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Ritual und Performance

Titel: Ritual und Performance

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2001 , 24 Seiten , Note: 1,9

Autor:in: Simon Knopf (Autor:in)

Ethnologie / Volkskunde
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Früher verstand man diesen Begriff im Zusammenhang mit religiösen Handlungen. Riten und Rituale wurden fast ausschließliche als religiöse Phänomene betrachtet. Nach David J. Krieger und Andrea Bellinger1, war das Wort Ritual gewissermaßen ein Synonym für Gottesdienst, woran man erkannt, daß das Ritual vorwiegend ein Thema für Theologen und Religionswissenschaftler war.

Neue Wissenschaften wie Ethnologie und Anthropologie, Soziologie und Psychologie führten dazu, daß man vor gut hundert Jahren anfing das Ritual eher als etwas allgemein Menschliches zu sehen, das in allen kulturellen Bereichen zu finden ist. Der Ritualbegriff wurde seither auf symbolische Handlungen allgemein angewandt. Doch auch in jüngerer Zeit hat sich in der Ritualforschung vieles verändert. Bis in die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts hinein vermutete man hinter Ritualen psychologische und soziologische Motive, die heute in Frage gestellt werden. Die Bedeutung und Funktion des Rituals wurde außerhalb des Ritus an sich gesehen, sie musste aus ihm herausgelesen werden. Für Emile Dürkheim z.B. stand hinter dem Ritual „das Bedürfnis soziale Solidarität zu schaffen, für Freud das Bedürfnis traumatische Ereignisse zu verdrängen, für Malinowski wiederum das Bedürfnis die natürliche Umwelt zu beeinflussen."2

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung: Ritualaufassung früher und heute

1.1. Ritual als Performance

2. C. Geertz

2.1. Einführung

2.2. Der Hahnenkampf, gegliedert in 3 Phasen

2.3. Hahnenkampf früher und heute

2.4. Die Wetten – der materielle und immaterielle Einsatz

2.5. Funktion und Bedeutung

2.6. Der Hahnenkampf als Text, der „etwas von etwas sagt“

3. R. A. Rappaport

3.1. Formalität und Ausführung – Grundaspekte des Rituals

3.2. Indexikale und kanonische rituelle Botschaften

3.3. Rituale und Konventionen

3.4. Performative Riten und Moral

3.5. Rituelle Sprache und Gebärde

3.6. Das Heilige: Das Sakrale und das Numinose

4. Zwischenbilanz

5. Stanley j. Tambiah: „Eine performative Theorie des Rituals“

5.1. Tambiah’s allgemeine Ritualtheorie

5.2. Formalität und Konventionalität

5.3. Regulative und konstitutive rituelle Performance

5.4. Ritual und Information, bzw. Kommunikation und Bedeutung

6. Schlußbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis von Ritual und Performance, indem sie die theoretischen Ansätze von Clifford Geertz, Roy A. Rappaport und Stanley J. Tambiah gegenüberstellt. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Rituale als kulturelle Performances gesellschaftliche Werte, Normen und kollektive Emotionen konstruieren, reproduzieren und für die Teilnehmer erfahrbar machen.

  • Ritual als kulturelle Performance und symbolische Kommunikation
  • Die Funktion des balinesischen Hahnenkampfes als „Text“ zur Vermittlung kollektiver Erfahrungen
  • Performative Sprache und die Etablierung von Konventionen und Moral im Ritual
  • Das Zusammenspiel von sakralen und numinosen Aspekten in der rituellen Praxis
  • Die dialektische Beziehung zwischen Inhalt und Form in rituellen Handlungen

Auszug aus dem Buch

2.2. Der Hahnenkampf, gegliedert in 3 Phasen

Wenn sich die Männer für Hahnenkämpfe treffen, dann finden mehrere Kämpfe nacheinander statt. Der Verlauf eines Wettkampfes gliedert sich in 3 Phasen. Erst werden alle Hähne einander vorgestellt um die passenden für einen Kampf auszusuchen. Nach Geertz’s Beschreibung scheint das eine Phase zu sein, in der sich die Beteiligten nicht sehr wohl fühlen. Sie scheinen sich mit diesem Geschehen nicht recht identifizieren zu können, denn es geschieht in einer verheimlichenden, verlegenen Weise. Auch die nicht direkt Beteiligten, die Interesse an dem Geschehen haben, schauen nur mit verstohlenem Blick auf versteckte Weise zu und scheinen sich ihres Interesses zu schämen.

Ist das passende Paar gefunden, werden die Wetten ausgehandelt und es werden den Hähnen von Sporen - Spezialisten die von Mythen umrankten messerscharfen Klingen angelegt. Der Umgang mit diesen Sporen geschieht mit sinnlicher Aufmerksamkeit, wie sie auf Bali üblicherweise rituellen Gegenständen entgegengebracht wird.

Zusammenfassung der Kapitel

1.Einleitung: Ritualaufassung früher und heute: Skizziert den Wandel des Ritualbegriffs von einem rein religiösen Phänomen hin zu einer allgemein menschlichen, symbolischen Handlung im Kontext der „ritual studies“.

1.1. Ritual als Performance: Führt den Begriff der Performance ein, um praxisorientiertes, sinnstiftendes Handeln außerhalb religiöser Kontexte zu beschreiben.

2. C. Geertz: Einführung in die Analyse von Clifford Geertz, der Rituale als kulturelle Performances versteht.

2.1. Einführung: Beschreibt den Hahnenkampf als religiöses und sportliches Ereignis, das tiefe Einblicke in die balinesische Gesellschaft ermöglicht.

2.2. Der Hahnenkampf, gegliedert in 3 Phasen: Detaillierte Darstellung des Ablaufs in drei Phasen, von der Vorbereitung über den Kampf bis zur emotionalen Abreaktion.

2.3. Hahnenkampf früher und heute: Kontrastiert den einst öffentlich geförderten Hahnenkampf mit dem heutigen Verbot und dessen versteckter Praxis.

2.4. Die Wetten – der materielle und immaterielle Einsatz: Analysiert Wetten als symbolisches Spiel um Status und Ansehen statt nur um materiellen Gewinn.

2.5. Funktion und Bedeutung: Erläutert die Funktion des Hahnenkampfes als „balinesische Geschichte“, die soziale Themen und Emotionen künstlerisch verarbeitet.

2.6. Der Hahnenkampf als Text, der „etwas von etwas sagt“: Untersucht Geertz’ Ansatz, Kultur als Montage von Texten zu lesen, um kollektive Gefühle und deren Bedeutung zu entschlüsseln.

3. R. A. Rappaport: Einführung in die formale und strukturelle Analyse ritueller Sprache durch Roy A. Rappaport.

3.1. Formalität und Ausführung – Grundaspekte des Rituals: Definiert Rituale über ihre stilisierte, repetitive Formalität und ihren performativen Charakter.

3.2. Indexikale und kanonische rituelle Botschaften: Unterscheidet zwischen Botschaften über den Zustand der Teilnehmer (indexikal) und unveränderlichen, dauerhaften Wahrheiten (kanonisch).

3.3. Rituale und Konventionen: Erklärt, wie Rituale durch Akzeptanz der Prozeduren soziale Konventionen und den Sozialvertrag etablieren.

3.4. Performative Riten und Moral: Analysiert den Zusammenhang von ritueller Handlung und moralischer Verbindlichkeit.

3.5. Rituelle Sprache und Gebärde: Beschreibt das Zusammenspiel von Worten und Gebärden zur Repräsentation des Heiligen und zum Ausdruck von Demut.

3.6. Das Heilige: Das Sakrale und das Numinose: Unterscheidet zwischen dem diskursiven Sakralen und der emotionalen Erfahrung des Numinosen.

4. Zwischenbilanz: Führt die Erkenntnisse zu Geertz und Rappaport zusammen.

5. Stanley j. Tambiah: „Eine performative Theorie des Rituals“: Präsentiert Tambiahs Ansatz, der eine formale Analyse mit kulturellen Hintergründen verbinden will.

5.1. Tambiah’s allgemeine Ritualtheorie: Bestimmt rituelle Ereignisse als Veranstaltungen mit ordnender Funktion.

5.2. Formalität und Konventionalität: Diskutiert die Distanzierung der Teilnehmer durch formale Regeln und die Gefahr der Heuchelei.

5.3. Regulative und konstitutive rituelle Performance: Unterscheidet zwischen Ritualen, die praktische Tätigkeiten steuern, und solchen, die bestimmte Tätigkeiten erst ermöglichen.

5.4. Ritual und Information, bzw. Kommunikation und Bedeutung: Analysiert das Ritual unter Anwendung von Informationstheorien, wobei die Vermittlung von sozialer Bedeutung wichtiger ist als der Wissenszuwachs.

6. Schlußbetrachtung: Vergleicht die drei Ansätze und kommt zu dem Schluss, dass alle Autoren im Ritual ein gesellschaftliches Instrumentarium sehen, das Normen konstituiert und sozialen Ablauf sichert.

Schlüsselwörter

Ritual, Performance, Clifford Geertz, Roy A. Rappaport, Stanley J. Tambiah, symbolische Handlung, Hahnenkampf, Konvention, Soziale Ordnung, Kulturelle Konstruktion, Performative Sprache, Sakral, Numinos, Ritual Studies, Status

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie Rituale als „kulturelle Performances“ fungieren, um gesellschaftliche Werte, soziale Ordnungen und kollektive Emotionen zu konstruieren und zu vermitteln.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die symbolische Kommunikation im Ritual, das Verhältnis von formalen rituellen Regeln zu privater Einstellung, die Bedeutung von Sprache und Gebärde sowie die Funktion ritueller Handlungen für die soziale Integration.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, die theoretischen Ansätze von Clifford Geertz, Roy A. Rappaport und Stanley J. Tambiah zu vergleichen, um aufzuzeigen, wie diese Autoren das komplexe Verhältnis von Ritual und Performance theoretisch erfassen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt die Methode der vergleichenden Literaturanalyse, indem sie die zentralen Aufsätze der genannten Theoretiker analysiert und in ihren Aussagen über die Funktion und Struktur von Ritualen gegenüberstellt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung und Analyse der Theorien von Geertz (Hahnenkampf als Text), Rappaport (Ritual als performative Sprache) und Tambiah (formale Analyse und Informationstheorie), gefolgt von einer Zwischenbilanz.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den prägenden Begriffen gehören Ritual, Performance, symbolische Kommunikation, soziale Ordnung, kulturelle Konstruktion, performative Sprache sowie die Namen der drei untersuchten Ritualtheoretiker.

Welche besondere Bedeutung hat das Konzept des „Paling“ bei Geertz?

„Paling“ bezeichnet einen beängstigenden Zustand des sozialen Schwindelgefühls auf Bali, der eintritt, wenn klare Statusbeziehungen wegfallen. Es verdeutlicht die existenzielle Bedeutung von gesellschaftlicher Ordnung und Etikette für das balinesische Selbstverständnis.

Wie unterscheidet Rappaport zwischen indexikalen und kanonischen Botschaften?

Indexikale Botschaften beziehen sich auf den unmittelbaren physischen oder sozialen Zustand der Teilnehmer im Hier und Jetzt, während kanonische Botschaften auf zeitlose, unveränderliche Wahrheiten und Prozesse außerhalb des Rituals verweisen.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Ritual und Performance
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Fachbereich Ethnologie)
Veranstaltung
Ritual und Ideologie
Note
1,9
Autor
Simon Knopf (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2001
Seiten
24
Katalognummer
V36295
ISBN (eBook)
9783638359603
ISBN (Buch)
9783640875153
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ritual Performance Ritual Ideologie
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Simon Knopf (Autor:in), 2001, Ritual und Performance, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36295
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  24  Seiten
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