Der demografische Wandel greift in Ländern wie Deutschland um sich und wird immer wieder in öffentlichen und politischen Diskussionen thematisiert. Jeder hat in den letzten Jahren von ihm gehört, doch was steckt hinter den demografischen Veränderungen und welche Folgen bringen sie mit sich? Eins lässt sich sicherlich ohne Weiteres behaupten: Durch die Verschiebung der Altersstruktur in Deutschland wird der demografische Wandel nicht ohne tiefgreifende Veränderungen an unserer Gesellschaft und unserer Bevölkerung vorbeigehen. Gerade in einer Zeit, in der sich eine Entwicklung hin zur Dienstleistungsgesellschaft deutlich abzeichnet und der Stellenwert des Humankapitals somit steigt, werden umfangreiche Interventionsmaßnahmen notwendig sein. Weniger und ältere Menschen müssen zukünftig die gleiche oder sogar noch mehr Leistung erbringen als heute. Daraus leiten sich potenzielle Probleme für das Sozialsystem, die Wirtschaft, für Unternehmen und den einzelnen Mitarbeiter ab, wobei diese Probleme miteinander stark verknüpft sind.
Die Politik hat bereits Reaktionen gezeigt und das Renteneintrittsalter in der jüngsten Vergangenheit auf 67 Jahre erhöht. Doch schon jetzt halten Ökonomen eine weitere Anhebung dieser Altersgrenze für erforderlich. Es stellt sich die Frage, wie realistisch diese Forderungen, in Anbetracht einer auf kurzfristige Effizienz getrimmten Arbeitswelt, erscheinen und ob sich hinter diesem politischen Konzept vielleicht nicht doch reines Kalkül verbirgt, durch ein vorzeitiges Ausscheiden der Arbeitnehmer Rentengelder einzusparen.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
1.1 ZIELE DER ARBEIT
1.2 AUFBAU DER ARBEIT
2 DER DEMOGRAFISCHE WANDEL IN DEUTSCHLAND
2.1 GRUNDMECHANISMEN DES DEMOGRAFISCHEN WANDELS UND AKTUELLE SITUATION IN DEUTSCHLAND
2.1.1 Entwicklung der Lebenserwartung
2.1.2 Entwicklung der Geburtenrate
2.1.3 Migrationsgeschehen
2.1.4 Veränderung der Gesamtbevölkerung
2.1.5 Veränderung der Erwerbsbevölkerung
2.2 FOLGEN DES DEMOGRAFISCHEN WANDELS FÜR DIE ARBEITSWELT IN DEUTSCHLAND
2.2.1 Der Wandel der Arbeitswelt
2.2.2 Verlängerung der Lebensarbeitszeit - Rente mit 67
2.2.3 Konsequenzen für Unternehmen
2.2.4 Konsequenzen für Arbeitnehmer
2.3 MÖGLICHE LÖSUNGSANSÄTZE - DER ÄLTERE MITARBEITER ALS RESSOURCE?
3 ALTERSBEDINGTE VERÄNDERUNGEN UND IHRE BEDEUTUNG FÜR DIE ARBEITSWELT
3.1 BEGRIFFLICHE BESTIMMUNG DES ALTERUNGSPROZESSES
3.1.1 Aus biologischer Sicht
3.1.2 Aus psychologischer Sicht
3.1.3 Aus soziologischer Sicht
3.2 THEORETISCHE ÜBERLEGUNGEN - DEFIZIT- VS. KOMPETENZMODELL
3.3 KÖRPERLICHE FÄHIGKEITEN
3.4 KOGNITIVE FÄHIGKEITEN
3.5 QUALIFIKATIONEN UND KOMPETENZEN
3.6 PRODUKTIVITÄT UND ARBEITSBELASTUNG
3.7 ZWISCHENFAZIT
4 GESUNDHEITLICHE VERÄNDERUNGEN IM ALTER
4.1 GESUNDHEITSBEGRIFF UND GESUNDHEITSVERSTÄNDNIS
4.2 KRITERIEN FÜR GESUNDHEIT
4.3 CHRONISCHE ERKRANKUNGEN UND MULTIMORBIDITÄT
4.4 GESUNDHEITSAUSGABEN
4.5 RÜCKBLICK - GESUNDHEIT UND ALTER
5 INTERDEPENDENZ ZWISCHEN ARBEIT UND GESUNDHEIT
5.1 ARBEITSBEDINGTE BELASTUNGEN
5.2 ARBEITSFÄHIGKEIT
5.2.1 Theoretische Überlegungen - Haus der Arbeitsfähigkeit
5.2.2 Gesundheit als Voraussetzung für Arbeit
5.2.3 Fehlzeiten
5.2.4 Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten
5.2.5 Gesundheitsbedingte Frühberentung - Verminderte Erwerbstätigkeit
5.3 DER WERT VON ARBEIT FÜR DIE GESUNDHEIT
5.4 RÜCKBLICK - ARBEIT UND GESUNDHEIT
6 BETRIEBLICHES GESUNDHEITSMANAGEMENT
6.1 DAS KONZEPT DES BETRIEBLICHEN GESUNDHEITSMANAGEMENTS
6.1.1 Ziele des betrieblichen Gesundheitsmanagements
6.1.2 Regelkreis des betrieblichen Gesundheitsmanagements
6.2 DIE HINTERGRÜNDE UND ANFÄNGE
6.3 GESETZLICHE GRUNDLAGEN, VEREINBARUNGEN UND INITIATIVEN
6.3.1 WHO-Konferenzen
6.3.2 Gesetzlicher Rahmen
6.3.3 ENWHP – Die Luxemburger Deklaration
6.4 KOSTEN UND NUTZEN VON BETRIEBLICHEM GESUNDHEITSMANAGEMENT
6.5 AKTUELLE IMPLEMENTIERUNG IN UNTERNEHMEN
6.6 RÜCKBLICK - BETRIEBLICHES GESUNDHEITSMANAGEMENT
7 STUDIE
7.1 UNTERSUCHUNGSFRAGE
7.2 FORSCHUNGSDESIGN
7.3 ANALYSE
7.4 ERGEBNISSE
7.5 DISKUSSION
8 FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Wechselwirkungen zwischen Gesundheit, Arbeit und Alter unter dem Aspekt des demografischen Wandels in Deutschland. Das Ziel ist es, Ansatzpunkte für ein betriebliches Gesundheitsmanagement zu identifizieren, um eine längere Erwerbsbeteiligung älterer Mitarbeiter unter Wahrung ihrer Gesundheit zu ermöglichen.
- Demografischer Wandel und seine Auswirkungen auf die Arbeitswelt
- Altersbedingte Veränderungen (biologisch, psychologisch, soziologisch)
- Gesundheitsstatus und gesundheitliche Risiken im Alter
- Interdependenz von Arbeit und Gesundheit
- Konzepte und Instrumente des betrieblichen Gesundheitsmanagements
Auszug aus dem Buch
3.3 Körperliche Fähigkeiten
Da die körperlichen Veränderungen im Alter sehr vielfältig und weitreichend sind, kann hier nur ein grober exemplarischer Überblick erfolgen, um die körperlichen Fähigkeiten im Alter in etwa abschätzen zu können.
Der Alterungsprozess geht mit zwei wesentlichen Charakteristika einher. Auf der einen Seite stellt sich eine Reduzierung der Leistungsfähigkeit ein, auf der anderen Seite mit eine veränderte Adaptionsfähigkeit (vgl. HAAS, 2008, 387). Im Laufe des Alterungsprozesses kommt es zu Veränderungen des Bewegungsapparates. Die Muskelmasse und damit die Muskelkraft nehmen ab. Auch die Belastbarkeit von Knochen, Bändern, Sehnen und Gelenken ist degenerativen Veränderungen unterworfen und wird mit dem Alter zunehmend eingeschränkt (vgl. HANSEN, 2007, 6f). Ab dem frühen Erwachsenenalter lassen Schnelligkeit, Flexibilität, Ausdauer, Kraft und Koordination nach (vgl. MAINTZ, 2004, 42). Bereits ab dem 30. Lebensjahr lassen sich Einbußen der motorischen Leistungsfähigkeit beobachten. Wie schnell dieser Verlust fortschreitet, ist je nach Fähigkeit und Fertigkeit unterschiedlich. Für Kraft und Ausdauer wird von einem jährlichen Verlust von 1 bis 2 Prozent nach dem 30. Lebensjahr ausgegangen (vgl. HAAS, 2008, 387). Ein wichtiger Grund dafür ist die Minderung der kardiovaskulären Leistungs- und Anpassungsfähigkeit, die z.B. zurückgeht auf ein sinkendes Herzzeitvolumen und geringere maximale Pulsfrequenz (vgl. RIEDEL ET AL., 2012, 17f). Diese Leistungsverluste können sich in einer verminderten Anpassungsfähigkeit in Stresssituationen, wie im Krankheitsfall oder auch bei körperlichen oder seelischen Belastungen niederschlagen (vgl. HANSEN, 2007, 5).
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Einführung in die Problematik des demografischen Wandels und Definition des Forschungsziels sowie des Untersuchungsgegenstandes.
2 DER DEMOGRAFISCHE WANDEL IN DEUTSCHLAND: Analyse der Ursachen wie Lebenserwartung und Geburtenrate sowie der resultierenden Folgen für die Arbeitswelt und Unternehmen.
3 ALTERSBEDINGTE VERÄNDERUNGEN UND IHRE BEDEUTUNG FÜR DIE ARBEITSWELT: Untersuchung der physiologischen, psychischen und sozialen Facetten des Alterns sowie deren Einfluss auf Leistungsfähigkeit und Kompetenzmodelle.
4 GESUNDHEITLICHE VERÄNDERUNGEN IM ALTER: Erörterung der gesundheitlichen Aspekte im Alter, inklusive chronischer Erkrankungen, Multimorbidität und der Herausforderung steigender Gesundheitsausgaben.
5 INTERDEPENDENZ ZWISCHEN ARBEIT UND GESUNDHEIT: Analyse der Wechselwirkungen zwischen Arbeitsbelastungen, Arbeitsfähigkeit und der Rolle der Arbeit für die psychische und physische Gesundheit.
6 BETRIEBLICHES GESUNDHEITSMANAGEMENT: Darstellung des Konzepts, der Handlungsfelder, der rechtlichen Grundlagen sowie des Nutzens und der Implementierung von Gesundheitsmaßnahmen in Unternehmen.
7 STUDIE: Vorstellung des Forschungsdesigns und der empirischen Ergebnisse einer Mitarbeiterbefragung zur Einschätzung von Gesundheitsbelastungen und -bedürfnissen.
8 FAZIT: Kritische Würdigung der Untersuchungsergebnisse und Zusammenfassung der Notwendigkeit, in betriebliches Gesundheitsmanagement zu investieren.
Schlüsselwörter
Demografischer Wandel, Betriebliches Gesundheitsmanagement, Altern, Arbeitsfähigkeit, Arbeitsbelastung, Gesundheitsschutz, Gesundheitsförderung, Lebensarbeitszeit, Prävention, Multimorbidität, Leistungsfähigkeit, Personalpolitik, Alterungsprozess, Arbeitswelt, Unternehmenskultur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Bedeutung des betrieblichen Gesundheitsmanagements als notwendige Reaktion auf den demografischen Wandel und die damit verbundene Notwendigkeit einer längeren Lebensarbeitszeit.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf den demografischen Veränderungen, den biologischen und psychologischen Aspekten des Alterns, der Interaktion von Arbeit und Gesundheit sowie der praktischen Umsetzung von Präventionsmaßnahmen in Betrieben.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es soll herausgefunden werden, welche Ansatzpunkte im betrieblichen Gesundheitsmanagement geeignet sind, um die Erwerbsfähigkeit älterer Mitarbeiter nachhaltig zu sichern und so die Lebensarbeitszeit zu verlängern.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Neben einer umfassenden Literaturanalyse enthält die Arbeit eine empirische Studie in Form einer Mitarbeiterbefragung, um den konkreten Bedarf und die Wahrnehmung von Gesundheitsbelastungen zu ermitteln.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der demografischen Situation, die theoretische Betrachtung des Alterns, die Untersuchung der Wechselwirkungen zwischen Arbeit und Gesundheit sowie die ausführliche Darlegung von Konzepten und Erfolgsfaktoren des betrieblichen Gesundheitsmanagements.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie demografischer Wandel, Arbeitsfähigkeit, gesundheitsorientierte Unternehmenskultur, Prävention und die ökonomische sowie soziale Win-Win-Situation für Mitarbeiter und Unternehmen geprägt.
Warum ist die Unterscheidung zwischen defizitärem Modell und Kompetenzmodell bei der Betrachtung des Alters so wichtig?
Diese Unterscheidung ist entscheidend, da das einseitig defizitäre Bild des Alters zu Diskriminierung und Verschwendung von Humankapital führt, während das Kompetenzmodell die Potenziale älterer Mitarbeiter hervorhebt und somit die Basis für eine wertschätzende Personalpolitik bildet.
Welche Rolle spielen die "Luxemburger Deklaration" und die "Ottawa-Charta" in diesem Kontext?
Diese Dokumente fungieren als wesentliche Meilensteine der Gesundheitsförderung, da sie den Blick von einer rein biomedizinischen Sichtweise hin zu einem mehrdimensionalen, salutogenetischen Gesundheitsverständnis lenkten und den Arbeitsplatz als zentrales Setting für Gesundheitsförderung etablierten.
- Citar trabajo
- Pascal Sondergeld (Autor), 2012, Die Bedeutung von betrieblichem Gesundheitsmanagement im Kontext des demografischen Wandels in Deutschland. Die Interdependenz von Gesundheit, Arbeit und Alter, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/365363