In dieser Arbeit beziehe ich mich auf den Text „Kokain-Krisen? Mythen, Moralunternehmer, symbolische Politik“ (1995) von Reiner Kaulitzki und versuche, darzustellen, wie sich die strafrechtliche und gesellschaftliche Bewertung der Droge Kokain in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts in Deutschland wandelte. Am Ende möchte ich zu den Informationen eigene Gedanken und weiterführende Fragen formulieren, um mir ebendiese Informationen verwertbar zu machen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die strafrechtliche Bewertung des Kokains/ seines Gebrauchs
3. Der Kokainkonsum in Deutschland
4. Die Schaffung der Drogennormen
5. Ärzte als Moralunternehmer
6. Schlussüberlegungen
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den gesellschaftlichen und strafrechtlichen Wandel der Bewertung von Kokain in Deutschland während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ziel ist es, die Prozesse der Kriminalisierung und die Rolle einflussreicher Akteure bei der Normbildung zu analysieren, wobei insbesondere das Wirken der Ärzteschaft als sogenannte „Moralunternehmer“ kritisch beleuchtet wird.
- Strafrechtliche Entwicklung des Kokainverbots in Deutschland
- Entwicklung und Wandel des Kokainkonsums in den 1920er Jahren
- Konstruktion von Drogennormen durch fachöffentliche Diskurse
- Einfluss medizinischer Experten auf die öffentliche Moral und Gesetzgebung
Auszug aus dem Buch
5. Ärzte als Moralunternehmer
Wenn man das Engagement der Mediziner bei der Drogenfrage betrachtet, könnte man denken, dass dieses sich bloß auf ein fachkundiges Gesundheitsdenken begründet. Da es aber nie eine dementsprechende, tatsächliche objektive Problemlage in Deutschland aufgrund von Kokain gab, lassen sich andere Gründe dafür feststellen. Zum einen waren die Ärzte und Apotheker an der Versorgung der Kokainverbraucher beteiligt, wobei die Legitimität/Legalität gelegentlich fraglich war. „„Arzt oder Kokainschieber“ [...] war eine Frage, auf die ärztliche Standesvertreter mit Entsetzen und Schärfe reagierten.“ (Kaulitzki 1995: S. 145)
Als den zweiten Grund führt Kaulitzki ein Zitat von Gunkelmann an: „Denn anders als der Morphinist oder Morphiokokainist der Vorkriegszeit schnupfte der Kokaingebraucher meist nicht individuell und abseits der Öffentlichkeit. Im Gegenteil, Anfang der 20er Jahre bildete sich in den Großstädten ... erstmals eine regelrechte Kokain-Szene heraus, die sichtbar war, sich provozierend in der Öffentlichkeit bewegte und deshalb als moralische Bedrohung empfunden wurde.“ (Gunkelmann 1984: S.49; zit. nach Kaulitzki 1995: S. 145) Die Befürchtung, der Konsument könnte somit auch andere zum Kokainkonsum führen, womit auch die gehobenen Gesellschaftsschichten inbegriffen sind, wird als Bedrohung empfunden. (ebd.)
Die Ärzte übernahmen diese Suchtsymbolik in ihrer Fachöffentlichkeit zu instrumentellen und politischen Zwecken, welches spätestens mit dem zweiten Opiumgesetz seinen Erfolg fand. Kaulitzki bringt hier den äußerst passenden Titel der „interessengeleiteten Moralunternehmer“ (Kaulitzki 1995: S. 137) an. „Die organisierte Ärzteschaft profiliert sich im Sinne des Anteils an politischer Herrschaft als Hüter der Volksmoral.“(Kaulitzki 1995: S. 147)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Zielsetzung ein, den Wandel der Bewertung von Kokain in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts anhand der Literatur von Reiner Kaulitzki darzustellen.
2. Die strafrechtliche Bewertung des Kokains/ seines Gebrauchs: Dieses Kapitel erläutert die rechtliche Entwicklung von der Einführung der Rezeptpflicht über das Haager Opiumabkommen bis hin zum Opiumgesetz von 1920 und dessen Verschärfungen.
3. Der Kokainkonsum in Deutschland: Hier wird der Konsumverlauf nachgezeichnet, der nach dem Ersten Weltkrieg in den „goldenen 20ern“ eine neue, hedonistische Form in großstädtischen Milieus annahm.
4. Die Schaffung der Drogennormen: Das Kapitel analysiert, wie durch medizinische Fachliteratur und den Diskurs von Neurologen ein neues Suchtkonzept geschaffen wurde, das zur Kriminalisierung des Kokains führte.
5. Ärzte als Moralunternehmer: Hier wird untersucht, wie die Ärzteschaft durch die Diskursmacht ihre eigenen Interessen und moralische Vorstellungen in die Gesetzgebung einfließen ließ.
6. Schlussüberlegungen: Die Schlussbetrachtung reflektiert die Erkenntnisse über die soziale Konstruktion von Drogennormen und die Machtstellung der medizinischen Experten.
Schlüsselwörter
Kokain, Drogenpolitik, Kriminalisierung, Moralunternehmer, Weimarer Republik, Opiumgesetz, Suchtsymbolik, Medizingeschichte, gesellschaftlicher Diskurs, Drogenerziehung, Volksmoral, Suchtbegriff, Drogennormen, Kulturgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Wandel der rechtlichen und gesellschaftlichen Bewertung von Kokain in Deutschland in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Kernpunkten gehören die Geschichte der Drogengesetzgebung, die Entwicklung von Konsummustern in den 1920er Jahren und die Rolle der Ärzteschaft als politische Akteure.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Kokain durch diskursive Prozesse zur „Teufelsdroge“ stilisiert wurde, obwohl eine objektive Problemlage kaum gegeben war.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine diskursanalytische Untersuchung von Fachliteratur und historischen Quellen, insbesondere unter Rückgriff auf die Forschung von Reiner Kaulitzki.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Gesetzesgeschichte, die Analyse der Kokain-Subkultur der 1920er Jahre und die Untersuchung des Einflusses der Ärzteschaft auf die öffentliche Moral.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Kokain, Moralunternehmer, Kriminalisierung, Drogenpolitik und Suchtkonzept.
Warum spielt die Ärzteschaft eine so zentrale Rolle bei der Kokain-Prohibition?
Die Ärzte agierten laut der Arbeit als „Moralunternehmer“, die durch die Definition von Sucht und die Verbreitung von Suchtsymbolik ihren politischen Einfluss sicherten und die „Volksmoral“ schützten.
Wie unterschied sich der Kokainkonsum in den 1920er Jahren von früheren Zeiten?
Der Konsum wandelte sich zu einer öffentlich sichtbaren, hedonistischen Praxis in den Großstädten, was in der Gesellschaft als Bedrohung wahrgenommen wurde.
Welche Bedeutung hatte das Haager Opiumabkommen für Deutschland?
Es fungierte als externer Auslöser für die Etablierung erster strafrechtlicher Drogenvorschriften in Deutschland, um diplomatische Interessen auszugleichen.
Was kritisiert die Autorin an der damaligen Herangehensweise?
Die Autorin kritisiert die einseitige Kriminalisierung und das Fehlen einer differenzierten, wissenschaftlich fundierten Drogenaufklärung, die weniger von moralischen Machtinteressen geleitet gewesen wäre.
- Citation du texte
- Franzina Braje (Auteur), 2017, Teufelsdrogen? Das Kokainverbot in Deutschland im 20. Jahrhundert, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/364782