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Robert Walser "Kleist in Thun" im Übersetzungsvergleich

Title: Robert Walser "Kleist in Thun" im Übersetzungsvergleich

Term Paper (Advanced seminar) , 2005 , 31 Pages , Grade: angenommen, gute Arbeit

Autor:in: Yvonne Luterbach (Author)

Interpreting / Translating
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Das Fremde bei Walsers Kleist in Thun

Walsers Kleist in Thun kann dem Leser bei einem ersten und oberflächlichen Lesen als eine Teilbiographie Kleists erscheinen. Tatsächlich gleicht Walsers Kleist-Figur dem historischen Kleist. Walser baut die biographischen Einzelheiten von Kleists Aufenthalt in Thun und wenige Briefzitate nur in verfremdeter Form in seinen Text ein. Die grosse Distanz des Erzählers zu Kleist am Anfang und am Ende der Prosa ist durch den zeitlichen Abstand, aber auch gesellschaftlich abgegrenzt, der Erzähler ist Aktienbierbrauereiangestellter und Kleist ist Schriftsteller aus einem gehobenen Bürgertum. Beides hebt trotz der zeitweiligen Quasi- Verschmelzung von Erzähler, Kleist und Walser selbst, die Fremdartigkeit des Textes hervor.

Im literarischen Diskurs wurde versucht, den Fremdheitscharakter des Kleist in Thun genauer zu analysieren, was dazu führte, dass verschiedene Theorien dazu entwickelt wurden. Aber gerade in Kleist in Thun kann diese Fremdheit, die den Text prägt, nicht eindeutig auf den Punkt gebracht werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. EINFÜHRUNG

1.1 DAS FREMDE BEI WALSERS KLEIST IN THUN

1.2 MEINE ARBEITSHYPOTHESE

1.3 EINGRENZUNG DES THEMAS

2. ROBERT WALSERS LEBEN

3. ZUR GESCHICHTE DES PROSASTÜCKS KLEIST IN THUN

3.1 WALSERS BEZIEHUNG ZU KLEIST

3.2 WALSERS MOTIVATION ZU KLEIST IN THUN

3.3 GESCHICHTE DER ÜBERSETZUNGEN

4. VERGLEICH DER ÜBERSETZUNGEN MIT DEM ORIGINAL

4.1 SPRACHLICHE EBENE

4.2 RHYTHMUS

4.3 PERSPEKTIVENFÜHRUNG

4.4 DIALEKT

4.5 FIGUR KLEIST

5. SCHLUSSFOLGERUNGEN

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht anhand von fünf französischen Übersetzungen des Prosastücks "Kleist in Thun", wie das im Ausgangstext verankerte "Fremde" in der Zielsprache interpretiert und transformiert wird. Die zentrale Forschungsfrage lautet, inwiefern der ursprüngliche Fremdcharakter der Erzählung und der Kleist-Figur durch den Prozess des Übersetzens sowie die damit verbundene Distanz verloren geht oder in "Dunkelzonen" der Sprache neu verhandelt wird.

  • Analyse der sprachlichen Transformationen (Neologismen, Dialekt)
  • Untersuchung der rhythmischen Struktur und deren Verlust im Zieltext
  • Vergleich der Perspektivenführung in Bezug auf Kleists Fremderfahrung
  • Erkenntnisgewinn durch den Übersetzungsvergleich als "Dunkelzone des Fremden"

Auszug aus dem Buch

4.1 Sprachliche Ebene

Es handelt sich hier um Dialekteinschübe, spielerische Wortschöpfungen und Neologismen. Es sind im Deutschen transparente Ausdrücke, die aber in der Zielsprache oft in ihre Einzelelemente zerlegt werden und dadurch einen rein formal-inhaltlichen Charakter erhalten.

Wortkompositionen solcher Art, haben zur Folge, dass der Leser quasi über diese Stellen stolpert und nicht einfach darüber hinweg lesen kann. Sie erwecken beim Lesen eine gewisse Lebendigkeit, bringen aber anderseits auch den Erzählfluss ins Stocken. Aber gerade solche Zusammengeschobenheiten und Ausdrücke der Kunstsprache Walsers haben den Übersetzern einiges Kopfzerbrechen bereitet, da sich in der Zielsprache kein Äquivalent dafür finden lässt.

Walser: „Darauf wird jemand die Treppen des Hauses herunterzueidechseln gekommen sein, um zu sehen, wer da sei.“

Dune: „Sur cela quelqu’un de vif comme un lézard a dû descendre l’escalier pour voir qui était là.“

Leuba: „Et puis quelqu’un se sera coulé comme un lézard dans l’escalier de la maison pour voir qui était là. “

Jackson: „Là-dessus, quelqu’un a dû se glisser au bas de l’escalier à la manière d’un lézard pour voir qui était là. “

Schneider: „Alors, une personne aux pas de lézard aura descendu l’escalier de la maison, pour voir qui était là. “

Launay: „Là-dessus quelqu’un aura descendu, en prenant tout son temps, l’escalier de la maison, pour voir qui est là.“

Wortkompositionen wie herunterzueidechseln finden sich in Walsers Werken immer wieder. Das Wortgebilde herunterzueidechseln, wird von den Übersetzern bei der Übertragung ins Französische in seine Einzelteile zerlegt. Vier der fünf Übersetzer gehen einen Kompromiss ein, indem sie den bildlichen und substantiven Anteil des Wortes, „die Eidechse“ erhalten und den dynamischen Ansatz beschreiben.

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINFÜHRUNG: Die Einleitung definiert das Fremde in Walsers Text als schwer greifbares Phänomen und stellt die Hypothese auf, dass Übersetzungen eine Form des Fremdverstehens darstellen, die das Original interpretiert.

2. ROBERT WALSERS LEBEN: Dieses Kapitel gibt einen biografischen Abriss über Robert Walser und zeigt die Parallelen zwischen dessen Leben und der Entstehung sowie Rezeption seiner Werke auf.

3. ZUR GESCHICHTE DES PROSASTÜCKS KLEIST IN THUN: Es wird die besondere Beziehung Walsers zu Kleist beleuchtet und die Historie der französischen Übersetzungen von 1963 bis 1999 nachgezeichnet.

4. VERGLEICH DER ÜBERSETZUNGEN MIT DEM ORIGINAL: Der Hauptteil analysiert detailliert, wie sprachliche Eigenheiten, Rhythmus, Perspektive, Dialekt und die Kleist-Figur in den Zieltexten verändert oder "geklärt" wurden.

5. SCHLUSSFOLGERUNGEN: Das Fazit resümiert, dass die Übersetzungen das "Fremde" des Originals durch Interpretation zugänglicher machen, wobei das Werk zwar an seiner ursprünglichen Befremdlichkeit einbüßt, aber neue Lesarten ermöglicht.

Schlüsselwörter

Robert Walser, Kleist in Thun, Übersetzungswissenschaft, Fremdheit, Alterität, Sprachvergleich, Neologismen, literarische Perspektive, Rhythmus, Textanalyse, Kleist, Interkulturalität, Literaturübersetzung, Deutsch-Französisch.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie verschiedene französische Übersetzungen den fremden Charakter von Robert Walsers Prosastück "Kleist in Thun" beeinflussen und interpretieren.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Fokus stehen die literarische Sprache Walsers, das Konzept des Fremden (Alienität), der Übersetzungsvergleich und die Rezeption von Robert Walser im französischsprachigen Raum.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu belegen, dass die Übersetzung durch den Zwang zur Klärung sprachlicher Ambivalenzen die Fremdheit des Ausgangstextes reduziert und somit eine spezifische Interpretation vornimmt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine vergleichende Lektüre (komparative Analyse) zwischen dem deutschen Originaltext und fünf verschiedenen französischen Übersetzungen angewandt, um Differenzen und ihre Auswirkungen aufzuzeigen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert systematisch die sprachliche Ebene, den Rhythmus, die Perspektivenführung, den Umgang mit Dialekt sowie die Darstellung der Figur Kleist in den Zieltexten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Fremdheit, Neologismen, literarische Masken, Übersetzungsanalyse und die "Dunkelzonen" des Textes.

Warum ist das Wort "herunterzueidechseln" für den Übersetzer so problematisch?

Als Wortschöpfung Walsers ist es im Deutschen transparent, in der Zielsprache jedoch nicht als Äquivalent wiederzugeben, weshalb Übersetzer es in Einzelelemente zerlegen müssen und dadurch die ursprüngliche Dynamik verlieren.

Wie verändert sich die Figur Kleist in den französischen Übersetzungen?

Die Übersetzer interpretieren die Einsamkeit und den Zustand Kleists oft stärker, als es der Originaltext tut, wodurch die Figur für den Leser fassbarer wird und ihren befremdlichen Charakter teilweise verliert.

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Details

Title
Robert Walser "Kleist in Thun" im Übersetzungsvergleich
College
University of Lausanne
Course
Universität Lausanne
Grade
angenommen, gute Arbeit
Author
Yvonne Luterbach (Author)
Publication Year
2005
Pages
31
Catalog Number
V36234
ISBN (eBook)
9783638359108
Language
German
Tags
Robert Walser Kleist Thun Universität Lausanne
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Yvonne Luterbach (Author), 2005, Robert Walser "Kleist in Thun" im Übersetzungsvergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36234
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