Lawrence Robert Klein - Biographie eines Nobelpreisträgers


Seminararbeit, 2004

16 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einführung

2. Lawrence Robert Klein – Biographie eines Nobelpreisträgers

3. Wichtige Tätigkeitsfelder des Lawrence R. Klein in der volkswirtschaftlichen Forschung
3.1 Kleins Sichtweise der General Theory
3.2 Das Klein - Goldberger Modell 1955
3.3 Ökonomische Szenarien für die 80er Jahre – der Ölpreis

4 Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Onlinequellen

1. Einführung

Die vorliegende Seminararbeit beschäftigt sich mit der Person und den wesentlichen Ideen des Nobelpreisträgers für Wirtschaftswissenschaften aus dem Jahre 1980 - Lawrence Robert Klein. Die Arbeit verfolgt das Ziel, den Lebenslauf des Ökonomen in ausführlicher Weise zu beschreiben, sowie einen Einblick in seine wissenschaftliche Arbeit im Bereich der ökonomischen Forschung und Modellbildung zu geben.

„For the creation of economic models and their application to the analysis of economic fluctuations and economic policies[1].“ So lautet die Begründung für die Verleihung des Nobelpreises im Jahre 1980 in einer kurzen griffigen Formel. Übersetzt bedeutet dies soviel wie: “Für die Konstruktion ökonometrischer Konjunkturmodelle und deren Verwendung bei Analysen der Wirtschaftspolitik“.

Klein begann seine herausragende Laufbahn im Jahre 1950, als er seine Versuche präsentierte, anhand verschiedener Modelle die Entwicklung der amerikanischen Wirtschaft zu untersuchen. Das von ihm geschaffene Wharton Modell genießt einen sehr guten Ruf und wird regelmäßig zu Voraussagen von Konjunkturschwankungen des Bruttosozialprodukts, des Exports, der Investitionen und des Konsums herangezogen. Das Ende der 60er Jahre gestartete LINK-Projekt bewog viele Länder zur Anwendung wirtschaftlicher Modelle zum Zwecke der Prognose und Analyse.[2] Auch bei der Entwicklung dieses Modells für die Analyse der weltwirtschaftlichen Entwicklungen hatte Klein eine zentrale Rolle inne. Dabei halfen ihm bei der Verknüpfung verschiedener Konjunkturmodelle zum einen sein herausragendes mathematisches Talent, zum anderen der relativ frühe Einsatz von computergestützten Verfahren.

Eine Skizzierung der für die ökonomische Forschung bedeutendsten Modelle sowie eine kurze Zusammenfassung der anhand dieser Modelle gewonnen Prognosen für die Weltwirtschaft am Übergang zur Jahrtausendwende soll in dieser Seminararbeit geben werden. Zunächst wird jedoch die Person Lawrence R. Klein anhand seiner Biographie vorgestellt.

Dabei wird näher auf seine wissenschaftliche Karriere, seine weiteren Interessens- und Forschungsgebiete, einen Teil seiner zahlreichen wissenschaftlichen Publikationen und Forschungsgruppen, in denen er mitwirkte, eingegangen.

2. Lawrence Robert Klein – die Biographie eines Nobelpreisträgers

Lawrence R. Klein wurde am 14. September des Jahres 1920 als zweites von drei Kindern in Omaha, im Bundesstaat Nebraska geboren. Seine Eltern, Leo Byron und Blanche Klein arbeiteten in einem Lebensmittelladen. Er besuchte in jungen Jahren die staatlichen Schulen in Omaha, wobei ihm, wie er selbst rückblickend sagt, die Ausbildung an der High School in den Grundfächern Mathematik, Englisch, Fremdsprachen und Geschichte später sehr zugute kam.[3] Kleins Kindheit und frühe Jugend waren geprägt von den Einflüssen der Weltwirtschaftskrise. Diese frühen Erfahrungen mit den Auswirkungen wirtschaftlicher Krisen legten bei ihm den Grundstein für ein tiefes Interesse an ökonomischen Fragen. Besonderes Augenmerk richtete er dabei auf Fragen nicht nur dieser Zeit, sondern vor allem Fragen und Probleme der darauf folgenden Epoche des zweiten Weltkriegs verbunden mit der sich anschließenden Neuordnung. Insbesondere seine Begeisterung für die höhere Mathematik ermutigte ihn zu theoretischen Studien der Wirtschaft. Im Jahre 1942, im Alter von 22 Jahren, beendete er sein Studium an der Berkeley Universität von Kalifornien. Im Grundstudium erweiterte er nach eigenen Angaben seine Fähigkeiten im Bereich der Mathematik und vor allem der Ökonomie. Die nächste Station seiner Ausbildung führte ihn nach Massachusetts, wo er am Institute of Technologie (MIT) unter Paul A. Samuelson, der sich selbst als einen der letzten Generalisten der Ökonomie[4] bezeichnete, studierte. Klein schloss sein Studium am MIT 1944 mit seiner Promotion zum Dr. phil. ab. Seine Doktorarbeit befasste sich intensiv mit den Theorien des Wirtschaftwissenschaftlers John Maynard Keynes (1883 – 1946). Sie diente auch 1947 als Grundlage für sein erstes Werk, das ihm internationale Annerkennung brachte; „The Keynesian Revolution“. Hier präsentiert er zum einen die Struktur der Keynesianischen Theorie auf sehr formale Weise, beschäftigt sich aber zum anderen auch mit Debatten zur „General Theory“ und deren Übertragbarkeit auf die Wirtschaft. Wie kein anderes seiner Werke zeigt „The Keynesian Revolution“ Kleins „dreifaches“ Interesse zum einen für die ökonomische Theorie, die ökonometrische Modellierung und als drittes deren Anwendung auf Probleme der Wirtschaftspolitik.[5] Die Arbeit unter Samuelson war eine der prägenden Stationen seiner Ausbildung.

Ein zweiter wichtiger Meilenstein war sein Beitritt zur Arbeitsgruppe für Ökonometrie der Cowles Commission an der Universität Chicago im Bundesstaat Illinois. Hier bekam er vom Vorsitzenden der Kommission, Jacob Marschak, die Aufgabe angetragen, Jan Tinbergens frühe Versuche an Modellkonstruktionen für die USA zu aktualisieren.[6] Im Kreise bekannter Wissenschaftler wie Trygve Haavelmo, Tjalling Koopmanns, Theodore Andersen, Leonid Hurwicz, Herman Rubin, Kenneth Arrow, Don Patkin, Herman Chernoff und Herbert Simon erstellte Klein sein erstes ökonometrisches Makromodell. Das Zusammentreffen mit diesen bekannten Ökonomen ermöglichte ihm einen tieferen Einstieg in die Volkswirtschaftstheorie und ließ ihn seine Kenntnisse bezüglich der Ökonometrie festigen (“At Chicago, I was in the midst of a veritable galaxy of stars […]“[7]). Hier nahm er erste theoretische Arbeiten in Angriff, die im Bereich statistischer Aggregationsverfahren und gesamtwirtschaftlicher Prognosen anzusiedeln sind. In diese Zeit fällt auch eine seiner frühen Prognosen, die eine leichte konjunkturelle Erholung nach dem Krieg vorhersagte. Im Gegensatz dazu ging die herrschende Meinung von einer allgemeinen Nachkriegsdepression der Wirtschaft aus.[8]

Im Verlauf seiner Arbeiten in der Cowles Commission lernte er seine zweite Frau Sonia Adelson kennen. Mit ihr zusammen verließ er 1947 die Vereinigten Staaten, um das Nachkriegseuropa zu bereisen. Im Kreise von Ragnar Frisch, Trygve Haavelmo und Jan Tinbergen - um nur die wichtigsten zu nennen - verbrachte er 1947/48 ein akademisches Jahr in Norwegen, Schweden und Mitteleuropa. Im Herbst des Jahres 1948 kehrte er nach Amerika zurück und arbeitete im Rahmen eines Stipendiums am National Bureau of Economic Research. Zu seinen Tätigkeitsbereichen gehörte die ökonometrische Analyse von Produktionsfunktionen. Um auf wesentlich detaillierteres Datenmaterial zugreifen zu können, wechselte er zur University of Michigan. In den Jahren 1949 – 1954 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter an dieser Universität. Eine Festanstellung wurde ihm aufgrund seiner ehemaligen Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei Amerikas (1946/47)[9] zur Zeit der politisch repressiven McCarthy Ära verwehrt. Zusammen mit seinem Studenten Arthur Goldberger entwickelte er in dieser Zeit das Klein-Goldberger Modell, dessen Grundideen von Jan Tinbergen stammten, und das später zum Michigan Modell weiterentwickelt wurde. Vermutlich waren es die oben genannten politischen Einengungen, die Klein 1954 nach England an die Oxford University gehen ließen. Hier lehrte und forschte er vier Jahre am statistischen Institut unter der Leitung von Frank Burchardt. Aus Untersuchungen zum Sparverhalten erstellte er in den folgenden Jahren ein Modell für Großbritannien bevor er schließlich 1958 nach Amerika zurückkehrte. Klein nahm den Ruf der University of Pennsylvania an und begann am dortigen Department of Economics eine Modellreihe, die später unter der Bezeichnung Wharton Modell bekannt und weiterentwickelt werden sollte. Das Modell betrachtet die Effekte steuerlicher Veränderungen, Veränderungen öffentlicher Ausgaben und Schwankungen des Ölpreises auf die Wirtschaft und lässt so relativ genaue Prognosen zu. Das Wharton Economic Forecasting Model wurde nach der gleichnamigen Business School an der Universität von Pennsylvania benannt und ist zum Standard -Tool für ökonomische Prognosen geworden[10]. Anfang der 60er Jahre unternahm Klein immer größere Anstrengungen, empirische Arbeiten für öffentliche und auch private Interessenten anzufertigen. Mit dem Verkauf seiner Prognosen gelang es ihm, die wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der University of Pennsylvania zu unterstützen. Diese kommerzielle Prognoseerstellung wurde sehr bald durch die von Klein gegründete Wharton Econometric Forecasting Associates - kurz WEFA - übernommen, die seit 2001 unter dem Namen „Global Insight“[11] bekannt ist.

Im Rahmen der Kooperation mit der Universität Osaka besuchte Klein 1960 zum ersten Mal Japan. Aus einer tiefen Begeisterung für das Land sowie den gesamten fernen Osten heraus und aus dem Bestreben, die Zusammenarbeit zu vertiefen, begründete er zusammen mit Michio Morishima und Shinichi Ichimura die Zeitschrift „International Economic Review“ als gemeinsames Organ der Universitäten von Osaka und Pennsylvania.

Zurück in Amerika brachte ihn seine Mitarbeit im Sozialwissenschaftlichen Forschungsbeirat über ein Jahrzehnt in Kontakt mit Prognose- und Wachstumsmodellen für die amerikanische Wirtschaft. Ende der 60er Jahre galt das Augenmerk des Forschungsbeirats dem so genannten LINK-Projekt, einem Welthandelsmodell, mit dessen Hilfe die internationalen Transportmechanismen untersucht werden sollten. An diesem Projekt von internationaler Dimension wirkte Klein in Zusammenarbeit mit Bert Hickmann, Rudolf Rhomberg und Aaron Gordon maßgeblich mit. Das LINK-Projekt hatte sich zum Ziel gesetzt, ein erstes globales Ökonomisches Modell der Weltwirtschaft zu entwickeln, indem es mehrere nationale Modelle miteinander verband. In den folgenden Jahren wurde es konsequent weiterentwickelt. Weitere Länder - darunter auch die zentralverwaltungswirtschaftlichen Staaten (so besonders die Sowjetunion) - wurden in das Modell integriert.

Bereits im Jahre 1976, noch vor der Wahl Jimmy Carters zum Präsidenten der Vereinigten Staaten, arbeitete Klein als Wirtschaftsberater in dessen “Task Force“ mit. Nur kurze Zeit nach der Ernennung Carters zum Präsidenten der Vereinigten Staaten legte Klein seine Arbeit in der öffentlichen Verwaltung nieder. Seine Rechtfertigung für diese Handlung lag in der Ansicht, dass man in der Regierung nur an nicht aktuellen Problemen arbeite (“In government you´re always working on yesterday´s problems“[12]).

Im Jahre 1977 übernahm er das Amt des Präsidenten der American Economic Association und der Econometric Society. Trotz dieser Vielzahl an politischen Aktivitäten ist er nach eigener Aussage der Faszination, die die Konfrontation der Wirtschaftstheorie (via Ökonometrie) mit den realwirtschaftlichen Problemen für ihn bedeutet, seit seinen Studententagen treu geblieben.[13]

Im Jahre 1980 erhielt Klein als bedeutendste Auszeichnung seiner Karriere den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften. ”Thanks to Klein´s contributions, the building of econometric models has attained widespread, not to say universal use […]“[14], so ließ die Schwedische Akademie über Klein verlautbaren. Weiter heißt es hier, dass seine Modelle über die ganze Welt verteilt zur Anwendung kommen. Dies geschehe nicht nur zu wissenschaftlichen Forschungszwecken, sondern auch im Bereich der öffentlichen Verwaltung und in Abteilungen international tätiger Konzerne. Nur wenige - wenn überhaupt ein Forscher auf dem Gebiet der Ökonometrie - haben vergleichbaren Erfolg und solche Auswirkung auf die Forschung gehabt wie Lawrence R. Klein.

[...]


[1] http://www.nobel.se/economics/ laureates/1980/

[2] Martin, Werner (Hrsg.): Verzeichnis der Nobelpreisträger: 1907 – 1987 mit Preisbegründungen. München [u.a.]: Saur, 1988, S. 353

[3] vgl.: Recktenwald, Horst Claus: Die Nobelpreisträger der ökonomischen Wissenschaft.
Düsseldorf: Verl. Wirtschaft und Finanzen, 1989, S. 682

[4] vgl.: Heuser, Jean Uwe: Die großen Ökonomen. 1994, S.254

[5] vgl.: Beaud, Michael: Economic Thought since Keynes, 1995, S. 298

[6] vgl.: Merseburg, Alexander: Wirtschaftwissenschaften Klein, Lawrence Robert. In: Harenberg: Lexikon der Nobelpreisträger. 1998, S. 511

[7] http://www.nobel.se/economics/laureates/1980/klein-autobio.html

[8] vgl.: http://www.wharton.upenn.edu/huntsmanhall: Internetauftritt der Penn University

[9] vgl.: Merseburg, Alexander: Wirtschaftwissenschaften Klein, Lawrence Robert. In: Harenberg: Lexikon der Nobelpreisträger. 1998, S. 511

[10] vgl.: http://boston.com/globe/search/stories/nobel/1980/ The Boston Globe Online;16.10.1980

[11] http://en.wikipedia.org : Wikipdia the free encyclopedia

[12] http://www.boston.com/globe/search/stories/nobel/1980/ ; The Boston Globe Online

[13] vgl.: Recktenwald, Horst Claus: Die Nobelpreisträger der ökonomischen Wissenschaft.
Düsseldorf: Verl. Wirtschaft und Finanzen, 1989 S. 686

[14] http://wharton.upenn.edu ; Internetseite der Wirtschaftwissenschaftlichen Fakultät der Universität Pennsylvania

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Lawrence Robert Klein - Biographie eines Nobelpreisträgers
Hochschule
Universität Osnabrück  (Wirtschaftspolitik)
Veranstaltung
A VWL Seminar
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
16
Katalognummer
V36035
ISBN (eBook)
9783638357876
Dateigröße
634 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Klein Goldberger Modell, Das Klein - Goldberger Modell, Kleins Sichtweise der General Theory, Entwicklung der WHARTON-Modelle
Schlagworte
Lawrence, Robert, Klein, Biographie, Nobelpreisträgers, Seminar
Arbeit zitieren
Thomas Witte (Autor), 2004, Lawrence Robert Klein - Biographie eines Nobelpreisträgers, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36035

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