Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Didactics - Common Didactics, Educational Objectives, Methods

Täter- und Opferstatus gewaltbereiter Jugendlicher

Ist Gewalt durch Jungen und Mädchen ein wachsendes Problem unserer Gesellschaft?

Title: Täter- und Opferstatus gewaltbereiter Jugendlicher

Bachelor Thesis , 2011 , 62 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Sebastian Rauch (Author)

Didactics - Common Didactics, Educational Objectives, Methods
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Innerhalb dieser Arbeit soll die Frage nach der wahrnehmungsbedingten Täter- und/oder Opferseite gewaltbereiter Jungen und Mädchen geklärt werden. Als Ergebnis soll also herauskristallisiert werden, ob und in welche Richtung sich die pädagogische Aufmerksamkeit vermehrt lenken muss, damit diesen Gewaltphänomenen in adäquater Weise entgegengetreten werden kann.
Zu diesem Zweck werden zunächst Fragestellungen aus essentiellen Gebieten der Gewaltforschung ins Blickfeld genommen, wobei untersucht wird, wie aggressive Jungen und Mädchen selbst Opfer ihrer Sozialisation bzw. von Gewalt werden, indem soziale Faktoren in Hinsicht auf die Entstehung von Gewalt thematisiert werden.

Seit gut zwei Jahrzehnten häufen sich Medienberichte über offensiv gewalttätige Kinder und Jugendliche, in denen immer wieder Fälle massiver Gewalt an Schulen sowie im öffentlichen Raum ein lautes Echo finden. Während in der Vergangenheit Beleidigungen und körperliche Auseinandersetzungen Heranwachsender noch scheinbar harmlos und selten waren, so sollen sich junge Menschen heute immer häufiger ihrer verbalen und vor allem physischen Stärke bewusst sein und Gewalt zunehmend brutaler, erbarmungs- und bedenkenloser gegenüber Mitmenschen ausüben.

Beispielsweise titelte der Stern schon im Jahr 2004 „Werden Schüler immer brutaler? Mitschüler werden brutal verprügelt, andere psychisch drangsaliert, zuweilen auch von Gruppen und systematisch. Wird die Schule vom Lernort immer mehr zum Tatort?“. 2009 hieß es ebenfalls im Stern „Sie prügeln wahllos Passanten zusammen, schlagen und treten auf ihre Opfer ein, wenn diese schon am Boden liegen: Kinder und Jugendliche ohne Mitleid”. Insbesondere soll die Anzahl der von jungen Frauen verübten Gewalttaten immer mehr zunehmen: So konnte man 2008 im Focus lesen „‚Da habe ich rotgesehen‛ – Schlagen, treten, niedermachen – die wachsende Gewaltbereitschaft junger Frauen beschäftigt Polizei und Psychologen“. Orientiert man sich an dieser Gewaltpräsenz in den Medien, so scheint es an der Zeit, dass im Deutschen ein neues Wort gebräuchlich wird: die Macha, als das weibliche Gegenstück zum Macho. Denn wenn junge Frauen früher noch bei Gefahr mit dem großen Bruder drohen mussten, schlagen sie laut medialer Aufarbeitung immer öfter selbst zu. Letztendlich wird in den täglich auf uns einwirkenden Berichterstattungen festgestellt, dass eine stark ansteigende Anzahl der Gewalttäter/innen in und außerhalb der Schule auszumachen sei.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Zum Gewaltbegriff

A: Gewaltbereite Jungen und Mädchen als Täter und Opfer

1 Soziale Einflussfaktoren auf die Entwicklung von Gewalt bei Jungen und Mädchen

1.1 Die Familie

1.2 Die Schule

2 Typische Jungengewalt und typische Mädchengewalt?

3 Jungen- und Mädchengewalt im Laufe der Zeit

3.1 Die Polizeiliche Kriminalstatistik der letzten zwei Jahrzehnte

3.1.1 Allgemeine Gewaltdelikte

3.1.2 Körperverletzungsdelikte

3.2 Einschätzung der Jungen- und Mädchengewalt der letzten zwei Jahrzehnte

B: Gewaltwahrnehmung und -beobachtung in der Schule

4 Gewalt in der Schule

4.1 Bochumer Untersuchung zur Gewaltwahrnehmung innerhalb der Schule

4.2 Daten des Bundesverbandes der Unfallkassen in Deutschland zur körperlichen Gewalt mit Verletzungsfolgen an deutschen Schulen (2003)

5 Ethnographische Forschung in der Schule

5.1 Beobachtungsort: Die Heiligenwegschule Osnabrück

5.2 Beobachtung vom 29.09.2011 – Gewaltverhalten unter Schülern

5.2.1 Beobachtete Rahmenbedingungen

5.2.2 Beobachteter Vorfall

5.3 Hypothese

5.3.1 Begriffserklärung zur Hypothese

5.3.2 Hypothesen-/Beobachtungsanalyse

Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Frage, ob gewaltbereite Jungen und Mädchen in erster Linie als Täter oder Opfer einzuordnen sind und welche Rolle die pädagogische Aufmerksamkeit hierbei spielen sollte. Ziel ist es, die Entstehung von Gewalt unter Berücksichtigung sozialer Einflussfaktoren zu analysieren und ein Verständnis für die Täter-Opfer-Dynamik sowie die Wahrnehmung von Gewalt in Schule und Öffentlichkeit zu entwickeln.

  • Soziale Sozialisationsbedingungen und deren Einfluss auf die Gewaltentwicklung
  • Differenzierung zwischen typischer Jungen- und Mädchengewalt
  • Kritische Analyse polizeilicher Kriminalstatistiken und deren Interpretation
  • Ethnographische Beobachtung von Gewaltverhalten im schulischen Alltag
  • Pädagogischer Umgang mit Gewalt, Aggression und sozialen Lernprozessen

Auszug aus dem Buch

3.1.1 Allgemeine Gewaltdelikte

Intentionale Schädigungen gegenüber Subjekten und Objekten – wie sie in dieser Arbeit definiert wurden – zeigen sich in nahezu allen Bereichen jugendlicher Kriminalität. Daher gelten die in diesem Unterkapitel zusammengefassten Deliktarten von Diebstahl- und Raub über Vandalismus- und Beleidigungsdelikten bis hin zu leichten oder schweren Körperverletzungen durch Jungen und Mädchen als allgemeine Gewaltdelikte. In dieser Hinsicht weisen offizielle Statistiken des Bundeskriminalamts auf, dass sich im letzten Zehntel des 20. Jahrhunderts in der Bundesrepublik Deutschland ein eindeutiger Anstieg der Tatverdächtigenzahlen registrieren lässt. In der Abbildung 1 wird der Anstieg der Delinquenz Jugendlicher im Alter zwischen 14 und 21 Jahren für den Zeitraum der Jahre 1990 bis 2000 dargestellt.

Anhand der Abbildung erkennt man einen erheblichen Zuwachs der Kriminalitätsrate Jugendlicher im Zeitraum von 1990 bis 2000, dessen Ausmaß fast die 200%-Marke erreicht. Während im Jahr 1990 noch 291.067 Tatverdächtige gezählt wurden, haben sich diese in einem kontinuierlichen Anstieg bis zur Jahrtausendwende mit 542.053 Jugendlichen fast verdoppelt.

Trotz dieses starken Zuwachses während der 1990er Jahre kam es nach der Jahrtausendwende wieder zu einer geringfügigen Abnahme der Vorfälle. Wenn 2001 noch insgesamt 545.696 Heranwachsende zwischen 14 und 21 Jahren tatverdächtig waren, so sind es 2009 mit 476.549 Jugendlichen 69.147 (12,67%) weniger als acht Jahre zuvor.

Zusammenfassung der Kapitel

Zum Gewaltbegriff: Dieses Kapitel erläutert die Begriffe Gewalt und Aggression, vergleicht sie auf Basis psychologischer und pädagogischer Definitionen und begründet deren synonyme Verwendung in der Arbeit.

1 Soziale Einflussfaktoren auf die Entwicklung von Gewalt bei Jungen und Mädchen: Es werden sozio-ökonomische Faktoren, familiäre Sozialisation und persönliche Merkmale als komplexe Ursachengefüge für die Gewaltentwicklung bei Jugendlichen untersucht.

1.1 Die Familie: Das Kapitel analysiert, wie familiäre Interaktionsformen, Erziehungsstile und Bindungen das Selbstwertgefühl beeinflussen und somit als Wegbereiter für gewalttätiges Verhalten fungieren können.

1.2 Die Schule: Hier wird die Schule als wichtige Sozialisationsinstanz beleuchtet, wobei Leistungsdruck, Schulklima und das Lehrer-Schüler-Verhältnis als maßgebliche Faktoren für Gewaltphänomene identifiziert werden.

2 Typische Jungengewalt und typische Mädchengewalt?: Es werden Beweggründe und Auslöser für Gewalt untersucht, wobei Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Verhaltensweisen der Geschlechter analysiert werden.

3 Jungen- und Mädchengewalt im Laufe der Zeit: Dieses Kapitel wertet statistische Daten zur Jugendkriminalität aus und hinterfragt die mediale Wahrnehmung sowie das Hellfeld-Dunkelfeld-Verhältnis.

3.1 Die Polizeiliche Kriminalstatistik der letzten zwei Jahrzehnte: Eine methodische Einordnung der PKS-Daten unter Berücksichtigung von Schwächen und Verzerrungen bei der statistischen Erfassung.

3.1.1 Allgemeine Gewaltdelikte: Analyse des Anstiegs und der prozentualen Verteilung der allgemeinen Deliktarten wie Raub, Diebstahl und Sachbeschädigung im Zeitraum 1990-2009.

3.1.2 Körperverletzungsdelikte: Spezifische Betrachtung der Anstiege bei physischen Körperverletzungen und deren statistische Verteilung zwischen Jungen und Mädchen.

3.2 Einschätzung der Jungen- und Mädchengewalt der letzten zwei Jahrzehnte: Zusammenfassende kritische Betrachtung der medialen Generalisierungen im Kontrast zu den wissenschaftlich erhobenen Hellfeld-Daten.

4 Gewalt in der Schule: Eine Einführung in die pädagogische Wahrnehmung schulischer Gewalt unter Berücksichtigung verschiedener schulinterner Bedingungen.

4.1 Bochumer Untersuchung zur Gewaltwahrnehmung innerhalb der Schule: Vergleich der Wahrnehmung von Gewaltformen durch Lehrkräfte einerseits und Schüler andererseits.

4.2 Daten des Bundesverbandes der Unfallkassen in Deutschland zur körperlichen Gewalt mit Verletzungsfolgen an deutschen Schulen (2003): Eine empirische Analyse von Unfalldaten, um das tatsächliche Ausmaß der Gewalt an Schulen besser zu erfassen.

5 Ethnographische Forschung in der Schule: Darstellung eines Forschungsansatzes zur Untersuchung von Gewaltinteraktionen durch Beobachtung auf dem Schulhof.

5.1 Beobachtungsort: Die Heiligenwegschule Osnabrück: Vorstellung des gewählten Forschungssettings und der spezifischen Bedingungen der Schule.

5.2 Beobachtung vom 29.09.2011 – Gewaltverhalten unter Schülern: Dokumentation und Beschreibung realer Beobachtungen von Interaktionen zwischen Schülern auf dem Pausenhof.

5.2.1 Beobachtete Rahmenbedingungen: Detaillierte Schilderung der physischen und sozialen Gegebenheiten des Beobachtungsortes.

5.2.2 Beobachteter Vorfall: Konkrete Analyse eines Fangspiels und der daraus resultierenden Eskalations- und Deeskalationsmomente.

5.3 Hypothese: Einführung der zentralen Arbeitshypothese: "Gewalt ist ermöglichender Faktor für soziales Lernen."

5.3.1 Begriffserklärung zur Hypothese: Definition der verwendeten Begriffe "soziales Lernen" und "Gewalt" im pädagogischen Kontext.

5.3.2 Hypothesen-/Beobachtungsanalyse: Verknüpfung der beobachteten Ereignisse mit den theoretischen Ergebnissen zur Beurteilung von Gewalt als Lernprozess.

Schlüsselwörter

Jugendgewalt, Jungen- und Mädchengewalt, Sozialisationsinstanz, Familie, Schule, Polizeiliche Kriminalstatistik, Hellfeld, Dunkelfeld, Aggressionsforschung, Prävention, Pädagogik, Gewaltwahrnehmung, soziales Lernen, Körperverletzung, Geschlechterrollen.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Bachelor-Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Gewaltverhalten von Kindern und Jugendlichen sowie die Frage, ob diese als Täter oder Opfer einzuordnen sind. Dabei liegt ein besonderer Fokus auf der pädagogischen Wahrnehmung und den Ursachen der Gewalt.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die zentralen Themen sind soziale Einflussfaktoren wie Familie und Schule, die Analyse von Kriminalitätsstatistiken (Hellfeld/Dunkelfeld) sowie die pädagogische Einordnung von Gewalt als potenzieller Faktor für soziales Lernen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Ziel ist es, den gesellschaftlichen Täterstatus von gewaltbereiten Jugendlichen zu hinterfragen und zu prüfen, inwieweit pädagogische Maßnahmen gezielter an den Ursachen der Gewalt ansetzen können, anstatt nur intervenierend zu wirken.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit kombiniert eine theoretische Literaturanalyse mit einer Auswertung offizieller Kriminalstatistiken und einer ethnographischen Feldbeobachtung an einer Schule, um Hypothesen über soziales Lernen durch Gewalt zu überprüfen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden sowohl die sozialen Bedingungen für Gewaltentstehung als auch die statistische Entwicklung der Jugendkriminalität beleuchtet. Zudem findet eine detaillierte Auswertung von Beobachtungen statt, die Gewalt als "ermöglichenden Faktor für soziales Lernen" theoretisieren.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Jugendgewalt, Sozialisationsinstanz, PKS (Polizeiliche Kriminalstatistik), Aggression, pädagogische Prävention und soziales Lernen beschreiben.

Wie bewertet der Autor die mediale Berichterstattung über Jugendgewalt?

Der Autor steht der medialen Darstellung kritisch gegenüber. Er argumentiert, dass spektakuläre Einzelfälle dramatisiert werden, um ein Bild der Brutalisierung zu zeichnen, das durch differenzierte statistische Daten oft nicht gestützt wird.

Welche Erkenntnisse liefert die ethnographische Beobachtung?

Die Beobachtung zeigt, dass Konflikte auf dem Schulhof (wie Raufereien) oft Teil von Erprobungsprozessen und sozialen Lernprozessen sind, sofern sie nicht als bloße Gewalt stigmatisiert werden, sondern pädagogisch reflektiert werden.

Excerpt out of 62 pages  - scroll top

Details

Title
Täter- und Opferstatus gewaltbereiter Jugendlicher
Subtitle
Ist Gewalt durch Jungen und Mädchen ein wachsendes Problem unserer Gesellschaft?
College
University of Osnabrück
Grade
1,0
Author
Sebastian Rauch (Author)
Publication Year
2011
Pages
62
Catalog Number
V365316
ISBN (eBook)
9783668483989
ISBN (Book)
9783668483996
Language
German
Tags
Kriminalstatistik Gewalt Jugendliche Sozialisation Gewaltsozialisation Gewaltstatistik Ethnographische Forschung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sebastian Rauch (Author), 2011, Täter- und Opferstatus gewaltbereiter Jugendlicher, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/365316
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  62  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint