Zwischen Perspektivbewußtsein und Systemkritik - Science-Fiction-Literatur in der DDR


Magisterarbeit, 2004
95 Seiten, Note: 1,1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Vorbedingung und Fragestellung
1.2. Vorgehensweise

2. DDR-SF in der Diskussion: zum Forschungsstand
2.1. Sekundärliterarische Auseinandersetzung um DDR-SF
2.2. Resümee und Perspektive

3. ‚Science Fiction’ als Untersuchungsgegenstand
3.1. Das Genreproblem
3.2. Definitionen im Diskurs
3.3. Eingrenzung des Untersuchungsgegenstandes

4. Zur literaturhistorischen Entwicklung von DDR-SF
4.1. Das Verhältnis von DDR-SF zum Utopischen
4.2. Traditionslinien von DDR-SF

5. Bezugssystem und Rezeptionsperspektive
5.1. Interpretationsansatz

6. ‚Perspektivbewußtsein’ in der DDR-SF der 50er und 60er Jahre
6.1. Der utopische Betriebsroman – Ultrasymet bleibt geheim (1955) von Heinz Vieweg
6.2. Die kommunistische Utopie – Heimkehr der Vorfahren (1966) von Eberhardt del’Antonio
6.3. Perspektivbewußt in die Zukunft – ein Fazit

7. Der Umbruch der Jahre 1972/73
7.1. Die neue literarische Qualität der DDR-SF: Textbeispiele

8. DDR-SF als Kritikmedium in den 70er und 80er Jahren
8.1. Die schein-eutopische Welt – Unheimliche Erscheinungsformen auf Omega XI (1974) von Johanna und Günter Braun
8.2. Die dystopische Welt – Gert Prokops Timothy Truckle
8.3. Systemkritisches in der DDR-SF – ein Fazit

9. Zusammenfassung und Ausblick

10. Anhang
10.1. Abkürzungsverzeichnis
10.2. Bibliographie
10.2.1. Primärliteratur DDR-SF
10.2.2. Sonstige Primärliteratur
10.2.3. Sekundärliteratur

1. Einleitung

Die Beziehung der Literaturwissenschaft zu den Texten, die in dieser Arbeit unter dem Begriff ‚Science Fiction’ (SF) subsumiert werden, war und ist von eigentümlichen Schwierigkeiten geprägt. Obwohl Literaturwissenschaft ihrem Selbstverständnis nach eine wissenschaftliche Disziplin ist, die Literatur in ihrer Gesamtheit untersucht,[1] wird der Bereich der SF häufig ausgeklammert, vernachlässigt oder schlicht ignoriert. Die Ursachen dafür sind vielfältig und reichen vom tradierten Umgang mit literarischen Texten und literaturhistorischen Bedingungen[2] bis zu pauschalisierenden Wertungen, die SF als eine Abart ‚trivialer Literatur’[3] stigmatisieren, deren nähere Betrachtung im Einzelnen nicht für wert befunden wird.

Auch die Science Fiction in der DDR war lange Zeit ein solcher blinder Fleck, der erst ab den 70er Jahren durch bestenfalls sporadische und – im Falle der DDR-Literaturwissenschaft – ideologisch eingeschränkte Aufmerksamkeit etwas aufgehellt wurde. Während international zur SF anderer Länder vielfach wissenschaftlich publiziert wurde, grenzte die DDR-Literaturwissenschaft bis auf wenige Ausnahmen einen ganzen Bereich der DDR-Literatur vom Gebiet der zu untersuchenden Texte aus. Erst kurz vor dem Ende der DDR nahm die wissenschaftliche Beschäftigung mit der eigenen SF-Literatur zu. Nach dem Zusammenbruch des sozialistischen Systems ist eine teils kritische, jedoch überwiegend abseits der literarischen Öffentlichkeit stattfindende und unvollendet gebliebene Aufarbeitung der Thematik zu verzeichnen, wobei die Zahl der Publikationen nach 1990 ebenfalls überschaubar bleibt.

Für DDR-SF als Untersuchungsgegenstand spricht zudem ein überaus großes Leserinteresse und die daraus resultierende Wirksamkeit dieser Literatur, die in keinem Verhältnis zu der Art Nischendasein steht, welches die DDR-SF bei Literaturwissenschaft und -kritik fristete. Für den begrenzten Lesemarkt der DDR sind die hohen Auflagenziffern beeindruckend: nach Angaben in der Bibliographie von Hans-Peter Neumann[4] betrug die Gesamtauflage von Eberhardt del’Antonios Dilogie Titanus (1959) und Heimkehr der Vorfahren (1966) mehr als eine halbe Million Exemplare, von Heiner Ranks Roman Ohnmacht der Allmächtigen (1973) wurden 196.000 Exemplare verkauft, von Günther Krupkats Nabou (1968) immerhin 178.000 Exemplare, Unheimliche Erscheinungsformen auf Omega XI (1974) von Johanna und Günter Braun erreichte eine Auflage von 135.000 Exemplaren; und von dem von Ekkehard Redlin herausgegebenen Erzählungsband Der Mann vom Anti (1975) wurde die für Anthologien staunenswerte Zahl von 105.000 Exemplaren gedruckt. Ähnliche Zahlen lassen sich für die meisten SF-Titel feststellen.[5] Für ein hohes Interesse vor allem der jungen Leserschaft spricht darüber hinaus eine 1981 erstellte literatursoziologische Studie.[6]

Doch der genauere Blick auf Wesen und Entwicklung der DDR-SF lohnt noch aus weiteren, gewichtigeren Gründen. Im Jahr 1991, kurz nach dem Zusammenbruch der sozialistischen Systeme in Europa, konstatierte Joachim Fest, mit dem Sozialismus sei nach dem Nationalsozialismus der andere machtvolle Utopieversuch des Jahrhunderts gescheitert.[7] Im 20. Jahrhundert diente die Utopie[8] wie in keinem zuvor als Modell für die Erschaffung neuer Gesellschaftsordnungen, die ebenso beispiellos in staatlichem Terror und wirtschaftlichem Zusammenbruch endeten. Als versuchte Verwirklichung der Vision eines anderen, besseren Daseins sind Utopien wirkungsmächtig. Daher ermöglicht ihre Kenntnis einen Zugang zum geistigen Hintergrund und den Leitgedanken, die wesentlich auf Ereignisse ihrer Epoche einwirken. Auch die Geschichte der DDR läßt sich ohne Auseinandersetzung mit ihren Utopien nur unvollständig nachvollziehen. Überspitzt gesagt, verdankt sich die immerhin 40jährige Existenz des Arbeiter- und Bauernstaates nicht ausschließlich der totalitären ‚Diktatur des Proletariats’ und der militärischen und politischen Macht des ‚großen Bruders’ UdSSR. Insbesondere in den ersten beiden Jahrzehnten gehörten die von vielen geteilte optimistische Zukunftsvision und der euphorische Glaube an den Fortschritt zu den elementaren Bestandteilen, die dem neuen Staat geistig-ideologischen Zusammenhalt gaben und auch auf literarischem Gebiet Resonanz erzeugten. Stellvertretend für die SF-Autoren der frühen Jahre sei Eberhardt del’Antonio zitiert:

Wir wissen, daß wir heute den Grundstein legen für das Leben in der hochentwickelten sozialistischen Gesellschaft. Deshalb gewinnt das Träumen in die Zukunft als eine Voraus­schau auf die Früchte unserer heutigen Anstrengungen eine gewichtige Bedeutung für die Gegenwart.[9]

Die SF-Literatur in der DDR, deren Bezug zum Utopischen sich nicht nur auf die von den Verlagen verwendeten Attribute ‚utopisch’ oder ‚utopisch-phantastisch’ beschränkte, sondern die auch an die Tradition philosophisch-politischen Denkens aus den Anfängen der literarischen Utopie anknüpfte, war über die 40 Jahre seines Bestehens ständiger aufmerksamer Begleiter eines Staates, der selbst auf vormals utopischem Gedankengut errichtet worden war. Durch die enge Verknüpfung von Literatur und Gesellschaft[10] läßt sich SF als Ausschnitt der Utopiegeschichte der DDR in übergreifende Zusammenhänge einordnen und somit als Ausdruck einer durch utopische Intention geprägten Denkweise lesen, die aus der bewußten Erkenntnis der Unvollkommenheit des Bestehenden resultiert. Indem SF stets an ihren Bezug zur Gegenwart gebunden bleibt und sich auf spezifische Art und Weise mit Jetzigem und Zukünftigem auseinandersetzt, dabei gesellschaftliche Entwicklungen, Brüche und Umbrüche reflektierend, vermag sie von diesen ebenso Auskunft zu geben wie von Zukunftshoffnungen und -bildern[11] im untergegangenen Staat.

Die bisherige literaturwissenschaftliche Auseinandersetzung mit DDR-SF weist Lücken auf, die nicht allein vor dem Hintergrund ihrer weiten Verbreitung ungerechtfertigt erscheinen. In der DDR war SF in vieler Hinsicht eine unterhaltungs­literarische Ausnahmeerscheinung. SF wurde mit kulturpolitischen Forderungen und Restriktionen konfrontiert, hauptsächlich innerhalb eines engen, nichtöffentlichen Kreises diskutiert und von Autoren, Rezipienten und Rezensenten nicht nur als Flucht in fremde und exotische Welten begriffen. Der unauflösbare Gegensatz von bis zuletzt offiziell propagierter hehrer Vision und der Wirklichkeit des ‚real existierenden Sozialismus’ trug zur Entwicklung einer kritischen DDR-SF bei. Über die Unterhaltungsfunktion und die angemahnte Darstellung des ‚lichten Morgens’ hinaus suchten und fanden SF-Autoren Möglichkeiten, in ihren von offizieller Seite gering geschätzten und dadurch weniger intensiv kontrollierten Texten indirekt auch Kritik an der Gesellschaft und am herrschenden System zu formulieren.

1.1. Vorbedingung und Fragestellung

In ihrer Kernthese geht diese Arbeit von zwei gegensätzlichen Wesenszügen aus, die jeweils während verschiedener Entwicklungsabschnitte das Gesamtbild der DDR-SF prägten und auf ihre Weise nur im speziellen Leseumfeld der sich im internationalen Vergleich eigenständig entwickelnden DDR-SF möglich waren.

Zum einen sahen sich die Künstler in den 50er und 60er Jahren mit der kulturpolitischen Forderung konfrontiert, an der Formung von Perspektivbewußtsein mitzuwirken. Walter Ulbricht stellte auf der 2. Bitterfelder Konferenz 1964 fest: „Zu großer Kunst bedarf es heute mehr denn je eines großen Weltbildes, der Erkenntnis und des Bewußtseins der Perspektive der Entwicklung.“[12] Das postulierte Weltbild war ‚wissenschaftlich’ begründet, denn: „Marxismus bedeutet Befreiung von Illusionen vermittels der Wissenschaft. Sozialismus – das ist der Auszug aus dem Traumland der Utopien bürgerlicher Humanisten und Realisten.“[13] Mit dem geschichtlichen Abstand des Jahres 1995 resümieren Angela und Karlheinz Steinmüller:

Perspektivbewußtsein hieß die Überzeugung von der ‚Sieghaftigkeit’ des Sozialismus, die angeblich wissenschaftlich begründete Lehre vom bevorstehenden geschichtlichen Übergang der Menschheit erst zum Sozialismus und später zum Kommunismus. Perspektivbewußtsein bedeutete die einigende, ideologisch und politisch Kohärenz stiftende Zukunftsvision und zugleich die Beurteilung der Gegenwart aus diesem ‚Wissen’ um die Zukunft heraus.[14]

Zumindest in Grundzügen galt der zukünftige Verlauf der Geschichte und die Gesell­schaftsentwicklung im Sinne der marxistischen Lehre durch die Gesetze der Menschheits­entwicklung als prognostizierbar. Für die SF-Autoren, deren Texte in den ersten Jahren stolz mit der Bezeichnung ‚Zukunftsroman’ versehen wurden, bedeutete dies konkret:

Das Zukunftsbild, das der Autor schließlich vermittelt, muß das Endprodukt seiner Bemühungen sein, ausgehend von den heutigen Erkenntnissen, unter Anwendung der allgemeinen Entwicklungsgesetze einen möglichen Zustand der Welt zu schildern. In diesem Bild müssen alle Einzelheiten zueinander passen, es darf keine Diskrepanz geben zwischen den wichtigsten Bereichen des gesellschaftlichen Seins: dem Entwicklungsstand der Gesellschafts-ordnung, dem Stand der Technik und dem moralisch-charakterlichen Wesen der Menschen.[15]

Der zukünftige „mögliche Zustand der Welt“, der in jenen hoffnungsvollen Jahren als best­möglicher erwartet wurde, fand in der überwiegenden Zahl der SF-Texte in einem aus­nehmend positiv gestalteten Zukunftsbild seinen Ausdruck, das den Großteil der Mensch­heit in einer kommunistischen Gesellschaft ohne größere Konflikte friedlich geeint zeigte.

Die Evolution und Emanzipation des Genres, die Anfang der 70er Jahre mit einem politischen Mentalitäts- und literarischen Paradigmenwechsel einherging, führte zusammen mit dem allmählichen Einflußverlust der Doktrin des sozialistischen Realismus[16] und den immer eklatanter werdenden Widersprüchen zwischen den offiziell verkündeten ‚Errungenschaften des Sozialismus’ und der alltäglichen Realität zur zweiten in dieser Arbeit verhandelten Eigenheit von DDR-SF: ihrer Nutzung als verschlüsseltes Medium für Kritik an Mißständen im SED-Staat.

Ziel dieser Arbeit ist eine sich an den Aspekten Perspektivbewußtsein und Systemkritik orientierende Interpretation und theoretische Wirkungsanalyse einzelner Texte, wobei Funktionsabläufe untersucht und Wirkungspotentiale offengelegt werden sollen. Dabei werden die in den Texten angelegten Strukturen daraufhin untersucht, welche Rezeptionsmöglichkeiten sie einem in der DDR sozialisierten Leser anboten. Als Bezugsgröße der Textanalyse wird die gesellschaftliche Realität im System der DDR zugrundegelegt. Die Auswahl der exemplarisch gewählten Texte soll einen Querschnitt bilden, der für die jeweiligen Hauptmotive der Zeit repräsentativ ist. Anhand der Texte sollen in detaillierten Einzelanalysen die Merkmale und Eigentümlich­keiten der Aspekte Perspektivbewußtsein und Systemkritik herausgearbeitet werden.

1.2. Vorgehensweise

Zur Einordnung dieser Arbeit bietet Kapitel 2 zunächst einen Überblick über den aktuellen Stand der Forschung, mit dem die bisherige Entwicklung der Diskussion von DDR-SF dokumentiert wird. Anschließend werden in Kapitel 3 die mit SF zusammenhängenden Begrifflichkeiten geklärt und die Grenzen des Untersuchungsgegenstandes fixiert. Kapitel 4 dient der Einordnung in die literaturhistorische Entwicklung des Genres. Das Verhältnis von DDR-SF und Utopie wird näher betrachtet, die Traditionslinien des Genres umrissen und die maßgeblichen Einflüsse auf DDR-SF aufgezeigt. Im Rahmen von Kapitel 5 wird als Grundlage für die Interpretation das Bezugssystem von DDR-SF ausgearbeitet und der Interpretationsansatz vorgestellt. Im Anschluß daran erfolgt in Kapitel 6 die Analyse des Aspektes Perspektivbewußtsein. Kapitel 7 widmet sich dem quantitativen und qualitativen Bruch in der Entwicklung der DDR-SF in den Jahren 1972/73, der seinen Ausdruck unter anderem in ersten systemkritischen Texten findet. Das Phänomen der DDR-SF als Medium für Systemkritik wird in Kapitel 8 analysiert. Die Ergebnisse der Analyse werden in Kapitel 9 zusammengefaßt und mit einem Ausblick auf mögliche weiterführende Forschungs­ansätze abgerundet.

2. DDR-SF in der Diskussion: zum Forschungsstand

Noch Anfang der 70er Jahre war Science Fiction in der DDR literaturwissenschaftliches Niemandsland. Einige wenige vor 1970 erschienene Artikel in Zeitungen und Zeitschriften betrachteten Wert und Funktion von SF hauptsächlich unter dem Blickwinkel der Kulturpolitik.[17] Bis in die Endphase der Republik setzte sich nur eine geringe Zahl von Literaturwissenschaftlern mit DDR-SF auseinander. Die spät und nur zögerlich einsetzende Diskussion läßt sich zum einen auf die sowohl in quantitativer als auch in qualitativer Hinsicht diskontinuierliche Entwicklung der DDR-SF zurückführen. Erst zu Beginn der 70er Jahre wuchs das Angebot an SF-Texten sprunghaft an,[18] neue Themenkreise und Motive wurden erschlossen und sorgten gleichzeitig für ein steigendes literarisches Niveau. Zum anderen resultierte die durchgängige Mißachtung der SF aus der generellen Ablehnung von Unterhaltungsliteratur, insbesondere in der Gründungsphase der DDR, in der die Kulturpolitik zunächst diesen gesamten Literaturzweig als Produkt ‚bürgerlicher Klassenherrschaft’ ablehnte. Die politische Situation der Konfrontation der Systeme bei gleichzeitig immer noch geöffneten Grenzen, erste Forderungen nach sozialistischen Formen von Unterhaltung und der Kampf gegen die aus der BRD hereinströmende ‚Schundliteratur’ prägten die Diskussion dieser Jahre entscheidend. Während von Seiten der Verlage als ideologisches Gegengewicht zu westlichen Romanheften bereits 1949 die literarische Massenproduktion mit der Herausgabe eigener Heftreihen begonnen wurde, lehnte die offizielle Literaturpolitik der SED in den 50er Jahren unterhaltende Literatur weiterhin ab.[19] Allein der Begriff ‚Unterhaltung’ war negativ konnotiert. Noch 1957 verneinte Alfred Kurella, der einen besonders engen Realismusbegriff vertrat, die Notwendigkeit von Unterhaltungsliteratur und bestritt, daß Arbeiter überhaupt ein Bedürfnis nach leichter Unterhaltung haben könnten.[20] In der Phase der Konsolidierung der DDR, die mit der Schließung der westlichen Staatsgrenze 1961 einsetzte, erfuhr die Unterhaltungsliteratur nach und nach eine eher pragmatisch begründete Aufwertung und gleichzeitige Funktionalisierung zu einem politisch-ideologischen Instrument.[21] In einer neuen Stufe der Theoriebildung wurde 1970 in einer Dissertation von Arwed Bouvier DDR-Unterhaltungsliteratur ein höherer Entwicklungsstand im Vergleich zur ‚bürgerlichen Trivialliteratur’ zugeschrieben.[22] Die im Rahmen dieser Dissertation theoretisch be­gründete und legitimierte unterhaltende Literatur der DDR wurde hier als notwendig und nützlich für den sozialistischen Leser betrachtet und dazu bestimmt, unter Nutzung ihrer „volkswirksamen Merkmale“ mit Hilfe der entsprechenden Inhalte die der Kunst allgemein zugeschriebene bildende und erzieherische Funktion zu übernehmen.[23] Als letztes Entwicklungsziel prognostizierte Bouvier das Verschmelzen der ‚volkswirksamen’ mit der ‚Nationalliteratur’ in der einheitlichen sozialistischen Gesellschaft.[24]

Die literarische Einheit blieb wie die gesellschaftliche bloßes Ideal. Trotz der seit den 70er Jahren wiederholt beschworenen politischen und sozialen Relevanz von Unter­haltungskunst haftete dem Begriff der Unterhaltungsliteratur nach wie vor der Ruch des Trivialen und Minderwertigen an.[25] Erschwerend für den Umgang mit SF erwies sich auch, daß Teile der DDR-Literaturwissenschaft bis in die späten 80er Jahre einer „normierten, ideologiekonzentrierten Konzeption zu Inhalt und Funktion der Nationalliteratur der DDR“[26] folgten. Bis auf die Texte der Autoren, die in den 50er und teilweise noch in den 60er Jahren der kulturpolitischen Forderung nach der Formung von Perspektivbewußtsein entsprachen, war SF in den wenigsten Fällen an einen ideologischen Gehalt zu binden. SF-Texte entzogen sich herkömmlichen Deutungsmustern und wurden daher wie der Großteil der von der verordneten Literaturkonzeption abweichenden Texte entweder offiziell nicht wahrgenommen oder mußten sich mit mangelnder und mangelhafter Aufmerksamkeit begnügen.

2.1. Sekundärliterarische Auseinandersetzung um DDR-SF

Die geringe Zahl von gerade einmal vier Dissertationen, die in der ehemaligen DDR zum Thema verfaßt wurden, verdeutlicht das vergleichsweise geringe wissenschaftliche Interesse. Die erste dieser Arbeiten stammt von Adolf Sckerl (1977)[27], der bereits 1973 und 1975 im Rahmen des ‚Arbeitskreises für utopische Literatur’ im Schriftstellerverband der DDR in Vorträgen über Theorie und Entwicklungsstand der SF-Literatur in der DDR referiert hatte.[28] Sckerl bietet einen genaueren Überblick über die DDR-SF der 50er und 60er Jahre, begreift SF erstmals als eigenständiges Genre und versucht, dieses theoretisch zu begründen und abzugrenzen. Auch die zweite Dissertation von Werner Förster (1980)[29] ist von temporärem Überblickscharakter. An Sckerls Überlegungen anknüpfend[30] bemüht sich Förster um eine Definition der „Wissenschaftlichen Phantastik“[31] und erörtert anhand ausgewählter Werke deren Entwicklungsbesonderheiten und ihre Stellung in Literatur und Gesellschaft. Dabei bedient er sich wie Sckerl wertender Argumentationsmuster, mit deren Hilfe propagandistisch die Überlegenheit sozialistischer SF-Literatur gegenüber den „kapitalistischen Literaturpraktiken“ der „bürgerlichen Science Fiction“ hervorgehoben wird.[32] Die Verortung des Genres erfolgt im Rahmen der literaturpolitischen Vorgaben. Der daraus von Förster entwickelte Analyseansatz versucht das Wesen der Phantastik einerseits deskriptiv zu ermitteln und andererseits präskriptiv zu skizzieren.[33]

Die Arbeiten von Sckerl und Förster bleiben die einzigen Überblicksdarstellungen in der DDR-Literaturwissenschaft. Die Forschung in späteren Jahren konzentriert sich auf einzelne Aspekte. Über die Landesgrenzen hinaus hat die DDR-SF bis auf wenige Ausnahmen keine Beachtung gefunden, was auch der Tatsache geschuldet ist, daß sie im Gegensatz zu anderen osteuropäischen Staaten keine international publizierenden Autoren vom Range eines Stanislaw Lem oder der Brüder Arkadi und Boris Strugatzki vorzuweisen hatte. Den ersten und einzigen Versuch einer Gesamtdarstellung der DDR-SF in der westdeutschen Literaturwissenschaft hat Horst Heidtmann (1982)[34] vorgelegt. In seiner fundierten Dissertationsschrift nimmt Heidtmann eine Einordnung der SF in die DDR-Literatur vor, untersucht etappenweise Funktionen und Schwerpunkte und betrachtet SF im Zusammenhang mit ökonomischen, politischen und kulturellen Veränderungen. Heidtmann übernimmt den von Schröder[35] und Sckerl gebildeten Kanon sowie deren Ordnungs-, Periodisierungs- und Gliederungsschemata und entwickelt diese weiter. Problematisch ist die oft affirmative und idealisierende, sich zu sehr an den Vorgaben der DDR-Germanistik orientierende und dadurch wenig kritische Haltung gegenüber der DDR-SF, während die SF der Bundesrepublik pauschal abgewertet wird.[36] Im ab­schließenden Absatz seiner Dissertation attestiert Heidtmann der DDR-SF zwar kleinere Schwächen wie formelhafte Erstarrung und eingeschränkte Gestaltungsmöglichkeiten aufgrund ästhetischer und politischer Restriktionen, hält sie aber im Vergleich mit der bundesdeutschen SF für humanistischer, weil sie Hoffnungen auf eine menschlichere Zukunft artikuliere und den Leser zur aktiven Mitgestaltung dieser Zukunft aufrufe.[37] Wenig herausgearbeitet ist auch der DDR-spezifische Lektürehorizont, was nicht zuletzt mit der für Bundesbürger schwierigen Beschaffung von Primär- und mehr noch Sekundärtexten zusammenhängt, auf die Heidtmann selbst hinweist.[38]

Nachfolgende Arbeiten in den späten 80er Jahren und der Wendezeit befassen sich vor allem mit einzelnen Aspekten: Mikaela Blume (1989)[39] widmet sich kritisch dem Frauenbild, Annette Breitenfeld (1989)[40] untersucht das Motiv der Begegnung mit außerirdischen Lebensformen, und Karsten Kruschel (1991)[41] analysiert eutopische und dystopische Elemente. Eine Gesamtdarstellung der DDR-SF von 1980 bis 1990 findet sich bei Thomas Hartung (1992).[42]

Im Zuge des generell steigenden Interesses einer breiteren Öffentlichkeit in der DDR an phantastischer Literatur während der 70er und 80er Jahre nahm auch die Beschäftigung mit der SF des eigenen Landes zu. Nach der bereits im Jahr 1982 erschienenen Broschüre Science-fiction. Personalia zu einem Genre in der DDR,[43] die einem breiteren Publikum nur schwer zugänglich war, versteht sich das Autoren- und Werklexikon Die Science-fiction der DDR (1988) als „erste eingehende Gesamtschau auf vier Jahrzehnte SF-Geschichte in der DDR“[44], die gleichzeitig Nachschlagewerk und Bestandsaufnahme sein will. Neben dem lexikalischen Teil enthält der Band einen Überblick über die Geschichte der DDR-SF und skizziert deren Traditionslinien. Besonderes Augenmerk gebührt der von Erik Simon im Verlag Das Neue Berlin herausgegebenen Lichtjahr -Reihe[45], die in unregelmäßigen Abständen von 1980 bis 1990 erschien. In den sechs sowohl inhaltlich als auch grafisch aufwendig gestalteten Almanachen sind Kurzgeschichten und Essays mit theoretischen Betrachtungen von nationalen und internationalen Autoren versammelt. Ein besonderes Verdienst der Herausgeber ist der erste Versuch einer bibliographischen Erschließung sämtlicher in der DDR publizierter SF, die mit jedem Band erweitert und aktualisiert wurde. Diese Arbeitsleistung bildete auch die Grundlage für Spittels abschließende Bibliographie Science Fiction in der DDR (2000)[46]. Eine weitere, noch umfangreichere Bibliographie hat Hans-Peter Neumann im Jahr 2002 vorgelegt. Diese erreicht das gesetzte Ziel, Science-Fiction-Literatur in der DDR so umfassend wie möglich bibliographisch darzustellen, mehr als zufriedenstellend.[47]

Unter den nach 1990 erschienen Artikeln und Abhandlungen ist vor allem eine aus der Insider-Perspektive verfaßte Studie von Angela und Karlheinz Steinmüller (1995)[48] von Bedeutung, die das Phänomen DDR-SF in ihrer Gesamtheit zu erfassen sucht und in der unter anderem rückblickend die ideologischen und institutionellen Zwängen unter­liegenden Sujets skizziert und kulturpolitische Rahmenbedingungen sowie Zensur­mechanismen beschrieben werden. Unbekanntes Terrain betreten Wolfgang Both, Hans-Peter Neumann und Klaus Scheffler im Jahr 1998 mit der bisher einzigen Dokumentation zur Geschichte der SF-Clubs in der DDR.[49]

Populärwissenschaftlich wird DDR-SF weiterhin in einer engen Fangemeinde diskutiert, die sich zum größten Teil aus noch bestehenden Fanclubs der ehemaligen DDR zusammensetzt.[50] Als meistgenutztes Kommunikationsmedium hat sich das kostengünstige und offen verfügbare Internet etabliert. So veröffentlicht das Online-Magazine Alien Contact neben Buchbesprechungen und Aufsätzen zur neueren Science Fiction und Fantasy auch immer wieder Artikel und Interviews mit Autoren und Verlegern von SF-Literatur aus der ehemaligen DDR. Bezogen auf den interessierten Teil des Fandoms[51] kann man Erik Simon nur zustimmen, der DDR-SF augenzwinkernd ein „recht munteres Leben nach dem Tode“[52] bescheinigt.

2.2. Resümee und Perspektive

Der oft geäußerte Vorwurf einer ungenügenden literaturwissenschaftlichen Diskussion der SF-Literatur in der DDR[53] ist in seinen Grundzügen weiterhin zutreffend. Auffällig ist in diesem Zusammenhang die Korrelation der literaturwissenschaftlichen Diskussion mit dem Phänomen der überwiegend nichtöffentlichen Meinungsbildung und Diskussion um SF im engen Kreis der mit dem Thema vertrauten Leser, Autoren und Kritiker. Dies wurde treffend von Stanislaw Lem „Ghettoisierung“ genannt und von Thomas Hartung mit „innere Bezugnahme“ umschrieben.[54] So stammen bedeutende Beiträge zur Forschung von Insidern, die zum Teil selbst SF schrieben oder diesbezüglich verlegerisch tätig waren, darunter Karsten Kruschel, Erik Simon, Olaf R. Spittel sowie Angela und Karlheinz Steinmüller. Auch wenn sich die Arbeiten nicht explizit an das Fandom oder Kenner des Genres richten, haben sie über diesen engen Horizont hinaus kaum Beachtung gefunden. Gleiches gilt auch für Publikationen des Fandoms wie die mehr oder weniger regelmäßig erscheinenden ‚Fanzines’ (Amateurzeitschriften).

Untersuchungen der DDR-Forschung zum Thema waren aufgrund ideologischer Vorgaben der marxistisch-leninistischen Literaturwissenschaft methodisch beschränkt, was unter anderem in idealisierenden und affirmativen beziehungsweise apologetischen Tendenzen resultierte. Ein weiteres charakteristisches Problem besteht darin, daß bei der Interpretation von SF-Texten nicht konkrete Lebensumstände, sondern die offizielle Fiktion des gesellschaftlichen Systems den Bezugsrahmen bildete – reflektiert wurde das Verhältnis des Genres zum Soll-, nicht zum Ist-Zustand der Gesellschaft.[55]

Durch das abrupte Zusammenbrechen des Marktes und der gewohnten Produktions­bedingungen hörte die DDR-SF nach 1989 praktisch auf zu existieren. Sie ist damit ein abgeschlossenes Untersuchungsgebiet, zu dem bereits mehrere Übersichtsdarstellungen vorliegen und das aus bibliographischer Sicht außergewöhnlich gut erschlossen ist. Eine einheitliche Theorie fehlt dagegen. In allen Arbeiten zur DDR-SF spiegeln sich theoretische Unsicherheiten um Begriff, Inhalt, Tradition und Funktion von SF wider. Die Frage nach Begriff und Inhalt wird zumindest im Ansatz von allen Autoren ähnlich beantwortet. Diese bedienen sich adäquater Arbeitsdefinitionen, da eine endgültige Klärung weiterhin aussteht und diese aufgrund der Vielgestaltigkeit des sich noch in Entwicklung befindlichen Genres für die nahe Zukunft nicht erwartet wird.

3. ‚Science Fiction’ als Untersuchungsgegenstand

Die grundlegende Frage dieses Kapitels ist die nach Wesen und Verortung des Gegenstandes dieser Arbeit. Die Bezeichnung ‚Science Fiction’ – und mehr noch das Kürzel ‚SF’ – suggeriert eine Vertrautheit und begriffliche Sicherheit, die sich gerade in Hinsicht auf die qualitativ, thematisch und strukturell außerordentliche Heterogenität des Genres als trügerisch erweist. Die zahllosen Definitions- und Klassifizierungsversuche von SF-Schriftstellern, Kritikern, Fans und nicht zuletzt Literaturwissenschaftlern belegen dies.

Der Begriff ‚Science Fiction’ wird in dieser Arbeit synonym für die unterschied­lichen Bezeichnungen gebraucht, die in den Verlagen der DDR Verwendung fanden: Zu­kunftsroman, utopische(r) Erzählung/Roman, Utopie, phantastische(r) Erzählung/Roman, wissenschaftlich-phantastische(r) Erzählung/Roman, Phantastik; und vereinzelt in den letzten Jahren ‚Science-fiction’[56]. Auch Autoren und Leser bezeichneten die Texte seit den 70er Jahren vermehrt als Science Fiction, ganz im Gegensatz zur DDR-Literatur­wissenschaft, die dem Begriff keineswegs wertneutral gegenüberstand. Die Schwierig­keiten einiger dieser Bezeichnungen sind offensichtlich: ‚Zukunftsliteratur’ suggeriert einen verfehlten prognostischen Anspruch, ‚Utopie’ ist begrifflich mehrdeutig, und bei dem vor allem in der DDR-Literaturwissenschaft gebräuchlichen Terminus ‚Wissenschaft­liche Phantastik’ handelt es sich um eine unpräzise Übersetzung aus dem Russischen (nautschnaja fantastika), die genauer ‚Wissenschaftsphantastik’ heißen müßte.[57] ‚Science Fiction’ wiederum war bis zum Beginn der 80er Jahre negativ konnotiert und rief starke Ressentiments hervor. Texte aus dem westlichen Ausland wie die verpönte Perry Rhodan -Heftromanreihe der Bundesrepublik wurden mißbilligend als ‚Science Fiction’ bezeichnet,[58] während dieser Begriff lange Zeit als nicht anwendbar auf sozialistische Literatur galt.[59] Nicht wertend wurde die englischsprachige Bezeichnung erstmals in der von Erik Simon und Olaf R. Spittel herausgegebenen Broschüre Science-fiction. Personalia zu einem Genre in der DDR (1982) verwendet. Simon und Spittel kommentieren ihre Entscheidung zugunsten der ‚Science Fiction’: „Die Differenzen in der Terminologie entstanden oft aus dem Wunsch, bereits im Namen das Genre in sozialistische und bürgerliche SF trennen zu können. Wie sich zeigte, war das ein vergeblicher Versuch.“[60]

3.1. Das Genreproblem

Bereits im Umgang mit den Begriffen Genre und Gattung, die stillschweigend zur Kenn­zeichnung von SF vorausgesetzt werden, sowie hinsichtlich der oft vergeblichen und unvollständigen Versuche, SF innerhalb literaturtheoretischer Vorstellungen zu erfassen,[61] zeigt sich die Notwendigkeit einer theoretischen Schärfung des Untersuchungs­gegenstandes.

Die Verwendung des Genre- beziehungsweise Gattungsbegriffes, der sich bei Autoren, Lesern, Kritikern und Literaturwissenschaftlern gleichermaßen findet, liegt in einem zweifachen Bedürfnis begründet. Zum einen dient der Begriff der literarischen Abgrenzung gegenüber anderen Textgruppen, wobei die so definierte Eigenständigkeit Teil einer auf SF-Literatur bezogenen aufwertenden Legitimationsstrategie ist, und zum anderen erfüllt er das literaturwissenschaftliche Bedürfnis, das Untersuchungsobjekt in faßbare Kategorien einzuordnen. Beide Termini entstammen derselben sprachlichen Wurzel[62] und werden in den meisten literaturwissenschaftlichen und sekundärliterarischen Texten zum Thema synonym gebraucht. Auch wenn die gattungstheoretische und -geschichtliche Forschung[63] aufgrund ihres Umfanges an dieser Stelle nicht verhandelt werden kann, ist eine Klärung des im Rahmen dieser Arbeit gebrauchten Genrebegriffes notwendig. Als Genre wird SF hier in Anlehnung an Harald Fricke bezeichnet, nach dessen gattungstheoretischer Konzeption der Begriff Genre im Unterschied zu Textsorte (systematische Gattung) eine „historisch begrenzte literarische Institution“[64] (historische Gattung) meint. Der Gebrauch des Genrebegriffes kann insofern als legitim erachtet werden, als die Bezeichnung ‚Science Fiction’ im historischen Moment ihrer Verwendung durch eine Diskursgemeinschaft Bedeutung erlangt und die betreffende Textgruppe genrespezifische Merkmale aufweist, die eine Beziehung zwischen Text und Leserbewußtsein (Erwartungshorizont) implizieren. Der bulgarische Literaturwissen­schaftler Ognjan Saparew hat darauf hingewiesen, daß auch in der SF einzelne Elemente eine privilegierte semiotische Funktion erwerben können und damit nach dem Prinzip der Synekdoche zu repräsentativen Genreemblemen werden.[65]

Der Korpus dessen, was als SF-Literatur bezeichnet wird, ist weitverzweigt, inhomogen und unterliegt als evolvierendes Genresystem einem ständigen Veränderungs- und Entwicklungsprozeß. Deshalb erscheint es kaum möglich, invariable thematische oder formale Komponenten verbindlich festzulegen. Vermischungsprozesse lassen sich unter anderem mit der Fantasy in der Nachfolge Tolkiens (die dann ‚Science Fantasy’ etikettiert wird) und der Horrorliteratur beobachten, die sich SF-typischer Motive genau so bedienen wie SF seit jeher auf den Fundus anderer Literaturen zurückgreift.[66] Auch wenn SF überwiegend im Gewand des Romans und der Kurzgeschichte anzutreffen ist, erstreckt sie sich auf alle formal bestimmten Gattungen der epischen Literatur. Als Genre betrachtet ist SF daher eine historische Variable, die nicht normativ und formal, sondern nur punktuell deskriptiv und analytisch erfaßt werden kann.

3.2. Definitionen im Diskurs

Die Definitionsdebatte darüber, was SF-Literatur sei beziehungsweise zu sein habe, ist so alt wie der Begriff selbst, der 1929 vom amerikanischen Verleger Hugo Gernsback geprägt wurde. Im Leitartikel der ersten Ausgabe des Magazins Science Wonder Stories nutzte Gernsback die neue Bezeichnung anstelle der Wortmischung ‚Scientifiction’, mit der er 1926 den Inhalt der Kurzgeschichten seines ersten Magazins Amazing Stories bezeichnet hatte: „A charming romance intermingled with scientific fact and prophetic vision“.[67]

Die Versuche, SF zu definieren, lassen sich in drei Kategorien einteilen. Am Anfang stehen die Definitionen im Stile Gernsbacks, die von SF-Herausgebern und Fans verwendet werden und welche die naturwissenschaftlichen, prophetischen und didaktischen Elemente des Genres betonen. Weitaus größeren Raum nehmen die Definitionen von SF-Autoren ein, die von überzogenen Behauptungen, SF sei geradezu die einzige erstrebenswerte Literaturform der Moderne[68], bis hin zu eher pragmatischen, marktorientierten Überlegungen reichen[69]. Zu den immer wieder zitierten Beispielen dieser zweiten Kategorie zählt der Bestimmungsversuch von Theodore Sturgeon (1951) dessen, was eine gute SF-Geschichte sei: „A story built around human beings, with a human problem and a human solution, which would not have happened at all without its scientific content.“[70] Während Sturgeon den wissenschaftlichen Bezug nur als sekundäres Kriterium sieht, vertritt der SF-Autor Robert A. Heinlein (1957) den prognostischen Anspruch der SF als Extrapolation des aktuellen Stands von Wissenschaft und Technik. Für Heinlein ist SF:

Realistic speculation about possible future events, based solidly on adequate knowledge of the real world, past and present, and on a thorough understanding of the nature and significance of the scientific method.[71]

Kaum ein SF-Text erfüllt das beiden Aussagen zugrunde liegende Kriterium der Wissenschaftlichkeit, es wird eher ein Anspruch an das Genre formuliert als eine tatsächliche Definition.

Die dritte Kategorie der literaturwissenschaftlich-analytischen Definitionen, die vor allem auf Eingrenzung und Abgrenzung zu anderen Genres abzielen, enthält verschiedene Ansätze, die sich als normativ oder deskriptiv klassifizieren lassen. Zu den normativen Begriffsbestimmungen zählt auch die des Literaturwissenschaftlers und SF-Theoretikers Darko Suvin (1972). Suvin läßt den Aspekt der Wissenschaftlichkeit von SF außen vor und konzentriert sich statt dessen auf das Zusammenwirken von Verfremdung und intendierter Erkenntnis sowie auf den Unterschied zwischen fiktionaler Welt der Geschichte und erfahrbarer Welt des Autors als Merkmale von SF:

Die SF ist folglich ein literarisches Genre, dessen notwendige und hinreichende Bedingung das Vorhandensein und das Aufeinanderwirken von Verfremdung und Erkenntnis sind und deren formales Hauptstilmittel ein imaginativer Rahmen ist, der als Alternative zur empirischen Umwelt des Autors fungiert.[72]

Ausgehend von der empirisch erfahrbaren Welt wird der Leser durch Einführung eines Novums oder vielmehr eines Geflechtes von Nova[73] mit Gegebenheiten konfrontiert, die ihm eine andere Betrachtungsperspektive auf seine eigene Realität eröffnen. Zweifelhaft an Suvins Vorschlag ist vor allem der Erkenntnisanspruch, den kaum ein SF-Text erfüllen kann. Zudem gibt es eine große Zahl von SF-Texten, die eine der Verfremdung gegenläufige Strategie verfolgen und versuchen, Unglaubliches und Unbekanntes bekannt und glaubhaft erscheinen zu lassen. Ebenso fehlt eine ausreichende Abgrenzung zu anderen phantastischen Genres. Zu Recht schätzt bereits Reimer Jehmlich (1980) den Ansatz Suvins als zwar wohlklingend, aber für 99% der SF unzutreffend ein.[74] Wie viele der normativen Definitionen spiegelt auch die Suvins eher die Idealvorstellung ihres Urhebers als die Textwirklichkeit wider.

Auch die DDR-Literaturwissenschaft bevorzugte präskriptive Definitionen: nach Werner Förster (1980) baut ‚utopische Literatur’ auf drei Modellen auf, die in den einzelnen Werken nebeneinander nachweisbar sind, aber unterschiedliche Funktionen innehaben. Er unterscheidet die wissenschaftlich-technische Komponente, die sich in der wissenschaftlich-technischen Antizipation realisiert, die utopische Komponente, die gesellschaftliche Entwicklungen antizipiert und die philosophisch-spielerische Komponente, bei der ethisch-moralische, psychologische und soziologische Probleme verfremdet dargestellt werden. Thematisiert werden nicht zukünftige Entwicklungen, sondern gegenwärtige Probleme und Fragestellungen.[75] Hier verbindet sich Anspruchsdenken hinsichtlich der idealtypischen Beschaffenheit eines Teils des sozialistischen Literaturensembles mit dem gleichzeitigen Versuch, die in Literatur­wissenschaft und Kulturpolitik wenig geschätzte SF aufzuwerten. Den hohen Ansprüchen wurde bei weitem nicht jedes Werk der DDR-SF gerecht – bei objektiver Anwendung dieser Kriterien hätte Förster über eine ganz andere Literatur schreiben müssen als diejenige, die tatsächlich in den Buchläden der DDR zu kaufen war.

In der Vielzahl der Definitionen erscheinen die drei folgenden sich ergänzenden Vorschläge geeignet, dem komplexen Gegenstand SF zumindest annähernd gerecht zu werden. Suerbaum, Broich und Borgmeier (1981) definieren SF deskriptiv als

die Gesamtheit jener fiktiven Geschichten, in denen Zustände und Handlungen geschildert werden, die unter den gegenwärtigen Verhältnissen nicht möglich und daher nicht glaubhaft vorstellbar wären, weil sie Veränderungen und Entwicklungen der Wissenschaft, der Technik, der politischen und gesellschaftlichen Strukturen oder gar des Menschen selbst voraussetzen. Die Geschichten spielen in der Regel, aber nicht mit Notwendigkeit, in der Zukunft.[76]

Der rein technisch-naturwissenschaftliche Bezug tritt in den Hintergrund, statt dessen werden Veränderung und Entwicklung allgemein als Grundlage der SF ausgewiesen und um die Dimension gesellschaftlicher Veränderungen erweitert. Der Unterschied zwischen realer Welt und fiktiver SF-Welt ist ebenfalls Ausgangspunkt der analytischen Definition von Karlheinz Steinmüller (1995), der zuerst die phantastische Literatur von der realistischen Literatur abgrenzt, um SF im zweiten Definitionsschritt von der ‚reinen’ Phantastik wie Fantasy oder Horror zu differenzieren:

In der realistischen Literatur wird eine Welt vorausgesetzt, die im Prinzip unserer empirisch erfahrbaren Wirklichkeit entspricht. Die Welt der phantastischen Literatur weicht für den Leser erkenntlich von unserer Wirklichkeit ab.[77] [...] In der Science Fiction wird im Unterschied zur „reinen“ Phantastik die Abweichung der Welt des Werkes von der Realität des Lesers unter Bezugnahme auf ein wissenschaftliches Weltbild legitimiert.[78]

Bei Steinmüller wandelt sich der Aspekt der Wissenschaftlichkeit zur Kompatibilität von SF mit dem zum Zeitpunkt der Textentstehung anerkannten wissenschaftlichen Weltbild, das vom Bild der Wissenschaft beim Leser selbst herrührt. Steinmüller betont damit eine wesentliche Besonderheit der SF gegenüber anderen Genres: SF ist phantastische Literatur, die dem wissenschaftlichen Weltbild nicht explizit widerspricht. Während phantastische Elemente im Märchen oder im Horrorroman keiner wissenschaftlichen Begründung bedürfen und Naturgesetze prinzipiell außer Kraft gesetzt sind, versucht SF, ungewöhnliche Phänomene plausibel zu erklären. Diese erscheinen somit als logische Weiterführung der empirisch faßbaren Welt, deren Grundlagen durch die Textschichten erkennbar bleiben. Auch Florian F. Marzin grenzt SF gegen phantastische Literatur ab: “War bei der phantastischen Literatur die Existenz des Phänomens Manifestation und Beweis gleichzeitig, so ist das für die Science Fiction nicht genug.”[79] Statt dessen bedarf es einer Extrapolation des naturwissenschaftlich-empirischen Weltbildes, wobei Marzin die Erklärungsmethoden der SF in Legitimation auf naturwissenschaftlich-technischer Basis (durch physikalisch-technische Veränderung, zum Beispiel die Erfindung neuer technischer Apparate) und Legitimation auf evolutionär/anthropologischer Basis (durch biologische Veränderung, zum Beispiel Mutationen) differenziert.[80] Über die bloße Legitimation hinaus spielt die genaue Darstellung von wissenschaftlichen Theorien oder die Erläuterung von Funktionsprinzipien der beschriebenen technischen Geräte in der Regel keine Rolle. SF ist nicht wissenschaftlich, sondern wissenschaftsähnlich. Sie erweckt den Eindruck, sich in das wissenschaftliche Weltbild ohne gravierende Widersprüche einzufügen.

[...]


[1] Zu den Forschungsgegenständen der Literaturwissenschaft gehört demnach die Erfassung allgemeiner Strukturen sowie formaler, motivlicher oder thematischer Kategorien aller Literaturen, wobei das Interesse der Literaturwissenschaft nicht nur auf die sogenannte hohe Literatur und Dichtung beschränkt ist, sondern allen literarischen Produktionszweigen gilt. (Vgl. Schweikle, Günther: Literaturwissenschaft. In: Schweikle, Günther/Schweikle, Irmgard (Hrsg.): Metzler-Literatur-Lexikon. Begriffe und Definitionen. Stuttgart: Metzler 1990, S. 282.)

[2] Zu solcher Art Vorurteilen gehört die Orientierung der Literaturwissenschaft an ästhetischen Wertungs-normen, indem beispielsweise an die idealistische Ästhetik Hegels angeknüpft wird.

[3] Es erscheint an dieser Stelle wenig sinnvoll, auf die umfangreiche und fortdauernde Diskussion um den Begriff der Trivialliteratur (u.a. die Arbeiten von Peter Nusser und Walter Nutz) genauer einzugehen. Die Bezeichnung ‚triviale Literatur’ wird hier ihrem üblichen Sprachgebrauch folgend als pejorativer Begriff für Literatur verwendet, die als ‚minderwertig’ in Abgrenzung zur Hochliteratur eingestuft wird.

[4] Vgl. Neumann, Hans-Peter: Die große illustrierte Bibliographie der Science Fiction in der DDR. Berlin: Shayol 2002, S. 23f, S. 125-132, S. 141, S. 194, S. 698.

[5] Die typischen Auflagenhöhen in den beiden wichtigsten SF-Verlagen der DDR bei Reihen wie ‚SF Utopia’ (Das Neue Berlin) oder ‚BASAR’ (Neues Leben) lagen um die 50.000-60.000 Exemplare. Teilweise lag die Höhe der Auflagen noch unter der tatsächlichen Nachfrage, so daß beliebte SF-Titel wie vieles andere auch oft eher unter als über dem Ladentisch gehandelt wurden. (Vgl. Steinmüller, Angela/Steinmüller, Karlheinz: Vorgriff auf das Lichte Morgen. Studien zur DDR-Science-Fiction. Passau: EDFC e.V. 1995, S. 12.)

[6] In der befragten Altersgruppe der 16–25jährigen nannten 31% der Abiturienten ‚Utopische Literatur’ als beliebtestes Literaturgenre; 33% der Lehrlinge, 27% der Angestellten und 24% der Arbeiter wiesen ihr den zweiten, 19% der Studenten und 17% der Intelligenz den dritten Platz zu. Zur Wahl standen 11 Literatur-gattungen und -genres. (Vgl. Göhler, Helmut/Lindner, Bernd/Löffler, Dietrich (Hrsg.): Buch, Lektüre, Leser. Berlin/Weimar: Aufbau 1989, S. 89.)

[7] Vgl. Fest, Joachim: Der zerstörte Traum. Vom Ende des utopischen Zeitalters. Berlin: Siedler 1991, S. 81. Nach Fest haben sich die utopischen Träume stets in die Zwangsvorstellung einer „totalen Gesellschaft“ verlängert, die meint, das Glück des Einzelnen mittels staatlicher Ordnung herstellen zu können. Am Ende utopischen Denkens stehe daher der Totalitarismus, weshalb Fest für ein striktes Utopieverbot plädierte: ein Leben ohne Utopien gehöre zum Preis der Modernität.

[8] An dieser Stelle steht das Verständnis von ‚Utopie’ als einem nicht formgebundenen geistesgeschichtlichen Phänomen im Vordergrund. Wie im Einzelfall die Grenzen zwischen literarischer Utopie und politischem Handlungsmodell verschwimmen, wird bereits an ‚klassischen’ utopischen Texten wie Platons Politeia oder Morus’ Utopia deutlich, die von der engen Geistesverwandtschaft zwischen literarischer und politischer Utopie zeugen. (Zum Utopiebegriff und dessen Relation zur DDR-SF vgl. Abschnitt 4.1.)

[9] Antonio, Eberhardt del’: Nachwort. In: Ders.: Titanus. Zukunftsroman. 2. Auflage. Berlin: DNB 1960 (EV 1959), S.350-353, hier S. 350.

[10] Die Literaturentwicklung in der DDR war eng in die gesellschaftliche Entwicklung eingebunden. Der offiziellen Doktrin folgend sollte Literatur mehr sein als bloßer Selbstzweck: die gesellschaftliche Wirklichkeit galt es nicht nur wiederzuspiegeln, sondern gestalterisch zu verändern. Die literarische Umsetzung der herrschenden Politik, die politisch-ideologische Erziehung des Lesers und der Beitrag zur Entwicklung des Systems waren wichtige gesellschaftsbildnerische Funktionen von Literatur. (Zur Funktionalisierung von Literatur in der DDR vgl. Kapitel 5.)

[11] Ein Indiz für den Anteil der SF an der Formung des Zukunftsbildes ist das Ergebnis einer Leserumfrage der Jungen Welt vom 17. April 1970: „Was tust Du am Donnerstag, dem 6. Januar des Jahres 2000?“ Bei den Antworten stand die Zukunftswelt der utopischen Romane Pate: Hausroboter, Farbfernseher und Sichttelefon sind selbstverständlich, der Wetterbericht stimmt genau, auch in Westdeutschland hat der Kapitalismus ausgedient, und in der Sahara wird die erste Ernte eingefahren. (Vgl. Steinmüller/Steinmüller 1995, S. 171f.)

[12] Zweite Bitterfelder Konferenz 1964. Protokoll der von der Ideologischen Kommission beim Politbüro des ZK der SED und dem Ministerium für Kultur am 24. und 25. April im Kulturpalast des Elektrochemischen Kombinats Bitterfeld abgehaltenen Konferenz. 2. Auflage. Berlin: Dietz 1964, S. 80.

[13] Pracht, Erwin/Neubert, Werner (Hrsg.): Sozialistischer Realismus – Positionen, Probleme, Perspektiven. Eine Einführung. Berlin: Dietz 1970, S. 57.

[14] Steinmüller/Steinmüller 1995, S. 51. Die Vermittlung des Perspektivbewußtseins kann als Teil der Methode des sozialistischen Realismus aufgefaßt werden. So äußerte sich schon Andrej Shdanow: „Die hohen Eigenschaften der Sowjetmenschen zu zeigen, unser Volk nicht nur in seinem Heute darzustellen, sondern auch einen Blick auf den morgigen Tag zu werfen, unseren Weg nach vorn in hellem Licht erstrahlen zu lassen – das sind die Aufgaben eines jeden gewissenhaften Sowjetschriftstellers.“ (Erläuterungen zur Sowjetliteratur. Hilfsbücher für den Literaturunterricht, 2. bearb. Auflage. Berlin: Volk und Wissen 1953, S. 27.) Noch 1971 forderte Erwin Pracht: „Die künstlerische Methode des sozialistischen Realismus handhaben, bedeutet das Erheben der Zukunft in eine gestalterische Potenz der Gegenwart. Das wiederum heißt nicht, die Gegenwart im Namen der Zukunft zu desavouieren. Es gilt vielmehr, die Zukunftsträchtigkeit der Gegenwart, aber auch den Gegenwartswert der Vergangenheit aufzudecken.“ (Pracht, Erwin: Sozialistischer Realismus als künstlerische Methode. In: Weimarer Beiträge 10, 1971, S. 31.)

[15] Schierlich, Walter: Zur Problematik des Zukunftsromans. In: Der Bibliothekar 9, 1957, S. 926.

[16] Hatte die ‚Methode des sozialistischen Realismus’ zunächst den Charakter eines geschlossenen Systems, wurde die Doktrin Schritt für Schritt immer flexibler interpretiert, bis sie im letzten Jahrzehnt der DDR als System beschrieben wurde, das sich dynamisch entwickelt und vervollkommnet. (Vgl. Emmerich, Wolfgang: Kleine Literaturgeschichte der DDR. Berlin: Aufbau Taschenbuch Verlag 2000, S. 121.)

[17] Erörtert wurden Wert und Funktion der SF in der sozialistischen Gesellschaft, vorrangig in kulturpolitischen Zeitungen und Zeitschriften wie im ‚Sonntag’ oder im ‚Bibliothekar’. Vgl. Breitenfeld, Annette/Schröder, Gustav/Zander, Gisela: Sience-fiction-Literatur in der DDR. Ein Überblick über die Sekundärliteratur. In: Wissenschaftliche Zeitschrift der Pädagogischen Hochschule ‚Erich Weinert’ Magdeburg 6, 1986, S. 463-499, hier S. 463.

[18] Allein von 1970 bis 1979 wurden mehr Romane, Anthologien und Hefterzählungen publiziert (75 Titel) als im gesamten Zeitraum von 1947 bis 1969 (68 Titel). Vgl. Steinmüller/Steinmüller 1995, S. 10, Tabelle 1: Statistik der DDR-SF 1945–1990.

[19] Vgl. Heidtmann, Horst: Utopisch-phantastische Literatur in der DDR. Untersuchungen zur Entwicklung eines unterhaltungsliterarischen Genres von 1945–1979. München: Fink 1982, S. 32.

[20] Vgl. Schubbe, Elimar (Hrsg.): Dokumente zur Kunst-, Literatur- und Kulturpolitik der SED. Stuttgart: Seewald 1972, S. 471.

[21] Vgl. Heidtmann 1982, S. 41.

[22] Vgl. Bouvier, Arwed: Zur Theorie der sozialistischen Unterhaltungsliteratur. Phil. Diss., Greifswald 1970.

[23] Vgl. ebd., S. 24f.

[24] Vgl. ebd., S. 252.

[25] Vgl. Heinemann, Dieter: Unser „Problem Unterhaltungsliteratur“. In: Günter, Eberhard/Einhorn, Hinnerk (Hrsg.): Positionen. Wortmeldungen zur DDR-Literatur. Bd. 4. Halle/Leipzig: Mitteldeutscher Verlag 1988, S. 118-132, hier S. 127. Zwar wird im Wörterbuch der Literaturwissenschaft (1989) Unterhaltungsliteratur zu einem „vollgültigen Bestandteil des Literaturensembles in der sozialistischen Gesellschaft“ erklärt, gleichzeitig aber eine noch andauernde Diskussion des Begriffes in Hinsicht auf sozialistische Literatur-verhältnisse vermerkt. Unterhaltungs- und Trivialliteratur würden noch häufig gleichgesetzt. Dies „scheine“ nicht mehr gerechtfertigt, da es zu einer Vermischung von Funktions- und Wertkriterien führe. (Vgl. Förster, Werner: Unterhaltungsliteratur. In: Träger, Claus (Hrsg.): Wörterbuch der Literaturwissenschaft. 2. Auflage. Leipzig: Bibliographisches Institut 1989, S. 535.)

[26] Vgl. Hartung, Thomas: Die Science Fiction der DDR von 1980 bis 1990. Eine unterhaltungsliterarische Bestandsaufnahme unter thematischem und wirkungsspezifischem Aspekt. Magdeburg: Helmut-Block-Verlag 1992, S. 1.

[27] Sckerl, Adolf: Wissenschaftlich-phantastische Literatur. Überlegungen zu einem literarischen Genre und Anmerkungen zu seiner Entwicklung in der DDR. Phil. Diss., Berlin 1977.

[28] Vgl. Rank, Heiner: Zehn Jahre Arbeitskreis für utopische Literatur. In: Simon, Erik/Spittel, Olaf R. (Hrsg.): Science-fiction. Personalia zu einem Genre in der DDR. Berlin: DNB 1982, S. 25-27, hier S. 25.

[29] Förster, Werner: Realität und Entwurf. Zu einigen Aspekten des Genres Phantastik in der DDR-Literatur der siebziger Jahre. Phil. Diss., Leipzig 1980.

[30] Die bereits vorliegenden Ergebnisse werden nicht kritisch hinterfragt, was der Vorstellung eines kollektivistischen Forschungsprozesses geschuldet sein dürfte. Vgl. dazu auch Friedrich, Hans-Edwin: Science Fiction in der deutschsprachigen Literatur: ein Referat zur Forschung bis 1993. Tübingen: Niemeyer 1995, S. 270.

[31] „Wissenschaftliche Phantastik“ wird bei Förster als literarisches Genre aufgefaßt, dessen Werke mit spielerischen Mitteln die Grenzen des Realen überschreiten und eine künstlerische Spielwelt aufbauen. Genrekonstituierend sind wissenschaftliche, gesellschaftsutopische und philosophisch-spielerische Elemente. (Vgl. Förster 1980, S. 19.)

[32] Vgl. u.a. Sckerl 1977, S. 27f., 33. Beispielhaft für Sckerls Argumentationsweise ist, daß H.G. Wells zwar als einer der Väter des Genres anerkannt wird, dessen Roman Die Zeitmaschine (1895) Sckerl Gesellschaftskritik und „bürgerliches Krisenbewußtsein“ attestiert, gleichzeitig aber die „völlige Verkennung wirklicher Klassenbewegungen“ bemängelt.

[33] Vgl. Friedrich 1995, S. 269f.

[34] Heidtmann, Horst: Utopisch-phantastische Literatur in der DDR. Untersuchungen zur Entwicklung eines unterhaltungsliterarischen Genres von 1945–1979. München: Fink 1982. Die Dissertation wurde nicht in der DDR publiziert.

[35] Vgl. Schröder, Gustav: Zur Geschichte der utopischen Literatur in der DDR. In: Potsdamer Forschungen A 16, 1975, S. 31-47. In diesem Aufsatz bietet Schröder einen thematischen Überblick über die DDR-SF ab Mitte der 60er bis Mitte der 70er Jahre, verfolgt die Hauptschritte der Entwicklung und stellt die wichtigsten Werke und Autoren vor.

[36] Die negative Wertung der deutschsprachigen SF in der Bundesrepublik als einer „per se reaktionären Gattung“ hat sich zum Klischee verfestigt; entsprechend dünn ist die Forschungslage, herausragende Texte sind unerschlossen geblieben. (Vgl. Friedrich 1995, S. 290.) Symptomatisch ist die Polemik Manfred Nagls gegen SF und ihre Autoren. (Vgl. Nagl, Manfred: Science-fiction. Ein Segment populärer Kultur im Medien- und Produktverbund. Tübingen: Narr 1981.) Heidtmann selbst tadelt an anderer Stelle das „kleinbürgerliche Weltbild mit chauvinistischen Zügen“ westdeutscher SF und bezeichnet die SF der kapitalistischen Länder als „Rechtfertigungsbelletristik par excellence“. (Heidtmann, Horst: Apologetik und Apokalyptik in der SF der BRD. In: Spittel, Olaf R. (Hrsg.): Science-Fiction: Essays. Halle/Leipzig: Mitteldeutscher Verlag 1987, S. 122-131, hier S. 122, 124.)

[37] Vgl. Heidtmann 1982, S. 166. Inwiefern das positive Zukunftsbild aus der heteronomen Verpflichtung der DDR-SF resultiert, wird nicht hinterfragt.

[38] Vgl. Heidtmann 1982, S. 12.

[39] Blume, Mikaela: Untersuchungen zur Rolle der Frau in der Science-Fiction-Literatur der DDR seit 1970. Phil. Diss., Leipzig 1989.

[40] Breitenfeld, Annette: Die Begegnung mit außerirdischen Lebensformen. Untersuchungen zur

Science-Fiction-Literatur der DDR. Phil. Diss., Magdeburg 1989. Später verlegt in der Schriftenreihe der Phantastischen Bibliothek Wetzlar, Band 6, Wetzlar 1994. Bis auf zeit- und ortsbezogene Hinweise, aktualisierte Fußnoten und zusätzliche bibliographische Angaben entspricht der 1994 veröffentlichte Text der Originalfassung der Dissertation. In dieser Arbeit wird die Textfassung von 1994 verwendet.

[41] Kruschel, Karsten: Dialektik von Eutopischem und Dystopischem in der Science-Fiction-Literatur der DDR in den achtziger Jahren. Phil. Diss., Leipzig 1991. Eine überarbeitete, ergänzte und veränderte Fassung der Dissertation wurde 1995 veröffentlicht: Spielwelten zwischen Wunschbild und Warnbild. Eutopisches und Dystopisches in der SF-Literatur der DDR in den achtziger Jahren. Passau: EDFC e.V. 1995. In dieser Arbeit wird die Textfassung von 1995 verwendet.

[42] Hartung, Thomas: Die Science Fiction der DDR von 1980 bis 1990. Eine unterhaltungsliterarische Bestandsaufnahme unter thematischem und wirkungsspezifischem Aspekt. Magdeburg: Helmuth-Block-Verlag 1992.

[43] Simon, Erik/Spittel, Olaf R.: Science-fiction. Personalia zu einem Genre in der DDR. Berlin: DNB 1982. Die Broschüre war als Informations- und Werbemedium konzipiert, das auf Tagungen und Kongressen verteilt wurde, aber nicht im Buchhandel zu kaufen war.

[44] Simon, Erik/Spittel, Olaf R. (Hrsg.): Die Science-fiction der DDR. Autoren und Werke: Ein Lexikon. Berlin: DNB 1988, S. 5.

[45] Simon, Erik (Hrsg.): Lichtjahr. Ein Phantastik-Almanach. Berlin: DNB 1980 (Bd.1), 1981 (Bd.2), 1984 (Bd.3), 1985 (Bd.4), 1986 (Bd.5), 1988 (Bd.6).

[46] Spittel, Olaf R.: Science Fiction in der DDR. Bibliographie. Barnstorf: Verlag 28 Eichen (Norderstedt: Libri Books on Demand) 2000.

[47] Neumann, Hans-Peter: Die große illustrierte Bibliographie der Science Fiction in der DDR. Berlin: Shayol 2002. Neben in der DDR erschienener SF von ausländischen und DDR-Autoren erfaßt das Werk u.a. Sekundärliteratur zur DDR-SF. Rezensenten, z.B. Fred Siebert im Internetmagazin Alien Contact, haben der über 1000 Seiten umfassenden Bibliographie Referenzqualitäten bescheinigt. Für seine Arbeit wurde Neumann 2003 mit dem seit 1981 verliehenen Kurd-Laßwitz-Preis ausgezeichnet.

[48] Steinmüller, Angela/Steinmüller, Karlheinz: Vorgriff auf das Lichte Morgen. Studien zur DDR-Science-Fiction. Passau: EDFC e.V. 1995.

[49] Both, Wolfgang/Neumann, Hans-Peter/Scheffler, Klaus: Berichte aus der Parallelwelt. Die Geschichte des Science-Fiction-Fandoms in der DDR. Passau: EDFC e.V. 1998.

[50] Aktive SF-Clubs, deren Wurzeln in der DDR liegen:
SF-Club Phantopia Ilmenau. Internet: www.phantopia.de. Stand: 15.03.2004.

SF-Club ANDYMON Berlin. Internet: www.deutsche-sf.de/ANDYMON/andymon.html. Stand: 15.03.2004.

Freundeskreis Science Fiction Leipzig. Internet: www.fksfl.de. Stand: 15.03.2004.

URANIA-SF-Club TERRAsse, Dresden. Internet: www.urania-dresden.de/SFClub.html. Stand: 15.03.2004.

[51] Die Wortbildung ‚Fandom’ setzt sich zusammen aus ‚Fan’, dem enthusiastischen Anhänger einer Sache, und dem Suffix ‚dom’ für ein Reich. Ein vergleichbares Reich von Anhängern dürfte in kaum einem anderen literarischen Genre vorhanden sein. Als eine organisierte Verbindung zwischen Lesern, Autoren und Verlegern konstituierte sich das Fandom erstmals in den USA während der 20er Jahre. Die Gründung der ersten SF-Clubs in der DDR Ende der 60er Jahre wurde massiv von Carlos Rasch unterstützt, der – nachdem er 1961 um ein Autogramm gebeten wurde – als erster SF-Schriftsteller die Chance begriff, auf diese Weise Leser zu gewinnen. (Vgl. Both/Neumann/Scheffler 1998, S. 8.)

[52] Simon, Erik: [Zitat]. In: Alien Contact 54, 2003. Quelle: www.epilog.de/Bibliothek/Alien-Contact/AC0/AC054/Zitate_AC054.htm. Stand: 28.02.2004.

[53] Vgl. u.a. Hartung 1992, S. 1-3, Kruschel 1995, S. 5-7, sowie Wuckel, Dieter: Zur neueren Science-Fiction-Literatur der DDR. In: Weimarer Beiträge 3, 1987, S. 357-378, hier S. 358.

[54] Vgl. Hartung 1992, S. 2, sowie Lem, Stanislaw: Über das Science-fiction-Ghetto. In: Lichtjahr 2. Berlin: DNB 1981, S. 182-189.

[55] Vgl. Friedrich 1995, S. 289.

[56] Einzig in dieser vom damaligen Duden vorgeschriebenen Schreibweise.

[57] Vgl. Simon/Spittel 1988, S. 6. Der Begriff ‚Wissenschaftliche Phantastik’ ist irreführend. SF berücksichtigt zwar das von wissenschaftlichen Vorstellungen geprägte Weltbild des Lesers und ist damit wissenschafts­ähnlich bzw. wissenschaftsbezogen, wissenschaftlichen Kriterien vermag sie jedoch nicht zu entsprechen.

[58] Vgl. Müller-Claud, Werner: Die unheilige Mission des Perry Rhodan. Sintflut der Verführung auf dem westlichen Science-Fiction-Markt. In: Sonntag 45, 1970, S. 9 - 11.

[59] So urteilt Werner Förster noch 1980: „[...]gerade die Belastung des Begriffs ‚Science Fiction’ durch die spätbürgerliche Ideologie, seine Bindung an spätbürgerliche Literaturverhältnisse [...] verbietet eine Anwendung auf formal vergleichbare sozialistische Literatur.“ (Förster 1980, S. 18.)

[60] Simon/Spittel 1982, S. 81.

[61] So klassifiziert Annette Breitenfeld aufgrund der „vorrangig unterhaltenden Momente“ SF als Subgenre der Unterhaltungsliteratur – und beschränkt sich damit bei der Genrediskussion auf ein einzelnes funktionales Kriterium. (Vgl. Breitenfeld 1994, S. 17. ) Thomas Hartung wiederum erklärt das Genreproblem für gegenwärtig unlösbar. Die von ihm vorgeschlagene „atheoretische“ Hilfskonstruktion „literarphantastische Form“ zur Bezeichnung der SF fügt der Diskussion nur einen weiteren Begriff hinzu, und die sich daran anschließende Bestimmung von SF als „multifunktionaler Form welt- und national-literarischer Phantastik“, die „sowohl Endpunkt verschiedener literarphantastischer Strömungen als auch Zustand einer literarphantastischen Form wie ebenfalls Ausgangspunkt anderer literarphantastischer Entwicklungen [ist]“ bleibt ungenau. (Vgl. Hartung 1992, S. 14ff.)

[62] Das aus dem Französischen übernommene Lehnwort Genre und das deutsche Wort Gattung haben ihren Ursprung im lateinischen ‚genus’ bzw. im griechischen ‚génos’, was soviel wie Art, Abstammung, Herkunft bedeutet. (Vgl. Hempfer, Klaus W.: Gattung. In: Weimar, Klaus (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Bd. 1. Berlin/New York: Walter de Gruyter 1997, S. 652 sowie Lamping, Dieter: Genre. In: ebd., S. 704.)

[63] Ein Forschungsüberblick einschließlich der wichtigsten Argumentationsstränge und ihrer Hauptvertreter findet sich bei: Lamping, Dieter: Probleme der neueren Gattungstheorie. In: Lamping, Dieter/Weber, Dietrich (Hrsg.): Gattungstheorie und Gattungsgeschichte. Ein Symposion. Bergische Universität – Gesamthochschule Wuppertal 1990, S. 9-43.

[64] Fricke, Harald: Norm und Abweichung. Eine Philosophie der Literatur. München: Beck 1991, S. 132. Während ‚Genre’ als „historisch begrenzte literarische Institution“ bezeichnet wird, begreift Fricke ‚Gattung’ als „unspezifizierten Oberbegriff für ganz verschiedenartige literarische Gruppenbildungen“ (ebd.).

[65] Vgl. Saparew, Ognjan: Vier Aspekte der Science-fiction-Literatur. In: Simon, Erik: Lichtjahr 5. Berlin: DNB 1986, S. 194-208, hier S. 196. Nach der Argumentation von Ognjan deuten Indizes wie ‚Raumschiff’, ‚fremder Planet’ oder ‚ferne Zukunft’ auf SF hin.

[66] Vgl. Kruschel 1995, S. 10f.

[67] Vgl. Wolfe, Gary K.: Critical terms for Science Fiction and Fantasy. A glossary and guide to scholarship. Westport: Greenwood Press 1986, S. 108f. Durch Magazine wie Amazing Stories, in denen SF-Erzählungen und Nachdrucke von ‚Klassikern’ wie Jules Verne und H.G. Wells zusammen mit populärwissenschaftlichen Artikeln veröffentlicht wurden, fand SF massenhafte Verbreitung in den USA und griff später auf andere Medien (Comics, Film, Fernsehen) über. Typische Themen waren phantastische Wundertechnik, siegreiche Überhelden und gigantische Katastrophen, Ausfahrten ins Weltall und Invasionen. Diese ‚niedere Herkunft’ der frühen SF, ihre Verwandtschaft mit den ‚dime novels’ (Groschenromane) und ‚pulp magazines’ (pejorativ, wörtlich: Schundmagazine) ist einer der Gründe für die langjährige Abwertung des Genres und dessen Einstufung als Trivialliteratur. So sieht z. B. Adolf Sckerl ‚Science Fiction’ noch als triviale Entartung ‚wissenschaftlich-phantastischer Literatur’. (Vgl. Sckerl 1977, S. 3.)

[68] Insbesondere in den 50er und 60er Jahren, der Hochzeit der technikgläubigen Moderne (Hoffnung auf friedliche Nutzung der Atomenergie, Eroberung des Weltraums), wurde SF auch als literarischer Ausdruck der wissenschaftlich-technischen Entwicklung begriffen, wie die zeitgenössischen Definitionsversuche zeigen, die bei Wolfe aufgelistet sind. (Vgl. Wolfe 1986, S. 109f.)

[69] Berühmt geworden sind vor allem zwei in ihrem Pragmatismus kaum zu übertreffende Vorschläge, die jedoch keine literaturwissenschaftlichen Ansatzpunkte bieten. Für Norman Spinrad und Brian W. Aldiss ist SF das, was in den Buchläden unter der Rubrik SF angeboten wird, und Damon Knight bezeichnet SF als „das, worauf ich zeige, wenn ich sage, daß es SF ist“. (Vgl. Wolfe 1986, S. 108.)

[70] Gunn, James: Alternate Worlds. The Illustrated History of Science Fiction. Englewood Cliffs, N.J.: Prentice-Hall 1975, S. 12. Zitiert nach Wolfe 1986, S. 109.

[71] Heinlein, Robert A./Kornbluth, C.M./Bester, Alfred/Bloch, Robert: The Science Fiction Novel. Imagination and Social Criticism. Chicago: Advent 1959, S. 23. Zitiert nach Wolfe 1986, S. 109. Vgl. auch Schröder, Torben: Science Fiction als Social Fiction. Das gesellschaftliche Potential eines Unterhaltungsgenres. Münster: LIT 1998, S. 7.

[72] Suvin, Darko: Zur Poetik des literarischen Genres Science Fiction. In: Barmeyer, Eike (Hrsg.): Science Fiction. Theorie und Geschichte. München: Fink 1972, S. 86-105, hier S. 90. Zu weiteren theoretischen Erörterungen zur SF vgl. auch Suvin, Darko: Poetik der Science Fiction. Zur Theorie und Geschichte einer literarischen Gattung. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1979, S. 27.

[73] Ein Novum dient in der SF vordergründig dazu, die fiktive Welt als Alternative zur realen Welt auszuweisen, z.B. mittels futuristischer Erfindungen und Entdeckungen oder der Formulierung neuer und fremdartiger Lebensbedingungen. (Vgl. Schröder 1998, S. 16.)

[74] Vgl. Jehmlich, Reimer: Science Fiction. Erträge der Forschung, Bd. 139. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1980, S. 13.

[75] Vgl. Förster 1980, S. 23f.

[76] Suerbaum, Ulrich/Broich, Ulrich/Borgmeier, Raimund: Science fiction. Theorie und Geschichte, Themen und Typen, Form und Weltbild. Stuttgart: Reclam 1981, S. 10.

[77] Steinmüller, Karlheinz: Gestaltbare Zukünfte. Zukunftsforschung in Science Fiction. Werkstattbericht 13. Gelsenkirchen: SFZ 1995, S. 12.

[78] Ebd., S. 14.

[79] Marzin, Florian F.: Die phantastische Literatur. Eine Gattungsstudie. Frankfurt a. M.: Lang 1982, S. 198.

[80] Ebd., S. 204.

Ende der Leseprobe aus 95 Seiten

Details

Titel
Zwischen Perspektivbewußtsein und Systemkritik - Science-Fiction-Literatur in der DDR
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Germanistik, Lehrstuhl für Neuere deutsche Literaturwissenschaft)
Note
1,1
Autor
Jahr
2004
Seiten
95
Katalognummer
V36437
ISBN (eBook)
9783638360654
ISBN (Buch)
9783640330300
Dateigröße
1315 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Zwischen, Perspektivbewußtsein, Systemkritik, Science-Fiction-Literatur, SF, DDR, Literatur, Science-Fiction
Arbeit zitieren
Matthias Vorhauer (Autor), 2004, Zwischen Perspektivbewußtsein und Systemkritik - Science-Fiction-Literatur in der DDR, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36437

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