. Von ihnen geht ein gänzlich verschwindender Druck auf die Löhne aus, da sie aus verschiedensten Gründen deutlich schlechtere Vermittlungschancen besitzen. Der Anteil der Langzeitarbeitslosen verhindert damit c.p. die für den Abbau der Arbeitslosigkeit notwendige Lohnzurückhaltung.[15]

4. Was ist Hysteresis?

4.1 Erklärungsdefizite keynesianischer und neoklassischer Ansätze

Mit den in 3. angeführten üblichen keynesianischen (nachfrageseitigen) und neoklassischen (angebotsseitigen) Ansätzen lassen sich schwer alle Merkmale der Arbeitslosigkeit abdecken. Von ihnen werden vielmehr einzelnen Facetten des Gesamtphänomens erfasst, sodass Anstieg und Fortdauer der Arbeitslosigkeit kaum von einem Modell alleine erklärt werden kann.[16]

Mit dem Hysteresis-Ansatz wird hingegen versucht, den asymmetrischen Verlauf der Arbeitslosenquote, der auf Konjunktureinbrüche beschränkten Lohnzurückhaltung und den Implikationen des steigenden Anteils der Langzeitarbeitslosen für den Lohnbildungsprozess gleichzeitig Rechnung zu tragen.[17]

4.2 Hysteresis – Ursprung und Definition

Der Ursprung des Begriffs „Hysteresis“ liegt im Griechischen und bedeutet „bleiben“, „zurückbleiben“.

Er stammt aus der Physik und bezeichnet dort das Phänomen, dass in bestimmten Fällen eine beeinflussende Größe auch nach ihrem Wegfallen verzögerte Dauerwirkungen hinterlässt. Diese sog. Persistenzphänomene werden vorwiegend im Rahmen von Untersuchungen zur magnetischen Feldstärke beobachtet.[18]

Der Begriff Hysteresis kennzeichnet allgemein die Persistenz eines zurückliegenden Zustands bzw. das Phänomen der lang anhaltenden Wirkung von Schocks. In diesem Sinne besitzt das ökonomische System bei Vorliegen von Hysteresis ein „unendliches Gedächtnis“.[19] Während ein System ohne Hysteresis-Effekte nach einem transitorischen Auftreten von Schocks zu seinem gleichgewichtigen Ausgangszustand zurückkehrt, ist der Gleichgewichtszustand eines Systems mit Hysteresis-Eigenschaft aufgrund seiner Zeitpfandabhängigkeit davon abhängig, wie dieser Zustand erreicht wurde.[20]

Dynamische Systeme mit Hysteresis sind deshalb historische oder zeitpfadabhängige Systeme. Kurz gesagt bedeutet dies: Wo ein System schließlich ankommt, hängt auch davon ab, wie es dahin gekommen ist.[21]

[...]


[1] vgl. Berthold/Fehn, in: WiSt Heft 3, März 1995, S. 116

[2] vgl. Borchert/Schulz, in WISU (2000), S. 722

[3] vgl. Hauschulz (1991), S. 1

[4] vgl. Borchert/Schulz, in WISU (2000), S. 722

[5] vgl. Grassinger (1993), S. 5

[6] vgl. Borchert/Schulz, in WISU (2000), S. 722

[7] vgl. Kösters/Belke, in: WISU 5/90, S. 277

[8] vgl. Grassinger (1993), S. 5

[9] vgl. Borchert/Schulz, in WISU 5/00, S. 722

[10] vgl. http://www.arbeitsamt.de/hst/services/statistik/grafiken.pdf

[11] Bis 1989 sind ausschließlich Zahlen aus Westdeutschland verwendet worden.

[12] vgl. Borchert/Schulz, in: WISU 5/00, S. 722 sowie http://www.destatis.de/indicators/d/arb210ad.htm

[13] vgl. Kösters/Belke, Arbeitslosigkeit in Westeuropa – Ein Hysteresis-Phänomen?, S. 10

[14] vgl. Kösters/Belke, Arbeitslosigkeit in Westeuropa – Ein Hysteresis-Phänomen?, S. 11

[15] vgl. Berthold/Fehn, in: WiSt Heft 3, März 1995, S. 116

[16] vgl. Grassinger (1993), S. 9

[17] vgl. Kösters/Belke, in: WISU 5/90, S. 277/278

[18] vgl. Rothschild (1988), S.123

[19] vgl. Cross/Allan (1988), S.28

[20] vgl. Casser (1995), S. 4

[21] vgl. Franz, Das Hysteresis-Phänomen, in: WiSt, Heft 2, Februar 1989; S. 77

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Arbeitslosigkeit in Deutschland - Ein Hysteresis Phänomen?
Hochschule
Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie Hellweg-Sauerland GmbH
Note
2,7
Autor
Jahr
2002
Seiten
21
Katalognummer
V35968
ISBN (eBook)
9783638357258
Dateigröße
632 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Arbeitslosigkeit, Deutschland, Hysteresis, Phänomen
Arbeit zitieren
Ina Meinschaefer (Autor), 2002, Arbeitslosigkeit in Deutschland - Ein Hysteresis Phänomen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/35968

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