Zum Autor
Benito Pérez Galdós wird am 10.05.1843 in Las Palmas geboren. Mit 19 Jahren zieht er nach Madrid um Jura zu studieren. Im Jahre 1868 geht Galdós nach Paris und lernt dort die großen französischen Novellenschriftsteller kennen. Zwei Jahre später veröffentlicht er seine erste Novelle “La Fontana de Oro“, in der bereits seine radikale Einstellung deutlich wird. Er bezeichnet sich selbst als fortschrittlich und antiklerikal. 1880 beginnt er seine “Episodos nacionales“ zu schreiben. In dieser Dekade ist sein kreativer Höhepunkt. Von 1886 bis 1890 ist er Abgeordneter in den Cortes für Puerto Rico, einer linksradikalen Partei.1
Galdós hat eine Liebe zu einfachen Menschen und versucht die Sprache des einfachen Volkes literaturfähig zu machen. Er unternimmt häufig Reisen durch Europa, wobei er von Portugal bis zum Baltikum sowie von England bis Italien kommt. Ihm missfallen jedoch die politischen Systeme und er spricht harte Kritik am englischen Imperialismus und dem Reich Bismarcks aus. Das 19. Jahrhundert ist das Zeitalter des industriellen Aufbruchs und der revolutionären Bewegungen. Mit dem industriellen Fortschritt wachsen die Großstädte heran und die alte Politik wird durch wirtschaftliche Interessen ersetzt. Im Zuge dieser Veränderungen entstehen soziale Spannungen und so nimmt auch die Kriminalität nimmt zu. Neben den politischen Systeme spricht Galdós auch harte Kritik an der Kirche, in ihrer Funktion als politische Institution aus.2
Neben seinem Beruf als Schriftsteller ist Galdós ab 1892 auch als Bühnenautor tätig und das mit mehr oder weniger großem Erfolg. Sein Drama “Electra“ allerdings, das 1901 in Madrid uraufgeführt wird ist eine sehr große Attraktion. Im Jahre 1907 wird Galdós Abgeordneter für Madrid. Mit dem Alter wird er zunehmend radikaler und aggressiver gegen die herrschenden Mächte in Spanien, vor allem gegen Kirche und Adel. Diese Haltung kommt auch in seinen Werken zum Ausdruck. Am 04.01.1920 stirbt Benito Pérez Galdós, erblindet in Madrid.3
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1 Vgl. http://biografias.hypermart.net/benito_perez_galdos.htm 05.05.2004
2 Vgl. http://www.uni-graz.at/~pfeiffer/mat.htm 05.06.2004
3 Vgl. http://biografias.hypermart.net/benito_perez_galdos.htm 05.05.2004
Inhaltsverzeichnis
I. Zum Autor
II. Thematik und Hintergründe der “dos Españas“
III. Zum Stück “Electra“
III.1. Inhalt und Personen
III.2. Historischer Hintergrund
III.3. Zuordnung der Personen und Namen zu den “dos Españas“
III.4. Reaktionen auf das Stück
IV. Der Thesenroman “Doña Perfecta“
V. Vergleich von “Doña Perfecta“ und “Electra“
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert das literarische Schaffen von Benito Pérez Galdós mit einem besonderen Fokus auf die Darstellung gesellschaftspolitischer Konflikte in Spanien an der Wende zum 20. Jahrhundert. Dabei wird untersucht, wie der Autor anhand seiner Werke die Zerrissenheit der spanischen Gesellschaft („dos Españas“) zwischen konservativem Traditionalismus und progressivem Liberalismus thematisiert und kritisch hinterfragt.
- Biografische Einordnung von Benito Pérez Galdós und seinem Werk.
- Analyse der „dos Españas“ als zentraler soziokultureller Konflikt.
- Detaillierte Untersuchung des Dramas „Electra“ hinsichtlich Inhalt, Historie und Rezeption.
- Vergleichende Betrachtung von „Electra“ und dem Thesenroman „Doña Perfecta“.
- Diskussion von religiösem Fanatismus, Fortschrittsglauben und gesellschaftlicher Isolation.
Auszug aus dem Buch
III. 1. Inhalt und Personen:
Das vermögende, konservative Ehepaar García Yuste, das viel Geld in kirchliche Einrichtungen investiert, nimmt die verwaiste Angehörige, Electra, bei sich auf. Die 18jährige Electra ist die Tochter von Eleuteria, die aufgrund ihres lockeren Lebenswandels negativ in Erscheinung getreten ist, bis sie ins Kloster geht und ihre Sünden bereut. Die kirchentreuen Eheleute García Yuste wollen verhindern, dass Electra ein ähnliches Leben wie ihre Mutter führt. Denn Electra ist ein sehr lebenslustiges und aufgewecktes Mädchen, das für viel Trubel sorgt.
Es treten mehrere Personen, als „Beschützer“ von Electra auf. Als da wären Marqués de Ronda und der Buchhalter Cuesta, der sich für Electras Vater hält, es aber nicht ist. Darüber hinaus Máximo, ein 35jähriger, verwitweter Ingenieur, der an der Entwicklung der Elektrizität arbeitet. Er steht für Wissenschaft, Fortschritt, Vernunft, Wahrheit sowie Zukunft und vertritt damit die Liberalen, also die Guten. Im Gegensatz dazu steht die düstere Gestalt Pantoja. Er vertritt die autoritär-klerikale Seite und erzählt jedem, der Interesse zeigt, von seiner lasterhaften Vergangenheit und seinem glücklichen Sinneswechsel. Da er Electras Vater zu seien scheint will Pantoja, dass Electra seine Sünde im Kloster San José de la Penitencia büßt. Dieses Kloster wurde durch seine Initiative gefördert und in diesem Kloster hat auch schon Electras Mutter ihre Sünden gebüßt.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Zum Autor: Dieser Abschnitt bietet einen biografischen Überblick über Benito Pérez Galdós, seine radikale Einstellung und seinen Einfluss als Schriftsteller im 19. Jahrhundert.
II. Thematik und Hintergründe der “dos Españas“: Hier wird der kulturelle und politische Kontext Spaniens im 19. Jahrhundert erläutert und der zentrale Konflikt zwischen Traditionalisten und Liberalen definiert.
III. Zum Stück “Electra“: Dieser Hauptteil widmet sich dem Drama „Electra“, analysiert dessen Handlung, den geschichtlichen Hintergrund, die Symbolik der Charaktere sowie die öffentliche Resonanz auf das Werk.
IV. Der Thesenroman “Doña Perfecta“: Dieses Kapitel behandelt Galdós' ersten Thesenroman und die darin abgebildeten Spannungen zwischen dem modernen Madrid und dem rückständigen, fiktiven Dorf Orbajosa.
V. Vergleich von “Doña Perfecta“ und “Electra“: Der abschließende Vergleich stellt Parallelen in der Thematik, der Namensgebung und der gesellschaftskritischen Stoßrichtung beider Werke heraus.
Schlüsselwörter
Benito Pérez Galdós, Electra, Doña Perfecta, dos Españas, spanische Literatur, Liberalismus, Traditionalismus, Antiklerikalismus, 19. Jahrhundert, Gesellschaftskritik, Spanien, Theater, Roman, Religion, Fortschritt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der literarischen Aufarbeitung gesellschaftspolitischer Spannungen in Spanien durch den Autor Benito Pérez Galdós, insbesondere durch seine Werke „Electra“ und „Doña Perfecta“.
Welche zentralen Themenfelder werden beleuchtet?
Im Zentrum stehen der Konflikt zwischen Fortschritt und Tradition, die Rolle der Kirche als politische Instanz sowie das Konzept der „dos Españas“, welches die tiefe Spaltung der spanischen Gesellschaft jener Zeit beschreibt.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Galdós durch seine Charaktere und Handlungsverläufe den Widerstreit zwischen einer liberal-modernen Weltanschauung und einem dogmatisch-religiösen Konservatismus darstellt.
Welche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den historischen Kontext des 19. und frühen 20. Jahrhunderts heranzieht, um die Aussagen und die Symbolik der Werke von Galdós zu interpretieren.
Was sind die Inhalte des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in die biografische Einführung, die Erläuterung des historischen Kontextes der „dos Españas“, eine tiefgehende Analyse des Dramas „Electra“ und eine vergleichende Untersuchung zum Thesenroman „Doña Perfecta“.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird wesentlich durch Begriffe wie „dos Españas“, „Antiklerikalismus“, „Literaturwissenschaft“, „Gesellschaftskritik“ und den Werken „Electra“ sowie „Doña Perfecta“ geprägt.
Welche Rolle spielt das Motiv der Elektrizität in „Electra“?
Das Motiv ist zentral: Die Elektrizität symbolisiert den wissenschaftlichen Fortschritt und die Moderne, wobei der Name „Electra“ sowohl diese Moderne als auch den Freiheitsgedanken widerspiegelt.
Warum wird Pantoja als eine ambivalente Figur dargestellt?
Obwohl Pantoja als autoritär-klerikaler Antagonist auftritt, ist seine Zeichnung nicht rein schwarz-weiß. Seine Handlungen entspringen einem religiösen Eifer, den er selbst als rettend für die Seele empfindet, was ihn zu einer komplexen, wenn auch negativen Figur macht.
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- Claudia Otto (Author), 2004, Benito Peréz Galdós "Electra", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36346