Diese Arbeit stellt sich die Aufgabe, ausgehend vom Begriff des Bürgers die Grundlagen für den Terminus der Bürgergesellschaft und die mit ihr korrespondierenden Aspekte der Subsidiarität und Migration näher zu beleuchten. Zu diesem Zweck wird der Begriff des Bürgers zunächst historisch verortet.
Dabei werden die unterschiedlichen Typen des Bürgerbegriffs miteinander ins Verhältnis gesetzt. Dies geschieht anhand von Betrachtungen der Rechtsentwicklungen in einer mittelalterlichen Stadt, dem Begriff des politischen Bürgers bei Johannes Althusius und den Kategorisierungen nach Walter Lesch. Abschließend liegt der Fokus auf der Begrifflichkeit der Bürgergesellschaft und der zukünftigen Bedeutung der Wirtschaftsbürger.
Inhaltsverzeichnis
0. Prolog
1. Die etymologische Verortung des Begriffes „Bürger“
2. Die Unterscheidung der Stadtbewohnerschaft zur Zeit des Mittelalters
3. Althusius und die Bedeutung des Bürgers für die Gesellschaft
3.1. GRUNDLAGEN DES DENKENS DES JOHANNES ALTHUSIUS
3.2. DER POLITISCHE BÜRGER BEI ALTHUSIUS
3.3. EHRE UND TÄTIGKEIT DER BÜRGER
3.4. ÄNDERUNGEN IN DER WAHRNEHMUNG DES BÜRGERBEGRIFFES
4. Gegenwärtige Unterscheidungen innerhalb der Bürger
4.1. DIE BÜRGER AUS DER SICHTWEISE VON WALTER LESCH
4.2. DIE BÜRGERBEGRIFFE BEI ALTHUSIUS UND LESCH
5. Wirtschaftsbürger
5.1. DIE POLITISCHE BEDEUTUNG DES WIRTSCHAFTSBÜRGERS
5.2. DIE BEDEUTUNG DES WIRTSCHAFTSBÜRGER UNTER MIGRATIONS- UND GESELLSCHAFTSTHEORETISCHEN ASPEKTEN
6. Epilog oder Bürger vs. Bürger?
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die historische und politische Dimension des Bürgerbegriffs, um Grundlagen für ein tieferes Verständnis von Bürgergesellschaft, Subsidiarität und Migration in einer globalisierten Welt zu legen. Dabei wird insbesondere hinterfragt, ob die heutige Generalisierung des Bürgerstatus zur Marginalisierung bestimmter Bevölkerungsschichten und zum Verschleiern undemokratischer Machtstrukturen beiträgt.
- Historische Herleitung des Bürgerbegriffs aus mittelalterlichen Stadtstrukturen.
- Analyse der Staatstheorie von Johannes Althusius und seiner Differenzierung von Bürgertypen.
- Kritische Auseinandersetzung mit der zeitgenössischen Bürgertypologie nach Walter Lesch.
- Untersuchung der Rolle des Wirtschaftsbürgers als „Motor“ politischer und gesellschaftlicher Prozesse.
- Reflexion über Migrationsaspekte und die Exklusionsmechanismen des modernen Staatsbürgerbegriffs.
Auszug aus dem Buch
3.1. Grundlagen des Denkens des Johannes Althusius
Der Calvinist Johannes Althusius, welcher als einer der großen, lange Zeit in Vergessenheit geratenen, jetzt wieder entdeckten, Politik(wissen)schaftler anzusehen ist und sich als Syndikus für die Stadt Emden aktiv mit dem Föderalismus des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation auseinandersetzte, beschrieb in seiner Politica methodice digesta ein Staatsmodell, welches als Vorbild für den institutionellen Aufbau der Bundesrepublik Deutschland herangezogen werden kann.
Der Ausgangspunkt seines Denkens liegt in der Frage nach dem Wesen der Politik, die er als die Lehre vom Zusammenleben der Menschen ansieht, und deren Aufgabe darin besteht, dieses Zusammenleben zu fördern, wie auch in der Frage, wann der Mensch den Naturzustand erreicht hat.
Althusius definiert den Menschen als ein symbiotisches und soziales Wesen, welches nur in der Gruppe überleben kann. Daraus folgert er, dass der Mensch erst in dem Moment in den Naturzustand eintritt, in dem er Mitglied einer Gemeinschaft, genauer gesagt, einer dyadischen Beziehung (Mann und Frau) wird.
Unter dem Begriff Politik subsumiert er drei Bedeutungsformen:
1. eine Rechtsgemeinschaft,
2. die Institutionen der „Verwaltung einer Gemeinschaft“ und
3. „die Ordnung, nach welcher die Glieder der Gemeinschaft gelenkt und geleitet werden“.
Zusammenfassung der Kapitel
0. Prolog: Einführung in die Entwicklung des europäischen Einigungsprozesses und die Problematik der Unionsbürgerschaft im Kontext nationalstaatlicher Identifikation.
1. Die etymologische Verortung des Begriffes „Bürger“: Historische Herleitung des Bürgerbegriffs aus dem Mittelalter mit Fokus auf Rechtsstatus, Exklusivität und städtische Entwicklung.
2. Die Unterscheidung der Stadtbewohnerschaft zur Zeit des Mittelalters: Differenzierung der Bewohner in verschiedene soziale Gruppen wie Freie, Ministerialien, Liten und Zensualien sowie ihre rechtliche Stellung.
3. Althusius und die Bedeutung des Bürgers für die Gesellschaft: Erläuterung der Staatstheorie von Johannes Althusius und seine Definition des politischen Bürgers über Tätigkeit und Ehre.
4. Gegenwärtige Unterscheidungen innerhalb der Bürger: Analyse der Klassifizierung von Bürgertypen nach Walter Lesch im Kontext europäischer Integration und globaler Migrationsprozesse.
5. Wirtschaftsbürger: Untersuchung der ökonomischen und politischen Rolle von Wirtschaftsbürgern sowie ihrer Bedeutung für die Selbstreproduktion von Eliten und soziale Stabilität.
6. Epilog oder Bürger vs. Bürger?: Zusammenführende Reflexion der historischen Entwicklung und ein Plädoyer für eine inklusivere Migrations- und Partizipationspolitik unter Wahrung der Bürgergemeinschaft.
Schlüsselwörter
Bürger, Bürgergesellschaft, Althusius, Lesch, politische Partizipation, Migration, Wirtschaftsbürger, Staatsbürgerschaft, Unionsbürgerschaft, Subsidiarität, Civil Society, Politica methodice digesta, soziale Integration, Elitenbildung, Egalität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der historischen und politischen Entwicklung des Bürgerbegriffs und dessen Bedeutung für die heutige Bürgergesellschaft sowie aktuelle Migrationsfragen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den Kernbereichen gehören die Staatsphilosophie von Johannes Althusius, die mittelalterliche Stadtgeschichte, zeitgenössische Konzepte der Bürgerschaft nach Walter Lesch und die Rolle des Wirtschaftsbürgers.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die Transformation des Bürgerbegriffs aufzuzeigen und zu hinterfragen, inwieweit die moderne Generalisierung des Begriffs zu Marginalisierung und undemokratischen Machtstrukturen führen kann.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?
Es handelt sich primär um eine theoretische Arbeit, die auf politikwissenschaftlicher Begriffsanalyse, historischer Herleitung und dem Vergleich verschiedener staatstheoretischer Modelle basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Herleitung des Bürgerbegriffs, die Analyse der Theorien von Althusius und Lesch sowie die Untersuchung der ökonomischen und gesellschaftlichen Bedeutung des Wirtschaftsbürgers.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?
Die Arbeit lässt sich besonders durch Begriffe wie Bürgergesellschaft, politische Partizipation, Migration, Subsidiarität und die Unterscheidung verschiedener Bürgertypologien charakterisieren.
Inwiefern beeinflusst der Ansatz von Johannes Althusius die heutige Betrachtungsweise?
Althusius wird herangezogen, um durch sein föderalistisches und subsidiäres Modell eine funktionalere Perspektive auf moderne Governance-Strukturen und die Rolle der Bürger zu gewinnen.
Warum spielt der „Wirtschaftsbürger“ eine zentrale Rolle in der Argumentation des Autors?
Der Wirtschaftsbürger wird als Akteur identifiziert, der durch sein soziales und ökonomisches Kapital maßgeblich zur Stabilität und Entwicklung der Bürgergesellschaft beiträgt, jedoch auch exklusive Machtstrukturen fördern kann.
- Arbeit zitieren
- Frank Fiebig (Autor:in), 2010, Der Begriff des Bürgers in seiner historischen und politischen Dimension, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/364727