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Postkoloniale Blicke auf das Werk von Rudolfo Anaya: Protagonisten im Spannungsfeld zwischen Kulturen

Titel: Postkoloniale Blicke auf das Werk von Rudolfo Anaya: Protagonisten im Spannungsfeld zwischen Kulturen

Examensarbeit , 2004 , 77 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Claudia Haase (Autor:in)

Amerikanistik - Literatur
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

1. Einleitung

Wir befinden uns heute in einer Welt der zunehmenden intra- und interkulturellen Vernetzungen. Dies bedeutet, dass eine individuelle Identifikation mit verschiedensten Einflüssen stattfindet und auch die Mainstream- Kultur als solche nicht mehr in "reiner Form" zu existieren scheint. Für die Literaturwissenschaft stellt sich hier die Frage nach neuen theoretischen Ansätzen, um die Vielfalt kultureller Einflüsse, aber auch um anhand von literarischen Repräsentationsfiguren die sich daraus ergebenden Spannungsfelder und Entwicklungsspielräume zu beleuchten. Die vorliegende Arbeit soll dazu dienen, einen "postkolonialen" Blickwinkel auf die im Werk von Rudolfo Anaya beschriebene Welt der Chicanos anzuwenden. Der Gegenstand der Untersuchung, Anayas Romantrilogie, umfasst die Werke Bless me, Ultima (1972), Heart of Aztlán (1976) und Tortuga (1979). Anhand der vorliegenden Arbeit soll, mittels Textanalysen vor dem Hintergrund der Theorien von Clifford, Anzaldúa und Bhabha der Blick weggelenkt werden vom kolonialen Diskurs, der traditionelles Denken in (meist in asymmetrischen Beziehungen zueinander stehenden) Dichotomien, wie farbig- weiss, Zentrum- Peripherie, reich- arm bedeutet, hin zu einem erweiterten Blickwinkel, der neue Spannungsfelder und Entwicklungsspielräume gestattet.
[...]

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Aufbau und Zielsetzung der Arbeit

1.2 Einordnung des Autors in den historischen Zusammenhang

1.3 Terminologische Bemerkungen zum "Chicano Movement"

2. Theoretische und definitorische Prämissen

2.1 Was bedeutet "postkolonial"?

2.2 James Clifford: Traveling Cultures - das Selbst als Reise(nder)

2.3 Gloria Anzaldúa: Borderlands - der Kultur- Raum der Grenze

2.4 Homi Bhabha: The Location of Culture: Kulturelle Hybridisierung als Aufbruch in die Zukunft

2.5 Zusammenfassung: Literarische Anwendungsmöglichkeiten der Begrifflichkeiten

3. Postkoloniale Blicke auf das Werk von Rudolfo Anaya

3.1 Bless me, Ultima

3.1.1 Die Figur Antonio und ihr Selbstfindungsprozess

3.1.2 Die Familie Márez und die Familie Luna - Gegensätze vereinigen sich

3.1.3 Die Titelfigur Ultima: Heilerin und Wegweiser

3.1.4 Zwischenfazit

3.2 Heart of Aztlán

3.2.1 Clemente Chávez - der gebrochene Held

3.2.2 Jason - Bindeglied der Trilogie

3.2.3 Zwischenfazit

3.3 Tortuga

3.3.1 Tortuga: Heilung aus der Erstarrung

3.3.2 Salomón - der Mythenerzähler

3.3.3 Zwischenfazit

4. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht Rudolfo Anayas Romantrilogie unter einem postkolonialen Blickwinkel, um kulturelle Spannungsfelder und Emanzipationsmöglichkeiten der Protagonisten aufzuzeigen. Dabei wird erforscht, ob die Figuren an kolonialen Dichotomien festhalten oder hybride Identitäten entwickeln, die einen Aufbruch in eine neue, nicht-lineare Zukunft ermöglichen.

  • Anwendung postkolonialer Theorien (Clifford, Anzaldúa, Bhabha) auf das Werk von Rudolfo Anaya.
  • Analyse der Romantrilogie "Bless me, Ultima", "Heart of Aztlán" und "Tortuga".
  • Untersuchung von Identitätsbildungsprozessen im Spannungsfeld zwischen Kulturen.
  • Reflektion der Rolle von Raum, Grenze und kultureller Hybridisierung.
  • Kritische Auseinandersetzung mit der literarischen Überwindung kolonialer Diskursmuster.

Auszug aus dem Buch

Die Figur Antonio und ihr Selbstfindungsprozess

Die Geschichte beginnt, als Ultima in Antonios Familie eintritt. Antonio ist zu diesem Zeitpunkt sechs Jahre alt. Er ist es, der retrospektiv seine Erfahrungen wiedergibt, wobei die Perspektive eines Erwachsenen mit der eines Jungen alterniert. Mann könnte fast meinen, es fände im Erzählvorgang eine Regression statt, da beide Ebenen nicht klar voneinander getrennt werden.

Let me begin at the beginning. I do not mean the beginning that was in my dreams and the stories they whispered to me about my birth, and the people of my father and mother, and my three brothers - but the beginning that came with Ultima. (BU 1)

In dem Herbst, in dem Ultima kommt, soll er eingeschult werden, also aus der Sicherheitszone seiner Familie heraustreten und in die soziale Gemeinschaft des Ortes Guadalupe eingeführt werden. "This fall I would be going to school. My heart sank. When I thought of leaving my mother and going to school a warm, sick feeling came to my stomach." (BU 7)

Bis zu diesem Zeitpunkt war Antonio nur der spanischen Sprache mächtig. "[...], and I myself understood only Spanish. It was only after one went to school that one learned English." (BU 10)

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die postkoloniale Fragestellung und den Gegenstand der Untersuchung, die Romantrilogie von Rudolfo Anaya.

2. Theoretische und definitorische Prämissen: Erläuterung der verwendeten kulturtheoretischen Ansätze von Clifford, Anzaldúa und Bhabha als Analysewerkzeuge.

3. Postkoloniale Blicke auf das Werk von Rudolfo Anaya: Hauptteil der Arbeit, der die Romane anhand der theoretischen Prämissen detailliert analysiert.

4. Zusammenfassung: Synthetische Gesamtschau der Analyseergebnisse und Reflexion der postkolonialen Entwicklungstendenzen in den Werken.

Schlüsselwörter

Postkolonialismus, Rudolfo Anaya, Chicano-Literatur, Hybridität, Identität, Borderlands, Magischer Realismus, Transkulturalität, Emanzipation, Kulturtheorie, Migrationserfahrung, Grenzerfahrung, Subjektivität, Repräsentation, Aztlán.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es grundsätzlich in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit untersucht Rudolfo Anayas Romantrilogie aus einer postkolonialen Perspektive, um zu analysieren, wie sich die Protagonisten in einem kulturellen Spannungsfeld positionieren.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zu den zentralen Themen gehören die Auseinandersetzung mit Identitätsfindung, kultureller Hybridität, dem Konzept von Grenzen sowie die Überwindung kolonialer Denkmuster.

Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?

Ziel ist es, den "postkolonialen" Blickwinkel auf die Welt der Chicanos anzuwenden und aufzuzeigen, ob die literarischen Figuren sich aus kolonialen Dichotomien emanzipieren können.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?

Es werden kulturtheoretische Ansätze von James Clifford, Gloria Anzaldúa und Homi Bhabha als theoretischer Hintergrund für detaillierte Textanalysen der drei Romane herangezogen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil widmet sich der Anwendung der Kulturtheorien auf die Romane "Bless me, Ultima", "Heart of Aztlán" und "Tortuga" durch eine Analyse der zentralen Protagonisten und ihrer Entwicklungsräume.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Postkolonialismus, Chicano-Literatur, Hybridität, Identität, Borderlands und Magischer Realismus charakterisiert.

Wie spielt der "Magische Realismus" in der Analyse eine Rolle?

Er dient als Bindeglied zwischen Äußerem und Innerem der Protagonisten und als Verbindung zu mythischen bzw. kollektiven Unbewussten, was besonders bei Clemente und Tortuga hervorgehoben wird.

Welche Rolle spielen die weiblichen Figuren in der Arbeit?

Die Arbeit kritisiert, dass weibliche Rollenmodelle bei Anaya im Vergleich zu männlichen als weniger modern eingestuft werden, da sie primär als Vermittlerinnen von Traditionen oder Helferinnen fokussiert bleiben.

Warum ist das "Borderlands"-Konzept von Anzaldúa für den Protagonisten Antonio wichtig?

Es bietet Antonio einen Raum, um seine Zerrissenheit zwischen christlicher Erziehung und heidnischer Naturerfahrung produktiv zu integrieren und einen eigenen, hybriden Weg zu finden.

Ende der Leseprobe aus 77 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Postkoloniale Blicke auf das Werk von Rudolfo Anaya: Protagonisten im Spannungsfeld zwischen Kulturen
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf  (Anglistisches Institut, Abteilung für Amerika- Studien, Lehrstuhl II)
Note
1,3
Autor
Claudia Haase (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2004
Seiten
77
Katalognummer
V36171
ISBN (eBook)
9783638358644
ISBN (Buch)
9783640871032
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Postkoloniale Blicke Werk Rudolfo Anaya Protagonisten Spannungsfeld Kulturen
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Claudia Haase (Autor:in), 2004, Postkoloniale Blicke auf das Werk von Rudolfo Anaya: Protagonisten im Spannungsfeld zwischen Kulturen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36171
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  77  Seiten
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