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Postcolonial Studies und Entwicklungstheorie

Title: Postcolonial Studies und Entwicklungstheorie

Term Paper (Advanced seminar) , 2004 , 23 Pages , Grade: 1-

Autor:in: Helene Heise (Author)

Politics - Topic: Development Politics
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Summary Excerpt Details

Einleitung

Postcolonial theory ist keine Entwicklungstheorie, vielmehr ist sie ein Analyseinstrument aus den Geistes- und Kulturwissenschaften, dass nach der Verbindung zwischen (wissenschaftlich produziertem) Wissen und Machtausübung während und nach Ende der Kolonialzeit fragt.1 Hierfür bedient sie sich der Methode der Diskursanalyse: es wird gefragt, in wieweit ein (wissenschaftlicher) Diskurs dazu dient, Machtstrukturen oder eine Weltordnung festzulegen. Wer bestimmt, was (wissenschaftlich) gesicherte Erkenntnisse sind, was richtig und falsch, gut und schlecht ist, der legitimiert bestimmte Formen von Herrschaft und Ordnung.2 Dies muss kein bewusster, absichtsvoller Prozess sein und ist er auch historisch nur zum Teil gewesen, er lässt sich aber mit Hilfe der Diskursanalyse aufdecken und untersuchen.

Um der Frage nachzugehen, inwieweit die postcolonial theory im Rahmen der Entwicklungstheorie eine Rolle spielen kann, reicht es daher nicht, einfach nur die Ideen der postcolonial studies darzustellen. Diese sind nicht im entwicklungstheoretischen Kontext entstanden und auch in der politikwissenschaftlichen Diskussion bisher noch nicht gründlich verankert. Aus diesem Grund scheint es sinnvoll, die postcolonial theory auf die Entwicklungstheorie anzuwenden: Entwicklungstheorie soll hier im Sinne der postcolonial studies als ein wissenschaftlicher Diskurs verstanden werden. In ihm wird festgelegt, was Entwicklung ist, wie sie vonstatten gehen soll und was die Ziele der Entwicklung sein können. Damit ist sie keine ‚objektive’ Beschreibung von Ist-Zustand und möglichen Wegen zu einer Veränderung, sondern legt im Diskurs selbst fest, was als richtige oder falsche, gute oder schlechte ‚Entwicklung’ zu verstehen ist.3
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1 Vgl. Bill Ashcroft, Gareth Griffiths, Helen Tiffin: Post-Colonial Studies. The Key Concepts. London 1998. S. 1-3; Ato Quayson: Postcolonialism. Theory, Practice or Process? Cambridge 2000. S. 2-5

2 Vgl. Robert J.C. Young: Postcolonialism. A Very Short Introduction. Oxford 2003; ders.: Postcolonialism. An Historical Introduction. Oxford 2001; Edward W. Said: Orientalism. Western Conceptions of the Orient. London 41995; Jürgen Osterhammel: Kolonialismus. Geschichte – Formen – Folgen. München 2001.

3 Vgl. Young: Historical Introduction, S. 46-56; Rita Abrahamsen: African Studies and the Postcolonial Challenge. In: African Affairs 102 (2003), S. 189-210. hier: S. 201-204.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Good Governance

2.1. Weltbank

2.2. UNDP

2.3. Deutschland und EU

2.4. Vergleich

3. Kritik aus Sicht der postcolonial studies

3.1. Power-knowledge

3.2. Eurozentrismus

3.3. Binäre Gegensätze

4. Schluss

5. Literatur

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit untersucht, inwiefern die postcolonial theory als Analyseinstrument auf die Entwicklungstheorie angewendet werden kann, um Machtstrukturen innerhalb des Diskurses über "gute Regierungsführung" (good governance) aufzudecken. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Art und Weise, wie Entwicklungspolitik westliche Normen als universelle Maßstäbe festlegt und damit bestehende Hierarchien zwischen dem globalen Norden und Süden reproduziert.

  • Analyse der postcolonial theory als diskursanalytisches Instrumentarium.
  • Untersuchung der good governance-Definitionen von Weltbank, UNDP und BMZ.
  • Kritische Reflexion eurozentrischer Weltbilder in Entwicklungskonzepten.
  • Hinterfragung binärer Gegensatzpaare wie "entwickelt" und "unterentwickelt".

Auszug aus dem Buch

1. Einleitung

Postcolonial theory ist keine Entwicklungstheorie, vielmehr ist sie ein Analyseinstrument aus den Geistes- und Kulturwissenschaften, dass nach der Verbindung zwischen (wissenschaftlich produziertem) Wissen und Machtausübung während und nach Ende der Kolonialzeit fragt. Hierfür bedient sie sich der Methode der Diskursanalyse: es wird gefragt, in wieweit ein (wissenschaftlicher) Diskurs dazu dient, Machtstrukturen oder eine Weltordnung festzulegen. Wer bestimmt, was (wissenschaftlich) gesicherte Erkenntnisse sind, was richtig und falsch, gut und schlecht ist, der legitimiert bestimmte Formen von Herrschaft und Ordnung. Dies muss kein bewusster, absichtsvoller Prozess sein und ist er auch historisch nur zum Teil gewesen, er lässt sich aber mit Hilfe der Diskursanalyse aufdecken und untersuchen.

Um der Frage nachzugehen, inwieweit die postcolonial theory im Rahmen der Entwicklungstheorie eine Rolle spielen kann, reicht es daher nicht, einfach nur die Ideen der postcolonial studies darzustellen. Diese sind nicht im entwicklungstheoretischen Kontext entstanden und auch in der politikwissenschaftlichen Diskussion bisher noch nicht gründlich verankert.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Anwendung der postcolonial theory als diskursanalytisches Werkzeug zur Dekonstruktion entwicklungstheoretischer Machtstrukturen.

2. Good Governance: Darstellung und Analyse der unterschiedlichen Definitionsansätze für good governance durch die Weltbank, das UNDP sowie das BMZ.

2.1. Weltbank: Analyse des ökonomisch fokussierten good governance-Begriffs der Weltbank und seiner Verbindung zu Reformen im öffentlichen Sektor.

2.2. UNDP: Untersuchung des umfassenderen, politisch dimensionierten good governance-Ansatzes des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen.

2.3. Deutschland und EU: Erörterung der normativen Prägung des deutschen und europäischen Verständnisses, insbesondere durch die Betonung von Menschenrechten.

2.4. Vergleich: Zusammenfassende Gegenüberstellung der Konzepte, die zeigt, dass good governance kein starres Gefäß, sondern ein variierendes Instrument ist.

3. Kritik aus Sicht der postcolonial studies: Fundamentale Kritik an der normativen Festlegung von Entwicklung auf westliche Werte und eurozentrische Maßstäbe.

3.1. Power-knowledge: Diskussion der Verbindung von Wissen und Macht nach Michel Foucault im Kontext des entwicklungsgeschichtlichen Diskurses.

3.2. Eurozentrismus: Untersuchung, wie der globale Norden als universeller Zielpunkt und Maßstab der Entwicklung konstruiert wird.

3.3. Binäre Gegensätze: Analyse der problematischen Konstruktion binärer Gegensatzpaare wie "entwickelt" versus "unterentwickelt" zur Aufrechterhaltung von Hierarchien.

4. Schluss: Resümee über die Reproduktion von Nord-Süd-Hierarchien und das begrenzte Potenzial universeller Entwicklungstheorien.

5. Literatur: Verzeichnis der verwendeten wissenschaftlichen Quellen und Dokumente.

Schlüsselwörter

Postcolonial theory, Entwicklungstheorie, Good Governance, Diskursanalyse, Eurozentrismus, Power-knowledge, Weltbank, UNDP, BMZ, Nord-Süd-Beziehungen, Machtstrukturen, Binäre Gegensätze, Post-development.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert kritisch den entwicklungspolitischen Diskurs über "gute Regierungsführung" mithilfe postkolonialer Theorien.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Mittelpunkt stehen die Untersuchung von Machtstrukturen im Entwicklungskontext sowie die Hinterfragung westlicher Definitionsmacht über globale Entwicklungsprozesse.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie aktuelle Entwicklungskonzepte wie good governance bestehende historische Hierarchien zwischen Industriestaaten und Entwicklungsländern durch spezifische Denkstrukturen reproduzieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt die Methode der Diskursanalyse aus den Geistes- und Kulturwissenschaften, um die zugrunde liegenden Annahmen und Machtverhältnisse in den Dokumenten der untersuchten Akteure offenzulegen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Gegenüberstellung der good governance-Definitionen von Weltbank, UNDP und BMZ sowie eine kritische theoretische Reflexion dieser Begriffe aus postkolonialer Perspektive.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind insbesondere postcolonial theory, good governance, Eurozentrismus, binäre Gegensätze und power-knowledge.

Wie definiert die Weltbank den Begriff "governance"?

Die Weltbank definiert governance primär durch die Art und Weise, wie politische Macht bei der Verwaltung wirtschaftlicher und sozialer Ressourcen zur Entwicklung ausgeübt wird, mit einem starken Fokus auf ökonomische Kriterien.

Welches grundlegende Problem identifiziert die Autorin bei der Anwendung der postcolonial theory?

Die Autorin stellt fest, dass das postkoloniale Misstrauen gegenüber Verallgemeinerungen dazu führt, dass die Theorie zwar für Einzelfälle sensibilisieren kann, aber Schwierigkeiten hat, als handlungsorientierte, allgemeingültige Entwicklungstheorie zu fungieren.

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Details

Title
Postcolonial Studies und Entwicklungstheorie
College
University of Hamburg  (Institut für Politische Wissenschaft)
Course
Hauptseminar Sozialwissenschaftliche Entwicklungstheorien
Grade
1-
Author
Helene Heise (Author)
Publication Year
2004
Pages
23
Catalog Number
V36328
ISBN (eBook)
9783638359894
Language
German
Tags
Postcolonial Studies Entwicklungstheorie Hauptseminar Sozialwissenschaftliche Entwicklungstheorien
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Helene Heise (Author), 2004, Postcolonial Studies und Entwicklungstheorie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36328
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