Im Jahre 1994 trat das Gesetz zur Deregulierung des Aktienrechts in Kraft. Der Grund hierfür war, dass der Gesetzgeber erkannt hatte, dass das Aktienrecht mit seiner besonderen Formstrenge besonders für kleinere und mittlere Unternehmen schwer anzuwenden war. Die Gesellschaftsform der Aktiengesellschaft bot damit wenig Anreiz. Der Erfolg durch die Liberalisierung des Aktienrechts war zunächst sehr überschaubar, gipfelte jedoch mit dem Börsengang der Deutschen Telekom AG und der Einführung des „Neuen Marktes“ in einem Höhepunkt, der zu einem Ansturm auf die Rechtsform der Aktiengesellschaft führte, welcher bis ins Jahr 2001 nicht abebben wollte. Ein Jahr zuvor kam es jedoch zu einem allgemeinen Abwärtstrend der Weltbörsen, der in seiner Dimension die gerade erlebte Hausse sogar noch überflügelte. Dem Platzen der “New Economy Blase“ fiel u. a. der Neue Markt zum Opfer, der, nachdem er unter seinen Ausgangswert fiel, von der Deutschen Börse AG abgeschafft und ersetzt wurde. Die einst gefeierten Lenker der New Economy standen schon bald als inkompetente Manager mit unterentwickelten Geschäftsmodellen am Pranger und wurden oftmals noch strafrechtlich verfolgt. Es kam zu einschneidenden Kurseinbrüchen in allen Börsensegmenten und einem Erliegen der Neuemissionen im Jahr 2003. Es stellt sich die berechtigte Frage, inwiefern ein Börsengang in einem solchen Umfeld überhaupt Sinn macht und ob sich die Rahmenbedingungen seitdem verändert haben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Aufbau der Arbeit
2. Rückblick und terminologische Grundlagen
2.1 Rückblick auf das deutsche Aktienumfeld
2.2 Zum Begriff des Going Public
3. Grundüberlegungen zum Going Public
3.1 Entscheidung für einen Going Public
3.1.1 Motive für einen Going Public
3.1.2 Motive gegen einen Going Public
3.1.3 Die Kosten eines Börsengangs und einer Börsenpräsenz
3.1.3.1 Vorbereitungskosten
3.1.3.2 Börseneinführungskosten
3.1.3.3 Laufende Kosten einer Börsenpräsenz
3.1.4 Die Kapitalerhöhung
3.1.4.1 Die Kapitalerhöhung gegen Einlagen
3.1.4.2 Die bedingte Kapitalerhöhung
3.1.4.3 Die genehmigte Kapitalerhöhung
3.1.4.4 Die Kapitalerhöhung aus Gesellschaftsmitteln
3.2 Börsenreife eines Unternehmens
4. Vorbereitungen eines Going Public
4.1 Geeignete Rechtsformen
4.1.1 Die Rechtsform der KGaA
4.1.2 Die Rechtsform der GmbH & Co. KGaA
4.1.3 Die Rechtsform der AG
4.2 Errichtung einer Aktiengesellschaft
4.2.1 Errichtung durch Gründung
4.2.2 Errichtung durch Umwandlung
4.3 Erscheinungsformen von Aktien
5. Durchführung des Going Public
5.1 Die Emissionsbegleiter
5.2 Die Kommunikation im Rahmen der Börseneinführung
5.2.1 Die Kommunikationsstrategie
5.2.2 Publikationen
5.2.2.1 Freiwillige Publikationen
5.2.2.2 Pflichtpublikationen
5.3 Die Emissionspreisfindung
5.3.1 Bedeutung und Vorarbeit der Emissionspreisfindung
5.3.2 Absolute Bewertungsverfahren
5.3.3 Relative Bewertungsverfahren
5.3.4 Der Preisfindungsmechanismus
5.4 Die Wahl des IPO Zeitpunktes
5.5 Platzierungsmöglichkeiten von Aktien
5.5.1 Amtlicher Markt
5.5.2 Geregelter Markt
5.5.3 Freiverkehr
5.6 Möglichkeiten bei einer Überzeichnung
6. Der Ablauf des Börsengangs der EM.TV&MERCHANDISING AG
6.1 Die vorbörsliche Unternehmensentwicklung
6.2 Die Entscheidung zum Börsengang
6.3 Die Wahl des Marktsegmentes
6.4 Aktienausgestaltung und Kapitalmaßnahmen
6.5 Die Kommunikationsstrategie
6.6 Der Zeitplan des Going Public
6.7 Die ersten sechs Jahre nach dem Börsengang
6.8 Betrachtung des Aktienkursverlaufs
7. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Börsengang (Going Public) von Unternehmen im Kontext der aktuellen wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen in Deutschland. Dabei wird analysiert, welche Motive, Anforderungen und Risiken mit einem Börsengang verbunden sind und wie dieser Prozess methodisch strukturiert ist, veranschaulicht durch den praktischen Fall der EM.TV & MERCHANDISING AG.
- Grundlagen und Definitionen des Going Public
- Kostenstrukturen und Vorbereitungsmaßnahmen
- Rechtsformen für börsennotierte Unternehmen
- Methoden der Emissionspreisfindung
- Kommunikationsstrategien im IPO-Prozess
Auszug aus dem Buch
Die Rechtsform der KGaA
Die KGaA ist eine Mischform aus Kapital- und Personengesellschaft bei der mindestens ein Gesellschafter unbeschränkt (Komplementär) haftet. Die restlichen Beteiligten an dem in Aktien zerlegten Grundkapital kommen nicht persönlich für die Verbindlichkeiten der Gesellschaft auf (Kommandit-Aktionäre). Als juristische Person steht die KGaA der AG näher als der KG. Das Rechtsverhältnis der KGaA ist im Aktiengesetz geregelt (§§ 278 – 280 AktG) und basiert auf dem Recht der AG sowie der KG. Die Komplementäre übernehmen nahezu vollständig die Funktionen des Vorstandes, den es bei einer KGaA, im Sinne eines Vorstandes wie bei einer AG, nicht gibt (§§ 283 AktG – Persönlich haftende Gesellschafter, 408 AktG – Strafbarkeit persönlich haftender Gesellschafter einer Kommanditgesellschaft auf Aktien).
Dem Komplementär kommt innerhalb der Geschäftsführung und Gesellschaftsvertretung eine souveräne Position zu, die im Einklang mit dem Personengesellschaftsrecht weiter ausgebaut werden kann. Die Möglichkeit Eigenkapital durch die Aufnahme neuer Kommandit-Aktionäre zu beschaffen, ohne den Einflussbereich des Komplementärs zu beschränken, spricht für die Wahl der Rechtsform der KGaA. Vergleicht man die Stellung des Aufsichtsrates einer KGaA und einer AG miteinander, so fällt auf, dass dieser innerhalb einer KGaA keine Geschäftsführungskompetenz (wie sonst gemäß § 77 Abs. 2 AktG - Geschäftsführung), keine Personalkompetenz (wie sonst gemäß §§ 84 ff AktG – Bestellung und Abberufung des Vorstands), keine Zustimmungskompetenz bezüglich bestimmter Geschäftsführungsmaßnahmen (wie sonst gemäß § 111 Abs. 4 Satz 2 AktG – Aufgaben und Rechte des Aufsichtsrats) und auch keine Bilanzfeststellungskompetenz, da diese nach § 286 Abs. 1 AktG (-Jahresabschluss. Lagebericht) der Hauptversammlung zusteht, besitzt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung thematisiert die Herausforderungen für deutsche Unternehmen bei der Kapitalbeschaffung und stellt die Relevanz des Börsengangs im Kontext der Globalisierung dar.
2. Rückblick und terminologische Grundlagen: Dieses Kapitel gibt einen historischen Rückblick auf das deutsche Aktienumfeld und definiert den Begriff des Going Public.
3. Grundüberlegungen zum Going Public: Hier werden die Motive für und gegen einen Börsengang sowie die Kostenstruktur und Formen der Kapitalerhöhung detailliert analysiert.
4. Vorbereitungen eines Going Public: Dieser Teil behandelt die Wahl der Rechtsform, die Errichtung einer Aktiengesellschaft und die verschiedenen Erscheinungsformen von Aktien.
5. Durchführung des Going Public: Das Kapitel erläutert den praktischen Prozess, von der Auswahl der Emissionsbegleiter über die Kommunikation bis hin zur Preisfindung und Platzierung der Aktien.
6. Der Ablauf des Börsengangs der EM.TV & MERCHANDISING AG: Hier wird der konkrete Börsengang der EM.TV exemplarisch nachvollzogen, um Aufstieg und Fall der New Economy zu illustrieren.
7. Schlussbetrachtung: Dieses Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und beleuchtet die Zukunftsfähigkeit des Börsengangs als Finanzierungsform für den deutschen Mittelstand.
Schlüsselwörter
Börsengang, Going Public, Initial Public Offering, IPO, Aktiengesellschaft, AG, KGaA, Eigenkapital, Emissionspreisfindung, Emissionsbegleiter, Bookbuilding, Due Diligence, Börsenreife, Kapitalerhöhung, Investor Relations
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Anforderungen und Möglichkeiten eines Börsengangs für deutsche Unternehmen und beleuchtet dabei sowohl die theoretischen Grundlagen als auch die praktische Umsetzung.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Entscheidungsmotive für einen Börsengang, die Kostenstruktur einer Börsenpräsenz, die Wahl der Rechtsform, die verschiedenen Bewertungsverfahren und der Ablauf eines IPOs.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, dem Leser die komplexen Anforderungen an ein Unternehmen auf dem Weg zur Börse zu vermitteln und die Vor- und Nachteile sowie die Risiken eines Going Public aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor stützt sich auf eine Literaturanalyse sowie auf die fallstudienartige Untersuchung des IPOs der EM.TV & MERCHANDISING AG.
Was wird im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorbereitung eines Börsengangs (Rechtsformen, Errichtung) und die konkrete Durchführung (Emissionsbegleiter, Kommunikation, Preisfindung).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Going Public, Initial Public Offering (IPO), Aktiengesellschaft, Emissionspreisfindung, Due Diligence und Kapitalerhöhung charakterisiert.
Wie bewertet der Autor die Rolle des Managements bei einem Börsengang?
Der Autor betont, dass die Qualität des Managements ein entscheidender Indikator für die Börsenreife ist, da Fachkenntnisse, Seriosität und die Fähigkeit zur Überzeugung für den Erfolg des IPOs essenziell sind.
Welche Besonderheiten weist der Börsengang der EM.TV & MERCHANDISING AG auf?
Der Fall EM.TV dient als exemplarisches Beispiel für den Aufstieg und Fall der New Economy, wobei der Autor besonders den Zeitdruck, die Kommunikationsstrategie und die anschließenden Finanzskandale analysiert.
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- Andreas Reschke (Autor), 2005, Der Ablauf eines Going Public im Kontext seiner Anforderungen und Möglichkeiten, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36099