Das Ende des Ersten Weltkrieges markiert das Ende des langen 19. Jahrhunderts. Die Forschungsliteratur zur Thematik ist vielfältig und breit gefächert. Im ersten Teil dieser Hausarbeit soll sich mit der Situation vor Kriegsbeginn und dem unmittelbaren Beginn des Krieges beschäftigt werden. Die Umstände der Julikrise sollen angerissen und die folgenden Widersprüche des Burgfriedens vom 04.08.1914 diskutiert werden. Im Mittelpunkt soll die Entwicklung der zielgerichteten Propaganda stehen. Wie werden Propagandastrategien entwickelt und eingesetzt? Wie geht die Öffentlichkeit mit den Medien um und wie wirken die Medien auf die Öffentlichkeit. Welche Rolle spielte die Zensur und die Verfälschung von Berichterstattung? Was sind die Gründe für die Mythenbildung vom „Geist von 1914“ und welche Bedeutung spielt gerade der August 1914?
Aufgrund der Fülle des Materials soll sich in der Hausarbeit lokal auf die Berichterstattung in Berlin kurz vor Kriegsbeginn bis Anfang August 1914 beschäftigt werden. Hierzu wurden drei Tageszeitungen ausgewählt, deren Positionen und Berichterstattung vergleichend diskutiert werden soll. Der Fokus bei der Zeitung „Vorwärts“ soll auf den Artikeln zur Antikriegsstimmung und zur Gegenbewegung bis hin zum Burgfriedensschluss vom 04.08.1914 liegen. Des Weiteren werden Berichte der offiziell unabhängigen „Vossischen Zeitung“ und des „Berliner Tageblatt“ beispielhaft zur Analyse herangezogen. Im abschließenden Teil werden die Auswirkungen beziehungsweise die Wechselwirkungen der Kriegspropaganda näher betrachtet.
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung
2. Vorwärts: Berliner Volksblatt
2.1.Julikrise und Burgfriedensschluss
2.2. Kriegsbeginn und Mobilmachung
2.3 Weitere Berichterstattung
3. Berliner Tageblatt
3.1. Julikrise und Burgfriedensschluss
3.2. Kriegsbeginn und Mobilmachung
3.3. Weitere Berichterstattung
4. Vossische Zeitung
4.1. Julikrise und Burgfriedensschluss
4.2. Mobilmachung und Kriegsbeginn
4.3. Weitere Berichterstattung
5. Zusammenfassende Betrachtung zum “Geist von 1914” und dem Augusterlebnis in der vorgestellten Presse sowie der Propaganda und Zensur in der Öffentlichkeit
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert anhand einer vergleichenden Lokalstudie Berliner Tageszeitungen, wie das sogenannte „Augusterlebnis“ und die Metaphorik des „Geist von 1914“ zu Beginn des Ersten Weltkriegs medial dargestellt und propagandistisch sowie durch Zensur geformt wurden.
- Vergleichende Quellenanalyse von Vorwärts, Berliner Tageblatt und Vossischer Zeitung
- Untersuchung der Berichterstattung zur Julikrise, zum Burgfriedensschluss und zur Mobilmachung
- Analyse der Rolle von Staatspropaganda und Zensur bei der Meinungsbildung
- Dekonstruktion des Mythos vom „Geist von 1914“ im städtischen Kontext
Auszug aus dem Buch
2.1. Julikrise und Burgfriedensschluss
Der zeitliche Rahmen, der für die Analyse der beiden Themenabschnitte bearbeitet wird, beginnt mit dem 25.07.1914, der Teilmobilmachung Österreich-Ungarns nach dem Ultimatum an Serbien vom 23.07.1914 und schließt mit dem 05.08.1914, der Kriegserklärung Englands an Deutschland und der Bewilligung der Kriegskredite in der Reichstagssitzung vom 04.08.1914 unter Zustimmung der SPD.
Der Leitartikel des „Vorwärts“ vom 25.07.1914 startet mit einem einseitigen Aufruf des Parteivorstandes zu Massenprotesten und Massendemonstrationen gegen den bevorstehenden Krieg. Er klagt eindeutig die österreichisch-ungarische Regierung als Kriegsprovokateure an und spricht sich im Namen des gesamten deutschen Proletariats gegen einen Krieg und für die Aufrechterhaltung des Friedens aus.
In den folgenden Tagen bis einschließlich zum 31.07.1914 ruft der „Vorwärts“ konsequent zu Massenprotesten gegen den Krieg auf und ächtet die Versammlungen beziehungsweise Demonstrationen für den Krieg als „Kriegshetze“ und die Demonstranten als „unreifen patriotischen Mob“. Am 28.07.1914 wird Österreich-Ungarns Agieren noch als eine größere Kriegsgefahr eingestuft als der Zarismus.
Bis zum 29.07.1914 nimmt der „Vorwärts“ eine uneingeschränkt ablehnende Haltung gegenüber der politischen Entwicklung Österreich-Ungarns und der Haltung der Regierung Deutschlands gegenüber seinem Bündnispartner ein. Die deutsche Regierung wird als „direktionslos“ und „uneinig“ beschrieben.
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema ein, erläutert die Forschungsrelevanz und stellt die Zielsetzung dar, die Berichterstattung Berliner Tageszeitungen zum „Augusterlebnis“ und zum „Geist von 1914“ zu analysieren.
2. Vorwärts: Berliner Volksblatt: Dieses Kapitel untersucht die Berichterstattung der sozialdemokratischen Parteizeitung, die sich von einer dezidierten Antikriegshaltung zur Zustimmung zum Burgfrieden wandelte.
3. Berliner Tageblatt: Hier wird die eher neutral und sachlich gehaltene Berichterstattung des Berliner Tageblatts analysiert, das den Fokus auf diplomatische Vermittlungsversuche legte.
4. Vossische Zeitung: Das Kapitel betrachtet die liberale Berichterstattung der Vossischen Zeitung, die das Feindbild Russland und später England prägte und die nationale Integration betonte.
5. Zusammenfassende Betrachtung zum “Geist von 1914” und dem Augusterlebnis in der vorgestellten Presse sowie der Propaganda und Zensur in der Öffentlichkeit: Diese Synthese diskutiert, wie durch Zensur und zielgerichtete Propaganda kollektive Identitäten geschaffen und der Mythos des „Geist von 1914“ konstruiert wurde.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert die Rolle der Presse als Instrument zur Lenkung der öffentlichen Stimmung während der Kriegsmonate.
Schlüsselwörter
Erster Weltkrieg, Augusterlebnis, Geist von 1914, Vorwärts, Berliner Tageblatt, Vossische Zeitung, Burgfrieden, Kriegspropaganda, Zensur, Mobilmachung, Julikrise, Berliner Presse, Nationale Integration, Kriegsschuld, Sozialdemokratie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der medialen Darstellung der frühen Kriegsphase des Ersten Weltkriegs in drei Berliner Tageszeitungen und deren Beitrag zur Entstehung des sogenannten „Augusterlebnisses“.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind der Wandel der Berichterstattung während der Julikrise, die Akzeptanz des Burgfriedens durch die SPD sowie die Rolle von staatlicher Zensur und Propagandastrategien.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Ziel ist es, durch eine vergleichende Quellenanalyse herauszuarbeiten, wie unterschiedliche politische Milieus der Berliner Presse den Kriegseintritt thematisierten und inwieweit einheitliche Narrative wie der „Geist von 1914“ konstruiert wurden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Quellenanalyse, die ausgewählte Tageszeitungsartikel aus dem August 1914 unter Einbeziehung aktueller forschungskritischer Literatur auswertet.
Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in drei große Abschnitte, die jeweils die spezifische Berichterstattung von Vorwärts, Berliner Tageblatt und Vossischer Zeitung zu den Themen Julikrise, Mobilmachung und Kriegsverlauf beleuchten.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie „Geist von 1914“, „Burgfrieden“, „Zensur“ und „Kriegspropaganda“ charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die Haltung des „Vorwärts“ von der liberalen Presse?
Der „Vorwärts“ nahm anfangs eine dezidiert antimonarchische und kriegskritische Haltung ein, während das Berliner Tageblatt und die Vossische Zeitung bereits früher eine eher patriotische und staatstreue Berichterstattung forcierten.
Welche Bedeutung hatte die Zensur für die Berichterstattung?
Die Zensur spielte eine entscheidende Rolle bei der Vereinheitlichung der Presse. Sie verhinderte Berichte über Nöte im eigenen Land und stellte sicher, dass nur vom Generalstab freigegebene Informationen veröffentlicht wurden.
Wie wurde der Mythos vom „Geist von 1914“ in der Analyse bewertet?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass der „Geist von 1914“ weniger auf einer spontanen Kriegsbegeisterung der gesamten Bevölkerung basierte, sondern vielmehr ein durch Zensur und gezielte Propaganda gestärktes kollektives Narrativ zur Einigung der Gesellschaft darstellte.
- Quote paper
- Antje Klünder (Author), 2013, Der Geist von 1914. Analyse der Berichterstattung und Propaganda zum Augusterlebnis in der Berliner Presse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/364686