Vergleich qualitativer und quantitativer Forschungsmethoden der Befragung


Hausarbeit, 2004

17 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung – Warum qualitative Forschung?

2. Kernmerkmale qualitativer Forschung

3. Verhältnis qualitativer vs. quantitativer Forschungsmethoden

4. Vergleich qualitativer und quantitativer Forschungsmethoden am Beispiel der Befragung
4.1. Qualitative Befragungen
4.1.1. Merkmale und Durchführung
4.1.2. Varianten qualitativer Befragung
4.2. Quantitative Befragungen
4.2.1. Merkmale und Durchführung
4.3. Gegenüberstellung qualitativer und quantitativer Befragung

5. Vor- und Nachteile qualitativer vs. quantitativer Forschungsmethoden

6. Quellenverzeichnis

1. Einleitung – Warum qualitative Forschung?

Warum qualitative Sozialforschung? Diese Frage stellen sich viele Studenten der Sozialwissenschaften, wenn es für sie um die Herangehensweise an eine Problemstellung geht. Qualitative oder quantitative Methoden – die Grundfrage, wie man einen Forschungsgegenstand "anpackt", auf welchem Wege man welche Daten erhebt und wie man diese analysiert, ist heutzutage meist recht einfach begründet. Doch die wissenschaftliche, fast glaubensähnliche Überzeugung, welche man notfalls vor Jahrzehnten auch mit harten Bandagen vertrat, ist für Studenten inzwischen einfacher motiviert.[1] Kein dogmatischer Grundsatz begründet die (scheinbare) Attraktivität der qualitativen Methoden, sondern die Furcht vor der Schwierigkeit und Komplexität der quantitativen Arbeitsweisen, überzeugt die Studierenden: Die numerisch betonten Daten der quantitativen Forschung, welche mittels komplizierter mathematischer Verfahren analysiert werden, schrecken durch ihren hohen Arbeitsaufwand ab. Geradezu verführerisch erscheint im Vergleich dazu die qualitative Sozialforschung, welche sich vor allem verbalisierter oder verschriftlichter Daten bedient, die dann interpretativ bzw. hermeneutisch analysiert werden. Sie besteht aus einer Vielzahl von Vorgehensweisen, Analyseverfahren und Theorien, womit Fragen nach der Bedeutung und nach Zusammenhängen gesucht werden. Durch das Vermeiden von experimentellen Designs, Stichprobenbildungen und statistischer Verfahren versprechen sie einen scheinbar geringeren Arbeitsaufwand. Doch ist dem wirklich so – sind qualitative Forschungsmethoden im Bezug auf quantitative Verfahren wirklich der einfachere Weg zur Lösung?[2]

Im Verlauf dieser Ausarbeitung möchte ich mich diesem Vergleich ansatzweise widmen. Nachdem ich im Anschluss kurz die Verwendungsmöglichkeiten für qualitative Methoden aufgezeigt habe und erläutere, wann es sinnvoll ist, diese einzusetzen, möchte ich in zweiten Kapitel die Kernmerkmale qualitativer Forschung umreißen. Darauf aufbauend soll das dritte Kapitel das Verhältnis von qualitativen zu quantitativen Forschungsmethoden beschreiben, um darauf basierend qualitative und quantitative Forschungsmethoden am Beispiel der Befragung zu vergleichen. Abschließend soll im fünften Kapitel mittels der vorher herausgearbeiteten Unterschiede auf Vor- und Nachteile qualitativer und quantitativer Verfahren eingegangen werden.

Doch warum sollte man sich überhaupt für den qualitativen Weg entschließen – was spricht, neben der zu Beginn angesprochenen angeblichen Einfachheit der Methoden, welche eine Option für die komplizierten mathematischen Verfahren quantitativer Forschungsmethoden gibt – dafür? Qualitative Forschung ist geprägt von einer persönlichen Form der Datenerhebung- und Auswertung, sie versucht das zu Erforschende zu "verstehen" und nicht nur zu klassifizieren und mutet im Vergleich zu quantitativen Methoden "fast romantisch"[3] an. Letztendlich sollten es jedoch nicht "Romantik" und "Einfachheit" sein, welche die Forschungsmethode vorgeben, sondern die wissenschaftliche Fragestellung – sie gibt vor, ob man qualitativ, quantitativ oder mit beiden als Kombination darauf antwortet. Im folgenden werden vier Ausgangspunkte[4] genannt, bei denen es sich empfiehlt, qualitative Methoden zu verwenden:

a.) Beim induktivem Vorgehen einer Fragestellung (d.h. nach der Beobachtung vieler Einzelfälle bzw. dem Sammeln von Beobachtungsdaten in der Wirklichkeit trifft man eine Verallgemeinerung/ Vermutung) ist der erste Schritt qualitativ, weil diese Methoden einen niedrigeren Verallgemeinerungsgrad haben und objektiver sind als andere Alltagsbeschreibungen.
b.) Ist der Forschungsgegenstand unübersichtlich, komplex, oder (teilweise) unbekannt, bietet sich aus Gründen der besseren Objektivität und Gegenstandsnähe ein qualitativer Ansatz an.
c.) Wenn man mittels qualitativer Methoden eine Analyse durchgeführt hat und diese in sich abgeschlossen ist, kann man auch die Gesamtanalyse als abgeschlossen sehen. Bei quantitativen Forschungsmethoden ist dies nicht möglich, weil diese höher abstrahierten Daten reduzierter sind als qualitative.
d.) Wenn durch eine qualitative Analyse die Struktur eines sozialen Gegenstandes bekannt geworden ist, kann er höher abstrahiert werden. In diesem Fall bleibt der Sinn der Daten in einer folgenden Quantifizierung erhalten, so das sie abkürzend für qualitative Methoden genutzt werden können.

Neben diesen vier genannten Szenarien stellen sich natürlich noch weitere Problemstellungen dar, bei welchen man qualitative Forschungsmethoden nutzen kann. Deren Ursache liegt hierbei hauptsächlich auf dem o.g. "romantischen"[5] Charakter, welche jedoch eng mit den Kernmerkmalen qualitativer Forschungsmethoden verbunden ist.

2. Kernmerkmale qualitativer Forschung

Qualitative Forschung zeichnet sich durch eine Vielzahl von Merkmalen aus – sie hat zentrale Prinzipien, an denen sie sich orientiert, erkenntnistheoretische Merkmale, welche eng an ihr Selbstverständnis gekoppelt sind und Besonderheiten bezüglich der Teilnehmer und Datenerhebungsverfahren. Letzteren möchte ich mich am Beispiel der Befragung im vierten Kapitel explizit widmen.

Die qualitative Erkenntnislehre wird durch drei Dimensionen[6] gekennzeichnet:

a.) Ontologie, welche das Verständnis der Realität wiedergibt
b.) Epistemologie, welche die zu behandelnden Fragen darstellt
c.) Methodologie, welche das Vorgehen bei der Beantwortung der

behandelnden Fragen beschreibt

Der qualitative Ansatz der Ontologie basiert auf der Annahme, dass jeder Mensch sich durch seine Erfahrungen mit dem Leben seine eigene, individuelle Realität erschafft. Diese Realität ist geprägt von einer persönlichen und internen Nachbildung der eigenen Erfahrungen, welche von Person zu Person anders sind und durch Interaktion mit anderen Menschen sozial gestaltet werden. Basierend darauf ergibt sich ein besonderes Menschenbild, welches Menschen nicht (länger) als »Objekte« versteht, welche passiv alles hinnehmen, was ihnen eine objektive, konstante und externe Wirklichkeit bietet. Die Menschen werden dadurch zu Akteuren, welche sich aktiv mit ihrer Außenwelt auseinandersetzen, um daraus eigene Schlussfolgerungen ableiten zu können; Sie bauen sich ihre eigene Realität auf, in die sich der Forscher versucht einzufühlen und die er versucht nach zu erleben. Die Epistemologie hingegen betont drei Fragestellungen: »Wie geben Menschen der Außenwelt Sinn?«, »Welche Folgen leiten Menschen aus ihren Nachbildungen der Realität für ihr Verhalten ab und wie geschieht dies?« und »Wie teilen sie ihre Sicht der Realität anderen Menschen mit?« Die Methodologie beantwortet diese drei gestellten Fragen durch eine systematische Beobachtung der Außenwelt und die Herausarbeitung von Schlussfolgerungen anhand von vier Schritten:

1.) Durch direkte Beobachtung bzw. aktive Befragung der Teilnehmer wird ein subjektives Bild der Situation wiedergegeben.
2.) Das Verhalten bzw. die Aussagen der Teilnehmer werden protokolliert.
3.) Die erstellten Protokolle werden interpretiert.
4.) Die Befunde werden durch eine Herausarbeitung von Bezügen verallgemeinert, was einer induktiven Methode der Erfahrungssammlung entspricht.

Qualitative Sozialforschung definiert sich an diesen Erkenntniszielen und Erkenntnisverfahren. Sie will soziale Realität erfassen, ohne deren Komplexität zu reduzieren. Durch Einzelfallstudien, welche nicht den zahlreichen Erhebungen mit einer Vielzahl von Untersuchungspersonen aus quantitativen Methoden entsprechen, wird man diesem Anspruch gerecht: Die Komplexität und Realität bleibt bestehen.[7]

Dies zeichnet auch den vermeintlich größten Vorteil der qualitativen Forschung – neben fehlenden Auswahlverfahren nach dem Zufallsprinzip sowie statistischen Methoden – aus: Der Mensch wird nicht als »Objekt« wahrgenommen, sondern als Partner des Forschers, weswegen er auch als »Teilnehmer« bezeichnet wird. Diese "Tugendhaftigkeit"[8], dieses Bild des Menschen und seiner Realität, zeichnet qualitative Forschung aus.

3. Verhältnis qualitativer vs. quantitativer Forschungsmethoden

Das Verhältnis qualitativer und quantitativer Forschungsansätze kann als komplementär bezeichnet werden. Beide Methoden der Erkenntnisgewinnung stellen keine rivalisierenden Herangehensweisen dar, obwohl deren Geschichte dem widerspricht. Sie ergänzen sich einander und dienen der selben Sache – dem Vergrößern des (eigenen) Erkenntnisstands. Dennoch herrscht bisweilen von qualitativer Seite ein Verhältnis zwischen beiden Ansätzen, welches Fuchs-Heinritz als ein "unsicheres, ein unnötig ehrfurchtvolles Verhältnis zur ungeliebten quantitativen Methodenlehre"[9] beschreibt.

Bevor ich im Anschluss beide Forschungsansätze anhand ihrer Untersuchungsanlagen gegenüberstelle, will ich mich nochmals auf die drei erkenntnistheoretischen Ansätze Ontologie, Epistemologie und Methodologie beziehen.[10] Das Realitätsverständnis der quantitativen Methoden ist dem Positivismus zugrunde gelegt. Dieser geht davon aus, dass als Quelle der wissenschaftlichen Erkenntnis nur Tatsachen zugelassen sind. Als Ideal dieser Erkenntnis gilt die in den Naturwissenschaften erstrebte und auf dem Experiment beruhende Feststellung von Gesetzmäßigkeiten in mathematischer Form, ihr Zielpunkt gipfelt in der Aufstellung von Theorien, Gesetzen und Hypothesen.[11] Die Prinzipien des Positivismus spiegeln sich demzufolge auch in den quantitativen Forschungsmethoden wieder: Sie definieren festumrissene Merkmale des Menschen, die bei allen Individuen zu finden sind welche auch alle einander ähnlich sind. Diese Merkmale besitzen lediglich eine unterschiedlich starke Ausprägung, welche für die Forscher durch diverse Messtechniken- und Verfahren messbar ist und numerisch ausgedrückt wird. Letztendlich versuchen Forscher damit, schon bestehende Gesetze auf neue Situationen zu übertragen und damit schlussfolgernd auf neue Erkenntnisse zu stoßen. Diese Erweiterung des Erkenntnisbereiches durch Ableitungen ist auch als deduktives Denken bekannt. Die Epistemologie der quantitativen Methoden beschäftigt sich im Vergleich zur qualitativen Forschung nicht mit den Fragen nach dem »Warum?« und dem »Wie?«, sondern hinterfragt z.B. durch »Wie viel?« nur numerisch beschreibbare Werte. Die Methodologie nimmt letztendlich den Ansatz des Realitätsverständnisses erneut auf, indem sie subjektive Faktoren, wie sie mit qualitativen Methoden erhoben werden, als potentielle Störgrößen für die statistische Analysen ihrer Verfahren darstellt. Sie ist nur an ihren numerischen Daten interessiert und nicht an dem Selbst- und Wirklichkeitsverständnis der Individuen, welches mittels qualitativer Verfahren authentisch und komplex erfasst werden kann. Doch die Unterschiede zwischen qualitativem und quantitativem Forschungsansatz sind nicht nur im erkenntnistheoretischen Bereich immens, sondern auch in der Gestaltung der Untersuchungsanlagen.[12] Eine jede Untersuchungsanlage besitzt sechs grundlegende Dimensionen, auf denen basierend sie ihre Daten erhebt und auswertet: - Design - Art von Daten

[...]


[1] Vgl. Mayring (2002), S. 12ff

[2] Vgl. Cropley (2002), S. 55

[3] Cropley (2002), S. 55

[4] Vgl. Heinze (2001), S. 27

[5] Vgl. Cropley (2002), S. 55

[6] Vgl. Cropley (2002), S. 37ff

[7] Vgl. Heinze (2001), S. 44f

[8] Cropley (2002), S. 41

[9] Fuchs-Heinritz (1993), zit. nach Heinze (2001), S. 29

[10] Vgl. Cropley (2002), S. 39f

[11] Vgl. Der Brockhaus multimedial 2002 premium, Stichwort »Positivismus«

[12] Vgl. Cropley (2002), S. 21ff

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Vergleich qualitativer und quantitativer Forschungsmethoden der Befragung
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
17
Katalognummer
V35987
ISBN (eBook)
9783638357425
ISBN (Buch)
9783638831406
Dateigröße
630 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vergleich, Forschungsmethoden, Beispiel, Befragung
Arbeit zitieren
Christian Kunze (Autor), 2004, Vergleich qualitativer und quantitativer Forschungsmethoden der Befragung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/35987

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