I. Einleitung
Ah, Venedig! Eine herrliche Stadt!
Eine Stadt von unwiderstehlicher Anziehungskraft
für den Gebildeten, ihrer Geschichte sowohl wie ihrer
gegenwärtige Reize wegen!(1)
Italien ist seit jeher ein beliebtes Reiseziel. Werden früher Reisen in das Land der Antike unter dem Gesichtspunkt der Bildung, als sogenannte Bildungsreisen unternommen, so sind es heute wohl eher die Sonne und das Meer, die den Massentourismus blühen lassen.
Eine Reise nach Italien führte immer neben Rom, Florenz, Neapel auch nach Venedig.
Woher kommt die Anziehungskraft Venedigs? Was reizt Dichter wie George SAND und Alfred de MUSSET, Hippolyte TAINE, STENDHAL und Heinrich HEINE, oder Maler wie Claude MONET und William TURNER an dieser Stadt?
Ist es der Ausnahmecharakter der Serenissima, die einzigartige geographische Lage, auf Inseln erbaut, von Kanälen durchzogen oder vielleicht ihre politische Sonderstellung, die sie als Republik bis 1797 einnimmt?
Hat die Besetzung Österreichs und mit ihr der Zerfall der Republik auf die Lagunenstadt und das Venedigbild in der Reiseliteratur einen Einfluß?
Sind dies Voraussetzungen zur Entstehung des Mythos der versunkenen Stadt?
[...]
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(1) MANN, Thomas: Tod in Venedig. In: Sämtliche Erzählungen. In zwei Bänden. Bd. I. Frankfurt am Main 41967, S. 451
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
I. Einleitung
II. Zur Geschichte des Reisens und der Stadt Venedig
1. Die Geschichte des Reisens
1.1 Einführung
1.2 Reiseliteratur als literarische Gattung
1.3 Die Italienreise
2. Venedigs literarische Entwicklung
2.1 Venedigbilder im Spiegel der Geschichte
2.2 Die versunkene Stadt im Zeitalter der Romantik
III. Venedig im Spiegel der Literatur
1. Vor dem Zerfall der Republik
1.1 Charles de BROSSES
1.1.1 Einleitung
1.1.2 Zur Biographie
1.1.3 Publikationsgeschichte
1.1.4 "Des Präsidenten DE BROSSES vertrauliche Briefe aus Italien an seine Freunde in Dijon 1739-1740"
1.2 Johann Caspar GOETHE
1.2.1 Einleitung
1.2.2 "Reise durch Italien im Jahre 1740"
1.3 Johann Wolfgang GOETHE
1.3.1 Einleitung
1.3.2 Anlaß und Zweck der Reise
1.3.3 Publikationsgeschichte
1.3.4 "Italienische Reise"
2. Nach dem Zerfall der Republik
2.1 Madame de STAËL
2.1.1 Einleitung
2.1.2 Zur Biographie
2.1.3 "Corinna oder Italien"
2.2 Lord BYRON
2.2.1 Einleitung
2.2.2 Zur Person
2.2.3 "Childe Harolds Pilgerfahrt"
IV. Zusammenfassung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Wandel der Venedigdarstellung in der europäischen Reiseliteratur zwischen dem 18. und 19. Jahrhundert, mit einem besonderen Fokus darauf, ob der historische Zerfall der Republik im Jahr 1797 zu einer signifikanten Veränderung der Wahrnehmung und literarischen Verarbeitung der Stadt geführt hat.
- Historische Entwicklung der Gattung Reiseliteratur
- Die literarische Entwicklung Venedigs im Kontext politischer Veränderungen
- Vergleichende Analyse von Reiseberichten europäischer Autoren
- Einfluss des 1797-Zäsurs auf den Mythos der "versunkenen Stadt"
- Die Rolle des "Gondelmotivs" und des "Volksgesangs" als symbolische Leitfäden
Auszug aus dem Buch
Die versunkene Stadt im Zeitalter der Romantik
Mit dem Einzug der Truppen NAPOLEONS am 12. Mai 1797 nimmt die tausendjährige Geschichte der freien und mächtigen Seerepublik ihr Ende. Für die Venedigliteratur beginnt eine neue Ära. "Neben das malerische Venedig tritt dann auch das Venedig der Stille, der Vergangenheit, der Abgestorbenheit und des Todes." Venedig wird zur romantischen Ruine, zur toten Stadt, zerfällt in Dekadenz und wird, neben Städten wie Brügge, Toledo oder Perle, ein Paradigma der Fin-de-siècle-Literatur.
Der Mythos der versunkenen Stadt wird geboren. Venedig wird zur Kulisse. Die Stadt bleibt in ihrem äußeren Erscheinungsbild zwar weitgehend erhalten, der Glanz geht ihr aber verloren. Die einst prachtvollen und repräsentativen Paläste der nobili sind jetzt nur noch leere Bauten, ohne Bedeutung. Venedig gerät in eine Identitätskrise. "Aus dem Bewußtsein eines Mangels entwickelt sich eine Poetik der Reflexion auf das Verlorene; das Fehlende wird nun zum Anstoß und Anreiz der Phantasie."
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage ein und erläutert das Ziel der Arbeit, den Wandel des Venedigbildes vor und nach 1797 zu analysieren.
II. Zur Geschichte des Reisens und der Stadt Venedig: Das Kapitel bietet einen historischen Überblick über die Reisetraditionen von der Antike bis zur Kavalierstour und die politische Entwicklung Venedigs.
III. Venedig im Spiegel der Literatur: Dieser Hauptteil analysiert Werke ausgewählter Autoren wie Brosses, Goethe, Madame de Staël und Lord Byron hinsichtlich ihrer spezifischen Venedigdarstellung.
IV. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Ergebnisse, die den direkten Zusammenhang zwischen dem politischen Niedergang der Stadt und dem Wandel in ihrer literarischen Rezeption aufzeigt.
Schlüsselwörter
Venedig, Reiseliteratur, 1797, Republik Venedig, Italienreise, Romantik, Mythos, Gondelmotiv, Volksgesang, Grand Tour, Charles de Brosses, Johann Wolfgang Goethe, Madame de Staël, Lord Byron, Literaturwissenschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Magisterarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Wandel der literarischen Darstellung Venedigs in europäischen Reiseberichten zwischen dem 18. und 19. Jahrhundert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Mittelpunkt stehen die Gattungsgeschichte der Reiseliteratur, der Einfluss des politischen Untergangs der Republik 1797 und die Entwicklung des Venedig-Mythos.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu belegen, inwiefern der historische Einschnitt von 1797 das Venedigbild von einer lebendigen Handelsmacht hin zu einer melancholischen, romantischen "toten Stadt" transformierte.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die historisches Kontextwissen mit der textnahen Interpretation primärer Reiseberichte kombiniert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Werke aus der Zeit vor 1797 (Brosses, Goethe) und nach 1797 (Madame de Staël, Byron), wobei deren individuelle Wahrnehmung der Stadt detailliert beleuchtet wird.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind Venedig, Reiseliteratur, 1797, Romantik, Gondelmotiv und Volksgesang.
Wie verändert sich das Gondelmotiv im Laufe der untersuchten Epochen?
Während die Gondel bei Brosses als Ort der Lebensfreude und Liebeshändel dient, wird sie bei späteren Autoren wie Byron zunehmend mit Tod, Trauer und Abschied assoziiert.
Warum spielt das Jahr 1797 eine so entscheidende Rolle für die Autoren?
Dieses Jahr markiert den Verlust der Unabhängigkeit Venedigs; für die literarische Darstellung wird dies zur Zäsur, die den Übergang von aufklärerischer Beobachtung zu romantischer Melancholie einleitet.
- Arbeit zitieren
- Susann Hahnert (Autor:in), 2002, Venedig in der europäischen Reiseliteratur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36080